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Veröffentlicht am 17.04.2018

Gnadenlos

Gnadenlos
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Ein Telefonanruf, der die heile Welt des Protagonisten Tom Meron in Sekundenschnelle zusammen brechen lässt, der blutige Verfolgungsjagden auslöst und skrupellose Auftragskiller auf den Plan ruft. Ein ...

Ein Telefonanruf, der die heile Welt des Protagonisten Tom Meron in Sekundenschnelle zusammen brechen lässt, der blutige Verfolgungsjagden auslöst und skrupellose Auftragskiller auf den Plan ruft. Ein lange zurück liegendes Verbrechen, das um jeden Preis vertuscht werden muss und welches das Ermittlerduo Mike Bolt und Mo Khan auf den Plan ruft. Simon Kernick schreibt von Korruption, Mord, Bestechung, Ehebruch und Kidnapping und verdeutlicht durch seine Geschichte, wie ein plötzliches Ereignis einen langweiligen Alltag in Sekundenschnelle durcheinander bringen kann, wie eine bisher heile Welt urplötzlich aus den Fugen gerät und den Menschen in einen tödlichen Strudel an seine physischen und psychischen Grenzen treibt. Die Umsetzung seiner Idee ist Kernick meines Erachtens bravourös gelungen, insbesondere im Bereich der Spannung.

Der Schreibstil des Autors fand durchaus meine Zustimmung. Die Ich-Form als gewählte Erzählform des Protagonisten Tom hebt sich gut von der Erzählung des Autors ab und verweist auf diese Art noch deutlicher auf den Szenenwechsel (Übergang Erzählung durch Tom zur Erzählung durch Kernick als Beobachter). Die Sprache war zeitweise durchaus brutal, die Beschreibungen blutrünstig – jedoch in diesem Fall zum Thema passend. Eine kleine Leseprobe, ein Dialog von S. 122, veranschaulicht vielleicht, wie sehr dem Leser durch die detaillierten Beschreibungen die Beklemmung, ja die Todesangst, nahe gebracht wird: "Der Bewaffnete trat auf mich zu, hob die Pistole und zielte auf meine Kniescheibe. Ich wand mich wie wild in meinen Fesseln, absolut hilflos, und Angst jagte in heißen, lähmenden Stößen durch meinen Körper. Der Lauf der Pistole kam näher und näher, bis er nur noch dreißig Zentimeter von meinem Knie entfernt war. Ich konnte den Mann dahinter atmen hören. Seine Augen waren grau und ausdrduckslos, ohne das geringste Fünkchen Mitgefühl. Ich wandte den Kopf ab, damit ich diesen Blick nicht länger ertragen musste."

Simon Kernick schafft es hier spielend, mich das ganze Buch hindurch "bei der Stange zu halten" und in gewisser Weise kam es mir vor, als säße ich anstelle von Tom handlungsunfähig und dem Tode nahe vor dem Killer.

Die Spannung wird bereits durch besagten Telefonanruf zu Beginn aufgebaut, Angst und Beklemmung begleiten den Leser bis zur letzten Seite und Szenen wie eben beschrieben verschärfen sich im Tempo und bezüglich Brutalität. Kernick jagte mich gewissermaßen durch dieses Buch und holte im letzten Teil noch einmal gewaltig aus, was Spannung und Thrill angeht. Ein fulminantes Ende mit einigen Überraschungen …

Kernicks Protagonisten, das Ehepaar Tom und Kathy Meron, das Ermittlerduo Mike Bolt und Mo Khan, und der gewissenlose und äußerst brutale Psychopath Lench werden sehr detailliert gezeichnet. Meine Reaktionen als Leserin waren jedoch zwiespältig. Einerseits empfand ich Erleichterung aufgrund der realistischen Beschreibung der Figur des Tom Kernick, der keinen strahlenden, unverwundbaren, mutigen und selbstlosen Held darstellt, sondern einen „Mann von nebenan“ mit all seinen Fehlern und Schwächen. Auf der anderen Seite war mir der Charakter des Auftragskillers Lench nicht stimmig genug … das ganze Buch über ein wenig zu perfekt – zu brutal, zu skrupellos, zu unmenschlich – um dann gegen Ende in ein Verhalten von beinahe weinerlicher Angst umzuschlagen. Hier blieb Kernick seiner Figur des knallharten Bösewichts nicht treu.

