Profilbild von Lilli33

Lilli33

Lesejury Star
offline

Lilli33 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Lilli33 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.04.2018

Erinnerungen an eine Kindheit, die keine war

"Mama sagt, dass selbst die Vögel nicht mehr singen"
0

Gebundene Ausgabe: 175 Seiten
Verlag: Karl Blessing Verlag (5. März 2018)
ISBN-13: 978-3896676221
Originaltitel: Le journal de Myriam
Preis: 15,00€
auch als E-Book erhältlich

Erinnerungen an eine Kindheit, ...

Gebundene Ausgabe: 175 Seiten
Verlag: Karl Blessing Verlag (5. März 2018)
ISBN-13: 978-3896676221
Originaltitel: Le journal de Myriam
Preis: 15,00€
auch als E-Book erhältlich

Erinnerungen an eine Kindheit, die keine war

Myriam war sechs Jahre alt, als 2011 die Demonstrationen gegen den syrischen Präsidenten Baschar al Assad in Aleppo begannen. Kurze Zeit später fielen die ersten Schüsse - Syrien befand sich in einem grausamen Bürgerkrieg, den ganz besonders die Bewohner der wichtigen Wirtschaftsmetropole Aleppo zu spüren bekamen. Besonders der Osten der Stadt glich bald Geisterruinen.

Auf Anraten ihrer Mutter begann Myriam Tagebuch zu schreiben, um die Ereignisse zu verarbeiten. Das hieraus resultierende Buch wurde zusammen mit dem französischen Journalisten Philippe Lobjois erarbeitet, der Ende 2016 nach Syrien kam.

Die Entwicklung des Krieges ist anhand dieses Tagebuchs sehr gut abzulesen. Anfangs überwiegen ganz normale Einträge, in denen Myriam ihr Leben mit der Familie und mit ihren Freunden schildert, Besuche auf dem Markt, Familienfeiern, Beschreibungen ihres Viertels - ein glückliches, unbeschwertes Leben. Nach und nach mischen sich Schüsse in den Alltag. Verwandte werden entführt oder sterben, Nachbarn fliehen. Aber immer noch spielen die Familie und die Schule eine wichtige Rolle. Schließlich findet man in den Tagebucheinträgen fast nur noch schlimme Ereignisse. Nach Spielen, Lachen und Feiern ist niemandem mehr zumute. Es geht darum, wann wohl der Strom wieder kommt oder wann man wieder Wasser haben wird. Ob etwas zu essen auf den Tisch kommt, ob man ein weiteres Mal umziehen muss, um den Kämpfen zu entgehen. Und ob man seine Lieben am Abend wiedersehen wird, wenn man sich am Morgen trennt. Die Angst vor Verlust und vor dem Tod ist allgegenwärtig .

Die einzelnen Abschnitte sind recht kurz, selten mehr als eine Seite, oft nur wenige Zeilen. Die Sprache ist sehr einfach, eben einem Kind entsprechend. So wirkt das Buch sehr authentisch, ist aber natürlich kein literarisches Meisterwerk. Trotzdem gebe ich in diesem Fall gerne 5 Sterne, weil ich das Buch für sehr lesenswert halte und mir wünsche, dass viele Menschen es lesen und daraus lernen.

Veröffentlicht am 29.03.2018

Ein sehr spannender Fall

Invisible
0

Broschiert: 366 Seiten
Verlag: Wunderlich (27. März 2018)
ISBN-13: 978-3805200158
Preis: 14,99€
auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich


Ein sehr spannender Fall

Inhalt:
Die Hamburger Kriminalkommissare ...

Broschiert: 366 Seiten
Verlag: Wunderlich (27. März 2018)
ISBN-13: 978-3805200158
Preis: 14,99€
auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich


Ein sehr spannender Fall

Inhalt:
Die Hamburger Kriminalkommissare Nina Salomon und Daniel Buchholz bekommen es mit einem besonders perfiden Fall zu tun, denn ein Motiv ist beim Mord an dem Patienten Olaf Richter beim besten Willen nicht zu erkennen. Was hat den angesehenen Gefäßchirurgen Bremer dazu gebracht, Richter während der OP voller Hass und vor vielen Zeugen ein Messer ins Herz zu stoßen? Er kannte den Mann doch gar nicht!

Und es folgen noch weitere mysteriöse Morde, die die Polizei vor ein Rätsel stellen.


