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Veröffentlicht am 18.04.2018

Dieses tolle Debüt unterhält auf sehr humorvolle Weise

Toter Mann mit Trachtenente
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Der Regionalkrimi "Toter Mann mit Trachtenente" ist das Krimidebüt von Dieter Sdun. Das Buch erscheint 2018 bei Edition M.

Lothar Uhl, in seiner Familie besser bekannt als Lollo, ist Privatdetektiv in ...

Der Regionalkrimi "Toter Mann mit Trachtenente" ist das Krimidebüt von Dieter Sdun. Das Buch erscheint 2018 bei Edition M.

Lothar Uhl, in seiner Familie besser bekannt als Lollo, ist Privatdetektiv in Kiefersfelden und hat normalerweise nur kleine Überwachungsaufträge zu erledigen. Als der recht unbeliebte Unternehmer Ludwig Sandmoser tot in seinem Pool gefunden wird, tippt Dorfpolizist Danner auf Herzinfarkt. Das kann Lollo aber nicht glauben, denn er kommt an brisantes Material aus Sandmosers poolnahem WC-Eimer. Die Analyse lässt keinen Zweifel, es handelt sich um Gift eines brasilianischen Pfeilgiftfrosches.
Dieser Mord lässt Lollo nicht los und er taucht tief ein in den Fall und erfährt so allerhand über die Beziehungen der scheinbar so biederen Bewohner von Kiefersfelden.


Ich finde, Dieter Sdun hat mit Lollo einen wunderbaren Ermittler geschaffen. Lollo ist ein echter Normalo, eher kleingewachsen, hat höchstens mal familiäre Zwistigkeiten und ist keiner dieser außergewöhnlichen Ermittler mit Drogenproblemen oder ähnlichem. Er ist ein Familienmensch, liebt Frau Moni und Söhnchen Max und hat es als Zugereister in Bayern auch nicht immer leicht.

Man kann Lollo und seine Sicht auf die Dinge gut verstehen, nach ein paar Seiten wirkt er wie ein alter Bekannter.


Das Buch liest sich locker weg, mir hat die turbulente Story gute Unterhaltung geschenkt. Die Spannung ist grundsolide, die Figuren sind lebensnah dargestellt, der Täter bleibt bis zum Ende relativ ungeahnt und überrascht auf seine Art. Manche Szenen sind vielleicht ein wenig zu detailgenau, ich denke da an die fast bildhaft beschriebene Verfolgungsjagd. Aber auch das werden viele Leser mögen.

Dieter Sdun erzählt sehr flüssig und mit trockenem Humor, seine Figuren sind voller Beziehungsklüngel und das macht das Mitraten nach dem Täter besonders schwierig. Es ist eher ein beschaulicher Krimi, bei dem die ländliche Kulisse eine große Rolle spielt.

Mir gefallen besonders die humorvollen Spitzen und die normal wirkende Beziehung zwischen Lollo und Moni sehr gut. Der Blick auf den ausgesprochen realistisch klingenden Tonfall von Söhnchen Max hat mir echt Freude bereitet. Kindermund tut Wahrheit kund und dieser kleine Racker in besonders treffender Weise. Max bringt kindliche Unbefangenheit in die Geschichte.


Vielschichtige Personen, ein unbekannter Täter und reichlich Humor sorgen mit bayerischer Atmosphäre für eine tolle Lektüre. Ich bin jetzt schon ein Fan von Lollo und würde mich über weitere Bücher sehr freuen.

Veröffentlicht am 16.04.2018

Ein sich dynamisch steigernder und packender Ostseekrimi

Kalter Sand
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Der Prolog verbreitet gleich eine düstere und spannende Atmosphäre. Die Gedanken des Mörders werden beim Transport der Leiche beschrieben.
Bei diesem Krimi kommt man auch ohne Vorkenntnisse der Vorgängerbände ...

Der Prolog verbreitet gleich eine düstere und spannende Atmosphäre. Die Gedanken des Mörders werden beim Transport der Leiche beschrieben.
Bei diesem Krimi kommt man auch ohne Vorkenntnisse der Vorgängerbände schnell in die Handlung und ermittelt gemeinsam mit Richard und der Polizei. Welche Dinge haben sich vor sechs Jahren abgespielt und hängt der alte Fall mit dem neuen Toten zusammen?

