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Veröffentlicht am 17.04.2018

Der Jünger des Teufels

Der Jünger des Teufels
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Ein zu Tode verurteilter Massenmörder, zutiefst brutal und bösartig, schwört noch auf dem Weg zur Hinrichtung Rache an die Agentin, die ihn letztendlich überführte. Und kurze Zeit nach seinem Tod gehen ...

Ein zu Tode verurteilter Massenmörder, zutiefst brutal und bösartig, schwört noch auf dem Weg zur Hinrichtung Rache an die Agentin, die ihn letztendlich überführte. Und kurze Zeit nach seinem Tod gehen die grausamen Morde weiter…und zwar in der Handschrift des Killers.

Anfangs glaubt das FBI an einen Nachahmungstäter, doch die seltsamen Vorfälle häufen sich. Das Team um Kate Moran unternimmt alle erdenklichen Anstrengungen, den Mörder zu fassen – doch plötzlich tauchen überraschende Beweise auf, die nicht nur das FBI schockieren, sondern zugleich Kate in ein äußerst schlechtes Licht rücken. Nun ist es an Kate, dem Killer Einhalt zu gebieten und ihre Unschuld zu beweisen …

Grundsätzlich mag ich Bücher, die in der Ich-Form geschrieben sind, nicht so gerne. Glenn Meade hat mich jedoch nun vom Gegenteil überzeugt. Der Autor verwendet lange Sätze, beschreibt dabei Umfeld und Personen sehr detailliert und erzählt seine Geschichte in besagter Ich-Form, und zwar aus der Sicht der Protagonistin Kate Moran. Ich fand es einfach großartig. Spannungsgeladene Szenen, atemberaubendes Tempo, rasante Verfolgungsjagden und eindrucksvolle, wenngleich auch sehr brutale Mordszenen die Seiten füllten. Die Schauplätze der Morde, die Szenarien, die der "Jünger" bei seinem wütenden Morden hinterlässt, sind durch ihre bildhafte Beschreibung brutal und hart, für zarte Gemüter vielleicht als grenzwertig zu bezeichnen: (Er machte sich an den chirurgischen Instrumenten auf dem Tisch zu schaffen, hatte sich den Schlachtergürtel mit den mörderischen Messern umgeschnallt, strich über die gezackte Schneide einer Stahlklinge. Er nahm eine kleine elektrische Säge mit runder Klinge vom Tisch, drückte auf den Schalter, worauf die Säge sich mit Furcht erregendem schrillem Sirren drehte. "Das Ding hat sogar eine Diamantklinge, um Knochen zu zersägen. Bist du bereit für das großartige Experiment, zersägt zu werden?") Für mich als Leserin mit einer sehr großen Fantasie bewirkten solche Szenen eine hohe Adrenalinausschüttung und waren teilweise albtraumhaft realistisch gezeichnet.

Die Geschichte des Serienmörders, der sich selber als „Jünger des Teufels“ tituliert, wird von Meade in insgesamt sechs Teile, diese wiederum in 175 Kapitel unterteilt, wobei ich beim besten Willen keine Höhepunkte nennen kann. Die Spannung bleibt das ganze Buch hindurch auf höchstem Niveau und genauso turbulent und reich an Spannung gestaltet sich auch das Ende.

Glenn Meade versteht es hervorragend, seinen Protagonisten Leben einzuhauchen. Die handelnden Personen wirken authentisch und weisen sowohl Stärken, als auch Schwächen auf. Der Böse, der so genannte „Jünger des Teufels“ namens Constantine Gemal, mordet mit einem Herzen so schwarz wie die Nacht, wird durch eine Bösartigkeit, die ihresgleichen sucht, dargestellt. Seine Gedanken und Handlungen sind von Kaltblütigkeit und abgrundtiefem Hass gekennzeichnet, welche sich ein Ventil suchen und durch Massenmorde befriedigt werden. Die „Gute“, Agentin Kate Moran, stellt Glenn Meade auf eine Art und Weise dar, dass es dem Leser einfach niemals in den Sinn kommen kann, sie zu verdächtigen – egal, wie viele Beweise auch auf ihre Person deuten mögen. Kate ist aber keineswegs ein armes Opfer der Brutalität des Mörders oder ihres Berufes, der für gewöhnlich eine Männerdomäne zu sein scheint. Sie kämpft mit harten Bandagen, hat außergewöhnlich gute Instinkte und ihr feiner Spürsinn lenkt sie selten auf falsche Pfade. Kates Schwächen sowie die dramatischen Mordfälle in ihrer eigenen Familie stehen dem Bild von einer mutigen und starken Frau gegenüber, die kompromisslos ihren Weg geht, ohne auf Konsequenzen Rücksicht zu nehmen. Einer Frau, die um jeden Preis Gerechtigkeit sucht – und sie letztendlich auch findet.

