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Veröffentlicht am 16.04.2018

Ein ausgezeichneter Gerichtsthriller mit geschichtsträchtigem Hintergrund

Tödlicher Atemzug
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Ein ausgezeichneter Gerichtsthriller mit geschichtsträchtigem Hintergrund

Als Kieran Mullaney, der 25jährige Angestellte einer Überwachungsfirma für nukleare Tests, seinen letzten Auftrag für Covington ...

Ein ausgezeichneter Gerichtsthriller mit geschichtsträchtigem Hintergrund

Als Kieran Mullaney, der 25jährige Angestellte einer Überwachungsfirma für nukleare Tests, seinen letzten Auftrag für Covington Nuclear ausführte, ereignete sich auf dem Gelände der Industrieruine Hanford im Nuklearsperrgebiet ein Unfall. Ein riesiger Tank explodierte und setzte eine große, grün-orange Rauchfahne frei, es fielen plötzlich Schüsse und die Lichtanlage fiel aus. Auch die Sirenen, die die Arbeiter vor einer möglichen Verstrahlung warnen sollen, setzten erst mit einiger Verspätung ein. Kieran überlebte die Folgen der Detonation zwar, setzte aber alle Hebel in Bewegung, um die Ursache dafür herauszufinden. Bereits sein eigener Vater arbeitete für Hanford, und starb einen langsamen, qualvollen Krebstod. Aus diesem Grund fürchtete der gutaussehende blonde junge Mann etwaige Spätfolgen und forderte die Preisgabe jener Substanzen, die bei diesem Unfall freigesetzt wurden. Doch je mehr er sich um Aufklärung bemühte, umso mehr Hindernisse stellten sich ihm in den Weg. Lewis Vandervork, einer der beiden Wachmänner, die damals vor Ort waren, verschwand spurlos, sein Partner Patrick „Poppy“ Martin litt nach der Explosion an hartnäckigem Husten und Kopfschmerzen. Auch seine Bemühungen, eine Verstrahlung seiner Person zu überprüfen, scheiterten. Kirean Mullaneys darauffolgender Entschluss, einen Prozess gegen die Covington Nuclear Corporation anzustrengen, machte einige Personen mächtig nervös. Als seine Anwältin kurz vor Prozessbeginn den Fall niederlegte, war rascher Handlungsbedarf angesagt. Kieran brauchte dringend einen neuen, guten Prozessanwalt. Seine Wahl fiel dabei auf Emily und Ryan Hart, eine ehemalige Studienkollegin, die seit einiger Zeit im Büro eines Pflichtverteidigers tätig war, und ihren brillanten Vater, ebenfalls Anwalt. Gemeinsam versuchten sie, neue Beweise zu sammeln und Licht in die Angelegenheit zu bringen. Ein neuer, wie aus dem Nichts aufgetauchter Experte, der sich auffallend kostengünstig für eine Expertise zur Verfügung stellte, brachte jedoch nicht nur neuen Aufschwung in den Fall, sondern erweckte in dem gewieften Anwalt Ryan Hart auch einige Zweifel. Dr. Minh Tran, der vietnamesische Wissenschaftler und einer der jüngsten Doktoranden in Physik, die je in Princeton promoviert worden waren, kam exakt zum richtigen Zeitpunkt… den Bedenken von Kierans Anwälten zufolge zu passend. Konnten sie dem Mann vertrauen? Und welche Rolle spielte der schweigsame Rancher Ted Pollock? Wie würden Poppys Arbeitskollegen Taylor Christensen und Steve Whalen aussagen, die zum Zeitpunkt des Unglücks Dienst mit Kieran hatten? Und weshalb verschwand Poppys Partner so rasch, ohne irgendjemandem einen Hinweis auf seinen Aufenthaltsort zu geben? Und wer steckt als Drahtzieher hinter all dem Ganzen bzw. welches dunkle Geheimnis soll hier um jeden Preis gehütet werden?

Todd Johnson wird dem Leser, dessen Interesse nun hoffentlich geweckt ist, all diese Fragen detailliert beantworten. Sein flüssiger Schreibstil und der hohe Spannungsfaktor, der das ganze Buch über anhält, lässt keine Sekunde Langeweile aufkommen. Dieser Thriller ist prädestiniert, innerhalb weniger Stunden regelrecht verschlungen zu werden, und zählt für mich zu einen der spannendsten Leseerlebnisse des heurigen Jahres.