Richard ist geschieden und hat ein Kind, das mit seiner Frau im Urlaub ist. Deshalb nutzt er die Einladung seines Freundes Philipp, den er schon lange nicht mehr gesehen hat. Doch Philipp hat sich verändert, er stand sogar unter Mordverdacht und Richard versucht herauszufinden, ob die Tat wirklich Philipp zuzutrauen ist. Informationen erhält Richard von einem befreundeten Kommissar namens Muslow.

In "Kalter Sand" wird zwar nicht ungefährlich vorgegangen, aber die Vorkommnisse sind relativ unblutig geschildert. Es stehen mehr die personellen Verstrickungen der Figuren mit ihren Gefühlen im Vordergrund und so agieren alle Beteiligten untereinander betroffen oder zumindest verletzt und mitfühlend, die Kriminellen ausschliesslich aus Enttäuschung, Verzweiflung oder Vertuschung.

Gruben selbst ist als Besucher nur im Hinblick auf Philipp betroffen, er behält ansonsten den unbeteiligten Überblick und kommt einigen Dingen auf die Schliche. Einige Aussagen entpuppen sich als entscheidende Hinweise in der Tätersuche. So ist man den Ermittlungen als Leser immer einen Schritt voraus.

Anja Behn schafft es, den Leser an das Buch zu fesseln und baut mit vielen Fährten eine unheimliche Stimmung auf. Mit ihrem gekonnten Schreibstil baut sie einen Krimi auf, der auch mit psychologischer Einfühlsamkeit punkten kann und den Leser gut unterhält.
Sehr passend wirkt der Plot vor der spätherbstlichen Kulisse der Ostsee an der Boddenlandschaft von Fischland-Darß. Die Stimmungen des Meeres und des grauen Himmels untermalen eindrucksvoll die düstere Krimihandlung. In den Gaststätten werden die ortsüblichen Gerichte serviert und man kehrt gerne mit ein, um die graue Herbststimmung am Meer auszublenden.

Dieser Krimi konnte mich bis zum Ende fesseln und die Tätersuche gestaltete sich auch für den geübten Krimileser schwierig. Mit unerwarteten Wendungen und neuen Erkenntnissen legt die Autorin eine sagenhafte kriminalistische Raffinesse an den Tag.

Ein sich dynamisch steigernder und packender Ostseekrimi, der mich mit den interessant ausgeloteten Figuren, einer wendungsreichen Handlung und der gelungenen Ostsee-Kulisse völlig überzeugt hat.



Veröffentlicht am 13.04.2018

Dieses Buch muss man einfach gelesen haben

Der Hahn ist tot
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Hab ein bißchen Erbarmen mit einer alten Jungfer, die vor Liebe brennt!" Zitat Seite 92


Wie bei Ingrid Noll üblich, ist dieser Roman eine fesselnde Mischung aus der bitteren Lebensansicht einer alten ...

Hab ein bißchen Erbarmen mit einer alten Jungfer, die vor Liebe brennt!" Zitat Seite 92


Wie bei Ingrid Noll üblich, ist dieser Roman eine fesselnde Mischung aus der bitteren Lebensansicht einer alten Jungfer und ihrem Wunsch nach spätem Lebensglück und einer Menge schwarzem Humor. Wie sich Rosi über geltendes Recht und Moral, über Leben und Tod hinweg setzt, nur um sich ihren Traummann zu angeln, ist vergnüglich zu lesen. Fast fühlt man sogar eine Art von Sympathie und bekommt Mitleid mit Rosi und entschuldigt ihre üblen Machenschaften. Aber das hat auch mit der locker fröhlichen Erzählweise der Geschichte zu tun. Genüsslich folgt man dem Handlungsverlauf und hat nur die eine Sorge, dass Rosi nicht von der Polizei erwischt wird.

Denn sie hatte nicht viel Freude im Leben und als "die alte Scheune brennt", wie sie es so treffend formuliert, ist es um ihren Verstand geschehen. Sie benimmt sich wie ein junges Ding, ändert ihr Äußeres, intrigiert, stalkt im Garten des Begehrten und schaltet mit drastischen Maßnahmen alle Gegenspielerinnen nacheinander aus.