Doch nicht nur die Hauptfiguren dieses Plots, sondern auch Nebenfiguren wie Vorgesetzte, Kollegen und Verwandte werden so lebhaft beschrieben, dass man als Leser einfach nicht anders kann, als vollständig in dieses Buch einzutauchen. Das übliche Schema bei Polizeithrillern „Guter Bulle, böser Bulle“, das sehr oft und gerne von Autoren verwendet wird, wird auch von Meade in diesem Thriller eingesetzt und auf eine Art genutzt, die ich einfach nur als großartig bezeichnen kann. Der „böse“ Bulle, ein harter Konkurrent und Neider namens Stone, versucht auf gerissene Art und Weise, Kate als Hauptschuldige zu entlarven. Er attackiert und provoziert Kate verbal, konstruierte Beweise und scheinbar offensichtliche Lücken in der Beweisführung werden dabei weder hinterfragt noch überprüft, im Gegenteil. Stone setzt alles dran, Kate immer tiefer in den Schlamassel zu bringen und erst spät werden ihm die Augen geöffnet. Was mir stets einen schalen Nachgeschmack bei solchen Szenen hinterlässt, hat Meade für mich zu einem regelrechten Appetithäppchen gemacht: er lässt auch Stone menschlich erscheinen, gesteht im gegen Ende des Buches Einsicht und Reue zu und lässt ihn an Kates Seite kämpfen, als es wirklich darauf ankommt. Großartige Leistung!

Die Schriftgestaltung dieses Taschenbuches ist übersichtlich und gut lesbar, das Cover beeindruckend. Unterirdische Gewölbe, in blaues Licht getaucht, das auf ein Nachtsichtgerät hinweist. Eine Pforte aus Zahlenmystik und Okkultismus, verschlungen die Zahl Sechs in dreifacher Ausfertigung als Symbol des Teufels. Sowohl Titel als auch Symbol in blutroter, leicht schattierter und erhobener Schrift, das das Buch nicht nur beeindruckend aussehen lässt, sondern auch einen „spürbaren“ Effekt erzeugt.

Fazit: Da ich an diesem Buch beim besten Willen nichts zu bemängeln habe und es mich so gefesselt hat, wie es schon lange kein Thriller vermochte, vergebe ich auf jeden Fall fünf Sterne. Ein Plot mit atemlos erscheinendem Tempo, vielen, wirklich gut gelegten falschen Fährten, überzeugenden Protagonisten und einem fulminanten Ende. Ein echter Pageturner unter den Thrillern, ein Glanzstück an Spannung. Dieser Thriller fesselt den Leser so sehr an die Geschichte, dass eine Unterbrechung schwer bis kaum möglich ist. Mit hohem Tempo hinein in die Story, spannungsgeladene Atemlosigkeit in die explosive Mitte des Buches und rasanter, nervenaufreibender Galopp ins fulminante Finale – genau so sollte ein guter Thriller aufgebaut sein!


(Rezension zum Printexemplar)

Veröffentlicht am 17.04.2018

Der Anschlag

Der Anschlag
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Jake Epping lebt ein normales Leben, bis sein Freund Al ihm ein großes Geheimnis enthüllt: Er kennt ein Portal, das ins Jahr 1958 führt. Und Al gewinnt ihn für eine wahnsinnige Mission. Jake soll in die ...

