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Veröffentlicht am 16.04.2018

Ein Traum wird wahr… oder doch nicht?

Prinzessin wider Willen
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„Ein Traum wird wahr… oder doch nicht?“

„Ihre Urgroßmutter Alice wurde am 10. Dezember 1897 als Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Alice Stephanie Regina geboren, Erbin des königlichen Throns des Hauses ...

„Ein Traum wird wahr… oder doch nicht?“

„Ihre Urgroßmutter Alice wurde am 10. Dezember 1897 als Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Alice Stephanie Regina geboren, Erbin des königlichen Throns des Hauses Augustin-Sachsen.
Im Namen unserer beiden Nationen ersuchen wir Sie inständig, Ihren rechtmäßigen Platz als die Erbin des Großherzogtums Hessenberg und seines Thrones einzunehmen“.

„Ihr hattet hundert Jahre Zeit, um euch einen Überblick über die königlichen Erben von diesem Hause Augustin-Schlagmichtot zu verschaffen, aber ihr habt die Sippe komplett aus den Augen verloren. Und jetzt kommst du angeschlichen und gibst mir ein paar Tage Zeit, mich zu entscheiden. Das ist doch wohl nicht fair?“


Die kluge und talentierte Regina Beswick hat trotz ihres exzellenten Abschlusses als Bachelor of Arts in Finanzwesen ihren Job als akkreditierte Wirtschaftsprüferin aufgegeben, um ihren Lebenstraum zu erfüllen, und Oldtimer zu restaurieren. In Reggies Werkstatt, einer kleinen alten Scheune am Blounstown Highway im westlichen Tallahassee schraubt sie mit ihrem Partner Al Love an edlen Karossen. Die Ankunft eines Boten aus dem Großherzogtum Hessenberg versetzte der jungen Frau einen regelrechten Schock. Die Amerikanerin Reggie Beswick soll in Wirklichkeit die lange verschollene Königliche Hoheit Prinzessin Regina Alice Beswick von Augustin-Sachsen und rechtmäßige Thronerbin sein. Als Hessenbergs Kulturminister Tanner Burkhardt sie in seine Heimat bringen möchte, kommt das Temperament der rothaarigen Frau mit den blitzenden blauen Augen zu Vorschein. Reggie mag keine Veränderungen, und sie hat es sich in ihren hübschen kleinen Kopf gesetzt, ihre erst kürzlich gegründete Werkstatt in Tallahassee weiter zu führen. Doch der charmante Tanner bringt ihre rigorose Ablehnung ins Wanken, als er Reggie die Konsequenzen vor Augen führt. Wie wird Reggie sich entscheiden? Wird sie die Verpflichtungen ihrer königlichen Familie gegenüber wahrnehmen, oder sich gegen ein Leben im Land ihrer Urgroßmutter Alice entscheiden?

Rachel Haucks Geschichte ist ein klassisches Märchen, von dem jedes junge Mädchen schon einmal geträumt hat: einmal Prinzessin zu sein, das normale Leben hinter sich zu lassen und diesen Traum zu leben. In humorvollem Schreibstil erzählt die Autorin von der flapsigen Amerikanerin, der nach und nach einige Bemerkungen und Geschichten ihrer Großmutter in den Sinn kommen, denen sie jedoch bislang kaum oder gar keine Beachtung geschenkt hatte. Ein Fehler, wie sich herausstellt.

Die Autorin hat mit dem Wirbelwind Reggie und dem selbstbewussten jungen Rechtsanwalt Tanner zwei charmante Protagonisten erschaffen, die zwar im Buch eine dominierende Stellung einnehmen, jedoch durch einige sehr sympathische Nebenfiguren bereichert werden. Reggies Arbeitskollegen Rafe, Ole Wally und Sergeant Al Love wachsen dem Leser bereits nach kurzer Zeit ans Herz, ebenso wie ihr zerstreuter, liebevoller Vater Noble und ihre Stiefmutter Sadie. Der 32jährige Tanner Burkhardt hütet seinerseits ein Geheimnis, das erst nach und nach langsam gelüftet wird, und durch die Person des Seamus Fitzsimmons präsentiert Rachel Hauck den Bösewicht dieses Buches.

„Prinzessin wider Willen“ ist eine fröhliche, turbulente Komödie, eine Geschichte um eine burschikose junge Amerikanerin, die als letzte Thronerbin wieder in den Palast ihrer Ahnen zurückkehren soll. Ein Traum wird wahr … oder auch nicht?! Ein lesenswertes, abwechslungsreiches Abenteuer mit viel Herz, Gefühl und vor allen Dingen viel Humor!