Meine Meinung:
„Invisible“ ist die 3. Gemeinschaftsarbeit von Ursula Poznanski und Arno Strobel und der 2. Teil der Reihe um das Hamburger Ermittler-Duo Nina Salomon und Daniel Buchholz. Vorkenntnisse sind nicht nötig, der Fall ist abgeschlossen.

Sehr gelungen fand ich schon den Prolog, wo wir „live“ bei einer Herz-OP dabei sind und auch gleich den ersten Mord beobachten müssen. Es fließt Blut, viel Blut. Wer einen empfindlichen Magen hat, sollte vielleicht erst hinterher frühstücken.

Genau wie die beiden Protagonisten steht man als Leser vor einem Rätsel, denn man weiß nicht mehr als Nina und Daniel. Diese erzählen abwechselnd in der Ich-Form. Leider fehlt - wie schon im 1. Band - ein Hinweis, wessen Perspektive wir gerade lesen, sodass es nach einer Lesepause im ersten Moment verwirrend sein kann. Kleiner Tipp: Nina hat die Kapitel mit ungeraden Nummern, Daniel die geraden. Der Schreibstil ist bei beiden Perspektiven recht ähnlich, sodass der Roman trotz zweier Autoren wie aus einem Guss wirkt.

Die Handlung ist von Anfang an sehr spannend, schon allein dadurch, dass die Mordserie nicht abzureißen scheint und man lange Zeit im Dunkeln tappt. Man kann sich zwar bald denken, dass die Täter nur Handlanger sind, aber wie sie genau zum Morden gebracht werden und wer eigentlich dahintersteckt, gibt einem viel Gelegenheit zum Miträtseln und Spekulieren.

Dabei haben Nina und Daniel auch im Privatleben und im Team allerlei Probleme, wobei sich Daniel ziemlich blauäugig verhält, was für mich nicht zu ihm passt. Aber das mag den Umständen geschuldet sein, in die ihn der Fall versetzt, denn der nimmt ihn psychisch ganz schön mit.

Die Auflösung des Falles ist schlüssig und angsterregend, denn allzu weit sind wir in der Realität von einem solchen Szenario vielleicht gar nicht entfernt.

Fazit:
„Invisible“ bietet sehr spannende Unterhaltung zu einem aktuellen Thema. Trotz kleiner Kritikpunkte runde ich 4,5 Sterne gerne auf 5 auf.

Die Reihe:
1. Anonym
2. Invisible

★★★★★

Herzlichen Dank für das Rezensionsexemplar an den Verlag Rowohlt Wunderlich.

Veröffentlicht am 17.03.2018

Eine ergreifende Geschichte mit wahrem Hintergrund

Libellenschwestern
0

Gebundene Ausgabe: 478 Seiten
Verlag: Limes Verlag (5. März 2018)
ISBN-13: 978-3809026907
Originaltitel: Before We Were Yours
Preis: 22,00€
auch als E-Book erhältlich

Eine ergreifende Geschichte mit wahrem ...

Gebundene Ausgabe: 478 Seiten
Verlag: Limes Verlag (5. März 2018)
ISBN-13: 978-3809026907
Originaltitel: Before We Were Yours
Preis: 22,00€
auch als E-Book erhältlich

Eine ergreifende Geschichte mit wahrem Hintergrund

Inhalt:
Rill lebt mit ihren Eltern Queenie und Briny sowie vier Geschwistern auf einem Hausboot auf dem Mississippi. Als Briny seine Frau ins Krankenhaus bringen muss, bleiben die fünf Kinder alleine auf dem Boot zurück. Der Vater nimmt Rill das Versprechen ab, sich um die Kleinen zu kümmern, bis er zurückkommt.

Doch nicht Briny kommt am nächsten Tag zurück, sondern Polizisten. Sie bringen die Kinder in ein Waisenheim, in dem die Zustände fürchterlich sind. Rill versucht alles, ihre Familie zusammenzuhalten, doch ein Kind nach dem anderen wird zu Adoptiveltern gegeben …

Meine Meinung:
Zwischen den 1920er Jahren und 1950 trieb Georgia Tann mit der Adoptionsagentur „Tennessee Children’s Home Society“ in Memphis ihr Unwesen. Sie ließ Kinder kidnappen oder zwang die Eltern, Sorgerechtsabtretungen zu unterschreiben, und verkaufte die Kinder dann an adoptionswillige, meist reiche Leute. Tausende von Familien teilten dieses Schicksal. Viele konnten ihre Angehörigen bis heute nicht finden.