Jake Epping lebt ein normales Leben, bis sein Freund Al ihm ein großes Geheimnis enthüllt: Er kennt ein Portal, das ins Jahr 1958 führt. Und Al gewinnt ihn für eine wahnsinnige Mission. Jake soll in die Vergangenheit zurückkehren und das Attentat auf John F. Kennedy vereiteln, um den Gang der Geschichte positiv zu korrigieren.

Und so beginnt für Jake ein neues Leben in einer für ihn neuen Welt. Es ist die Welt von Elvis und JFK, von großen amerikanischen Autos und beschwingten High-School-Tanzveranstaltungen. Es ist die Welt des gequälten Einzelgängers Lee Harvey Oswald, aber auch die der Bibliothekarin Sadie Dunhill, die Jakes große Liebe seines Lebens wird – eines Lebens, das gegen alle normalen Regeln der Zeit verstößt. Und je näher Jake seinem Ziel kommt, den Mord an Kennedy rückgängig zu machen, desto bizarrer wehrt sich die Vergangenheit dagegen – mit aller gnadenlosen Gewalt, die sich auch gegen Jakes neue Liebe richtet...

Die Umsetzung dieses großartigen Plots, dieser genialen Idee eines Meisters wie Stephen King, ist mit „Der Anschlag“ einzigartig gelungen. King fügt ein hochbrisantes Thema der Menschheitsgeschichte mit den Elementen spannender Thrill, Science Fiction / Zeitreise und einiger Nebenhandlungen (Einzelschicksale) zu einem großen Roman. Er spickt dies mit nostalgischen Einzelheiten und politischem Geschehen aus der Zeit der 60er in Amerika und tut dies mit solch exzellentem Können, dass man als Leser atemlos Seite um Seite blättern muss, sich dem Sog dieses Buches einfach nicht entziehen kann. Wundervoll seine Liebe zum Detail, einzigartig die Beschreibungen des amerikanischen Alltags und der allgemeinen Anschauungen dieser Zeit – und dennoch auch Missstände aufzeigend, die sich bereits damals abgezeichnet hatten.

Seine Figuren zeichnet er mit liebevoller Hingabe – sie wirken lebendig, authentisch und vermitteln das Gefühl, sie nach einigen Seiten bereits zu kennen. Speziell der Protagonist Jake Epping wird von allen Seiten beleuchtet, seine Gefühlswelt und seine Motivationen dem Leser nahe gebracht. King legt aber auch viel Wert auf die Nebenfiguren, denen in diesem überwältigenden Wälzer ausreichend Raum gegeben wird. Durch das Einsinken in die Welt des Amerikas in den 60ern vertieft man sich automatisch in die Einzelschicksale der handelnden Personen und ich hatte zwischendurch den Eindruck, mitten in Derry, Dallas oder Jodie zu leben, als Beobachter dabei zu sein. Ein Autor, der dieses Gefühl so intensiv zu vermitteln vermag, ist meines Erachtens ein Meister seines Faches.

Es handelt sich hierbei um eine gebundene Ausgabe mit grauem Buchrücken und silbernen Lettern. Die Umschlaggestaltung könnte treffender nicht sein – blutroter Hintergrund, silberne Lettern bei Titel und Autor und eine Münze mit dem Profil von John F. Kennedy und der Aufschrift „In God we trust, 1963“, durch ein blutiges Einschussloch am Rande symbolisiert. Treffender und aussagekräftiger könnte ein Buchcover kaum sein.

Für mich persönlich ist dies ein erstklassiger Roman eines Autors, der seinesgleichen sucht. Das nostalgische Schwelgen in der „guten alten Zeit“, der Zeit von Elvis, den schwingenden Röcken der High-School-Mädchen und der Abschlussbälle stehen der strengen Moral dieser Epoche und Themen wie Rassentrennung, politische Konflikte oder der beginnenden Emanzipation der Frauen entgegen.
Ein wundervolles Buch, auf das man sich unbedingt einlassen sollte. Ich hoffe auf weitere Werke dieser Art und gebe eine uneingeschränkte Leseempfehlung – fünf Sterne für "Der Anschlag" von Stephen King!