Veröffentlicht am 16.04.2018

Am meisten bereuen wir in unserem Leben nicht das, was wir machen. Sondern das, was wir NICHT machen

Das Foto meines Lebens
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„Am meisten bereuen wir in unserem Leben nicht das, was wir machen. Sondern das, was wir NICHT machen“.

Die 32jährige Elizabeth Garret Westbrook lebt nach dieser Devise. Die mutige junge Frau aus Washington ...

„Am meisten bereuen wir in unserem Leben nicht das, was wir machen. Sondern das, was wir NICHT machen“.

Die 32jährige Elizabeth Garret Westbrook lebt nach dieser Devise. Die mutige junge Frau aus Washington verlor bereits als fünfjähriges Mädchen ihre Mutter und wurde von ihrem Vater, dem US-Senator Oberst Garret Eisenhower Westbrook, zwar streng, aber liebevoll erzogen. Sie möchte ihn nicht enttäuschen und sich seinem Berufswunsch für sie offen widersetzen, Lehrerin in einer kleinen Schule in Colorado zu werden. Also verheimlicht sie ihm ihre Arbeit, bei der sie im kleinen Ort Timber Ridge in den Rocky Mountains an ihrer Karriere als Fotografin und Journalistin bastelt. Elizabeth’s kupferfarbene Locken sind genauso ungezähmt, wie ihre Besitzerin, und sie strebt mit Hartnäckigkeit und Durchsetzungsvermögen danach, die begehrte Position einer Journalistin beim Washington Daily Chronicle zu erringen. Als sie im Zuge von Fotoaufnahmen einem Mann mit unkonventionellem Auftreten und Äußeren begegnet, nutzt sie die Gelegenheit geschickt, um diesen ausgezeichneten Fährtenleser und Jäger für eine Expedition zu besonders malerischen Landschaften in den Indianerregionen zu engagieren. Die kategorische Ablehnung ihres Ansinnens durch den selbstsicheren Daniel Ranslett stellt für Elizabeth eine Herausforderung dar, und sie setzt alles daran, ihn für ihren Plan zu gewinnen. Dass sie dabei nicht ganz aufrichtig ist, scheint nicht nur ihren feinsinnigen und aufrichtigen Assistenten Josiah zu stören…

Tamera Alexander hat mich mit ihrem Buch ins Amerika zur Zeit der Besiedelungen zurück versetzt, als mutige wie abenteuerlustige Menschen ins Unbekannte aufbrachen, um eine neue Existenz im so genannten „Wilden Westen“ aufzubauen. Auf diese Weise haben mich sowohl die Tatsache, dass die Autorin sich mit einem meiner favorisierten Themen befasst, als auch die positiven Leseeindrücke ihrer bisherigen Bücher, für diese Neuerscheinung interessiert.

In äußerst einnehmendem Schreibstil erzählt Tamera Alexander ihren Lesern die Geschichte der selbstbewussten, lungenkranken Tochter aus gutem Hause, die ihren eigenen Weg gehen möchte und dabei so einige Konventionen missachtet. Die handelnden Personen wurden detailliert beschrieben, die Autorin ist hierbei aber auch sehr um ihre Nebenfiguren bemüht. Besonders für sich eingenommen haben mich die Figuren des ehemaligen Sklaven und Elizabeths feinsinnigen Assistenten Josiah Birch sowie die sympathische Patchwork-Familie Tucker, Daniels Freunde, die er unterstützt, wo er nur kann. Tamera Alexander präsentiert ihrer Leserschaft eine Romanze zwischen einem rauen und geheimnisvollen Abenteurer mit beeindruckendem Äußeren und einer eigenwilligen jungen Frau, und belebt ihre Geschichte mit einem Mordfall, der einen gewissen Spannungsfaktor und Abenteuer ins Spiel bringt. Weitere Aspekte sind die Verarbeitung traumatischer Kriegserlebnisse des Protagonisten sowie der christliche Glaube, dem in diesem Buch ein gewisser Stellenwert zukommt.

