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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.04.2018

Unheimlich

Nachtparade
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Eine neue Seuche, der ganze Dörfer, Städte, Landstriche zum Opfer fallen. Ein Vater auf der Flucht, der sein Kind anlügt, weil er ihm die grausige Wahrheit nicht zumuten will. Die Frau tot. Die Umstände, ...

Eine neue Seuche, der ganze Dörfer, Städte, Landstriche zum Opfer fallen. Ein Vater auf der Flucht, der sein Kind anlügt, weil er ihm die grausige Wahrheit nicht zumuten will. Die Frau tot. Die Umstände, die zum Tod führen, erschließen sich nur allmählich. Ein Kind, das unheimliche Fähigkeiten entwickelt, die sich im Verlauf der nervenzerrenden Flucht weiter entwickeln und immer mysteriöser werden. Ein sterbender Vater, der sich erst ganz zum Schluss seine Krankheit eingesteht. Dazwischen immer wieder verstörende Aufenblicke, in denen man nicht weiß, was Halluzination, Lüge, Halbwahrheit oder Wahrheit ist.
Durch die Rückblicke vom Jetzt auf Ereignisse, die Jahre, Monate, Wochen und schließlich nur noch Tage zurückliegen, wird der Leser ganz allmählich in die Geschichte hineingezogen. So wird ein Spannungsbogen bis zum Schluss aufgebaut. So gut die Geschichte geschrieben ist, durch die Art, wie die Menschen schließlich sterben, die Art, wie mit Quarantänen, Evakuierungen, Beobachtungen und Verfolgungen umgegangen wird, wird es dem Leser zunehmend mulmig. Auch das offene Ende der Geschichte, hinterlässt ein ungutes Gefühl. Das ist insofern schade, als man das Buch dennoch von vorne bis hinten in einem Rutsch durchlesen konnte. Mein Fazit daher: Ja gerne mehr von diesem Autor, aber keine Fortsetzung dieser Geschichte.

Veröffentlicht am 22.06.2026

Schwermütig

Deine Zeit wird kommen
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Um es vorweg zu nehmen: Definitiv nichts für diejenigen, die gerade jemanden verloren haben. Schwermütigkeit, Trauer, die nicht loslassen kann, diffuse Schuldgefühle, Lebensunfähigkeit durchziehen dieses ...

Um es vorweg zu nehmen: Definitiv nichts für diejenigen, die gerade jemanden verloren haben. Schwermütigkeit, Trauer, die nicht loslassen kann, diffuse Schuldgefühle, Lebensunfähigkeit durchziehen dieses Buch. Gefühlssituationen, die die diesem Buch zugrundeliegende Geschichte in den Hintergrund treten lassen. Und die am Ende auch nicht schlüssig beendet wurde. Der durch den Tod seiner Frau schwer angeschlagene Kommissar Björling wird mit der Leiche einer Frau konfrontiert, die offenbar über lange Zeit gefangen gehalten, völlig ausgehungert und dann erdrosselt wurde. Da man im Fall auch nach Wochen nicht weiter gekommen ist, wird Verstärkung aus Stockholm hinzugezogen. Die wiederum traumatische Erlebnisse mit dem Ort des Geschehens verbindet. Hinfort spielen diese traumatischen Erlebnisse der beiden Ermittler die Hauptrolle in diesen Geschehnissen. Insbesondere, als auch noch das Verschwinden der Tochter Björlings ins Kalkül kommt. Wochenlange Ermittlungen führen zu nichts. Björling nach einem Zusammenbruch vom Fall abgezogen, Kollegin Johanna nach einem unautorisierten Zutritt zu einer Wohnung suspendiert. Ein halbes Jahr später tut sich eine neue Spur auf. Die Auflösung aber mangelhaft. An keiner Stelle wird auch nur andeutungsweise erklärt, was die Täterschaft zu den Handlungen motiviert hat. Trauer ist gestreift, sagt der Kommissar. Was, wenn er die Leserschaft im dunklen Teil zurück gelassen hat? Die Lektüre ist atmosphärisch dicht gewebt, erhält ein wenig Spannung durch die eingestreuten Blickwinkel der Opfer. Macht aber definitiv schwermütig.