Veröffentlicht am 17.04.2018

Dein totes Mädchen

Dein totes Mädchen
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Bereits auf der ersten Seite dieses Thrillers macht der Leser Bekanntschaft mit der in Hamburg lebenden Übersetzerin Caroline Wolff, von ihren Jugendfreunden „Lilli“ genannt. Caroline, deren Zentrum ihres ...

Bereits auf der ersten Seite dieses Thrillers macht der Leser Bekanntschaft mit der in Hamburg lebenden Übersetzerin Caroline Wolff, von ihren Jugendfreunden „Lilli“ genannt. Caroline, deren Zentrum ihres unsteten Lebens ihre über alles geliebte Tochter Lianne war, wurde plötzlich und vollkommen unerwartet mit dem schrecklichen Verlust ihres einzigen Kindes konfrontiert. Sie flieht in ihr Elternhaus nach Schweden, ins Haus am Bergsee, in die Einsamkeit der skandinavischen Bergwelt. Ihr unvermitteltes Auftauchen sorgt zwar bei ihren Jugendfreunden für freudiges Erstaunen, doch zugleich auch zu Misstrauen und Spekulationen.

Als Caroline vor etwa drei Jahrzehnten überraschend verschwand, ohne irgendeine Erklärung oder Spuren zu hinterlassen, verursachte sie großen Kummer und Enttäuschung. Sie, die in ihrer ihr eigenen, offenen und impulsiven Art ihre Gefühle stets auf der Zunge trug, nie einen Hehl aus ihrer Meinung machte und ihre Freude und Trauer mit allen teilte und das Leben regelrecht umarmte, ließ dabei auch ihren Verlobten Ulf Svensson zurück. Caroline galt zwar auf charmante Art als unberechenbar, diese Aktion schockierte jedoch jeden, der ihr nahe stand. Carolines unermessliche Trauer um ihre bei einem Verkehrsunfall getötete Tochter Lianne wäre zwar eine Erklärung für ihr plötzliches Wiederauftauchen, jetzt, nach so vielen Jahren des Stillschweigens, ihre Freunde Björn, Maybrit und Ulf vermuten jedoch noch einen anderen Grund dahinter. Doch die unabhängige Freidenkerin Lilli hatte bereits als Kind gelernt, alle wichtigen Entscheidungen stets mit sich selber auszumachen und vertraut sich auch nun niemandem aus ihrer alten Clique an. Die Freunde stehen vor einem Rätsel und das Auftauchen der Polizei lässt ernstere Hintergründe für Carolines Verschwinden vermuten…

Die mir bislang unbekannte Autorin Alex Berg überraschte mich mit einem Thriller, dessen Spannungsbogen das gesamte Buch über konstant hoch gehalten wurde. Das Rätsel um Caroline wird in winzig kleinen Schritten und nur sehr langsam gelöst, die Vergangenheit bedächtig aufgerollt. Authentische und ausgezeichnet beschriebene Protagonisten tragen eine Menge dazu bei, die Lektüre dieses Buches zu einem Vergnügen zu machen.

Besonderes Augenmerk wird neben Caroline auf ihre Freunde aus Jugendtagen gelegt. Der gut aussehende Björn Nyborg, die „Skandinavische Ausgabe von Robert Redford“, der früher einmal um Caroline geworben hatte, fungiert mit seinem jungenhaften Charme als Vermittler und zeigt großes Talent darin, angespannte Situationen zu entschärfen. Carolines ehemals beste Freundin Maybrit Svensson, eine große schlanke und aristokratisch-schöne Frau mit inniger Verbundenheit mit der Landschaft und mittlerweile Anwältin, scheint es nie verwunden zu haben, dass Lillie von einem Augenblick auf den anderen einfach aus ihrem Leben verschwand. Den größten Erklärungsbedarf hat Caroline jedoch Ulf Svensson gegenüber. Ihr Verlobter Ulf wurde damals an einer Tankstelle ohne Erklärung von ihr sitzengelassen. Ulf hatte zwar zwischenzeitlich einige Beziehungen, war jedoch niemals wieder eine langfristige Bindung eingegangen. Die Tatsache, dass er mittlerweile zum Leiter der Stockholmer Mordkommission aufgestiegen ist, bringt den großgewachsenen, schlanken Mann, der Caroline immer noch von ganzem Herzen liebt, in einen Gewissenskonflikt.