Leider hat mich das Coverfoto trotz des positiven und Interesse weckenden Ersteindrucks letztendlich ein klein wenig enttäuscht. Von den vielfach im Buch beschriebenen ungezähmten, kupferfarbenen Locken, oftmals auch als Korkenzieherlocken bezeichneten Haar der Protagonistin, ist hier nichts zu sehen. Die junge Frau mit dem rätselhaften, etwas nachdenklichen Gesichtsausdruck auf dem Titelbild hat zurück gekämmtes, glattes langes Haar. Aufgrund der Tatsache, dass diese wilde, unbändige Haarpracht inhaltlich so oft erwähnt wird, hätte ich mir auch ein entsprechendes Bild von Elizabeth erwartet. Nichtsdestotrotz ist das Buchcover ein perfekter Blickfang für Fans historischer Romane, die im Wilden Westen spielen und fordert den weiblichen Betrachter geradezu auf, den Klappentext zu lesen und sich in den Inhalt zu vertiefen.

Fazit: „Das Foto meines Lebens“ hat mir einige vergnügliche Lesestunden beschert und ich warte bereits gespannt auf die nachfolgenden Romane dieser Autorin. Eine klare Empfehlung für Liebhaber historischer Romane um die Besiedelung des Wilden Westens!

Veröffentlicht am 16.04.2018

Manche Dinge sind das Warten wert

Eine bittersüße Liebe
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„Manche Dinge sind das Warten wert.“

Elaine Louise McCain weiß nur allzu gut, was es bedeutet, auf die Erfüllung ihres Herzenswunsches zu warten. Viele Jahre schwärmt sie bereits für Galen Cedric O‘Sullivan, ...

„Manche Dinge sind das Warten wert.“

Elaine Louise McCain weiß nur allzu gut, was es bedeutet, auf die Erfüllung ihres Herzenswunsches zu warten. Viele Jahre schwärmt sie bereits für Galen Cedric O‘Sullivan, der in ihr jedoch lediglich die kleine Schwester seines besten Freundes Josh sieht. Doch Laneys Hartnäckigkeit macht sich bezahlt, denn nach und nach beginnt Galen, sie mit anderen Augen zu betrachten – er erkennt plötzlich, zu welch bezaubernder jungen Frau die kleine Laney heran gewachsen ist. Der verliebte Mann beginnt, um sie zu werben, und seine Absichten sind ernst. Er möchte Laney noch vor Weihnachten mit einem Heiratsantrag überraschen und ihre gegenseitige wachsende Zuneigung durch eine baldige Ehe besiegeln. Doch leider kommt es vollkommen anders als geplant, und ein Akt der christlichen Nächstenliebe bringt für Galen fatale Folgen mit sich.

Cathy Marie Hake hat mit ihrem aktuellen Roman die Schattenseiten der Liebe aufgezeigt. Zunächst die verletzende Tatsache einer einseitigen Verliebtheit, das Gefühl, nicht beachtet und als Frau nicht wahrgenommen zu werden. Nach einer Tragödie, die der Protagonistin beinahe das Herz bricht, werden die Kraft der Vergebung und die selbstlose Nächstenliebe zu einem der Hauptthemen dieses Buches. Eine tragende Rolle spielt hierbei der christliche Glaube, der für die handelnden Personen von großer Bedeutung ist bzw. diese im Verlauf der Geschichte gewinnt. „Eine bittersüße Liebe“ bereitete mir besonders durch die Ereignisse im letzten Abschnitt des Buches großes Lesevergnügen. Ich vermisste bei der Charakterisierung der Figuren dieses Romans jedoch ein wenig Tiefe. Sowohl die Protagonisten Galen und Laney, als auch die zahlreichen Nebenfiguren waren mir zu wenig detailliert beschrieben, sie vermochten es nicht, mich vollständig ins Geschehen einzubeziehen. Einige der Handlungen und Motivationen konnte ich nicht nachvollziehen bzw. erschienen mir ein wenig konstruiert. Dennoch habe ich den einnehmenden Schreibstil der Autorin genossen, entfloh für ein paar Stunden ins Kalifornien des Jahres 1860 und verfolgte die Lebens- und Liebesgeschichten der O’Sullivans und Grubbs sowie deren Freunde.

Ich kann dieses Buch jedem Leser mit einem Faible für romantische Liebesgeschichten mit christlichem Bezug und einigen Verwicklungen empfehlen. Vier solide Bewertungssterne für kurzweiliges Lesevergnügen der romantischen Art.

Veröffentlicht am 16.04.2018

Verstehe wer du bist

Verstehe, wer du bist
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„Gefallensein liegt nicht im Wesen unserer Natur, Gott hat uns als beziehungsorientierte, leidenschaftliche, durchdacht handelnde und zielgerichtete Menschen geschaffen. Er hat uns aber nicht dazu konzipiert, ...

