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Veröffentlicht am 17.04.2018

Höllental

Höllental
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Eine fröhliche Clique junger Bergsteiger bricht zu einem Aufstieg über die Höllentalklamm auf. Der reiche Sonnyboy Richard Schröder, seine Freundin Laura Waider, ihr heimlicher Verehrer Bernd Lindeke sowie ...

Eine fröhliche Clique junger Bergsteiger bricht zu einem Aufstieg über die Höllentalklamm auf. Der reiche Sonnyboy Richard Schröder, seine Freundin Laura Waider, ihr heimlicher Verehrer Bernd Lindeke sowie Armin Zoltek und seine Freundin Mara Landau sind ein eingeschworenes Team, das nicht zum ersten Mal eine solche Expedition unternimmt. Doch dieses eine Mal standen die Zeichen schlecht für die Tour: Mara hatte verdorbene Lebensmittel zu sich genommen und blieb auf eigenem Wunsch im Hotel zurück, die geschwächte Laura, anfangs noch wankend, entschloss sich dennoch, ihren Freunden zu folgen. Als ihre Kräfte sie letztendlich verließen, fasste die Gruppe den folgeschweren Entschluss, Laura einem fremden Bergsteiger auf seinem Abstieg ins Tal anzuvertrauen. Mit den Folgen dieser falschen Entscheidung hatte keiner der Beteiligten rechnen können …

„Höllental“ von Andreas Winkelmann ist im wahrsten Sinne des Wortes ein „höllisches Buch“! Nachdem ich die Lektüre begann, ließ mir die Adrenalin geladene Höchstspannung dieses brandheißen Thrillers keine Chance mehr, es auch nur eine Sekunde aus der Hand zu legen. Ein Plot, in dem die Ereignisse sich nach einem beinahe unerträglichen Spannungsaufbau schier überschlagen, in der die Angst vor dem Unbekannten, dem „Schatten“, dem Leser die Luft zum Atmen zu nehmen scheint und in der man, speziell gegen Ende des Buches, mit nervösem Flattern im Magen Seite um Seite dahin prescht, gierig die Worte verschlingt, und stets einen Schritt hinter dem unbekannten Wahnsinnigen her hetzt, der den Plot auf ein explosives Finale zutreibt. Leichen pflastern seinen Weg … und die Begleitumstände jener Morde sind es, die letztendlich Hinweise zu seiner Identität geben. Doch was wirklich im Höllental geschehen ist, ahnen mit Ausnahme von Laura Waiden nicht einmal die Protagonisten selber.

Den grauenhaften Einstieg in die Geschichte bildet der geplante Selbstmord der jungen Laura, die jedoch von einem zufällig vorbei kommenden Bergretter namens Roman Jäger gestört wird. Er kommt jedoch zu spät, kann die Tat nicht mehr verhindern. Doch etwas an der Situation scheint den Helfer stutzig zu machen und er ersucht den zuständigen Kriminalbeamten Leitenbacher, der den Selbstmord untersucht, sich der Sache anzunehmen.

Die Folge ist eine, hauptsächlich durch Roman Jäger initiierte und durchgeführte Ermittlungsarbeit, bei der einige Ungereimtheiten auftauchen, falsche Verdachtsmomente gestreut und Fährten gelegt werden, die ins Nichts führen. Doch es gibt auch wichtige Hinweise, die sich gemäß einem Puzzle mit seinen Einzelteilen nach und nach zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Und dennoch kommt diese Erkenntnis für einige von ihnen zu spät …

Dieser Thrillers hat mich buchstäblich überrumpelt. Der fesselnde Schreibstil, kombiniert mit sehr gut gezeichneten Charakteren und einem teuflisch guten Plot garantieren jedem Liebhaber des Genres dramatische Lesestunden, bei denen die Nerven blank liegen und man das Ende herbeifiebert. Man spürt Winkelmanns Liebe zu den Bergen und seine Kenntnisse, vermutlich auch persönliche Erfahrungen, betreffend das Bergsteigen, werden exzellent in die Geschichte eingebracht.

„Höllental“ verdient meines Erachtens die unbedingte Höchstbewertung – ein wahrlich atemberaubendes Buch!


