Profilbild von sommerlese

sommerlese

Lesejury Star
offline

sommerlese ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit sommerlese über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.04.2018

Ein gelungener Auftakt der Fellinger-Reihe

Eiskalter Hund
1

"Eiskalter Hund" ist der erste Fall für Berti Fellinger von Oliver Kern. Der Krimi erscheint neben der Printversion im Heyne Verlag auch als Hörbuch bei Random House Audio. Dieses Hörbuch umfasst 5 CDs ...

"Eiskalter Hund" ist der erste Fall für Berti Fellinger von Oliver Kern. Der Krimi erscheint neben der Printversion im Heyne Verlag auch als Hörbuch bei Random House Audio. Dieses Hörbuch umfasst 5 CDs mit einer Spieldauer von 6 Stunden und 19 Minuten. Es ist die beinah ungekürzte Fassung, die von Michael Schwarzmaier gelesen wird.

Fellinger ist eine echte Type, er wäre lieber Polizist geworden, als Lebensmittelkontrolleur geht er aber auch wichtigen Dingen auf die Spur und das mit reichlich Sarkasmus und Humor. Ein anonymer Anrufer bringt Fellinger zur Kontrolle des ortsansässigen Chinesischen Restaurants, dort wird eine übel aussehende schwarze Soße serviert und im Kühlraum hängt ein toter Hund, angeblich für den Besuch aus China. Er findet heraus, dass die Halterin des Hundes vermisst wird. Fellingers Ermittlungsneugier ist geweckt, er geht der Sache nach.







"...dass hier in der Gegend immer ein leichter Hauch von Jauche in der Luft hängt. ...Mit geschlossenen Augen sauge ich die niederbayrische Frische in mich hinein. Es ist nicht der Lavendelduft der Provence..., aber es ist Heimat..."Zitat Seite 137

Berti Fellinger ist schon ein ganz besonderer Charakter, ein Grantler wie er im Buche steht. Sein kaputtes Knie verhinderte seine Karriere als Polizist, nun jagt er als Hygieneinspektor die Bakterien und Keime in Restaurants. Dabei spürt er es zwischen den Schultern, wenn ein Verbrechen in der Luft liegt. Fellinger bezeichnet sich selbst als tolerant gegenüber anderen Volksgruppen und liefert andauernd Gegenbeispiele,so hat er ein besonderes Auge auf Chinesen, Russen und Tschechen und mit Preußen kann er auch nicht viel anfangen. Sein Verhalten und seine Ansichten sind so überzeichnet und offensichtlich anders, dass es für den Leser eine wahre Freude ist. Aber Fellinger erkennt auch Fehler im Verhalten seiner eigenen Landsleute, die er ihnen aber gerne verzeiht.


"Dieser Vorfall zeigt, dass der Niederbayer aufgrund seiner infantilen Reaktion auf vermeintliche Nichtigkeiten durchaus noch zu den Naturvölkern gezählt werden darf." Zitat S. 195

Auch wenn man hier nicht unbedingt eine hochspannende Krimihandlung erleben kann, kommt dafür der Spaßfaktor voll zum Zuge. Es ist sehr lebendig zu beobachten, wie Fellinger hier den Ermittler spielt und dabei auch einiges einstecken muss. Mit reichlich Lokalkolorit und einigen Brocken Dialekt kommt man dem Bayrischen Wald näher, Verständnisprobleme muss man nicht befürchten, ein kleines Glossar gibt Übersetzungshilfe am Ende des Buches.


Neben Fellinger gefallen mir auch die anderen teilweise recht schrägen Figuren im Buch sehr gut. Zum Beispiel Max Aschenbrenner, auch besser bekannt als Texmäx, weil er vor Jahren im Rausch ein Kettensägenmassaker angerichtet hat. Oder der Chinese Luang, für den das "R" unaussprechlich ist und deshalb häufig Wörter mit "L" benutzt. Man findet hier immer wieder Charaktere, die für jede Menge Unterhaltung sorgen und kann gespannt mitraten, wer wohl hinter allem steckt.