„Gefallensein liegt nicht im Wesen unserer Natur, Gott hat uns als beziehungsorientierte, leidenschaftliche, durchdacht handelnde und zielgerichtete Menschen geschaffen. Er hat uns aber nicht dazu konzipiert, selbstsüchtig zu sein. Mit Hilfe der Schlange haben wir uns dieses Problem selbst eingebrockt.“

Der Bestseller-Autor und geistlicher Leiter des amerikanischen Verbands christlicher Seelsorger Dr. Larry Crabb weiß, wovon er in diesem Buch spricht. In seinen theoretischen Ausführungen über die Beziehungen eines Christen zu Gott, zu anderen und zu sich selber, führt er immer wieder Fallbeispiele aus der Praxis an. Crabb ist felsenfest davon überzeugt, dass der Mensch für Beziehungen geschaffen ist und trotz dieser kalten, gleichgültigen Welt, in der wir leben, immer eine Sehnsucht nach Liebe und Bestätigung vorhanden ist, die nur die Gemeinschaft bieten kann.

„Wir sind entschlossen, unser Leben in den Griff zu bekommen, damit es reibungslos läuft. Und wenn das nicht funktioniert, hassen wir Gott dafür, dass er so wenig tut, um uns zu helfen. Wir hassen andere, wegen ihrer Gleichgültigkeit. Und wir hassen uns selbst, weil wir nicht in der Lage sind, uns unser eigenes Wohlgefühl zu schaffen.“

Nach kurzen einleitenden Worten konzentriert sich der Autor in insgesamt sechs Buchkapitel auf diese Beziehungen, wirft Fragen auf, bespricht Probleme und bietet Lösungsansätze. Die konkreten Praxisbeispiele nimmt er zum Anlass, von Menschen zu erzählen, die ihr Leben zu bewältigen suchen und berichtet von der Angst vor Unzulänglichkeit, fehlender Liebenswürdigkeit und Sinnlosigkeit. Leidenschaftlicher Gehorsam und die Verderbtheit des Menschen werden ebenso thematisiert wie die Prozesse, die Bibel ihres Lebens zu berauben. Sünde definiert Crabb „als die Wurzel jeder Unfähigkeit zu lieben, jeder Entmutigung ohne Trost und jedes Kampfes, der unsere Brauchbarkeit für gute Zwecke verhindert.“

Das Buch ist zwar gering an Seitenzahlen, bietet aber eine große Fülle an Weisheit und kluger Erkenntnisse, es verleitet den Leser unweigerlich dazu, auch sein eigenes Beziehungsleben zu hinterfragen. Ein tiefsinniger Ausflug mit dem Ziel, von Herzen Gott zu suchen, der mit Sicherheit aber auch viele unbequeme Fragen aufwirft und zum Teil niederschmetternde Selbsterkenntnis zu provozieren vermag.

Ein kleiner Ratgeber, der es wirklich in sich hat!

Veröffentlicht am 16.04.2018

Weil du mir versprochen bist

Weil du mir versprochen bist
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Dieser Buchtitel hat mich ein wenig in die Irre geführt. Die Aussage „Weil du mir versprochen bist“ symbolisierte für mich eine Liebe zwischen zwei jungen Menschen, die sich gegenseitig das Eheversprechen ...

Dieser Buchtitel hat mich ein wenig in die Irre geführt. Die Aussage „Weil du mir versprochen bist“ symbolisierte für mich eine Liebe zwischen zwei jungen Menschen, die sich gegenseitig das Eheversprechen geben – und zwar aus freien Stücken und frohen Herzens. Leider gestalten sich die Voraussetzungen in diesem Roman für die 17jährige Leonie Sawyer ein wenig anders. Leonies Kindheit ist von der Alkoholsucht und Brutalität ihres Vaters gezeichnet, der gestohlene Kuss des lebenslustigen Mandolinenspielers und Frauenhelden Gideon O’Riley lässt die Situation eskalieren. Der „große Herzensbrecher von Rocky Knob“ wird unter Gewaltandrohung dazu gezwungen, Leonie zu heiraten, die ihrerseits ohnedies kein Mitspracherecht hat bzw. es auch niemals hatte. Um finanzielle Mittel und Platz ist es sowohl in Leonies, als auch in Gideons Familie knapp bestellt und die jungen Eheleute brechen auf in ein neues Leben, ins Unbekannte, auf der Suche nach Arbeit. Hunger, Erschöpfung und das unbarmherzige Verhalten Gideons führen schließlich zu Leonies Zusammenbruch, als unvermittelt ein alter Mann namens Jebediah auftaucht. Er und seine Ehefrau Elsie nehmen die O’Rileys bei sich auf und Leonie darf zum ersten Mal in ihrem Leben das Gefühl von Liebe und Geborgenheit bei den beiden warmherzigen Menschen erfahren. Doch Gideon schwankt immer noch zwischen seinem alten und dem neuen Leben und wird sich für eine dieser beiden Welten entscheiden müssen…

