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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.03.2018

Nicht ganz so eisig-feurig wie erhofft

Fire & Frost, Band 1: Vom Eis berührt
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Worum geht's?

Ruby ist eine Fireblood, aber obwohl sie die Gabe des Feuers in sich spürt, weiß sie sie nicht zu beherrschen. Das wird ihr bei einem Soldatenüberfall auf ihr Dorf ein weiteres Mal schmerzlich ...

Worum geht's?

Ruby ist eine Fireblood, aber obwohl sie die Gabe des Feuers in sich spürt, weiß sie sie nicht zu beherrschen. Das wird ihr bei einem Soldatenüberfall auf ihr Dorf ein weiteres Mal schmerzlich vor Augen geführt. Sie gerät in die Gewalt des brutalen Frostblood-Königs - doch ein weiser Mönch und ein geheimnisvoller junger Mann namens Arcus, der stets eine Kapuze trägt, um sein vernarbtes Gesicht zu verdecken, kommen ihr zur Hilfe. Kann sie den beiden vertrauen oder wollen sie sie nur zu einem Spielball in ihren eigenen Plänen machen? Darf Ruby sich auf ihr Herz verlassen, das sich mehr und mehr für Arcus zu erwärmen beginnt? Denn auch er ist ein Frostblood ...
Was mich neugierig gemacht hat:

Das wunderschön gestaltete Cover, das das Original bei weitem übertrifft, ist mir sofort ins Auge gesprungen und verspricht eine fantasievolle Geschichte. Fantasy mit Eis gegen Feuer und natürlich einer Lovestory - mehr musste ich gar nicht wissen.

Wie es mir gefallen hat:

Schon der Prolog ermöglichte mir bei diesem Buch keinen so guten Einstieg. Es wirkt, als sollte er die Herkunft und das bisherige Leben der Protagonistin summarisch abbilden, um dann in ein für die Handlung ausschlaggebenden Ereignis überzugehen. Das Ganze habe ich als etwas sprunghaft empfunden und hatte den Eindruck, eher über Ruby zu schweben, als alles aus ihrer Sicht zu erleben.
Auch im weiteren Verlauf konnte ich sie nicht wirklich ins Herz schließen; trotz der Ich-Perspektive war sie für mich nicht ganz greifbar.

Die männliche Hauptfigur Arcus ist, abgesehen von einigen Klischees - warum müssen eigentlich immer die Augen alle möglichen Farben haben (und dann auch noch wie ein mit Schnee gepuderter gefrorener See aussehen)? - durchaus gut angelegt. Allerdings sind die Hinweise auf die Auflösung seines großen Geheimnisses einfach zu eindeutig. Viele Leser werden früh erraten, was er verbirgt, wodurch die Spannung sich nicht entfalten kann.
Einige Nebenfiguren wie den Frostkönig oder seine Kampfmeisterin Braka fand ich sehr interessant, andere dagegen sind blass geblieben. So konnte ich mit der Adelstochter Marella wenig anfangen - obwohl ihre Rolle in allem großes Potenzial hatte.

Das Setting wird nicht besonders detailliert geschildert, für meinen Geschmack aber ausreichend, um sich selbst ein Bild davon zu machen. Es ist eine märchenhaft anmutende, aber durch Kriege und Kummer fast zerstörte und trostlos gewordene Welt.
Etwas schade finde ich, dass bei der Übersetzung die Frostbloods und Firebloods nicht durch deutsche Begriffe ersetzt worden sind - das wirkt im Gesamtpaket ein wenig albern.
Gestört hat mich auch, dass Ruby häufig als „der Fireblood" oder sogar „dreckige s Fireblood" bezeichnet wird. Hier hätte man die Artikel ruhig anpassen können.