Die Autorin weckt die Neugier des Lesers bereits auf den ersten Seiten und man fiebert der Enthüllung vieler Details regelrecht entgegen: was genau passierte mit der erst siebenundzwanzigjährigen Lianne, deren strahlende Persönlichkeit in der Blüte ihres Lebens so plötzlich endete? Was war die Ursache und wie waren die Hintergründe des tödlichen Autounfalls von Carolines geliebten Eltern, die viel zu früh sterben mussten? Und welches Geheimnis verbirgt Caroline selber, die Ulf die wahren Beweggründe für ihr plötzliches Verschwinden vor beinahe dreißig Jahren um keinen Preis verraten möchte? Gibt es vielleicht sogar einen mysteriösen Unbekannten im Hintergrund? Falls ja, wer ist diese Person und was möchte sie verbergen? Oder möchte die Autorin uns einfach nur in die Irre führen?

Alex Berg gibt raffinierte Denkanstöße und lässt in vielerlei Hinsicht Fragen offen, die aufzulösen es im Verlauf des Buches gilt. Ein flüssiger Schreibstil, dreiundvierzig nicht allzu lange Kapitel und ein überaus spannender Plot lassen zusammen mit glaubwürdigen Figuren einen Thriller entstehen, den zu lesen es auf alle Fälle lohnt. Als die Geschehnisse sich zu überschlagen scheinen, eskaliert die Situation und es kommt zu einem turbulenten Finale, das erneut mit explosiven Enthüllungen aufwartet.

Die optische Aufmachung des Buches vermittelt anhand des Coverfotos den Eindruck eines eiskalten, skandinavischen Winters – schwarze, entlaubte Bäume im hellblauen Hintergrund, schwarze Vögel im Flug, der Buchtitel in blutroter Schrift gehalten. Der Klappentext auf der Rückseite lässt bereits die Intensität der Spannung in diesem Buch erahnen, die meine Erwartungshaltung bei weitem übertroffen hat.

Veröffentlicht am 17.04.2018

Dass du ewig denkst an mich

Dass du ewig denkst an mich
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Eine Gelegenheit macht Diebe: ein abartig veranlagter Kinderschänder namens Jim beobachtet seit einiger Zeit gemeinsam mit seiner Frau die kleine Laurie, und als sich das Kind ein einziges Mal allein von ...

Eine Gelegenheit macht Diebe: ein abartig veranlagter Kinderschänder namens Jim beobachtet seit einiger Zeit gemeinsam mit seiner Frau die kleine Laurie, und als sich das Kind ein einziges Mal allein von ihrem Elternhaus entfernt, schlägt er zu. Eine Entführung, die das Gleichgewicht einer Familie auf eine harte Probe stellt. Eine Entführung, deren schreckliche Folgen nach der plötzlichen Rückkehr des Mädchens, nach beinahe zwei Jahren, mit einem Mantel des Schweigens bedeckt werden. Eine Entführung, die das Leben aller Beteiligten grundlegend verändert.

Mary Higgins Clark hat auf Basis eines Entführungsfalls einen Plot konstruiert, den ich schlichtweg nur als erstklassig bezeichnen kann. Sie verbindet aktuelle Themen wie Kindesmissbrauch, Psychologie und Religion, flicht Geschwisterliebe, Freundschaft und Liebe mit hinein und liefert mit diesem Paket eine Glanzleistung ab, die ihresgleichen sucht.

Mary Higgins Clark gilt nicht umsonst als Meisterin ihres Genres. Sie greift mit einer scheinbaren Mühelosigkeit brisante Themen auf und liefert Thriller der Extraklasse. Ihr spannungsgeladener Schreibstil, der im Buch stets in einem fulminanten Höhepunkt endet, vermag es, den Leser vollständig an das Buch zu fesseln. Die Versuche, die traumatische Vergangenheit zu bewältigen, beziehen ihn so sehr ins Geschehen ein, dass er Raum und Zeit vergisst.