Eine bis zuletzt undurchsichtige Person stellt für mich Kathy Meron dar. Auf Kathy wird anfangs eher wenig eingegangen, Kernick übertreibt es jedoch bis zum Finale bei der Darstellung ihrer Person. Ohne zuviel verraten zu wollen, möchte ich dennoch bemerken, dass ich mir ihre vielen Fehltritte und Sünden in so kurzem Zeitraum nicht vorstellen kann. Der Autor gibt mir an dieser Stelle das Gefühl, so viel wie möglich in diesen Charakter verpacken zu wollen. Kathy ist trotz ihrer Schwächen keine Person, die Mitgefühl oder gar Verständnis hervorzurufen vermag. Sehr ansprechend wiederum wirkte das Ermittlerduo Bolt – Khan, das nicht nur realistisch dargestellt wurde, sondern bei dem es Kernick sehr gut gelungen ist, den Gewissenskonflikt der Polizei in Extremsituationen zu beschreiben. Er bringt durch Mike Bolt das viel diskutierte Thema zur Sprache, wie die Hüter des Gesetzes in Sekundenschnelle reagieren, im Grunde über Leben und Tod entscheiden müssen. Auf der einen Seite das strikte Befolgen der Vorschriften im Auge zu behalten – auf der anderen Seite das Richtige zu tun, Loyalität und vor allem Charakterstärke zu zeigen.
Auf die Nebenfiguren des Buches, wie beispielsweise den Freund des Ehepaares, Jack Calley, der den Stein ins Rollen brachte - aber auch auf den geheimnisvollen Drahtzieher im Hintergrund - wird meines Erachtens zu wenig eingegangen. Die Figur „Daniels“ bleibt ein Mysterium und als Leser schwankte ich laufend zwischen den Eindrücken „Guter Cop – böser Cop“, ohne auf die erstaunliche Entwicklung am Ende dieses Thrillers auch nur im Geringsten gefasst zu sein.

Es handelt sich hierbei um ein Taschenbuch mit einem optisch besonders ansprechendem Cover. Dunkler, fast schwarzer Hintergrund, der Blutfleck und die Aufschrift „Gnadenlos“ sind erhoben und mit blutroter Farbgestaltung eindrucksvoll gelungen – allein die Optik vermittelt Grauen und Spannung.

Für den Freund von Spannung ist dieses Paradebeispiel von atemberaubender Spannung und halsbrecherischem Tempo absolut zu empfehlen. Für einen Krimifreund, der die detaillierte Fährtensuche bevorzugt, könnten winzige Logikfehler im Buch störend wirken.

Gemäß dem Zitat der „Times“ habe ich mir zwar keinesfalls „vor Spannung sämtliche Fingernägel abgebissen“, ich muss jedoch zugeben, dass ich bei einigen Passagen durchaus nahe dran war …

Veröffentlicht am 17.04.2018

Die Kälte in dir

Die Kälte in dir
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Der Fund einer seit beinahe zwei Wochen in seinem eigenen Garten verwesenden Leiche des übergewichtigen Egon Osswald löst scheinbar eine Kettenreaktion von Gewalttaten aus, die der Kommissarin Kristina ...

Der Fund einer seit beinahe zwei Wochen in seinem eigenen Garten verwesenden Leiche des übergewichtigen Egon Osswald löst scheinbar eine Kettenreaktion von Gewalttaten aus, die der Kommissarin Kristina Reitmeier zu schaffen machen.

Aufgrund der Sommerurlaube mangelt es der Dienststelle nicht nur an Personal, durch die Brisanz der Mordfälle wird Kristina auch noch Hauptkommissar Thorwald Decher als Leiter der Sonderkommission vor die Nase gesetzt. Die eigenwillige Ermittlerin muss sich fügen und seinen Weisungen folgen, was ihr aufgrund ihres aufbegehrenden Temperaments sichtlich schwer fällt. Da ihr Führerschein wegen Raserei am Steuer entzogen wurde, wird ihr der aufgrund eines Disziplinarverfahrens beurlaubte Kommissaranwärter Daniel Wolf zur Seite gestellt. Doch auch Daniel hat seinen eigenen Kopf. Die beiden ähnlich tickenden Ermittler müssen sich zunächst erst zusammenraufen, um als Team arbeiten zu können, auch wenn dies den ausdrücklichen Anordnungen ihrer Dienststelle entgegensteht. Daniels Arbeit soll sich ausschließlich auf das Fahren beschränken, während Kristina Klötze durch ihren Vorgesetzten Decher zwischen die Beine geworfen werden.

