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Veröffentlicht am 13.04.2018

Skurriler Krimi mit abgehacktem Schreibstil, der mich dennoch in seinen Bann zog!

Interview mit einem Mörder
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Bernhard Aichner hat mich mit seinem wirklich schrägen Kriminalroman extrem überrascht und gut unterhalten.

Auch wenn der Schreibstil sehr gewöhnungsbedürftig ist, der Autor verwendet kurze, abgehackte ...

Bernhard Aichner hat mich mit seinem wirklich schrägen Kriminalroman extrem überrascht und gut unterhalten.

Auch wenn der Schreibstil sehr gewöhnungsbedürftig ist, der Autor verwendet kurze, abgehackte Sätze und Dialoge, die manchmal eher comic-haft wirken, passt der Stil zum Buch und Inhalt. Das muss man mögen, das literarisch Schöne fehlt, aber die Sätze sind auf den Punkt und es entsteht ein aussagekräftiger Text, der sehr locker geschrieben ist und schnell zu lesen ist. Das Buch ist überhaupt sehr kurz, es enthält über 100 blanko Seiten, man hat es schnell durch.

Die Personen sind fast alle ungewöhnliche Charaktere. Allen voran natürlich Totengräber Max, der sich ähnlich dem Diogenes, gern mal ins leere Grab legt, von seiner Stiefmutter bekochen und betüddeln lässt und von der Liebe träumt. Aber auch Akofa, der kiffende Pfarrer, ist ein Unikum, über den man mehr erfahren möchte.


Die Krimihandlung erweist sich, neben einer kleinen Liebesgeschichte, als reine Verfolgungsjagd, bei dem Max den vermeintlichen Täter, Tourist Fink, auf einer Reise begleitet und dabei mehrere Morde miterlebt. Leider glaubt Max niemand, nicht einmal seine Stiefmutter Tilda. Also macht sich Max ohne Beweise, aber mit dem Wissen, Fink seiner gerechten Strafe zuführen zu wollen, ihm auf die Fersen. Dabei kommt es soweit, dass Fink die Sache umdreht und Max belastende Beweise unterschiebt.

Es ist interessant zu beobachten wie Max aus dieser Situation wieder raus kommt. Als er dann noch die junge Journalistin Anna kennen und sofort lieben lernt, kann man es zuerst kaum glauben. Man gönnt Max diese romantischen Gefühle und Anna wittert in dem Fall sofort eine heiße Story.

Besonders die Art und Weise wie Max am Ende in einem gewagten, aber gut durchdachten raffinierten Schachzug Fink zur Strecke bringt, hat mich begeistert. Diese Idee ist brillant und so ein Ende ist neuartig.

Dennoch habe ich als Kritik anzumerken, dass mir einleuchtende Motive oder Leitgedanken des Täters fehlen. Er wird einfach als Psychopath hingestellt, seine Vergangenheit war durch einige tiefe Schicksalsschläge gezeichnet. War es nur Hass und Rache, die ihn antrieb, sich an Unschuldigen zu rächen? Diese Frage bleibt ungeklärt und man muss sie für sich selbst beantworten.


Ein rasanter, fesselnder Krimi, der mich mit seinem unerwarteten Ende doch überrascht hat. Max Broll werde ich nun noch näher ins Visier nehmen.

Veröffentlicht am 13.04.2018

Lizzi ist das beste Beispiel für echte Seniorenpower!

Lizzi und die schweren Jungs
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Anja Marschall hat einen unterhaltsamen 2. Band um ihre Senioren-Heldin Lizzi vorgelegt. Dank des flüssigen und erfrischenden Schreibstils, der mit lebendigen Figuren und einer Prise Humor aufwartet, begibt ...

Anja Marschall hat einen unterhaltsamen 2. Band um ihre Senioren-Heldin Lizzi vorgelegt. Dank des flüssigen und erfrischenden Schreibstils, der mit lebendigen Figuren und einer Prise Humor aufwartet, begibt man sich gemeinsam mit Lizzi auf den Hamburger Kiez und spürt einige üble Machenschaften auf. Die resolute Lizzi hat für ihr Alter noch genügend Lebensmut und lässt sich nicht einschüchtern. Sie hat ein kriminalistisches Gen oder vielleicht auch nur Bauernschläue und durchschaut so manches Schurkenstück, da staunt sogar die Polizei. Ob man will oder nicht, Lizzi wächst einem ans Herz und ist einfach natürlich sympathisch. Schön ist auch, wie Pfeiffer immer um Lizzis Schutz bemüht ist und sich bei ihren Abenteuern mit in die Schlacht wirft. Denn auch er ist das öde Rentnerleben satt und freut sich über weitere aktive Verbrechensaufklärung.

Lizzi ist das langweilige Leben in der Seniorenresidenz satt und nimmt die Aufforderung der Rocker "Dragon Balls" zur Suche nach dem vermissten Ehepaar Dehlbrück liebend gern an. Auch Mareikes Sohn Mirko verschwindet plötzlich und so verwickelt sich die kleine Detektivtruppe in mehrere Fälle.