Durch den rasanten Schreibstil und die kurzen Kapitel erhält man den Eindruck einer temporeichen Verfolgung, die in einem dramatischen Ende schließlich eskaliert. Clarks Schreibstil ist sehr flüssig, sie arbeitet gerne mit kurzen Sätzen und verwendet viele Dialoge, um dem Roman Würze und zusätzliche Spannung zu verleihen. Ein erstklassiger Pageturner, dem man sich nicht entziehen kann.

Mary Higgins Clark versteht es, ihren Personen Echtheit zu verleihen. Die Charaktere sind lebhaft gezeichnet, weisen Tiefe auf und sorgen innerhalb kürzester Zeit dafür, dass der Leser sich mit einem der Protagonisten identifiziert. Die detaillierten Beschreibungen von Äußerlichkeiten, Verhaltensmuster und dem Innenleben der jeweilig Handelnden vermitteln dem Leser ein deutliches Bild.

Fazit: Ein erstklassiger Thriller mit einer hoch spannenden und gut durchdachten Handlung, der mit einigen falschen Fährten und überraschendem Ende aufwartet. Ich vergebe diesem Buch fünf Sterne und kann es jedem Fan des Genres nur ans Herz legen. Lesen, mitfiebern und die Nacht zum Tag machen!

Veröffentlicht am 17.04.2018

Das Paulus-Evangelium

Das Paulus-Evangelium
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Wolfgang Hohlbein erzählt die Geschichte des raffinierten Eindringens zweier Hacker in das Computersystem des Vatikans und dessen dramatische Folgen.

Mittels abenteuerlicher Verfolgungsjagden, unorthodoxem ...

Wolfgang Hohlbein erzählt die Geschichte des raffinierten Eindringens zweier Hacker in das Computersystem des Vatikans und dessen dramatische Folgen.

Mittels abenteuerlicher Verfolgungsjagden, unorthodoxem Eingreifen seitens Polizei und Geheimdienst, brutaler Verhörmethoden und grausamer Morde läuft Hohlbein wie gewohnt zur Höchstform auf. Die grandiose, wenn auch ein wenig absurd klingende Idee im Hintergrund wirkt wie eine Prise im vorliegenden Roman, die dem Gesamtpaket seine essentielle Würze verleiht.

Um Spoiler zu vermeiden, möchte ich auf besagtes Geheimnis nicht detailliert eingehen, es sei jedoch gesagt, dass es sich um eine Geschichte von äußerster Brisanz handelt. Ein Geheimnis, durch dessen Aufdeckung die Grundfesten der Kirche erschüttert werden können.

Ich lese Hohlbein gerne und muss auch hier wieder neidlos zugeben, dass er anhand seiner bisherigen großen Anzahl von Büchern in Windeseile erstaunliche Ideen aus dem Ärmel zieht, damit einen faszinierenden Plot fabriziert und er reihenweise Bestseller liefert. Er versteht es auch, sich nicht nur mit einer Idee alleine zu begnügen – nein. Gerade die Mischung mit dem Thema Geheimdienste, deren Verzweigung und die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel, vermögen es mit Leichtigkeit, den Leser an dieses Buch zu fesseln. Tolle Idee, gute Umsetzung.

Hohlbein schreibt diesen Thriller aus der Sicht des Autors als Erzähler, der typische „Hohlbein-Stil“ (spannungsgeladener Schreibstil mit vielen Elementen der Fantasy, Spuren des Übernatürlichen und einem atemberaubenden Tempo), der ein Garant für Spannung und Fantasy darstellt, zeichnet auch diesen Roman des deutschen Bestseller-Autors aus. Was meine Freude am Lesen ein wenig beeinträchtigte, war jedoch die ziemlich kleine Schrift, der enge Zeilenabstand und die hohe Seitenanzahl. Hier wäre ich definitiv mit dem Kauf der HC-Variante besser beraten gewesen. Vorzüglich jedoch die Unterscheidung in der Schriftform: Hohlbein wählt eine völlig andere Schrift, um dem Leser die Ereignisse zu schildern, die die beiden Hacker auf der gestohlenen Datei entdecken. Auf diese Art gelingt ihm ein raffinierter Wechsel von der Realität im Buch hin zur virtuellen Welt.