Als logische Konsequenz beginnen die beiden Protagonisten, auf eigene Faust zu ermitteln, agieren eigenmächtig und begeben sich damit auf äußerst gefährliches Terrain. Der Mörder scheint sie zu beobachten, ist ihnen stets einen winzigen Schritt voraus, und droht allmählich die Kontrolle zu verlieren. Wie die Ermittler letztendlich auf die Spur des gefährlichen Mörders kommen, erzählt uns der Autor Oliver Kern in diesem hoch spannenden Thriller.

Die Umsetzung seines Plots ist Oliver Kern hervorragend gelungen. Der bereits zu Beginn hohe Spannungsbogen bleibt während des ganzen Buches hindurch erhalten. Seinen flüssiger Schreibstil mochte ich von Beginn an, und das Fehlen langer verschachtelter Sätze empfand ich als hervorragendes stilistisches Mittel, das den rasanten Lesefluss, zu dem man angehalten wird, noch ein wenig mehr zu beschleunigen scheint. Einmal an Kristinas Seite in die Ermittlungen vertieft kann man sich als Leser nur äußerst schwer wieder daraus lösen und ist stets versucht, noch eine weitere Seite zu lesen, und noch eine … bis hin zum fulminanten Finale, wo alles zu eskalieren scheint.

Doch gerade dieses Finale vereitelte letztendlich meine Fünfstern-Bewertung. Die Aufklärung des Falles erschien mir zu gerafft, das Motiv hinter den Morden – und ganz besonders auch die Person des Mörders selber – ein wenig zu konstruiert, um glaubwürdig zu sein. Die handelnden Personen hat der Autor gut beschrieben, konzentrierte sich dabei aber in erster Linie auf die beiden Protagonisten. Die Nebenfiguren erhalten zwar ebenfalls Aufmerksamkeit, von einigen hätte ich mir jedoch mehr Informationen gewünscht. Da ich aber davon ausgehen kann, dass uns Kristina Reitmeier als Ermittlerin erhalten bleibt und es noch weitere Bände mit der Kommissarin als Protagonistin geben wird, wird auf die Charaktere wohl zukünftig noch detaillierter eingegangen werden.

Die optische Aufmachung des Buches warnt den Leser bereits vor. Blutrote Lettern und große Blutstropfen zeugen bereits von dem schrecklichen Massaker, das der mysteriöse Mörder anrichtet. Der Thriller ist in zwanzig Kapiteln eingeteilt, durch die der hohe Spannungsfaktor den Leser rasch durch jagt. Für meinen persönlichen Lesegeschmack waren die Lettern ein wenig klein, was jedoch mein Lesevergnügen nicht erheblich schmälerte.

Fazit: Bei „Die Kälte in dir“ handelt es sich um einen Thriller, der mir viele spannende Lesestunden bereitet hat. Oliver Kern schaffte es, den Spannungsbogen sehr hoch zu halten und lieferte mir viele – teilweise auch falsche – Fährten. Ich bin dem Autor einige Male auf den Leim gegangen und hatte großes kriminalistisches Vergnügen mit seinem Buch. Obgleich ich ein klein wenig vom Ende enttäuscht war, kann ich es jedem Freund der Spannungsliteratur ans Herz legen und eine Leseempfehlung aussprechen. Ich vergebe vier Bewertungssterne und ziehe lediglich für das Finale und die Motivation bzw. die Person des Täters einen Stern ab.

Veröffentlicht am 17.04.2018

Der Albtraum

Der Albtraum
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Animiert durch vorangegangene Lektüre dieser Autorin öffnete ich voller Neugier ihren Thriller „Der Albtraum“, um ihn nach einer schlaflosen Nacht zu Ende gelesen aufatmend zur Seite zu legen.

Natürlich ...

Animiert durch vorangegangene Lektüre dieser Autorin öffnete ich voller Neugier ihren Thriller „Der Albtraum“, um ihn nach einer schlaflosen Nacht zu Ende gelesen aufatmend zur Seite zu legen.

Natürlich ist der Plot an sich nichts Neues und weist sogar eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Film „Die Hand an der Wiege“ auf. Dennoch ist die Geschichte um die junge Julianna Starr, die ihr Kind zur Adoption freigeben möchte und sich bei der dafür zuständigen Agentur in den zukünftigen Adoptivvater verliebt, höchst interessant erzählt.