Der Schreibstil von Oliver Kern sorgt für ein flüssiges Dahingleiten durch das Buch, die kurzen Kapitel mit treffenden Überschriften sorgen für zusätzlichen Lesesog.
Kern trifft mit seinen Beschreibungen die menschlichen Besonderheiten zwar etwas überspitzt, aber herrlich humorig. Wie er seinen Fellinger arbeiten, ermitteln und leben lässt, ist einfach eine Freude. Und das kann der Sprecher Michael Schwarzmaier wunderbar herausarbeiten. Seine Stimme ist sehr gut geeignet zum Zuhören und er bringt die Facetten der Figuren hervorragend und feinfühlig zum Ausdruck.



"Eiskalter Hund" konnte mich auch als Hörbuch noch einmal wunderbar unterhalten und ich freue mich auf weitere Fälle mit Fellinger. Er könnte ein entfernter Verwandter vom Eberhofer Franz sein, das müsste man mal recherchieren! Humor, Wortwitz und herrlich durchgeknallte Figuren bringen einfach Spaß.

Veröffentlicht am 19.04.2018

Wunderschöne Geschichte mit Romantik, Alltagsleben und Tiefgang! Halt wie im echten Leben!

Herz verloren, Glück gefunden
0

Christiane von Lafferts Debüt nimmt den Leser mit auf eine emotionale und unterhaltsame Reise einer Frau um die 40. Dieser liebenswürdige Roman beschreibt Eheprobleme, Unterdrückung der eigenen Wünsche ...

Christiane von Lafferts Debüt nimmt den Leser mit auf eine emotionale und unterhaltsame Reise einer Frau um die 40. Dieser liebenswürdige Roman beschreibt Eheprobleme, Unterdrückung der eigenen Wünsche und einen Neuanfang und zeigt damit Lebensgefühle, die man als Frau so oder ähnich vielleicht schon erlebt hat. Sie trifft damit den richtigen Ton für das wahre Leben und damit ins Herz ihrer Leserinnen.


Protagonistin Victoria lebt ein geregeltes Leben als Hausfrau ohne finanzielle Sorgen. Dieses beginnt allerdings dank einer Reise und ein paar Schmetterlingen im Bauch heftig zu wanken. Sie und ihr Mann Hubertus leben eigentlich nebeneinander her und das wird ihr durch ihre Affäre mit dem charmanten Constantin bewusst.

Aus Victorias Perspektive nimmt man an ihrem Alltagsleben, ihren Gedanken, Sorgen, Zweifeln und den neuen Veränderungen teil und kann ihre Beweggründe gut nachvollziehen. Victorias Suche nach ihrem persönlichen Lebensweg und dem eigenen Ich zeigen eine Frau, die langsam reift und sich zu einer selbstbewussten Frau entwickelt. Sie wirft Vorurteile über Bord, wird offener und nach gescheiterten Freundschaften schliesst sie rasch neue. Ihre Entwicklung ist bewundernswert und lässt über das eigene Leben nachdenken.

Die Charaktere sind gut beschrieben und unterhalten durch einige unangepasste Typen, die aber das Herz auf dem rechten Fleck tragen.
Die Kinder benehmen sich authentisch, die Freundinnen haben auch so ihre Lebens- und Beziehungsprobleme und man erkennt einige Dinge aus dem eigenen Leben wieder. Dabei gibt es immer wieder humorvolle Szenen, die mich sehr amüsiert haben.

Der Schreibstil ist flott und humorvoll und so angenehm, dass man das Buch förmlich verschlingt. Auch wenn ich nicht wie Victoria bin, so denken oder handeln würde, hat mich diese Figur mitgerissen und richtig gut unterhalten.

Dieser Roman hat mich bestens unterhalten, mir einige schöne Lesestunden geschenkt und deutlich gemacht, wie wichtig echte Freunde sind. Denn Freundschaften sind die wahren Stützen im Leben.

Veröffentlicht am 19.04.2018

Dieser Roman enthält alles, was ein gutes Buch ausmacht: Emotionen, stimmungsvolle Bilder und eine fesselnde Handlung! Einfach super!

Die Walfängerin
0

Ines Thorn hat hier einen großartigen Roman verfasst, denn sie katapultiert den Leser zurück in eine Zeit als das Leben auf Sylt noch von Armut, Überlebenskampf und Aberglauben geprägt war und noch kein ...