Fünf Bewertungssterne für einen ausgezeichneten Gerichtsthriller mit einem geschichtsträchtigen Hintergrund – nämlich die erschreckende Geschichte des Nuklearsperrgebiets von Hanford am Ostlauf des Columbia River, im Osten des Bundesstaats Washington.

Veröffentlicht am 16.04.2018

Pardon, ich bin Christ

Pardon, ich bin Christ
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Im Geleit bezeichnet Christian Rendel „Pardon, ich bin Christ“ als eines der einflussreichsten Bücher des zwanzigsten Jahrhunderts und nennt es den Klassiker der christlichen Apologetik schlechthin, basierend ...

Im Geleit bezeichnet Christian Rendel „Pardon, ich bin Christ“ als eines der einflussreichsten Bücher des zwanzigsten Jahrhunderts und nennt es den Klassiker der christlichen Apologetik schlechthin, basierend auf Radiovorträgen des Autors. C. S. Lewis hat mit diesem Werk keine hochgestochene, philosophische Abhandlung für Fachleute geschrieben, sondern ein Buch für eine allgemeine Leserschaft. Die vorliegende Ausgabe ist eine neue, erstmals vollständige deutsche Übersetzung des Klassikers aus dem Jahre 1952 und präsentiert den Worten des Autors zufolge „ein einvernehmliches, allgemeines, zentrales oder bloßes Christentum“.

Diese Ausgabe gliedert sich in insgesamt vier Teile – jeweils Erstes, Zweites, Drittes oder Viertes Buch genannt, und wird von einem Vorwort des Autors eingeleitet. In den verschiedenen Kapiteln thematisiert C.S. Lewis unter anderem das Gesetz der menschlichen Natur und dessen Hintergründe, die rivalisierenden Vorstellungen von Gott, Christliches Verhalten und Ethische Aspekte wie die Sozialethik, Psychoanalyse, Sexualethik und die Christliche Ehe, weiters behandelt er die Themenbereiche Sünde und Vergebung, Nächstenliebe, Hoffnung und Glaube, und konzentriert sich dann letztendlich im vierten Buch auf das Verständnis der Dreieinigkeit.

Der Schreibstil des Autors ist weit weniger anspruchsvoll, als ich zunächst befürchtet hatte. Angesichts der Themenauswahl in der Kapitelübersicht erwartete ich eine Fülle von theologischen Erläuterungen, die mein Verständnis weit überschreiten. C.S. Lewis verstand jedoch die Kunst, seine Ausführungen in einfacher, auch für Laien verständlicher Sprache zu vermitteln und unterlegt sie mit anschaulichen Beispielen aus dem täglichen Leben.

Detailliert auf die einzelnen Inhalte der vier Kapitel einzugehen, wäre Rahmen sprengend und würde anhand der zwangsläufig entstehenden Spoiler dem interessierten potenziellen Leser wohl um sein Lesevergnügen bringen. Ich kann nach der Lektüre dieses ganz besonderen Buches bestätigen, dass es für meine Person Augen öffnend war, dass es mich ganz besonders beeindruckt, und wohl auch bereichert, hat. „Pardon, ich bin Christ“ ist ein außergewöhnliches Werk eines Autors, den ich bislang nur aus den Erzählungen um das fiktive Königreich Narnia kannte, und der mich durch das vorliegende Buch neugierig auf seine weiteren Werke gemacht hat.

Veröffentlicht am 16.04.2018

Das Einzige, was man einem Menschen geben kann, ohne ihn zu verletzen, ist eine Chance“

Liebe, die ankommt
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„Das Einzige, was man einem Menschen geben kann, ohne ihn zu verletzen, ist eine Chance“

Dr. Wess Stafford, seit 1993 Präsident und geschäftsführender Direktor von „Compassion International“, weiß aus ...

„Das Einzige, was man einem Menschen geben kann, ohne ihn zu verletzen, ist eine Chance“

Dr. Wess Stafford, seit 1993 Präsident und geschäftsführender Direktor von „Compassion International“, weiß aus eigener Erfahrung, wovon er spricht, wenn er dafür plädiert, Kindern in den ärmsten Regionen der Welt eine Chance zu geben. Er beschreibt deren Verletzlichkeit und Hilflosigkeit und schildert, wie sie überall auf der Welt immer wieder zu Opfer werden.