(Rezension zum Printexemplar)

Veröffentlicht am 17.04.2018

Erwartung

Erwartung DER MARCO-EFFEKT
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Kaum zu fassen, aber Jussi Adler-Olsens Thriller gewinnen von Fall zu Fall mehr an Spannung und Intensität. Mit „Erwartung. Der Marco-Effekt“ , dem fünften Fall mit dem sympathischen Ermittler Carl Morck ...

Kaum zu fassen, aber Jussi Adler-Olsens Thriller gewinnen von Fall zu Fall mehr an Spannung und Intensität. Mit „Erwartung. Der Marco-Effekt“ , dem fünften Fall mit dem sympathischen Ermittler Carl Morck und seinem Assistenten Hafez el Assad glänzt der Autor erneut mit einem hoch brisanten Fall von Wirtschaftskriminalität, der seine Kreise zieht.

Der Einstieg in den Plot versetzt den Leser aufgrund eines mit 250 Millionen an dänischen Entwicklungshilfegeldern dotierten Projekts namens „Baka“ nach Afrika. Die zweite Perspektive beleuchtet das armselige Leben des fünfzehnjährigen Marco Jameson, der unter der strengen Fuchtel des skrupellosen Clanchefs Zola dazu gezwungen wird, Geld durch Straßendiebstähle und kleine kriminelle Handlungen einzubringen. Der gut organisierte Ring wird durch die Furcht vor der Brutalität sowie der Tatsache, dass alle Mitglieder sich illegal im Land aufhalten und keine Identitätsnachweise besitzen, aufrechterhalten. Angst regiert die Welt des jungen Marco, der sich verzweifelt nach einer Familie, nach Geborgenheit und nach Bildung sehnt. Marco ist Zola jedoch bald ein Dorn im Auge, denn der Junge verbringt seine ganze Freizeit heimlich in Bibliotheken, wo er sich autodidaktisch Wissen aneignet und seinem Lerneifer Nahrung gibt. Als Zolas Brutalität alle Grenzen überschreitet, hetzt er den gesamten Clan auf Marco, der sein Heil in der Flucht sucht. Der Junge weiß zu viel – genug, um das kleine Imperium des Clans zusammen brechen zu lassen. Dieser Junge war lt. Autor wie der sprichwörtliche Schmetterlingsflügel in Südamerika, der einen Orkan in Japan auslösen konnte. Marco stieß einen Dominostein an und brachte eine ganze Steinreihe zum Umfallen. Die Gefahr, die von ihm ausging, war zu groß. Und plötzlich war nicht nur der Clan auf der Suche nach Marco, plötzlich tauchten ehemalige Kindersoldaten aus Afrika aus, deren eiskalte Brutalität gnadenlos war. Und gnadenlos war auch die Verfolgungsjagd, die sich durch das gesamte Buch zog, und den Leser dabei in atemloser Spannung hielt.

Ein hervorragend aufgebauter Plot, viele, zunächst vollkommen undurchschaubare Machenschaften im Hintergrund, und dazu das mir bereits lieb gewordene Ermittlerteam um den Vizepolizeikommissar des Sonderdezernats Q vom Polizeipräsidium Kopenhagen, Carl Morck. Der Autor lässt ein wenig aus dem Privatleben seiner Protagonisten einfließen, er berichtet von den kleinen Erfolgen des ehemaligen Kollegen Hardy, der querschnittgelähmt und bislang am Leben verzweifelnd in diesem Fall nun seine Hoffnung auf ein lebenswertes Leben wieder erlangen darf. Er streift dabei auch Morcks Beziehungsproblem mit Mona, und lüpft erneut einen Zipfel vom Geheimnis, das Morcks undurchschaubaren Assistenten Hafez el Assad umgibt. Ein Assistent, dessen Fähigkeiten Dimensionen annehmen, die beinahe schon misstrauisch werden lassen. Der kluge, intelligente Mann gibt sich einerseits naiv und betont ahnungslos, während er seine andere Seite, die kühle und berechnende Logik und blitzschnelle Handlungen, basierend auf einem sicheren Instinkt für gefährliche Situationen, gut zu verbergen scheint.