Ines Thorn hat hier einen großartigen Roman verfasst, denn sie katapultiert den Leser zurück in eine Zeit als das Leben auf Sylt noch von Armut, Überlebenskampf und Aberglauben geprägt war und noch kein Reichtum und Wohlstand auf der Insel herrschte wie heute. Als Heringsfischer, Handwerker und Walfangfahrer brachten die Männer ihre Familien gerade so über die Runden. Die Frauen suchten Eier von Wildenten, verarbeiteten die Wolle der Schafe und strickten selbst aus Frauenhaar wärmende Kleidung. Alles was als Schwemmgut an Land gespült wurde, war willkommen. So wurden auch Schiffsopfer entkleidet, angespülte Schiffsplanken für Feuerholz verwendet und auch anderes Treibgut war den Menschen sehr willkommen.

Es ist interessant zu lesen, was das Biike-Brennen den Menschen damals bedeutete. Es zeigt das Winterende an und verabschiedet gleichzeitig die Seemänner, die auf Walfang gehen und für ein halbes Jahr die Familien allein lassen. Wie viele kamen damals wohl nicht wieder heil zurück? Die meisten Seeleute konnten nicht einmal schwimmen. Die Autorin schildert auch die Walfangszenen sehr intensiv und man erlebt diese harte Arbeit voller Gefahren fast hautnah mit.

Maren ist eine junge Frau, die voller Leben und Emotionen beschrieben wird. Wie sie an ihre große Liebe glaubt, dann aber Schicksalsschläge und schwierige Lebensabschnitte meistern muss und daran reift, ist beeindruckend zu lesen. Man merkt wie die anfangs noch naive Rebellin sich zu einer starken Frau entwickelt, die nicht nur für ihr Leben und das ihres Kindes hart kämpft. Man begleitet sie auf ihrem Weg und sie gewinnt immer mehr Sympathie.

Gleichzeitig ist man betroffen von den rauhen Sitten der Seeleute, der Armut und den fiesen Charakteren anderer Figuren im Buch und so bringt die Autorin Spannung und verschiedene Emotionen in die Handlung, die einfach mitreißen und eintauchen lassen in eine authentisch wirkende Geschichte.

Dieses Buch kann ich nur weiter empfehlen. Es ist dramatisch, spannend und informativ und ein wunderbar unterhaltender Roman, der nicht nur Liebhaber des historischen Genres interessieren wird. Ines Thorn hat hier sehr gute Arbeit geleistet!

Veröffentlicht am 19.04.2018

Echter Sommerlesegenuss mit Nordseeinselstimmung!

Inselträume
0

"Inselträume" ist der dritte Band einer Reihe, die ich von Anfang an gern verfolgt habe. Es ging mir beim Lesen wie beim Heimkommen oder Wiedersehen mit guten alten Bekannten. Ich fühlte mich sofort wohl ...

"Inselträume" ist der dritte Band einer Reihe, die ich von Anfang an gern verfolgt habe. Es ging mir beim Lesen wie beim Heimkommen oder Wiedersehen mit guten alten Bekannten. Ich fühlte mich sofort wohl und habe die dargestellte Atmosphäre der Nordseeinseln genossen. Wer die Vorgängerbücher nicht kennt, hat aber auch keine Verständnisschwierigkeiten, da alle wesentlichen Inhalte im Roman erwähnt werden. Ein Personenverzeichnis gibt außerdem Auskunft über das Stammpersonal und neue Figuren.

Mittlerweile ist Herbst und das Inselhotel hat den Ansturm im Sommer mit vielen Gästen ausgebucht überstanden. Jannike und Mattheusz leben als Paar zusammen, finden aber neben der vielen Arbeit wenig Zeit füreinander. In ihrer Beziehung gibt es ein paar offene Fragen, wie z. B. die Familienplanung, aber irgendwie gibt es keine Gelegenheit mal in Ruhe darüber zu sprechen. Mattheusz Familie hofft auf eine Hochzeit, aber noch ist davon nicht die Rede.
Ein Schwimmwettbewerb lässt Jannike freie Zeit durch erhöhtes Trainigsaufkommen auch spärlich werden.
Dani und Siebelt haben auch so ihre eigenen Sorgen, denn nun sind sie Eltern des 16-jährigen Pflegesohns Lasse, der im örtlichen Bäderbetrieb Pflichtstunden ableisten muss.
Als ein Feuerteufel aktiv wird, gerät Lasse in Verdacht.

Die Handlung wird also nicht nur in Liebesdingen problematisch, sondern auch noch spannend. Außerdem sorgen einige neue Charaktere für gute Unterhaltung und der kleine Hund Pepsi sorgt für einige Aufregung und hat auch gleich seine Fans unter den Bewohnern.