Der warmherzige, äußerst mitfühlende Mann wuchs als Sohn eines Missionarsehepaares in einem entlegenen und bettelarmen westafrikanischen Dorf auf. In seinem Buch „Liebe, die ankommt“ erzählt er von seiner glücklichen Kindheit an der Elfenbeinküste in Westafrika, stellt seinen Lesern seine afrikanischen Freunde vor, berichtet vom liebevollen und wertschätzenden Umgang in der Dorfgemeinschaft des kleinen afrikanischen Dorfes Nielle, wo er seiner Aussage nach „die schönste Zeit seiner Kindheit verbringen durfte, und wo sich seine einzige Heimat befindet“. Die lebhaften Schilderungen des Alltags in Nielle werden überschattet von seiner Internatszeit, die er neun Monate pro Jahr in einer Missionarsschule verbringen musste, und die von Gewalt und Grausamkeit geprägt war. Wess Stafford berichtet über die physischen und psychischen Misshandlungen in dieser Anstalt, einem Ort strenger Kontrollen und fürchterlicher Strafen, die ihn dennoch nicht an seiner Situation verzweifeln oder gar seinen Glauben an Gott verlieren ließen. Gerade sein tiefer Glaube machte ihn stark, und die schlimmen Erlebnisse seiner Schulzeit prägten den Autor, sodass er nach seiner Rückkehr nach Amerika begann, ein Anwalt der Kinder zu werden. Seine qualvollen Jahre im Internat formten Wess Stafford für einen lange anhaltenden Kampf im Namen missbrauchter und misshandelter Kinder. Er plädiert dafür, dass Erwachsene sich für die Verletzlichen und Schwachen einsetzen, den Kindern Sicherheit gewähren und Respekt zollen sollen. Durch seine Arbeit bei Compassion möchte er bewirken, dass Kinder erfahren dürfen, nicht alleine gelassen zu werden, dass sie geliebt und angenommen sind. Dies bezeichnet er als „Ein Stückchen Himmel auf Erden“. Seiner Meinung nach ist das wichtigste Element im Kampf gegen die Armut, jemandem eine Chance zu geben, an den Menschen zu glauben, ihn aufzumuntern, nicht aufzugeben. Wess Stafford hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, sich für die Bedürfnisse und Belange von Kindern einzusetzen, für deren Interessen einzutreten… „Kindheit – wir durchleben sie nur ein einziges Mal. Es gibt keine zweite Chance“.

Ich habe dieses Buch mit großem Interesse und noch größerer Faszination gelesen. Der Autor beschreibt hier nicht nur seine eigenen Kindheitserlebnisse, sondern versteht es dabei exzellent, den Leser für ein Leben in einer der ärmsten Regionen der Welt zu interessieren. Durch seine detaillierten Schilderungen des Alltags und der Geborgenheit in der afrikanischen Dorfgemeinschaft lässt der Autor die glücklichsten Jahre seiner Kindheit Revue passieren und nimmt den Leser dabei mit auf eine emotionale Reise in die Vergangenheit, zur Elfenbeinküste, lässt ihn an den Aufgaben der Kinder teilhaben wie das Bewachen der Felder vor der Ernte, das Verjagen von diebischen Affen im Gebüsch oder der Jagd nach Vögeln als Beitrag zur Ernährung des Stammes. Er erzählt von Freundschaften, die geschlossen wurden, von glücklichen Zeiten und Augenblicken der Trauer, von dem unbändigen Willen, die Folter im Internat zu überstehen, von Abschied und Verlust.

„Wir müssen die Kinder in der heutigen Welt einzeln betrachten. Wir müssen uns um sie bemühen- um ein Kind nach dem anderen. Wenn genügend von uns dies tun, kann Großes erreicht werden. Jeder von uns hat einen Einflussbereich, Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung, die wir mit unseren Worten und Taten beeinflussen können. Manche dieser Menschen haben beträchtliche Fähigkeiten, eine sehr fruchtbare, segensreiche Kinderarbeit zu leisten. Sie müssen sich dessen nur bewusst werden. Wenn wir aus ihnen Advokaten – Anwälte der Kinder – machen könnten, wäre vielen Kindern geholfen, die wir auf andere Weise niemals erreichen könnten, und das auf eine Art, wie wir es niemals fertiggebracht hätte."