Das Geschehen zieht sich insgesamt etwas in die Länge. Es wimmelt von altbekannten Elementen des Genres: eine besondere Gabe, das Erlernen und Trainieren dieser Gabe, ein böser König, Kämpfe in einer Arena, eine Prophezeiung, ein geheimnisvoller aber unfassbar attraktiver Mann mit Narben und die bereits erwähnten wundervollen Augen. Zudem schwebt Ruby häufig in Gefahr, doch als Leser weiß man natürlich, dass sie immer lebend herauskommt.
Die Geschichte ist solide umgesetzt, hätte aber noch mehr Eigenes mitbringen dürfen.

Das letzte Drittel des Buches hat mir am besten gefallen. Hier steigerte sich endlich die Spannung, es gab Wendepunkte und einen runden Ausgang, der auch als finales Ende betrachtet werden könnte - auch wenn zwei weitere Bände folgen werden.
Der Inhaltstext der Fortsetzung lässt darauf schließen, dass Ruby mit einem weiteren Love Interest konfrontiert werden könnte. Ob das der Geschichte so guttun wird, wage ich zu bezweifeln.
Doch vielleicht wird sich die Reihe ja auch noch steigern, an guten Ansätzen mangelt es nicht.

(Für wen) Lohnt es sich?

Wer schon viele Jugendromane des Genres gelesen hat, wird hier schon mal Dagewesenes wiedererkennen und der Auflösung des tragenden Geheimnisses schnell auf die Spur kommen, was die Spannung abflauen lässt.
Das Buch ist etwas für Neueinsteiger in die Young Adult Romantasy (ab 14 Jahren) und alle, die sich auch dann gut unterhalten fühlen, wenn das Grundgerüst der Geschichte nicht viel Neues bietet, in sich selbst aber gut umgesetzt ist.

In einem Satz:

„Fire & Frost - Vom Eis berührt" ist trotz guter Umsetzung ein eher typischer, teilweise etwas träger Romantasy-Auftakt, der bekannte Muster aufgreift und seinen Charakteren noch mehr Leben hätte einhauchen können.


Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar an den Verlag und Vorablesen!

Veröffentlicht am 25.03.2018

Welche Erinnerungen warten auf dich, wenn du gestorben bist?

Perfect Memories
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Worum geht's?

„Ich habe mich für etwas entschieden, das nicht echt ist, weil ich nicht mehr wusste, woran ich glauben sollte." (S. 265)

Isobel ist einer der besten ihres Fachs: Als Himmelsarchitektin ...

Worum geht's?

„Ich habe mich für etwas entschieden, das nicht echt ist, weil ich nicht mehr wusste, woran ich glauben sollte." (S. 265)

Isobel ist einer der besten ihres Fachs: Als Himmelsarchitektin fügt sie in liebevoller Kleinarbeit die Erinnerungen ihrer oft bereits todkranken Klienten zu deren individuellem Himmel zusammen.
So kann das Bewusstsein des jeweiligen Menschen nach dessen Tod für immer in den bedeutendsten Momenten seines vergangenen Lebens schwelgen.
Als Isobel auf Jarek trifft, der viel jünger ist als die meisten ihrer Kunden, lässt sie sich in den Strudel einer Affäre hineinziehen, die im Angesicht des Endes umso intensiver wird. Doch ist der Mann, in den sie sich mit solcher Wucht verliebt, der, der er zu sein vorgibt?
Was mich neugierig gemacht hat:

„Perfect Memories" war mein erstes Buch aus dem Arctis Verlag, dessen Programm ich schon länger im Auge hatte, da oft außergewöhnliche Stoffe dabei sind. So war es auch hier die Grundidee, die mich sofort neugierig gemacht hat: Eine Zukunft, in der es möglich ist, jedem einen persönlichen Himmel zu schneidern. Ich war gespannt auf die moralischen und philosophischen Ansätze, die das mit sich bringen würde.
Wie es mir gefallen hat:

Das Buch wird aus der Ich-Perspektive von Isobel im Präsens erzählt. Sie ist ein sehr schwieriger Charakter, den die wenigsten Leser mögen werden.
Im Grunde ist sie sehr spannend angelegt - ihr innerer Konflikt zwischen Liebe zu und Zweifeln an ihrer Arbeit, ihre Zwangsstörungen, ihr Rückzug aus der Wirklichkeit und ihre kühle, überheblich stolze Art machen sie zu allem anderen als einer 0-8-15-Figur.
Doch gerade die vermeintliche Liebesgeschichte zwischen Jarek und ihr widerspricht dem Verständnis, das ich von ihr gewonnen habe. Warum sollte eine Frau wie sie sich auf eine aussichtslose Affäre mit einem sterbenden Familienvater einlassen, noch dazu, wo zwischen den beiden überhaupt keine Chemie spürbar wird? Auch wie ihre Einstellung dazu sich entwickelt, fand ich unglaubwürdig.
Hinzu kommt, dass scheinbar jedes männliche Wesen sich zu Isobel hingezogen fühlt, was übertrieben und nicht nachvollziehbar ist.

Die Nebencharaktere sind leider insgesamt nicht wirklich gut dargestellt, vielleicht auch bedingt durch Isobels distanzierte Haltung den meisten von ihnen gegenüber. Sie wirken mehr als Mittel zum Zweck, die jeweils die erforderlichen Rollen für das Gesamtgefüge übernehmen und dann fallen gelassen werden, wenn ihr jeweiliger Part nicht mehr gebraucht wird (z.B. Isobels langjähriger Lebensgefährte oder ihr Chef Caleb).

Der zwar ruhige, aber interessante Einstieg ist sehr gelungen. Durchgehend herrscht eine bedrohlich kühle Atmosphäre, die die Autorin auf beeindruckende Weise bis zur letzten Seite beibehält. Auch der Schreibstil passt gut zum Geschehen.
Das Zukunftssetting, das größtenteils durch Szenen in London, aber auch Indien bestimmt ist, ist genauso interessant wie alles rund um die Himmelsarchitekten und die damit verbundenen ethischen Fragen. Leider gerät vor der sich entwickelnden Kriminalhandlung beides nach und nach in den Hintergrund. Auch Isobels Familiengeschichte wird angerissen, aber zunehmend vernachlässigt.
Mir hat es gefallen, dass technischer Fortschritt und neue Alltagsgegebenheiten wie selbstverständlich in die Handlung mit einfließen. Hier und da wären aber doch mehr Ausführungen vonnöten gewesen. Die drohende Kriegssituation wird beispielsweise überhaupt nicht weiter begründet.

Da es für den Kriminalfall, auf den sich das Buch schließlich konzentriert, mindestens drei mögliche Auflösungen gibt, die infrage kommen, bleibt lange unvorhersehbar, was sich wirklich ereignet hat. Zumal eine der Varianten dann aber auch tatsächlich zutrifft, erreicht die große Enthüllung nicht die Schlagkraft, die sie hätte haben können.

Gut umgesetzt sind die Szenen, in denen Isobel ihren eigenen und auch einen fremden Himmel betritt. Die Passagen sind sehr gut geschrieben, man gelangt mit Isobel in diesen tranceartigen, schwerelosen Zustand hinein und kämpft sich mit ihr durch die Architektur der Erinnerungen.

Ein weiterer Schwachpunkt ist, dass die doch sehr komplexen Forschungen und die damit einhergehenden Experimente immer sehr reibungslos verlaufen und gerade zum rechten Zeitpunkt die gewünschten Ergebnisse liefern. In der Hinsicht wird es den Figuren doch zu leicht gemacht.
(Für wen) Lohnt es sich?

Wer zugunsten einer besonderen Idee eine schwächelnde Ausarbeitung der Charaktere (mit Ausnahme der Protagonistin, die selbst vielschichtig, aber alles andere als eine Sympathieträgerin ist) und eine „Liebesgeschichte", die nicht überzeugt, akzeptieren kann, sollte sich von den bisher eher mäßig begeisterten Lesermeinungen nicht abschrecken lassen.
Ich denke, eine Altersempfehlung ab ungefähr 16 Jahren ist für das Buch angemessen.
In einem Satz:

„Perfect Memories" wartet mit einer spannenden Grundidee, einer konsequent bedrückend klinischen Atmosphäre und einer nicht einfachen Protagonistin auf; der Strang um die Liebesgeschichte (die man kaum als solche bezeichnen kann) und die krimiartigen Verwicklungen können jedoch leider nicht überzeugen und verdrängen die außergewöhnlichen Ansätze.


Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar an den Verlagund für die Organisation der Leserunde an die Netzwerk Agentur Bookmark!

Veröffentlicht am 30.06.2020

Guter Ansatz, fragwürdige Umsetzung

The Modern Break-Up
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„The Modern Break-Up“ wagt einen Balanceakt: Von Pro- und Epilog in Richtung Traumsequenz umgeben, soll romanhaft über Dating, Trennungen und die Liebe reflektiert werden. Dieses Ausgangskonzept hat mich ...

„The Modern Break-Up“ wagt einen Balanceakt: Von Pro- und Epilog in Richtung Traumsequenz umgeben, soll romanhaft über Dating, Trennungen und die Liebe reflektiert werden. Dieses Ausgangskonzept hat mich im Vorfeld und auch beim Lesen irgendwie gereizt, aber schlussendlich in der Machart nicht ganz überzeugt.

Klappentext und Werbeaussagen führen hier ein wenig in die Irre: Die Geschichte um Amelia und Nick wird praktisch nur als Fallbeispiel aufgerollt. Das Buch beginnt mit dem Kennenlernen der beiden, das besagte Gespräch zwischen ihnen, in dem so viel Aufschlussreiches gesagt werden soll, findet erst im letzten Drittel statt und fällt zudem recht knapp aus.
Dazwischen kommen verschiedene Figuren zu Wort, neben Amelia und Nick zum Beispiel auch Amelias Freundin Zara, ihre Mitbewohnerin und ihre Mutter, die monologartig von ihren Erfahrungen und Meinungen zu Amelias Situation berichten. Außerdem gibt es einige Dialogszenen mit verschiedenen 2-Figuren-Konstellationen, die jedoch etwas gekünstelt wirken, was zum Teil an der nicht immer ganz runden Übersetzung liegen mag, vor allem aber der Tatsache geschuldet ist, dass der Autor hier praktisch seine Statements aneinanderreiht und nur mit einfallslosen Füllsätzen (jemand setzt sich, geht auf den Balkon und kommt wieder rein o. Ä.) und gestelzten Floskeln verbindet.

Daniel Chidiac bringt einiges ein, das erwähnens- und nachdenkenswert ist (z. B. zu Themen wie Austauschbarkeit des/der Partner/in, Einfluss von Social Media auf Beziehungsideale, verzerrte Rollenbilder, Orientierung an den Werten älterer Generationen im Konflikt mit dem Zeitgeist etc.). Es waren gute Aussagen dabei und besonders die Notizen, die Amelia an sich selbst auf ihrem Handy notiert, haben mir gefallen. Insgesamt wäre aber deutliches Potenzial dafür vorhanden gewesen, noch mehr in die Tiefe zu gehen.

Was das Ganze in meinen Augen teils ad absurdum führt, ist, wie oberflächlich Amelia und Nick selbst dargestellt werden.
Die Kernmessage, dass man sich in Ruhe austoben soll, um herauszufinden, was man sich von einer Partnerschaft wünscht, und dass Selbstverwirklichung an erster Stelle stehen sollte, bevor man sich auf eine solche einlässt, finde ich schwach. In dem Punkt erscheint es mir fast so, als hätte der Autor zwar einige Phänomene der jungen Dating-Generation scharf beobachtet, wäre anderen gegenüber jedoch komplett blind. Denn Selbstfindungstrips und sexuelles Experimentieren sind sicher kein Allheilmittel, sondern ebenfalls eine Tendenz, über die man reflektieren sollte. Und: Muss man zwingend unzählige Menschen daten und möglichst mit ihnen intim werden, um glücklich zu werden? Auch in dem Punkt ist das Buch leider sehr einseitig und tut so, als wäre das bei allen Menschen der Ablauf, wenn es um das (spätere) Finden echter Liebe geht.