Das Element der Spannung kommt natürlich auch in diesem Buch von Hohlbein nicht zu kurz, im Gegenteil. Das ganze Buch ist von Anfang bis zum Schluss höchst spannend erzählt, die vielen Höhepunkte verlieren sich jedoch aufgrund der hohen Seitenanzahl, so dass das Ganze nicht überladen oder gekünstelt wirkt. Vielmehr hatte ich bei einigen Passagen das Gefühl, dass hier versucht wurde, die Geschichte ein wenig in die Länge zu ziehen, seitenfüllend zu wirken. Dem Autor ist es jedoch gelungen, eine Menge an Informationen und spannender Höhepunkte zu liefern - das Buch wird niemals langweilig.

Bei den Figuren beschränkt Hohlbein sich auf die relevantesten Protagonisten Marc, Jezebel, Forsyth, Alberto und Kommissar Dallberg. Die Beschreibung jener Hauptpersonen erfolgt detailliert und sehr lebendig, er erzählt nicht nur über Hintergründe besagter Personen, sondern vermittelt auch einen Einblick in deren Denk- und Handlungsweisen und überzeugt beim Charakter Albertos sogar mit der Finesse, einem kaltblütigen Profikiller kurzweilig fast schon mitleidige, menschliche Züge zuzugestehen.

Obgleich Hohlbein sich sehr auf diese Hauptfiguren konzentriert, bleiben auch die Nebenfiguren in diesem Buch nicht auf der Strecke. Mir gefällt die Art, nebensächlich Dinge zu erwähnen, die sich später als überaus wichtige Informationen heraus stellen. So zum Beispiel die Beschreibung des Taxifahrers Ari, bei der ich mir einige Male die Frage stellte, weshalb sich Hohlbein so sehr des Charakters einer unwichtigen Nebenfigur annimmt. Nun, im Laufe der Geschichte erfuhr ich über die wahre Identität und Bedeutung dieses Taxifahrers…doch ich möchte auch hier die Spannung nicht vorweg nehmen und zu viel verraten. Ein wenig zu farblos und lasch war mir der Charakter des Johannes. Er, der im Grunde eine auslösende Funktion in dieser mörderischen Verfolgungsjagd innehat, wird nur wenig und sehr oberflächlich beschrieben. Für mich ungenügend.

Es handelt sich hierbei um ein sehr dickes Taschenbuch mit einem vorerst verwirrend erscheinenden Cover. Eine Abbildung des Kopfes von Christus mit seiner Dornenkrone, in blaues Computerlicht getaucht und mit verschwimmenden Ziffern umgeben. Der Text „Das Paulus-Evangelium“ wirkt aber bis zur brisanten Entdeckung auf den ersten Seiten des Buches befremdlich, danach erscheint es logisch und aussagekräftig. Ich möchte jedoch jedem potentiellen Leser dieses Buches die HC-Version ans Herz legen. Wie bereits erwähnt irritierten mich hier die gewaltige Seitenanzahl und die kleine Schrift, die mir das Lesen erschwerte.

Ich möchte dieses Buch jedem Thriller-Begeisterten ans Herz legen, der zugleich auch ein Faible für Fantasy hat. Einige Vorkommnisse im Buch mögen an den Haaren herbeigezogen oder vielleicht unglaubwürdig wirken – nicht jedoch, wenn man Wolfgang Hohlbein als Autor kennt und schätzt. Es ist jedoch entgegen dem Hinweis auf dem Cover kein reiner Thriller, es beinhaltet vielmehr auch Elemente des Fantasyromans. Eine durchaus gelungene Mischung dieser beiden Genres, komprimiert in einem Plot, der Fragen aufwirft und den Leser teilweise staunen lässt, was Hohlbein sich hier nun wohl wieder „aus den Fingern saugen konnte“ und zugleich dermaßen spannend umzusetzen vermochte.