Rose Knudsen, die Dritte im Bunde, arbeitet ebenfalls an der Seite der beiden Männer im Sonderdezernat Q, dessen Aufgabe es ist, sich der Wiederaufnahme ungelöster Fälle zu widmen.

Jussi Adler-Olsen liefert nicht nur hoch spannende Thriller-Unterhaltung, sondern baut gleichzeitig sehr viele amüsante Dialogen zwischen den Ermittlern ein, die mich sehr oft zum Schmunzeln brachten. Ich habe den verbalen Schlagabtausch zwischen Carl Morck und seinen beiden Assistenten in diesem Buch sehr genossen.

Veröffentlicht am 17.04.2018

Die letzte Zeugin

Die letzte Zeugin
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Die sechzehnjährige Elizabeth Fitch, von Gleichaltrigen stets als „Das Superhirn“ bezeichnet, lebt ein Leben in strengster Disziplin unter den Argusaugen ihrer emotionslosen, kalten Mutter. Dr. Susan L. ...

Die sechzehnjährige Elizabeth Fitch, von Gleichaltrigen stets als „Das Superhirn“ bezeichnet, lebt ein Leben in strengster Disziplin unter den Argusaugen ihrer emotionslosen, kalten Mutter. Dr. Susan L. Fitch stellt von Beginn an klar, dass Elizabeth das Produkt einer kalkulierten Selektion von Samenspendern darstellt und formt das Kind nach ihren Vorstellungen: die Kleidung wird von ihrer persönlichen Einkäuferin ausgewählt, das spartanische Essen vom Ernährungsberater und dem persönlichen Koch ihrer Mutter dargereicht, und im Unterricht wird ihr äußerstes Disziplin und harte Arbeit abverlangt. So ist es kein Wunder, dass die junge Elizabeth einige Klassen überspringt und im Alter von sechzehn Jahren bereits in Harvard studiert. Sie spricht mehrere Sprachen, spielt Klavier und Geige, hat Bildungsreisen nach Europa und Afrika unternommen und ist das Produkt eines gewissenhaft und ausführlich geplanten Programms ihrer Mutter. Und plötzlich ist sie es leid, das Experiment ihrer lieblosen Mutter zu sein, wo jede Minute des Tages organisiert, gelenkt und geplant ist, damit sie deren Erwartungen erfüllt. Elizabeth möchte eigene Entscheidungen treffen, ein eigenes Leben führen – und begehrt auf. Nach einem fürchterlichen Streit mit ihrer Mutter, nachdem diese ruhig und gelassen zu ihrem Bildungsvortrag fährt, bleibt das Mädchen alleine im Haus zurück. Und nach der ersten Rebellion geht sie konsequent die weiteren Schritte: sie verändert radikal ihr Aussehen, schneidet und färbt ihre Haare, sticht sich Löcher in die Ohrläppchen und begibt sich auf die Suche nach Kleidung, die sich von ihrer in erlesen-teurem Stil, strikt konservativ und in gedämpften Farben gehaltenen Garderobe völlig abheben soll. Zum ersten Mal in ihrem Leben geht Elizabeth einkaufen und in den Momenten der Reizüberflutung, als all die neuen Eindrücke sie zu überwältigen drohen, trifft sie auf eine ehemalige Schulkollegin, Julie Masters. Das fröhliche, lebenslustige Mädchen hilft ihr bei der Auswahl ihrer neuen Kleider und lädt sie ein, den Abend mit ihr zu verbringen. Der Eintritt in die angesagte Diskothek erfordert zwei gefälschte Ausweise – eine Aufgabe, die eine Leichtigkeit für die Computerspezialistin Elizabeth darstellt. Im Club treffen die beiden auf zwei junge Russen, die an ihnen interessiert zu sein scheinen … und nach einigen alkoholischen Getränken und den Umgarnungsversuchen von Alexi und Ilya willigen die beiden ein, die Männer in ihr Haus zu begleiten, die Party in privaterem Rahmen ablaufen zu lassen. Doch Ilya wird aufgehalten … und so fährt Alexi mit den beiden Teenagern alleine los. Im luxuriös eingerichteten Penthouse eskaliert die Situation und Elizabeth sieht sich plötzlich betrunken und alleine der russischen Mafia gegenüber, die soeben vor ihren Augen zwei Menschen exekutiert hatte. Elizabeth gelingt es, zu fliehen – und eine unbarmherzige Jagd nach der einzigen Zeugin beginnt…