In einem Satz:
Von mir gibt es leider nur zweieinhalb Sterne, da der interessante Grundaufbau nicht ganz hinhaut und die präsentierten Beobachtungen und Gedanken sehr durchwachsen (von scharfsinnig zu zweifelhaft) sind.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.04.2019

Liebesgeschichte verdrängt leider die spannende Grundidee

Die verborgenen Stimmen der Bücher
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Worum geht's?

In Emmett Farmer Welt sind Bücher nicht nur verpönt - sie jagen vielen Menschen regelrecht Angst ein. Umso unfassbarer ist es für ihn, als seine Eltern ihn ausgerechnet zu einer Buchbinderin ...

Worum geht's?

In Emmett Farmer Welt sind Bücher nicht nur verpönt - sie jagen vielen Menschen regelrecht Angst ein. Umso unfassbarer ist es für ihn, als seine Eltern ihn ausgerechnet zu einer Buchbinderin in die Lehre schicken. Die alte Dame Seredith nimmt ihn freundlich auf, doch das Geheimnis um die Bücher in ihrem Gewölbe behält sie für sich. Was hat es mit dem Buchbinden wirklich auf sich? Ist diese Arbeit ehrenhaft oder steckt etwas Böses dahinter? Und welche Verbindung hat all das zu Emmetts Leben?

Was mich neugierig gemacht hat:
Ganz klar war es hier die Thematik mit dem Buchbinden, die sofort mein Interesse geweckt hat. Ein schöner Buchtitel, ein Geheimnis um Bücher ... Welcher bibliophile Mensch würde da nicht mehr wissen wollen?

Wie es mir gefallen hat:

Es ist immer schade, wenn man ein vielversprechendes Buch am Ende negativ bewerten muss, doch „Die verborgenen Stimmen der Bücher" hat mich trotz eines wirklich interessanten Ansatzes und einem raffinierten erzählerischen Aufbau auf inhaltlicher Ebene nicht wirklich überzeugen können.

Im ersten Drittel der Geschichte werden viele geheimnisvolle Stränge aufgenommen, z.B. Emmetts mysteriöse Krankheit, was seine Familie vor ihm verbirgt, die Abneigung der Menschen gegenüber Büchern, Serediths Arbeit und was sie weiß, das Auftauchen von Lucian Darnay, ...
Besonders spannend ist natürlich das Geheimnis hinter dem Buchbinden und die moralischen Fragen, die dadurch aufgeworfen werden.
Obwohl das Erzähltempo eher langsam (für meinen Geschmack manchmal zu langsam) ist, war ich neugierig auf den weiteren Verlauf.

Der zweite Teil des Buches rollt Emmetts Vergangenheit vor seiner Zeit bei Seredith auf. Da sich hier schnell eine ganz andere Richtung für die Handlung abzeichnet, als das Buch zunächst erwarten ließ, wurde ich zunehmend desinteressierter.
Im dritten Teil erfolgt dann ein (für mich) überraschender Perspektivwechsel, den ich zum einen begrüßt habe, da der für mich spannendste Charakter des Buches hier zu Wort kommt, der zum anderen aber auch endgültig von dem größeren Zusammenhang der Grundthematik wegführt.

Enttäuscht hat mich, dass letztendlich alles auf eine Auflösung hinausläuft, die man relativ früh absehen kann. Seredith und auch andere Charaktere wie Emmetts Eltern und seine Schwester verschwinden sang- und klanglos aus der Geschichte und werden nie wieder erwähnt.
Eine Liebesgeschichte überlagert alles andere

Anmerkung zum Hörbuch: Der Sprecher Frank Stieren hat hier sehr gute Arbeit geleistet. Die Stimmen einiger weiblichen Nebencharaktere habe ich als ein wenig anstrengend empfunden, aber sonst war es ein angenehmes Hörerlebnis.

(Für wen) Lohnt es sich?