Julianna fixiert sich auf Richard Ryan, drängt sich nach langer Beobachtungs- und Vorbereitungszeit geschickt in die Familie, imitiert seine Ehefrau Kate und treibt systematisch einen Keil zwischen das glücklich verheiratete Ehepaar. Allein die Intrigen der jungen Frau wären schon seitenfüllend. Doch Erica Spindler verpackt in „Der Albtraum“ auch die spannende Verfolgungsjagd Juliannas durch einen eiskalten Auftragskiller, der außer Rand und Band geraten ist und eine tödliche Bedrohung darstellt. John Powers mordet mit größter Skrupellosigkeit und als einer der Besten seines Faches scheint ein Entkommen unmöglich. Und der Killer hat ein Ziel, das er niemals aus den Augen verliert: Julianna! Die Autorin bietet in diesem Roman ein breites Gefühlsspektrum – beginnend von Liebe, Treue, gegenseitigem Respekt und Wertschätzung in der Ehe von Kate und Richard, über tiefe und verloren gegangene Freundschaft zum gemeinsamen Studienkollegen Luke Dallas, einem mittlerweile erfolgreichen Schriftsteller, der nie über die Tatsache, dass Kate sich für Richard entschieden hat, hinweggekommen ist.

Spindler schildert eindrucksvoll, wie gravierend sich das bequeme Leben eines karrierebewussten Paares durch die Adoption eines Kindes ändert und wie durch geschickte Manipulation aus Liebe Abscheu werden kann, wie Eifersucht und Betrug die solide Basis einer langjährigen glücklichen Ehe in kürzester Zeit zum Einsturz bringen.

Einiges Augenmerk wird auch auf die Praktiken der CIA gelegt, die aus den Fugen geratene Missionen geschickt tarnen und über den Mord an einem Senator den Mantel des Schweigens breiten. Die CIA scheint zudem die einzige Organisation zu sein, die alle beteiligten Figuren dieses Buches vor dem hemmungslosen Killer zu retten vermag … die Kontaktaufnahme birgt jedoch ebenfalls Gefahren.

Um die Spannung nicht vorweg zu nehmen und etwaige Spoiler zu vermeiden, möchte ich inhaltlich nicht näher auf dieses Buch eingehen.

Die Person der Julianna wurde für mich zwar teilweise ein wenig zu blass und unmotiviert dargestellt, der rasante Handlungsaufbau und der permanent hohe Spannungsbogen entschädigen jedoch dafür.

„Der Albtraum“ ist ein Thriller, der mich außerordentlich gut unterhalten hat und den ich durchaus weiter empfehlen kann.

Veröffentlicht am 17.04.2018

Bleicher Tod

Bleicher Tod
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In mehreren Handlungssträngen erzählt Andreas Winkelmann die Geschichte eines soziopathischen Serienkillers, der seine Opfer auf grausame Art und Weise tötet. Die Ermittlungen werden vorrangig durch Nele ...

In mehreren Handlungssträngen erzählt Andreas Winkelmann die Geschichte eines soziopathischen Serienkillers, der seine Opfer auf grausame Art und Weise tötet. Die Ermittlungen werden vorrangig durch Nele Karminter und Anouschka Rossberg geführt, die dem Leser unbedingt aus dem Vorgängerroman „Tief im Wald und unter der Erde“ bekannt sein sollten!

Da ich selber bei der Lektüre der Bücher dieses Autors die Reihenfolge des Erscheinens bislang nicht eingehalten habe, fehlte mir in diesem Band eben diese Vorgeschichte, auf die einige Male im Plot verwiesen wird.

Sowohl Nele Karminters als auch Anouschka Rossbergs Vergangenheit lassen so bis zuletzt einige Fragen bei mir offen. Zudem war ich auch von der Auflösung dieses Falls, nicht zuletzt der Motivation des Täters, ein wenig enttäuscht. Von einem dermaßen geplant und nüchtern vorgehenden Soziopathen hätte ich mir ein wenig „mehr erwartet“. Dennoch kann ich diesen Thriller mit gutem Gewissen weiter empfehlen. Andreas Winkelmanns flüssiger Schreibstil, sein stets hoher Spannungsbogen und die gut konstruierte Geschichte bereiteten mir auch diesmal großes Lesevergnügen, seine geschickt gelegten Fährten führten mich wie schon in vielen Thrillern zuvor eine Weile in die Irre. Andreas Winkelmanns Fähigkeit, seine Figuren detailliert und lebendig erscheinen zu lassen, bereiteten mir auch bei „Bleicher Tod“ Lesevergnügen, ich würde potentiellen Lesern aber anraten, sich bei der Lektüre dennoch an die Reihenfolge der Bucherscheinungen des Autors zu halten.