Es ist das enthüllende Psychogramm einer Frau, die mit allen Mitteln ihr Glück versuchen will. Am Ende hat sie Glück und Pech zugleich, so viel sei schon einmal verraten. Es ist eine beklemmende Bitterheit, die zeigt, wie sich dieser Kampf letztendlich auswirkt.



Dieses Buch muss man einfach gelesen haben! Ingrid Noll ist eine grandiose Schriftstellerin!

Veröffentlicht am 13.04.2018

Ein turbulenter Familienroman

Ziemlich unverhofft
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Dieser Roman hat mir vergnügliche Stunden geschenkt und ich habe ihn an nur einem einzigen Tag verschlungen.
Dabei sind mir die Protagonisten regelrecht ans Herz gewachsen und der flotte Schreibstil sorgte ...

Dieser Roman hat mir vergnügliche Stunden geschenkt und ich habe ihn an nur einem einzigen Tag verschlungen.
Dabei sind mir die Protagonisten regelrecht ans Herz gewachsen und der flotte Schreibstil sorgte für einen regelrechten Flug durchs Buch.

Wie es Nikola auf ihrem Balanceakt zwischen Job, Verantwortung für ihre Kinder und den reichlich vorhandenen Verehrern schafft, die Nerven zu behalten, hat mir sehr imponiert. Sie fegt turbulent mit Elan und einer Menge Humor und Organisationstalent durch die Handlung, dass mir als Leser fast schwindelig wurde.

Es kommt zu einigen romantisch geplanten Treffen, die dann aber meistens nicht wie gehofft enden. Auch mit Tiziano hat Nikola so ihre Probleme, denn seine italienische Mamma Felice wünscht sich endlich eine Schwiegertochter.

Dabei dreht sich die Handlung um die alltäglichen Probleme vieler beruftstätiger Frauen, es sind die Liebesdramen und die berufliche Einbindung, die diesen Roman so außergewöhnlich und unterhaltsam machen.
Denn Frauke Scheunemann, selbst ausgebildete Anwältin, zeigt deutlich auch juristische Grundsätze im Scheidungs- und Versorgungsrecht auf. Das gibt der Geschichte eine solide realistische Grundlage und man erkennt die beschriebenen Probleme aus dem Blickwinkel der Betroffenen. Der Roman bekommt damit eine durchdachte und stimmige Rahmenhandlung, die einfach überzeugt.

Sprachlich gesehen legt die Autorin kein Juristendeutsch an den Tag, hier kann man herrlich lockere Unterhaltung erwarten.


Ein turbulenter Familienroman, der mit beruflicher Problematik, Kinderversorgung und zu bändigenden Verehrern aufwartet. Ein toller mitreißender Sommerroman, der mich schnell überzeugt hat.

Veröffentlicht am 13.04.2018

Toller Roman aus dem Mittelalter in Deutschland

Die Tochter des Salzsieders
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Dieser historische Roman hat mich sofort in seinen Bann geschlagen und ich bin in die authentisch wirkenden Schilderungen des mittelalterlichen Denkens und Lebens eingetaucht.

Die Protagonistin wird für ...

Dieser historische Roman hat mich sofort in seinen Bann geschlagen und ich bin in die authentisch wirkenden Schilderungen des mittelalterlichen Denkens und Lebens eingetaucht.

Die Protagonistin wird für die damaligen Verhältnisse recht aufgeklärt und neugierig beschrieben. Sie hat einen Wissensdrang, der beeindruckt und ihre rebellische Art wirkt total anziehend.
Der Schreibstil ist äußerst mitreißend gestaltet und man folgt gespannt der Handlung.
Wie hier die herrschenden Ansichten der damaligen Bevölkerung geschildert werden, kann ich auch nur loben. Mord und Betrug, Liebe, Hass und Neid werden etwas übertrieben, aber dennoch sehr unterhaltsam in Szene gesetzt.

Ulrike Schweikerts Schreibstil führt den Leser gekonnt durch den Roman, man erliegt einem Lesefluss und versinkt in den bildhaften Beschreibungen des mittelalterlichen Lebens.


Ein historischer Roman, der von seinen gelungenen Beschreibungen der soziokulturellen Gesellschaft und der bunten Charaktere lebt. Für mich absolut verdiente 5 Sterne.