Wer Lust auf eine relativ einfach gestrickte (Liebes-)Geschichte mit einem mal etwas anderen Rahmen hat, könnte mit diesem Buch gut beraten sein.
Erhofft man sich dagegen Tiefsinn und eine Handlung, die die Bücher-Thematik unmittelbar in den Vordergrund stellt, wird man am Ende ein wenig enttäuscht sein.

In einem Satz:

„Die verborgenen Stimmen der Bücher" macht wenig aus einer wirklich spannenden Grundidee; sämtliche Nebencharaktere, moralische Fragen und Handlungsfäden um das Buchbinden werden von einer Liebesgeschichte verdrängt.

Veröffentlicht am 23.10.2018

Ein kritisch zu betrachtendes Buch zu einem nichtsdestotrotz wichtigen Thema

Ich muss verrückt sein, so zu lieben
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Worum geht's?

Shauna mag ihr Leben - ihre Familie mit ihrem Mann Micah und den drei kleinen gemeinsamen Söhnen, ihren Alltag. Doch dann gerät alles ins Wanken: Micah will die Scheidung. Es trifft Shauna ...

Worum geht's?

Shauna mag ihr Leben - ihre Familie mit ihrem Mann Micah und den drei kleinen gemeinsamen Söhnen, ihren Alltag. Doch dann gerät alles ins Wanken: Micah will die Scheidung. Es trifft Shauna wie aus dem Nichts. Ihre Ehe soll von Anfang an nicht wahrhaftig gewesen sein?
Aufzugeben und sich dem Selbstmitleid zu überlassen, liegt nah. Aber Shauna erhält den starken Impuls, an ihrem Mann festzuhalten. Sie beginnt, die Standhaftigkeit ihres Glaubens zu hinterfragen und startet mit Gott an ihrer Seite den schier verrückten Versuch, Micah zum Bleiben zu bewegen. Können Vergebung und Liebe heilen, was zwischen ihnen zerbrochen ist?

Was mich neugierig gemacht hat:

Ich muss gestehen, eigentlich ist das ja mal so gar nicht mein Thema. Dennoch wurde ich neugierig, als die Autorin beim Fragefreitag auf LovelyBooks den Lesern Rede und Antwort stand. Sie schrieb, das Buch eigne sich nicht nur für Verheiratete, sondern stoße auch bei anderen Menschen auf gute Resonanz. Ich begann mich dafür zu interessieren, wie Shauna gelang, was so viele andere in unserer Gesellschaft (manchmal aus guten Gründen, manchmal vielleicht auch zu leichtfertig) aufgeben: ihre Ehe zu retten.

Wie es mir gefallen hat:

Was man auch von dem Buch halten mag: Es steht außer Frage, dass es einen als Leser mit Fragen und Einstellungen konfrontiert, mit denen man sich auseinandersetzen und zu denen man für sich selbst Stellung beziehen muss. Insofern regt es zum Nachdenken an und erreicht damit sicherlich eine seiner Hauptabsichten.

Über die ersten Kapitel hinweg hatte ich einen sehr positiven Eindruck, sodass ich zu diesem Zeitpunkt vier Sterne vergeben hätte. Shauna berichtet in seiner sehr angenehmen Art und Weise vom Geschehenen und ihren Gefühlen und Gedanken und verbindet das immer wieder mit Impulsen, die auch für andere Charaktertypen und Lebenssituationen wertvoll sind. So plädiert sie beispielsweise - mit eigenen Erlebnissen und biblischen Bezügen - dafür, sich selbst in Durchhaltevermögen zu üben und die eigenen Gedanken immer wieder aufs Neue zu prüfen und zu bewerten.
Einzig die Hintergründe ihrer Beziehung zu Micah von den Anfängen an waren für mich zu schwammig dargestellt, um ein Verständnis für die Ehe der beiden und ihre negative Entwicklung bis zum Wendepunkt gewinnen zu können.
Erlebnisse mit Gott mit anderen zu teilen, ist gar nicht so leicht, da es nach außen immer so aussehen kann, als hätte man sich bloß aus Selbstschutz in eine Art Scheinwelt gerettet. Shauna habe ich ihre Erfahrungen im ersten Teil des Buches aber absolut abgenommen.