Mit der fiktionalen Erzählung über die zwölfjährige Rill und ihre kleinen Geschwister greift Lisa Wingate dieses große Unrecht auf und erzählt eine beklemmende Geschichte. Dabei wechselt sie immer wieder die Perspektive und die Erzählzeit. Wir begleiten Rill und ihre Familie in der Vergangenheit und erleben, was den Kindern angetan wurde. In der Gegenwart sind wir an der Seite von Avery, die durch Zufall hinter das Geheimnis ihrer Großmutter kommt, das auch Auswirkungen auf das Leben ihrer ganzen Familie haben könnte.

Besonders der Handlungsstrang, der die Vergangenheit beleuchtet, erscheint mir sehr authentisch. Die gesellschaftlichen Verhältnisse und die Erziehungsmaßnahmen zum Beispiel passen sehr gut in diese Zeit. Rills Versuche, ihre Geschwister zusammenzuhalten, sind zum Scheitern verurteilt, da die Zwölfjährige den Erwachsenen einfach ausgeliefert ist. Immer wieder muss sie schwierige Entscheidungen zum Wohl ihrer Geschwister treffen. Dabei konnte ich ihre Zweifel und ihre Verzweiflung sehr gut nachvollziehen. Sehr beeindruckend fand ich den Zusammenhalt in Rills Familie. Man spürt die Liebe, die sie verbindet, durch und durch.

Bis ich mit Avery warm wurde, dauerte es zwar ein bisschen länger, aber sie ist eine vielschichtige Protagonistin, der ich bei ihren Recherchen gerne über die Schulter sah.

Fazit:
„Libellenschwestern“ erzählt auf eine sehr lebendige Art eine beklemmende Geschichte von Zwangsadoptionen und Kindesmisshandlung. Auch wenn die Personen zum größten Teil fiktiv sind, beruht die Handlung auf einer wahren Begebenheit.

★★★★★

Herzlichen Dank an den Limes Verlag und das Bloggerportal, die mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zuschickten.

Veröffentlicht am 24.02.2018

Ein teuflisch spannender Fall für Max Bischoff

Im Kopf des Mörders - Kalte Angst
0

Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch (11. Januar 2018)
ISBN-13: 978-3596296170
Preis: 9,99€
auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich

Ein teuflisch spannender Fall für Max Bischoff

Inhalt:
Ein ...

Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch (11. Januar 2018)
ISBN-13: 978-3596296170
Preis: 9,99€
auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich

Ein teuflisch spannender Fall für Max Bischoff

Inhalt:
Ein Maskierter treibt nachts sein Unwesen in Düsseldorf. Er lässt jeweils nur einen Überlebenden mit einer rätselhaften Botschaft am Tatort zurück. Oberkommissar Max Bischoff und sein Kollege Horst Böhmer tappen hoffnungslos im Dunkeln, bis Siegfried Fissmann, ein Patient aus der Forensischen Psychiatrie in Langenfeld, seine Hilfe anbietet, natürlich nicht uneigennützig …

Meine Meinung:
Dies ist der 2. Teil der geplanten Trilogie um Max Bischoff. Die Haupthandlung ist abgeschlossen und kann daher gut ohne Vorwissen gelesen werden. Zwar hat die Nebenhandlung mit Max’ Schwester ihren Anfang bereits im 1. Teil „Tiefe Narbe“ genommen, aber das ist nicht dramatisch, denn es wird noch einmal ausreichend skizziert, worum es dabei geht. Die Nebenhandlung wird auch im 3. Band noch fortgeführt werden, ist also immer noch nicht abgeschlossen. Man kann sich auch hier auf eine spannende Fortsetzung freuen.

„Kalte Angst“ hat mir noch besser gefallen als der Vorgängerband „Tiefe Narbe“. Die Geschichte ist lange Zeit dermaßen undurchsichtig und spannend, wobei man immer wieder die Hoffnung hat, dass Max und Kollegen die Mordserie stoppen können. Doch scheint ihnen der Täter stets einen Schritt voraus zu sein, und die Hinweise von Fissmann sind mehr als kryptisch.