Fazit: Sehr gut konstruierter Thriller mit hohem Spannungsniveau und einem ausgeklügelten Plot, dessen Finale jedoch für meinen Geschmack ein wenig schwächelte. Daher diesmal nur vier Bewertungssterne für „Bleicher Tod“ von Andreas Winkelmann.

Veröffentlicht am 17.04.2018

Blackout

BLACKOUT - Morgen ist es zu spät
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Als in ganz Europa innerhalb kürzester Zeit die gesamte Stromversorgung ausfällt und dieser Zustand dann bereits längere Zeit anhält, bricht das buchstäbliche Chaos aus. Die Kämpfe um Wasser, Lebensmittel ...

Als in ganz Europa innerhalb kürzester Zeit die gesamte Stromversorgung ausfällt und dieser Zustand dann bereits längere Zeit anhält, bricht das buchstäbliche Chaos aus. Die Kämpfe um Wasser, Lebensmittel und warme Unterkünfte, in denen noch Notstromaggregate vorhanden sind, führen zu rücksichtsloser, brutaler Gewalt und Plünderungen. Unzählige Menschen sterben, weil nicht nur die Zufuhr von Nahrung und Wasser unterbunden ist, sondern auch keine ärztliche Hilfe mehr gewährleistet werden kann. Medikamente sind ebenso wenig lieferbar wie Lebensmittel. In den Krankenhäusern gibt es innerhalb kürzester Zeit keine Betäubungsmittel mehr, die Operationsräume sind ohne Strom nicht mehr betriebsbereit. Menschen sterben nicht nur an der Kälte, sondern auch an den Folgen von Überfällen und Misshandlungen. Marc Elsberg malt in seinem Buch ein schockierendes Schreckensszenario, das den Leser eindringlich die Abhängigkeit der gesamten Menschheit vor Augen führt. Bei der Lektüre dieses Buches erkennt man anhand der beinahe schon bildhaften Erzählungen, in wie vielen Bereichen tatsächlich vollständige Abhängigkeit herrscht und wie wenig wir ohne Strom auf lange Sicht überleben können. Elsberg zeigt nicht nur den Segen oder besser gesagt den Nutzen computergesteuerte Anlagen auf, sondern weist ebenso eindringlich auf seine Tücken hin. Er tituliert sein Buch zwar als „Roman“, für mich bleibt jedoch der nachhaltige Eindruck reinen Horrors zurück. Ein Furcht erregender Nachgeschmack – umso mehr, als ich durch diesen Autor viele technische Schwächen kennen lernen durfte, von denen ich bislang zum Glück nichts wusste. Werde ich jemals noch unbeschwert sein, wenn es zu einem Stromausfall kommt? Werden Angst und Unsicherheit bleiben oder wird sich dieser gewaltige Leseeindruck irgendwann verflüchtigen? Ehrlich gesagt kann ich mir nicht vorstellen, den elektrischen Strom jemals wieder als selbstverständlich anzusehen. Ich bin nach dem Auftauchen aus diesem Buch dankbar, ein warmes Heim, fließendes Wasser, Licht und Wärme vorzufinden. Und ich bin zutiefst dankbar, mir beim täglichen Aufwachen keine Sorgen machen zu müssen, wie ich an Lebensmittel komme, wo ich schlafen werde. Ich bin dankbar, dass mir ärztliche Versorgung im Krankheitsfall gesichert ist, dass ich durch funktionierende Tankstellen und das öffentliche Verkehrsnetz mobil bin und ich keine Angst haben muss, überfallen und ausgeraubt zu werden, sobald ich meine Augen schließe.

Fazit: „Blackout“ ist ein für meine Begriffe außergewöhnlich gut recherchiertes Buch einen Stromausfall von längerer Dauer mit all seinen schrecklichen Folgen. Das Thema und die Umsetzung verdienen meines Erachtens 5 Sterne. Was ich jedoch vermisste war die Fähigkeit des Autors, mich vollständig in seinen Bann zu ziehen, mich an das Buch zu fesseln. Einige Passagen waren für meine Person zu langatmig und zu nüchtern geschrieben. Trotz allem ist dies eine Lektüre, die zu lesen es lohnt.