Es geht mitten hinein ins Milieu auf St. Pauli und der Leser erlebt nicht nur Kiezgrößen und brutale Rocker, sondern auch die gefährliche Russenmafia hautnah mit. Dabei sind die lebensechten Charaktere das Herzstück des Krimis. Hier wird man mit ausgefallenen Figuren herrlich unterhalten und mit amüsanten Szenen einiger interessanter Nebenhandlungen erfreut. Diese schaffen eine entscheidende Atmosphäre, in der man gut miträtseln kann.

In diesem Krimi fliesst kein Blut, es gibt aber dennoch eine spannende Handlung und ein rasanter Showdown gibt am Ende noch das entscheidende Etwas, das mich als Leser überzeugt zufrieden stellt und gut unterhält.



Dies ist ein spannender und humorvoller Wohlfühl-Krimi, ohne Blut und mit abwechslungsreichen Charakteren. Man taucht ein in die Hamburger Rotlichtszene und erlebt wahre Seniorenpower.

Veröffentlicht am 13.04.2018

Innovative Rezepte für jeden Geschmack

sweet & salty
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"Das ist wie bei Menschen. Gegensätze erzeugen Spannung. Auf der Zunge, im Kochtopf und auf Bildern. ...Gegensätze ziehen sich an. " Seite 10 Zitat

Diese Gegensätze waren der vorherrschende Grundgedanke ...

"Das ist wie bei Menschen. Gegensätze erzeugen Spannung. Auf der Zunge, im Kochtopf und auf Bildern. ...Gegensätze ziehen sich an. " Seite 10 Zitat

Diese Gegensätze waren der vorherrschende Grundgedanke für die innovativen und aussergewöhnlichen Rezeptzusammenstellungen von "sweet and salty"! Die Mischung von süß und salzig macht den feinen Unterschied und bewirkt ein Feuerwerk von Geschmacksexplosionen auf der Zunge.
Dabei sollen die vielfältigen Köstlichkeiten und Gerichte nicht nur satt machen und schmecken, sondern auch für die unterschiedlichen Verbraucher wie Vegetarier, Veganer und Normalesser eine bunte Palette bieten. Die Zubereitung ist in der Regel nicht sehr aufwändig, denn es soll ja nach dem Aufstehen schnell fertig sein.

Besonders gut gefallen mir die tollen Fotos. Hier wurden die Gerichte schön arrangiert und wundervoll in Szene, denn das Auge isst ja bekanntlich mit. Der Fotograf Jo Kirchherr hat hier hervorragende Arbeit geleistet.

Es gibt herrlich bunte Toasts, Pancakes und Waffeln, deren bloßer Anblick schon Appetit macht. Brot, Suppe und Salat sind ebenfalls auf der langen Rezeptliste zu finden.
Omeletts, Crepes, Smoothies und ausgefallene Dipps machen Lust auf ein Experimentieren mit neuen Ideen auf der Grundlage bekannter Dinge aus dem heimischen Familienkochbuch.
Der innovative Einfluss der modernen Küche wird durch angesagte Zutaten wie Chiasamen, Quinoa und modernen Zuckerersatz spürbar. Damit wird auch die junge Generation angesprochen und die Lust auf ein Frühstück, zu welcher Tageszeit auch immer, ist generationenübergreifend immer aktuell, weil lecker.

Die Pancakes finde ich für ein Frühstück mit spätem Ausgang richtig gelungen. Mit dem speziellen Pflaumenmus aus diesem Buch ist es sicher der Hit für alle kleinen und großen Kinder, aber auch mit Schinken oder Speck eine köstliche und reichhaltige Idee für die herzhaften Esser.

Filoteigpizza ist eine neue Idee für eine schnelle Pizza.
Müsli-Cupcakes mit Sweet Chili-Topping geben mal ganz andere Geschmacksvarianten frei.
Aber auch relativ unbekannte Gerichte wie Shakshuka, Kokossuppe und vietnamesische Pho-Suppe klingen außergewöhnlich und exotisch und erweitern den kulinarischen Horizont.

Manche Rezepte enthalten etwas zu viele Zutaten und nicht bei allen Gerichten schmeckt mir die Mischung von süß und salzig. Aber die Vielfältigkeit dieser Rezepte bieten schon eine breite Palette für viele Geschmäcker und Gelegenheiten.

Ein übersichtliches Rezeptregister am Ende des Buches vervollständigt dieses wundervolle Kochbuch, das mit seinem flexiblen Einband gut in der Hand liegt.


Dieses lebendig gestaltete Kochbuch mit Frühstücksvarianten vielfältigster Art ist für junge Leute ebenso hipp gestaltet, wie für routinierte Kochinteressierte mit neuen Ideen gefüllt. Ein Buch, das sich zum Verschenken sehr gut eignet und das gemeinschaftliche Event Frühstück richtig feiern will.

Veröffentlicht am 13.04.2018

Eine krasse Figur, dieses Stinktier

Flätscher – Die Sache stinkt
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Flätscher ist ein echter Skunk, recht eingebildet, aber dennoch liebenswert und nur manchmal stinkig. Er ist ein wagemutiger Typ und denkt nicht lange nach, er handelt einfach. Denn sein großer Vorteil ...