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  • Cover
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.05.2026

Wirr

Strandopfer
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Ein tot am Strand von Misdroy nahe Swinemünde aufgefundener Tourist ruft das BKA auf den Plan, obwohl man zunächst von einem Badeunfall ausgeht, denn der Tote war mit einer Gruppe zusammen, zu denen auch ...

Ein tot am Strand von Misdroy nahe Swinemünde aufgefundener Tourist ruft das BKA auf den Plan, obwohl man zunächst von einem Badeunfall ausgeht, denn der Tote war mit einer Gruppe zusammen, zu denen auch ein Bekannter des Innenministers gehörte. Also reist Ermittlerin Lena Schuldt an die polnische Ostseeküste. Sie selbst ist dort – auf der deutschen Seite – aufgewachsen und wollte nie mehr dahin zurückkehren. Zusammen mit Kollege Adam Krawczyk soll sie sich en Bild von der Lage vor Ort machen. Der Leichnam wurde nicht mal obduziert, wie sie feststellt, da man nicht davon ausging, dass es sich um etwas anderes als einen Badeunfall gehandelt haben könnte. Sie selbst nimmt die Leiche in Augenschein und entdeckt einen Bernstein im Hals des Toten. Das sieht nun doch nach einem sehr bizarren Mord aus. Zugleich muss man die 10jährige Luisa suchen, die - so hat es den Anschein - mit dem Toten unterwegs war und nun verschwunden ist. Die Befragungen vor Ort verlaufen schleppend. Insbesondre die Gruppe von Freunden, die zusammen mit dem Toten in einem Ferienhaus gewohnt haben, schweigen eisern, scheinen dabei etwas zu verbergen zu haben. Während Lena sich auf die Bernsteinspur begibt, versteift sich Adam auf die Gruppe. Zugleich haben sie, Lena und Adam, mit ihren eigenen Vorurteilen und Vergangenheitsbewältigungen zu kämpfen, was die Arbeit erheblich erschwert. Und weitere Tote mit sich bringt. An sich zügig erzählt, mit guter Spannung, zunächst, die aber durch die vielen Grübeleien, Wankelmütigkeiten, kruden Theorien, Vorurteile und deren Bekämpfung arg strapaziert wird. Sie beiden rennen reichlich kopflos durch die Gegend, machen einen Ermittlungsfehler nach dem nächsten, versteigern sich in die wildesten Theorien und gehen sich gegenseitig gehörig auf den Senkel. Leider dem Leser aber auch. Die ganze Geschichte it äußerst abenteuerlich und der tatsächliche Tathergang erscheint viel zu aufwändig und wenig logisch. Gut, es ist halt eine Geschichte und dichterische Freiheit muss erlaubt sein. Aber diese muss die Leser auch mitreißen und das geschieht hier nur teilweise.

  • Einzelne Kategorien
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Veröffentlicht am 03.05.2026

Treffender Titel

Liars all around me
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Ein bisschen viel der problematischen Themen für einen YA Roman vielleicht. Und das ist dieses Buch, obwohl das nirgends erwähnt wird. Eine etwas ausschweifende Geschichte um die 17jährige Avery, die einen ...

Ein bisschen viel der problematischen Themen für einen YA Roman vielleicht. Und das ist dieses Buch, obwohl das nirgends erwähnt wird. Eine etwas ausschweifende Geschichte um die 17jährige Avery, die einen 18jährigen Mitschüler, der als schwarzes Schaf der Schule gilt, um die Beschaffung einer Pistole bittet, was dieser ablehnt, weil er es schlicht nicht kann. Als wenige Zeit darauf eine Mitschülerin erschossen aufgefunden wird, glaubt dieser Mitschüler, Ryle, dass Avery das getan hat, schließlich hat sie ihn gebeten, eine Pistole zu besorgen und die getötete Shila galt als Averys Konkurrentin um den Platz der Jahrgangsbesten. In den Kreisen der Reichen, Machtvollen und Auf-Andere-Herabsehenden, zu denen beide Schülerinnen gehören, ist dies ein mörderischer Kampf. Ryle, das „Schwarze Schaf“, droht ihr damit, zur Polizei zu gehen. Nur mühsam kann sie ihn davon überzeugen, ihr etwas Zeit zu geben, um ihre Unschuld zu beweisen. In der schwierigen, aussichtslos erscheinenden, Suche nach Verdächtigen mit erkennbaren Motiven, ohne Alibi, die von Averys Freundin Micah eng begleitet wird, enthüllen sich die tragischen Hintergründe, sowohl in Ryles, als auch Averys Leben. Aus wechselnder Sicht geschrieben, behält die Geschichte Präsenz, eine gewisse Spannung und bestätigt das Zutreffen des Titels.

