Eine Art Nachruf
Eine Liebe, in GedankenAber ein ganz besonderer ist es, den hier eine Tochter auf ihre gerade erst verstorbene Mutter Antonia, genannt Toni, hält: sie spürt einer längst vergangenen Beziehung Tonis nach, die sich lange vor ihrer ...
Aber ein ganz besonderer ist es, den hier eine Tochter auf ihre gerade erst verstorbene Mutter Antonia, genannt Toni, hält: sie spürt einer längst vergangenen Beziehung Tonis nach, die sich lange vor ihrer eigenen Geburt zutrug.
Edgar und Toni, Toni und Edgar: das lief mehrere Jahre, aber dann... Die - namenlose - Tochter macht sich ihre eigenen Gedanken, ihr Abschied von der plötzlich verstorbenen Mutter, der in der Gegenwart spielt, bildet sozusagen den Rahmen um längst Vergangenes. In einer Art Tagebuch, das sie mosaikartig aus im Nachlass Gefundenem und eigenen Gedanken zusammengesetzt hat, setzt sie ihrer Mutter, bzw. dieser einen Beziehung ihrer Mutter ein Denkmal, versucht sie, die in gewisser Weise Rastlose zu verstehen. Daraus geht hervor, dass Toni bereits in den 1960ern auf eine bestimmte Art und Weise ihrer Zeit voraus war. Kein Heimchen am Herd war sie, nein, eine berufstätige Frau, die Edgar ein schönes Leben zeigte. So sieht Edgar selbst es nach fünfzig Jahren. Und ging aus beruflichen Gründen nach Hong Kong - auch er gewissermaßen ein Rastloser. Warum es dann kein Miteinander, keine gemeinsame Lebensplanung gab, das bleibt in weiten Teilen im Dunkeln.
Eigentlich ein geschickter Schachzug, den ich sehr zu würdigen gewusst hätte, wenn die weiteren Bestandteile gestimmt bzw. gepasst hätten. Einige Elemente, zum Beispiel die Wahrnehmungen der Tochter beim Räumen der mütterlichen Wohnung, sind sehr eindringlich dargestellt, aber sehr vieles bleibt zu statisch, es gibt zu wenig Handlung gerade auch in Bezug auf Emotionen - und das, obwohl der Stil keineswegs Kühle transportiert. Da wiederholt sich vieles.
Toni und Edgar - zwei rastlose Gestalten, die aneinander vorbeigeeilt sind? Irgendwie schon, so wie die Handlung teilweise auch an mir vorbeigeglitten ist. Mir hat dieser Roman um einiges besser gefallen als der Erstling der Autorin Kristine Bilkau, aber trotzdem, so ganz warm werde ich mit ihr nicht.