Allein der Einstieg in die Geschichte ist höchst spannend und in außergewöhnlich lebhaftem Schreibstil erzählt. Das mitleiderregende Leben der mit einem überdurchschnittlichen Intelligenzquotienten und einem eidetischen Gedächtnis ausgestatteten Elizabeth zieht den Leser emotional sofort auf ihre Seite. Ihre Unschuld, ihre erwachende Freude an den Dingen, die für Millionen anderer junger Amerikaner selbstverständlich und alltäglich sind, ihr Glücksrausch über die neu gewonnenen Freiheiten und das ungewohnte Gefühl, eine Freundin zu haben, währen nur sehr kurz. Elizabeth musste aufgrund der Erziehungsmaßnahmen ihrer Mutter sehr rasch erwachsen werden, und darf jedoch auch nach ihrer Rebellion ihre versäumten Jugendjahre nicht nachholen. Sie wird zum meist gejagten Opfer in diesem grausamen Spiel: nicht nur die russische Mafia, sondern auch die von ihr gekauften FBI-Mittelsmänner versuchen mit rigoroser Gnadenlosigkeit, sie aufzuspüren und sie zu töten.

Elizabeth gelingt es dank ihrer Klugheit und ihrem angeeigneten Spezialwissen in der Computerkriminalität, unterzutauchen. Sie studiert unter falschem Namen, lebt unter ständig wechselnden Identitäten und lässt sich schließlich an einem einsamen Stück Land in Bickford, einer Kleinstadt in den Ozarks, nieder. Ihr Haus gleicht einer Festung, ihren Lebensunterhalt verdient sie mit der Konstruktion von ausgeklügelten Alarmanlagen und computergesteuerter Überwachung für ihre Kunden. Ein eigener Schießstand und eine Waffenkammer sorgen ebenso für ihre Sicherheit, wie auch „Bert“, ein riesiger, bestens ausgebildeter Kampfhund, der keine Sekunde von ihrer Seite weicht.

Und mitten in ihren von Vorsicht und Isolation bestimmten Alltag platzt der sympathische Polizeichef von Bickford, Brooks Gleason. Mit seiner unerschütterlichen Ruhe, seinem Humor und seiner liebenswürdigen Hartnäckigkeit gelingt es ihm schließlich, die Barrieren der unzugänglichen, sich mit einer geheimnisvollen Aura umgebenden Abigail Lowell, wie Elizabeth sich mittlerweile nennt, zu durchbrechen. Doch die dunklen Geheimnisse ihrer Vergangenheit lassen Abigail keine Ruhe und letztendlich rüstet sie sich mit Brooke an ihrer Seite zum letzten Kampf gegen die russische Mafia…

Dieses Buch hat mich von Beginn an so sehr in seinen Bann gezogen, dass ich es beim Lesen der immerhin beinahe 600 Seiten einfach nicht schaffte, es zwischendurch aus der Hand zu legen. „Die letzte Zeugin“ ist nicht nur ein Eintauchen in die Arbeit des FBI, das das Zeugenschutzprogramm und die Infiltrationen des russischen Geheimdienstes erzählt. Vielmehr handelt es sich hierbei auch um eine Geschichte voller Emotionen, die Nora Roberts geschickt in den Plot einbaut. Man erfährt viel über die beiden Protagonisten Abigail und Brooke, darf die sympathische Familie und die Freunde des jungen Polizeichefs kennenlernen und erwärmt sich immer mehr für die Einwohner dieser malerischen Kleinstadt. Der Spannungsbogen bleibt konstant hoch gehalten und die Furcht vor ihrer Entdeckung lässt die Protagonistin niemals ihre Vorsichtsmaßnahmen vergessen. Einzig die Tatsache, dass mir die Geschichte am Ende ein wenig zu rasch aufgelöst wurde und ich noch gerne einige Hintergründe über Abigails Mutter erfahren hätte, hindert mich daran, die Höchstnote bei der Bewertung dieses Buches zu vergeben. Auch die wenig erfolgreiche Arbeit der russischen Mafia und ihre langjährige scheinbare Erfolglosigkeit im Aufspüren von Elizabeth als einzige Überlebende erschien mir ein wenig unglaubwürdig. Ansonsten kann ich dieses Buch als hoch spannende, aber zugleich auch warmherzige und äußerst interessante Lektüre empfehlen!