Im weiteren Verlauf tendierte ich mehr und mehr zu einer Drei-Sterne-Bewertung. Leider beschreibt Shauna Micah sehr eindimensional, sieht vieles nur aus ihrer Warte heraus und verzichtet auf genauere Beschreibungen ihres damaligen Zusammenlebens. Viel zu spät erfährt man von Micahs Hintergründen, die eindeutig sehr relevant sind, um sein Verhalten einordnen zu können. Der Aufbau des Buches ist in diesem Punkt bedauerlicherweise nicht gut gelungen.

Aus zwei Gründen hat mich das Gesamtbild schließlich doch sehr enttäuscht, sodass es nur noch für eine 4+ und entsprechend zweieinhalb Sterne, reicht.
1. Shauna scheint einige recht problematische Ansprüche an Gott und ihre Beziehung zu Micah zu stellen. Wenn etwas nicht nach ihrem Plan läuft, ist sie geradezu beleidigt, wenn doch, interpretiert sie es als Gottes Willen. Es ist nicht nachvollziehbar, warum sie z. B. öfters schreibt, sie habe sich unattraktiv gefühlt, hatte keine Zeit, sich richtig zu schminken und verstehe es, dass Micah sie als Mutter nicht mehr anziehend gefunden hat. Ein weiteres Beispiel: in einer völlig angespannten Situation versuchte sie plötzlich, ihren Mann eifersüchtig zu machen und wunderte sich dann, dass er nicht darauf anspringt.
2. Wie im ersten Punkt schon angedeutet, scheint Shauna Gottes Wirken sehr schnell festzulegen und überhaupt keinen Raum mehr dafür zu lassen, dass niemand Gott vollkommen ergründen kann. Sie weiß immer sofort, was er sagt, was er denkt, was er von ihr möchte. Doch so ist es im Glauben (leider) nicht, dann wäre es ja Wissen.
Ich hatte mir ein Buch erhofft, dass Christen und Nicht-Christen gleichermaßen darin bestärkt, Beziehungen nicht allzu schnell durch andere zu ersetzen oder gar nicht erst tiefer einzugehen, wie es in unserer Wegwerfgesellschaft so oft passiert. Dafür ist Shaunas Sicht jedoch in einigen Punkten leider zu engstirnig und zu sehr geprägt von ihren gemeindlichen Hintergründen. Ich bin keine Freundin davon, Christen nach ihrer Glaubensrichtung und -praxis zu sortieren, doch in diesem Fall hat es mich tatsächlich sehr abgeschreckt, wie sie von Entrückungsszenarien beim Hören von Anbetungsmusik und vor allem von einem Dämon in ihrem Haus berichtet, der dann mit Jesu Namen und Türensalben vertrieben wurde.

Das Buch ist in jedem Fall interessant und gut geeignet, um sich eigener Standpunkte neu bewusst zu werden; als gewinnbringender Ratgeber funktioniert es aber nur bedingt.

(Für wen) Lohnt es sich?

Wie oben schon geschrieben, ist es leider kein Buch, das man Nicht-Christen empfehlen könnte, da Shaunas Glaube teils sehr spezielle Züge annimmt, die eher irritieren, vor allem, wenn man selbst sich bisher nicht viel mit dem Christentum und seinen verschiedenen Ausprägungen beschäftigt hat.
Einzelne Kapitel enthalten wichtige Wahrheiten, doch insgesamt gibt es immer wieder Aspekte, die mit Vorsicht zu genießen sind, und neben Shaunas Liebesgeschichte mit Gott kommt die zu ihrem Mann (zumindest im Buch) recht kurz.

In einem Satz:

„Ich muss verrückt sein, so zu lieben" gibt einige gute Gedankenanstöße rund um den eigenen Umgang mit Konflikten, um den Glauben an Gott und das menschlichen Miteinander; auf der anderen Seite ist die Einstellung der Autorin teils sehr kritisch zu betrachten, und Nicht-Christen werden vermutlich von ihren Schilderungen eher abgeschreckt.