Flätscher ist ein echter Skunk, recht eingebildet, aber dennoch liebenswert und nur manchmal stinkig. Er ist ein wagemutiger Typ und denkt nicht lange nach, er handelt einfach. Denn sein großer Vorteil liegt in seiner Waffe: Mit seiner Stinkepistole schiesst er sich den Weg in brenzligen Situationen frei. Glücklicherweise haben die Bücher keine Geruchsbeispiele auf Lager. Kumpel Theo wird schnell sein Assistent und Freund und gemeinsam verfolgen sie die Spur eines dreisten Zechprellers.

Die Aufklärung ist nicht wahnsinnig spannend zu nennen. Vom nicht gerade umfangreichen Text her kann man bei diesem Buch schon fast von einem Cartoon sprechen. Es gibt Wortbildungen, die Kindern im Ohr bleiben werden, Sprechblasen und keine lange Handlung, dafür aber actiongeladene Situationen, die die Hinterhof-Detektive perfekt meistern.
In erster Linie begeistern mich die fantastischen, dunkel gehaltenen Zeichnungen von Jan Birck, die ziemlich düster wirken und damit ein wenig Gruselstimmung verbreiten. Im Detail erschliessen sich dem Betrachter noch tolle Einblicke, die immer für eine Überraschung gut sind.
Die beiden Hauptfiguren sind witzig, die jungen Leser können sich mit Theo gut identifizieren. Die Verfolgung ist rasant und man fliegt förmlich durch das Buch. Es erstaunt, wie gut Text und Bilder hier aufeinander abgestimmt sind.

Für weitere Unterhaltung sorgen noch einige Nebendarsteller, die die Geschichte aufpeppen. Ein süßes lila Skunkweibchen namens Cloe verdreht Flätscher den Kopf und die kleinen Helfer der O-Clique sorgen als tierische Helfer bei der Ermittlung munter mit.


Dieses Buch überzeugt mit spaßigen Cartoonbildern und zeigt eine ungewöhnliche Freundschaft und eine temporeiche Handlung. Das Buch ist sehr stabil und enthält als besonderen Clou noch ein Lesezeichen mit Flätscher-Stickern. Genial, logissimo!

Veröffentlicht am 13.04.2018

Rittergeschichte mit Sagenursprung modern und unterhaltsam umgesetzt!

König Laurin
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Theodor, der Sohn des großen Königs Dietrich, ist viel zu klein für sein Alter. Trotz Streckbank wird er nicht größer, das macht seinem Vater großen Kummer, denn so kann Theo kein echter Ritter werden.
Als ...

Theodor, der Sohn des großen Königs Dietrich, ist viel zu klein für sein Alter. Trotz Streckbank wird er nicht größer, das macht seinem Vater großen Kummer, denn so kann Theo kein echter Ritter werden.
Als Theo dem geheimnisvollen Zwergenkönig Laurin begegnet, merkt er bald, dass auch Kleine Großes vollbringen können. Als das Königreich in großer Gefahr ist, beweist Theodor Stärke...


"Unheil lag in der Luft. Es war tiefste Nacht. Blau-schwarze Gewitterwolken hatten sich an den Spitzen der Berge verfangen und immer weiter aufgetürmt. Der Wind heulte durch die Täler."


Was mit einen richtigen Gewitter beginnt, wird schliesslich ein tolles Kinderbuch, ein Heldenepos für Kinder, wo die Kleinen am Ende die Gewinner sind.

Ewig hört Theodor von seinem Vater, König Dietrich, wie klein er ist und dass nur Großes gut ist.
Auch sein Vetter Wittich ärgert ihn damit und deswegen nimmt Theodor die Toutur der Streckbank auf sich, doch trotz dieser Qualen wird er einfach nicht größer. Als er auf den in die bleichen Berge verbannten Zwergenkönig Laurin trifft, beginnt für ihn ein großes Abenteuer und Theo tritt zu seinem ersten Ritterturnier an.



Die Grundlage dieses tollen Kinderbuchs ist die Südtiroler Sage um den Zwergenkönig Laurin, der einst einen echten Rosengarten versteinert haben soll.

Das Buch liest sich locker und sehr unterhaltsam, es enthält kurze Kapitel in großer Schrift und eignet sich dadurch gut zum selber lesen. Der Text ist bildhaft und sehr lebendig und spricht die heutigen Kinder an, dazu werden einige Dinge, wie z. B. Container, Flyer und Allergie die keinesfalls zur Ritterzeit existierten, mit eingebaut.

Man kann als Kind sich gut in die Rolle des kleinen Theo einfühlen und wird so beim Lesen zum Held.
Die hintergründige Botschaft gefällt mir gut. Hier wird deutlich gezeigt, wie auch im Kleinen die größte Kraft liegen kann und es nicht immer auf Körpergröße und Kraft ankommt.

Ein unterhaltsames Kinderbuch auf der Grundlage einer Südtiroler Sagenfigur, das auch Kleine groß rauskommen lässt.