„Liebe, die ankommt“ ist ein Buch, das ich jedem ans Herz legen möchte. Fünf Bewertungssterne und eine uneingeschränkte Leseempfehlung für dieses beeindruckende Plädoyer, jedem Kind auf dieser Erde eine Chance zu geben.

Veröffentlicht am 16.04.2018

Ein Höllenritt durch unser Gesundheitssystem

Der goldene Skalp
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Renate Hartwig bezeichnet dieses Buch als einen „Höllenritt durch unser Gesundheitssystem“. Der Tanz um das „Goldene Kalb“, die Gier nach dem Geld, mit dem ihrer Ansicht nach das System verseucht ist, ...

Renate Hartwig bezeichnet dieses Buch als einen „Höllenritt durch unser Gesundheitssystem“. Der Tanz um das „Goldene Kalb“, die Gier nach dem Geld, mit dem ihrer Ansicht nach das System verseucht ist, spielt eine zentrale Rolle in dieser Abhandlung, die zeigt, wie sehr die Kassenpatienten zur Kasse gebeten, dabei aber keine detaillierte Informationen über die Verwendung ihrer Beiträge erhalten. Die Autorin berichtet sehr direkt und anhand vieler Beispiele aus der Berufspraxis von Ärzten, Therapeuten, Pflegern wie auch Patienten und ermuntert ihre Leser, mutig zu sein, aufzustehen und Engagement zu zeigen, zu protestieren. In insgesamt 13 Kapiteln vermittelt sie Einblicke in ihre umfangreichen Rechercheergebnisse. Sie klagt dabei aber nicht nur das Gesundheitssystem an, sondern weist auch auf Patienten hin, die ihrerseits zu „Schnäppchenjäger“ werden, die das Gefühl für den Wert der Dinge und das Bewusstsein dafür verloren haben, dass wir selber ebenso eine Verantwortung für dieses System haben.

Dieses Buch war in vielen Bereichen für meine Person „Augen öffnend“, beleuchtet die Situation der Krankenkassen, der Ärzte, der Patienten, warnt davor, den Menschen als Produkt, und Krankheit als Ware zu sehen, und dies über den Wettbewerb marktgerecht zu organisieren. Renate Hartwig beschreibt, mit welcher Raffinesse und welchem Geschick Verschleierungstaktiken aufgehen, wie wenig der Beitragszahler im Grunde tatsächlich über die Hintergründe unseres Gesundheitssystems weiß, und wie Systemfehler passieren können. Sie weist auf die Pharmaindustrie, die Klinikkonzerne, die IT-Industrie und die Beratungswirtschaft hin, die sich ihrerseits um das „goldenen Kalb“ scharen. Sie beschreibt das Gefühl des Ausgeliefertseins angesichts der Erkenntnis, dass Menschen überall im Land dieselben Erfahrungen machten, erzählt von ihren Ängsten, ihrer Hilflosigkeit und Ohnmacht angesichts der Tatsache, dass Anerkennung der Leistungen oder Wertschätzung immer unwichtiger werden. Renate Hartwig fordert von den Kassenpatienten mehr Selbstbewusstsein als Hauptfinanzierer dieses Systems, das ihrer Aussage nach bewusst undurchsichtig und intransparent gehalten, verbürokratisiert, überverwaltet und durch unzählige Gesetze eingeengt wird.

Ich darf die Lektüre dieses interessanten Buches durchaus als bereichernde Leseerfahrung bezeichnen, jedoch fehlten mir als Einwohnerin eines anderen europäischen Landes einige Wissensinhalte die im Buch thematisierten deutschen Institutionen, deutscher Politiker und die geltenden Gesetze Deutschlands betreffend.

Fazit: Eine klare Leseempfehlung und fünf Bewertungssterne für dieses Buch, das einen kritischen Blick aus der Sicht der Kassenpatienten auf das deutsche Gesundheitssystem wirft.