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Veröffentlicht am 06.04.2026

Beklemmend

Unter dem Strand
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Eigentlich will Cay nur einen Artikel für das Süseler Tageblatt schreiben, denn es steht der 80-jährige Jahrestag des Untergangs der Cap Arkona in der Lübecker Bucht an und wie jedes Jahr gibt es eine ...

Eigentlich will Cay nur einen Artikel für das Süseler Tageblatt schreiben, denn es steht der 80-jährige Jahrestag des Untergangs der Cap Arkona in der Lübecker Bucht an und wie jedes Jahr gibt es eine Gedenkfeier, mehr oder minder beachtet. Aber dies ist eben ein Jubiläum und daher ist Platz für einen kleinen Artikel. Und eigentlich hat Cay auch so gar keine Lust auf diesen Auftrag, aber sie ist chronisch pleite, von daher ... Vor Ort allerdings stolpert sie über die Leiche einer jungen Frau, Sie meldet dies bei der Polizei, die sie anweist, bei der Leiche bis zum Eintreffen der Polizei zu warten. Was sie ursprünglich auch vorhat, es sich dann aber anders überlegt. Flugs macht sie ein paar Fotos der Leiche (sie weiß, dass das nicht richtig ist) und verlässt den Ort des Geschehens, um die Fotos, schließlich bringt das Geld, zu verkaufen, die auch alsbald in einem Online-Dienst erscheinen. Von da an steht ihr Leben auf dem Kopf. Bei ihr wird eingebrochen, die Kamera gestohlen, sie wird um eine geliehen zweite Kamera gebracht, fühlt sich zunehmend beobachtet und die Einbrüche bei ihr häufen sich. Sie beginnt im Umfeld der Toten zu forschen und geht auch Gerüchten nach, wonach es sich damals beim Untergang der Cap Arkona und weiterer Schiffe um ein Massaker gehandelt haben soll, wobei Tausende Kriegsgefangenen und Häftlingen des Konzentrationslagers Stutthof zu Tode gekommen sein sollen. Bloß stößt sie in der Umgebung auf eine Mauer des Schweigens, davon will niemand etwas wissen. Je stärker sie forscht, umso ungesunder wird ihr Leben, um es mal vorsichtig zu formulieren. Diese unglaubliche Geschichte wird aus wechselnden Perspektiven erzählt. Aus der von Leon, einem Insassen des Lagers, der von Cay, aber auch von der Toten und weiteren zentralen Personen in diesem Kriegsdrama. Dadurch bleibt die Geschichte spannend und lebendig und macht betroffen ob der Zu- und Umstände und des Grades des Wegsehens und Verdrängens, was teils schon sarkastisch dargestellt wird. Was die Geschichte leider ein wenig herunterzieht, ist die Person der Cay, die extrem phlegmatisch und wenig empathisch erscheint. Sie scheint selbst ein Trauma mit sich zu schleppen, nutzt dabei andere aber extrem aus. Sie geht sehr naiv und unprofessionell an ihre Recherche. Ihre Selbstreflextionen machen die Geschichte langatmig, was ihr nicht gut tut. Das Wort prokastinieren wird ein wenig zu häufig bemüht. Und am Schluss hat man den Eindruck, dass die Geschichte nicht wirklich auserzählt ist, trotz der Seitenzahl von 588 im E-Book.

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