Der Autorin gelingt es erneut, dass man sich ausgezeichnet in die verschiedenen Figuren hinein versetzen kann und sie sehr glaubhaft erscheinen. Der humorvolle Erzählstil lässt den Leser wunderbare Lesestunden erleben und man erlebt eine Wohlfühllektüre, die mit Herzschmerz, Wettkampfvorbereitungen und der Suche nach dem Feuerteufel wunderbar unterhält. Der Roman ist leider viel zu schnell vorbei. Was bei Reihen ja immer schwierig ist, den Standard der vorangegangenen Werke zu halten oder zu steigern, ist der Autorin hiermit gelungen. Volle 5 verdiente Sterne in Folge!


Tolle humorvolle Strandlektüre oder als Urlaubsvorbereitung prima geeignet. Ein echtes Sommerbuch zum Wohlfühlen und "Sich auf die Insel-Träumen".

Veröffentlicht am 19.04.2018

Eine berührende Familientragödie

Was ich euch nicht erzählte
0

Dieser Roman führt in eine Zeit, als Mischehen in Amerika nicht toleriert wurden und deren Kinder automatisch Aussenseiter waren.

Jedes Familienmitglied erlebt die Ausgrenzung in anderer Art und Weise ...

Dieser Roman führt in eine Zeit, als Mischehen in Amerika nicht toleriert wurden und deren Kinder automatisch Aussenseiter waren.

Jedes Familienmitglied erlebt die Ausgrenzung in anderer Art und Weise und die Hoffnungen der Eltern für ihre eigenen aufgeschobenen Wünsche und Lebensträume manifestieren sich einzig in ihrer begabten Tochter Lydia, die Hoffnungsträgerin der ganzen Familie. Siehe Zitat! Sie soll diese Träume leben, aber sie zerbricht an dieser Aufgabe.



Die Handlungsstränge wechseln zwischen Gegenwart und Vergangenheit ab, sie beschreiben die Jugend der Eltern, ihr Kennenlernen und die aktuellen Vorkommnisse der Familie. So bekommt der Leser allmählich ein umfassendes Bild dieser zerrütteten Familie. Die Andersartigkeit des Vaters, die aufgegebene Karriere der Mutter und die Kinder, die hinter Lydia zurückstehen. Die Tragödie ist unausweichlich, aber wie ist es zu dem Tod Lydias gekommen?

Man erkennt, wie schwierig es für die Eltern ist, über ihre Probleme offen miteinander zu reden. Statt dessen flüchten sie sich in ein Leben der verdrängten Gefühle und erkennen nicht, dass auch ihre Kinder unter der Missachtung leiden. Die Familie versucht eigentlich nur, normal zu sein.

Wie Lydia unter diesen Erwartungen zerbricht ist im Buch allmählich erkennbar. Sie sollte die Träume ihrer Eltern erfüllen. Ungesagte Worte haben ihr Schicksal besiegelt.

Die Autorin hat mit solch eindringlicher Genauigkeit Gefühle und Gedanken in ihren Roman eingebaut, dass man gefesselt ist wie bei einem Krimi. Diese Familiengeschichte ist eine Tragödie, die einen nicht so schnell los lässt. Die ungesagten Worte wogen schwer und Lydia sollte die Träume ihrer Eltern erfüllen.
Ich war beim Lesen tief betroffen und sah die unausgesprochenen Hilfeschreie der Kinder, die von den Eltern nicht gehört wurden, da sie auch als Paar nicht darüber sprechen konnten. Sie aber hatten mit Selbstzweifeln zu kämpfen und konnten die Kraft für andere nicht aufbringen. Genausowenig wie sie in Lydia einen eigenständigen Menschen mit eigenen Wünschen erkannt haben. Die ungesagten Worte wogen schwer und Lydia sollte die Träume ihrer Eltern erfüllen. Das musste sie mit ihrem Tod bezahlen.
Doch am Ende steht trotz aller Trauer die Hoffnung, dass Hannah und Nath eine glücklichere Zukunft haben werden.

Eine berührende Familientragödie, die zeigt, wie unausgesprochene Worte ins Aus führen können. Meisterhaft klar erzählt und voller Lebenserfahrung! Unbedingt zu empfehlen!