Veröffentlicht am 16.04.2018

Der Fluss macht etwas mit mir. Er erinnert mich daran, was wirklich wichtig ist

Der Fluss
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Der Fluss macht etwas mit mir. Er erinnert mich daran, was wirklich wichtig ist

„Die Steine fallen nun mal und wir können sie weder aufhalten noch vorher ahnen, dass sie kommen. Wir fließen immer weiter ...

Der Fluss macht etwas mit mir. Er erinnert mich daran, was wirklich wichtig ist

„Die Steine fallen nun mal und wir können sie weder aufhalten noch vorher ahnen, dass sie kommen. Wir fließen immer weiter … sind in Bewegung, leben… und irgendwie werden diese Ereignisse Teil unserer kunstvollen Lebenslandschaft. Es kommt immer darauf an, wie man die Dinge sieht“

John Clarke, der wortkarge 32jährige Mann mit den graublauen Augen und den strubbligen hellblonden Haaren, als Ausbildner von Wildwasser-Guides am „Whitefire River“ reich an Lebenserfahrung, verschwindet vor den Augen seines fünfjährigen Sohnes bei dem riskanten Versuch, einem Kajakfahrer das Leben zu retten und ertrinkt in den Fluten. Jener schicksalsträchtigen Tag, an dem etwas Außergewöhnliches und Gewaltiges geschah, als nämlich ein Mann sein Leben gab, um jenes eines anderen zu retten, bedeutet für seinen kleinen Sohn Gabriel das Ende seines bisherigen Lebens. Sein Vater, der zugleich sein großes Vorbild und sein bester Freund war, und der sich nach der Trennung von seiner Frau Maggie liebevoll um seinen Sohn gekümmert hatte und ihn alleine aufzog, würde nie wieder mit ihm Abenteuer am Fluss erleben, mit ihm Murmeln spielen, ihm über das Wesen des Flusses erzählen. Der kleine Junge wächst bei seiner Mutter Maggie in einem alten Farmhaus in Cairo, Kansas, auf und seine gesamte Kindheit wie auch seine Jugendjahre sind von schlimmen Alpträumen seinen großen Verlust betreffend geprägt. Doch auch im weit entfernten Kansas findet der kleine Gabriel Menschen, die sich liebevoll um ihn kümmern, und er findet Freunde, die ihn im Erwachsenenalter schließlich zu einer Rafting-Tour überreden. Es wird ein Ausflug, der Gabriels gesamtes Weltbild verändert, der ihn befreit und ihm eine neue Perspektive eröffnet. Und es wird ein Ausflug, der Gabriel zu Menschen führt, die von großer Bedeutung für ihn werden.

Michael Neale hat mit diesem Roman eine wundervolle, sehr zu Herzen gehende Geschichte geschrieben, in der man sich schlichtweg verlieren kann. Wenn man sich auf dieses Buch einlässt, vermeint man, das Rauschen des Flusses zu hören, die elementare Kraft seiner Stromschnellen und die geheimnisvolle Verbundenheit mit dem Fluss zu spüren. Die Geschichte des Gabriel Clarke wird mit der Geschichte der Wildwassertouren verflochten und mit vielen Lebensweisheiten bestückt. Michael Neals Buch erzählt über Kreuzungen und Irrwege im Leben, über gute und schlechte Entscheidungen, über Flucht und Heimkehr. Es erzählt über Schuld und Sühne, über Vergebung und Neubeginn.

Der Autor bedient sich hierbei interessanter Charaktere, wobei mich besonders der alte Ezra Buchanan und Jacob Fielding beeindruckten. Und er liefert in Form von Miss Vonda und Mr. Earl sowie Gabriels Lehrerin Lily Collingsworth auch äußerst liebenswerte Nebenfiguren, die dieses Buches bereichern. Mir haben sowohl der flüssige Schreibstil, als auch die Geschichte, die Michael Neale zu erzählen hatte, außerordentlich gut gefallen und ich kann dieses Buch von ganzem Herzen weiter empfehlen. „Der Fluss“ ist nicht nur interessant für Menschen, die dieses Element lieben, weit gefehlt. Es ist eine Lektüre, „die einen die Welt hinterher anders sehen lässt“, wie bereits im Klappentext angekündigt wird. Ein wundervoller Roman, dem ich nur zu gerne fünf Bewertungssterne gebe.