Die Beschreibung der Ermittlungsarbeit ist recht fesselnd, und natürlich bangt man als Leser, ob die Polizei den nächsten angekündigten Mord verhindern kann. So ist der Adrenalinspiegel immer leicht erhöht, und das Buch lässt sich kaum aus der Hand legen. Ich habe zwar ständig meine eigenen Spekulationen angestellt, aber Strobel hat mich immer wieder mit unerwarteten Ereignissen und Wendungen überrascht.

Den größten Teil der Handlung erlebt man an der Seite von Max Bischoff. Dazwischen gibt es aber auch kurze Einschübe mit einer detaillierten Beschreibung der grausigen Morde, die sehr blutig sind.

Arno Strobel verschafft uns mit diesem teuflisch spannenden Roman wieder einen faszinierenden Blick in die Abgründe der menschlichen Seele. Meine Empfehlung für Thriller-Fans: Lesen!

Die Max Bischoff-Trilogie:
1. Tiefe Narbe
2. Kalte Angst
3. ??? ET voraussichtlich Februar 2019

★★★★★

Veröffentlicht am 23.02.2018

Ein packender Roadtrip

Die Rache der Polly McClusky
0

Broschiert: 288 Seiten
Verlag: Ullstein (23. Februar 2018)
ISBN-13: 978-3550081507
Originaltitel: She Rides Shotgun
Preis: 15,00€
auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich


Ein packender Roadtrip

Inhalt:
Als ...

Broschiert: 288 Seiten
Verlag: Ullstein (23. Februar 2018)
ISBN-13: 978-3550081507
Originaltitel: She Rides Shotgun
Preis: 15,00€
auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich


Ein packender Roadtrip

Inhalt:
Als Nate aus dem Gefängnis kommt, weiß er nur, dass er seine Tochter beschützen muss, denn sie steht seinetwegen auf der Todesliste der mächtigen Gang Aryan Steel.

Die elfjährige Polly staunt nicht schlecht, als ihr Vater sie von der Schule abholt, der doch eigentlich im Gefängnis sein sollte und den sie seit vielen Jahren nicht gesehen hat. Sie ist vor Angst ganz starr. So bleibt ihr nichts anderes übrig, als mit ihm zu gehen.

Die beiden erleben einen Roadtrip der besonderen Art, in dessen Verlauf sie sich gegenseitig annähern.

Meine Meinung:
Eins ist klar: „Die Rache der Polly McClusky“ ist kein 08/15-Thriller. Nur wer sich auf das Besondere einlässt, wird hier den vollen Lesespaß haben, ähnlich wie zum Beispiel bei der Toten-Trilogie von Bernhard Aichner.

Mich konnte Jordan Harper mit seinem Debütroman von der ersten Seite an fesseln und für seinen stakkatoartigen Schreibstil und die ganze zugegebenermaßen ein wenig abstruse Geschichte begeistern. Dass es dabei nicht immer hundertprozentig realistisch zugeht, störte mich überhaupt nicht. Wichtig war mir, dass die Handlung in sich stimmig ist und die Atmosphäre des Gangstermilieus authentisch wirkt.

Harper schreibt so eindringlich, dass bei mir sofort das Kopfkino ansprang. Beim Lesen lief ein rasanter Film in Farbe und 4D vor meinem inneren Auge ab. Dies kommt sicher nicht von ungefähr, denn Jordan Harper ist Drehbuchautor (z.B. „The Mentalist“ und „Gotham“). Er arbeitet zur Zeit auch bereits am Drehbuch zu Polly McClusky, da sich die Romanvorlage geradezu für eine Verfilmung anbietet.

Teile der Handlung sind zwar nichts wirklich Neues, sondern erinnern ein wenig an „Thelma und Louise“ oder an „Bonny und Clyde“. Doch wer solche Roadmovies mag, wird hier bestens unterhalten.

Mir gefiel neben der sehr spannenden Handlung auch die Charakterentwicklung der Protagonisten. Während Nate Polly immer mehr in sein Herz schließt, wird aus dem zurückgezogenen Kind, das ohne seinen Teddybär nirgends hingeht, ein knallhartes Mädchen, das den Erwachsenen in mancher Hinsicht überlegen ist.

Fazit:
„Die Rache der Polly McClusky“ ist ein sehr spannender Thriller der besonderen Art, der mit liebenswürdigen Protagonisten und einem rasanten Schreibstil punkten kann.

★★★★★

Herzlichen Dank an den Ullstein Verlag und netgalley für das Rezensionsexemplar.