Die gebundene Ausgabe dieses Buches weist ein romantisches, in warmen Farben gehaltenes Coverfoto auf, bei dem ein kleines Boot seinen Weg auf einem kleinen Fluss zu einem großen, einsamen Haus sucht. Die Gräser zu beiden Seiten des Wassers wirken durch das Sonnenlicht regelrecht vergoldet und der Gesamteindruck vermittelt das Bild einer vollkommenen Idylle. Das in dreißig Kapitel geteilte Buch ist in angenehmer Schriftgröße gehalten, das rote Lesebändchen konnte jedoch angesichts der Tatsache, dass ich das Buch anhand der großen Spannung auf einmal durchlesen musste, seinen Zweck diesmal nicht erfüllen.

Fazit: Obgleich mich die Frauen-/Liebesromane von Nora Roberts bislang nicht zu begeistern vermochten, genoss ich die Lektüre dieses Spannungsromans in vollen Zügen und hoffe auf weitere dieser Art.

Veröffentlicht am 17.04.2018

Die Angst im Nacken

Die Angst im Nacken
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Das tapfere dreizehnjährige Mädchen Harlow Anastasia Grail überlebt durch ihren Mut und ihren Lebenswillen eine der schlimmsten Katastrophen, die man sich vorstellen kann. Ein wahr gewordener Alptraum, ...

Das tapfere dreizehnjährige Mädchen Harlow Anastasia Grail überlebt durch ihren Mut und ihren Lebenswillen eine der schlimmsten Katastrophen, die man sich vorstellen kann. Ein wahr gewordener Alptraum, dem sie entronnen ist. Jedoch nur körperlich. Psychisch leidet die junge Autorin Anna North, wie die erwachsene Harlow sich aus Angst vor dem Peiniger ihrer Vergangenheit nun nennt, immer noch unter den Folgen dieses schrecklichen Ereignisses. Und plötzlich beginnt der Schrecken erneut. Morde geschehen. Morde, deren Handschrift unverkennbar jene Annas Bedrohers zu sein scheint. Mysteriöse Dinge geschehen, Drohungen werden ausgesprochen und die Situation spitzt sich immer mehr zu, bis sie letztendlich eskaliert.

Erica Spindler schafft bereits mit ihrem Einstieg einen sehr hohen Spannungsbogen, der sich bis zum Finale sogar noch steigert. Der hoch interessante Plot, der mit exzellent gezeichneten Charakteren und überaus lebendigen Protagonisten aufwartet, verführt den Leser mit falschen, gut gelegten Fährten. Die Ermittlungsarbeit der Polizei liefert anschauliche Ergebnisse, die jedoch von Zeit zu Zeit in Frage gestellt werden. Zuletzt weiß man kaum mehr, wem man tatsächlich trauen darf bzw. kann. Polizei, Psychiater, Angehörige und Freunde – beinahe überall vermutet man den Mörder.


Dieser Thriller macht seinem Genre Ehre. Hochspannung von der ersten Seite bis hin zum fulminanten Ende, interessante, ausgeprägte Protagonisten und ein atemberaubender Plot – fünf Sterne für die Autorin und eine uneingeschränkte Empfehlung an jeden Thriller-Fan.


(Rezension zum Printexemplar)

Veröffentlicht am 17.04.2018

Wer verbirgt sich wirklich hinter dem mysteriösen „Todesengel“?