Ich war ein wenig zwiegespalten in meiner Buchbewertung. Anfangs zeichnet die Autorin ein sehr deutliches Bild vom Leben ihrer beiden Protagonisten, die beide in ärmlichen Verhältnissen aufwuchsen, wobei Leonie abgesehen von Hunger und Einschränkungen auch noch die Unberechenbarkeit und Schläge ihres Vaters aushalten musste. Das Mädchen sehnte sich danach, endlich volljährig zu sein und zu ihrer liebenswürdigen Tante Sarah zu ziehen, die ihren Unterhalt durch die Herstellung von Seifen verdiente. Bei der gottesfürchtigen Frau fand Leonie stets Zuflucht und Trost, den Sarah ihr auch durch die gemeinsame Lektüre der Bibel vermitteln konnte. Die Fehlinterpretation eines erzwungenen Kusses, die zur Zwangsheirat führt, erweckte in Leonie den Eindruck, von einer Abhängigkeit in die nächste zu fallen, nahm ihr jegliche Hoffnung auf Freiheit und Glück.

Die Gefühls- und Gedankenwelt der beiden Hauptakteure fand ich außerordentlich gut dargestellt – man konnte als Leser die persönliche Entwicklung besonders bei Gideon sehr gut miterleben. Etwas unglaubwürdig stellten für mich jedoch Gideons Handlungen dar. Seine in kursiver Schrift ausgedrückten Gefühle und Gedanken stehen in einigem Widerspruch zur Brutalität und Härte, mit der er seine junge Ehefrau behandelte. Bei manchen Passagen dieses Buches hatte ich beinahe den Eindruck, dass dieser Mann einen räudigen Hund wohl besser behandeln würde, als das unschuldige junge Mädchen, das ihm gegen seinen Willen angetraut wurde.

Mit Jebediah und Elsie brachte Joanne Bischof ein wunderbares altes Ehepaar ins Spiel, zwei Menschen, die das Gute im Leben symbolisieren. Für Leonie war es ein Ankommen, Gideon wurde jedoch ein Spiegel vorgehalten, für ihn begann eine schwere Zeit des Arbeitens – nicht nur in körperlicher Hinsicht, sondern auch an sich selber.

Die Geschichte an sich hat mich - abgesehen von Gideons eiskalter Lieblosigkeit und Grausamkeit – ansonsten vollends überzeugt, meine beiden favorisierten Figuren dieses Buches waren ohne Zweifel Jebediah und Elsie. Der innere Konflikt Gideons wurde ebenfalls sehr gut skizziert, mir wurde für meinen Geschmack jedoch zu wenig auf die Nebenfiguren eingegangen. Gerne hätte ich mehr über tief gläubige Sarah, Leonies Tante, erfahren. Das Verhalten von Gideons Mutter hinterließ bei mir ebenfalls offene Fragen… ihre deutlich spürbare Zuneigung zu ihrem ältesten Sohn steht in starkem Widerspruch zu ihrem Verhalten, eine angedeutete frühere Verliebtheit seiner Mutter bleibt ebenfalls im Raum stehen. Leonies Mutter wird zwar kurz erwähnt, bleibt jedoch weitgehend im Hintergrund.

FAZIT: Mit „Weil du mir versprochen bist“ hat Joanne Bischof einen gefühlvollen Liebesroman verfasst, der den Leser gefangen nimmt. Man taucht ein in das harte Leben der ländlichen Bevölkerung dieser Zeit, in der die Menschen schwer arbeiten mussten, um ihre Familien ernähren zu können. Das Schicksal Leonies steht wohl sinnbildlich für die damals durchaus üblichen Zwangsheiraten, wobei es der Autorin vortrefflich gelungen ist, die inneren Kämpfe und die charakterliche Entwicklung und Läuterung ihrer Protagonisten darzustellen. Der Glaube spielt eine große Rolle im Buch und der einnehmende Schreibstil und die zum Teil äußerst liebenswerten handelnden Personen machten das Lesen zu einem Vergnügen. Abgesehen von kleinen, bereits erwähnten Kritikpunkten möchte ich dieses Buch von Herzen weiter empfehlen und würde in Form eines Nachfolgebandes gerne mehr über Gideon und Leonie erfahren.