Der Tod kommt lautlos
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Melanie May, seit drei Jahren Polizistin in der kleinen Gemeinde Whistlestop am Rande von Charlotte, stellt mit ihrem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und ihrem ehrgeizigen Drang nach echter Kripo-Arbeit ...

Melanie May, seit drei Jahren Polizistin in der kleinen Gemeinde Whistlestop am Rande von Charlotte, stellt mit ihrem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und ihrem ehrgeizigen Drang nach echter Kripo-Arbeit eine ausgezeichnete Protagonistin dar. Nachdem innerhalb kurzer Zeit einige tyrannische Männer starben, die als Gemeinsamkeit Handgreiflichkeiten ihren Ehefrauen und Freundinnen gegenüber aufweisen, vermutet die junge Polizistin einen Zusammenhang. Sie versucht, den FBI-Profiler Connor Parks, einen durchaus sympathischen Mann mit Ecken und Kanten, an Bord zu holen und ihn dazu zu bewegen, den vermeintlichen Spuren nachzugehen. Doch Connor Parks trägt seinerseits eine schwere Bürde mit sich herum, vor der er mithilfe von Alkohol zu entfliehen sucht. Melanies Hartnäckigkeit führt jedoch letztendlich zum Erfolg und die beiden ungleichen Ermittler beginnen mit ihren Untersuchungen.

Erica Spindler erzählt als Rahmenhandlung dieses Thrillers die Geschichte der May-Drillingsschwestern Melanie, Mia und Ashley, die als Kinder von ihrem Vater brutal misshandelt wurden und ziemlich konträr darauf regierten. Die Entwicklung der drei so unterschiedlichen Charaktere wird sehr gut beschrieben, und die Autorin geht auch detailliert auf ihre Lebensgeschichten ein.

Als die große, schlanke Veronica Ford sich geschickt ins Leben der Geschwister einschleicht, beginnt die bislang sehr intensive Beziehung der Drillinge zu kriseln. Wird die Freundschaft der stellvertretenden Bezirksstaatsanwältin Veronica mit Mia die drei jungen Frauen letztendlich entzweien?

Melanie, die in ihrem ehrgeizigen Drang nach echter Kripo-Arbeit ihre gesamte Zeit und Energie in die Suche nach dem mysteriösen „Todesengel“ investiert, hat zudem auch noch ihren vierjährigen Sohn Casey zu betreuen, der nach ihrer Scheidung vom Ehemann, dem Anwalt Stan, bei ihr lebt. Ihre Zusammenarbeit mit dem FBI-Agenten Connor berührt Melanie auch auf persönlicher Ebene und sie ficht einen inneren Kampf aus, versucht, Privatleben und Beruf professionell zu trennen.

Ashley, die dritte der May-Schwestern, ist erfolgreich in ihrem Beruf als Pharmarepräsentantin, fühlt sich ausgegrenzt und reagiert zunehmend gereizter auf die gesamte Situation. Zudem scheint auch Ashley etwas zu verbergen – ein dunkles Geheimnis, das sie innerlich zu zerstören scheint.

Die Suche nach dem Todesengel, der indes immer weiter mordet und mit ausgeklügelten Methoden arbeitet, gestaltet sich als schwierig. Als sich der Zusammenhang, der gemeinsame Nenner, endlich herauskristallisiert, scheint es beinahe zu spät zu sein.

Die geschickt gelegten Fährten und Indizien, die stets auf einen anderen Täter hinweisen, vermögen es zeitweise, den Leser in die Irre zu führen. Dennoch war ich mir hinsichtlich der Identität des so genannten „Todesengels“ bereits nach einem Viertel des Buches sicher, was mein Lesevergnügen ein wenig beeinträchtigte. Zwar gelang es Erica Spindler, kurzzeitig Zweifel in mir aufkommen zu lassen, mein Verdacht wurde aber am Ende des Buches in einem aufregenden Finale bestätigt.

Aufgrund des durchgehend hohen Spannungsbogens, des flüssigen Schreibstils und den gut gezeichneten Charakteren vergebe ich für diesen interessanten, geschickt konstruierten Fall dennoch eine uneingeschränkte Leseempfehlung und eine Höchstbewertung von fünf Sternen.