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Veröffentlicht am 19.04.2018

Vier Jugendliche aus vier kaputten Familien, so verschieden wie Feuer und Wasser, unterwegs zum Meer

Die Ausreißer – Sehnsucht nach Meer
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Vier Jugendliche aus vier kaputten Familien, so verschieden wie Feuer und Wasser, unterwegs zum Meer

„Es gibt so viel Mist auf der Welt. Und die schlimmsten Dinge passieren in Familien. Diese glücklichen, ...

Vier Jugendliche aus vier kaputten Familien, so verschieden wie Feuer und Wasser, unterwegs zum Meer

„Es gibt so viel Mist auf der Welt. Und die schlimmsten Dinge passieren in Familien. Diese glücklichen, netten Familien mit Vater, Mutter und zwei Musterkindern, die sich alle anstrahlen, als gäbe es nichts Schöneres auf der Welt – die gibt es doch nur auf Müslipackungen!“ (Lars)

Der Halbwaise Lars glaubt nicht an eine heile Familienwelt. Er lebt bei seinem gewalttätigen alkoholkranken Vater, ist ein unscheinbarer und feinfühliger Junge, der sich hart und abweisend gibt und keine Freunde hat. In der Schule vermeidet er es konsequent, aufzufallen und wird von den meisten einfach übersehen. Lars ist ruhig, mag keinen Lärm, und hält sich tunlichst aus allem raus.

Nele Zimmermann ist unsportlich und mollig, hat ebenso wie Lars keine Freunde und wird als unbeliebte Schülerin in ihrer Klasse gemobbt. Als braves Mädchen aus christlichem Elternhaus, deren Vater kürzlich die Familie verlassen hat und mit seiner neuen Freundin im Norden des Landes lebt, stellt sie ein begehrtes Zielobjekt für die Schikanen ihrer Mitschüler dar. Das Selbstbewusstsein des warmherzigen und einfühlsamen Scheidungskindes leidet fürchterlich unter dieser Situation, und als sie wieder einmal von ihren Mitschülerinnen grausam gehänselt und gekränkt wird, kommt ihr völlig unerwartet Lars zu Hilfe.

Der ruhelose Einzelgänger Noah ist bereits seit seinem achtzehnten Geburtstag auf der Straße unterwegs. Eine zottige Mischlingshündin namens Cassiopeia begleitet ihn auf seiner Wanderschaft. Als der Hund in Karlstadt von einem Auto angefahren wird, ist Lars zufällig Zeuge dieses Zwischenfalls. Er hilft Noah, das Tier zu verarzten und besorgt den beiden eine Unterkunft. Der charismatische und stets gut gelaunte Noah erzählt Lars von seinem nächsten Ziel und lädt Lars spontan ein, ihn auf seiner Wanderschaft zur Nordsee zu begleiten. Durch einen Zwischenfall in der Schule eskaliert schließlich die Lage in Karlstadt und Lars packt tatsächlich seinen Rucksack. Er beschließt, abzuhauen und sich dem gewalttätigen Einfluss seines Vaters zu entziehen. Zugleich spitzen sich jedoch auch bei Nele die Dinge zu, bei ihr bahnt sich ebenfalls eine Katastrophe an. Als sich unterwegs auch noch Noahs Bekannte Angel zum Trio gesellt, sind kurz darauf vier Jugendliche und ein Hund unterwegs zum Meer.

Melissa C. Feurer erzählt in diesem beeindruckenden Jugendbuch die traurigen Geschichten von vier jungen Menschen, deren hervorragende Charakterisierung sie dem Leser sofort ans Herz wachsen lässt. Die vier Protagonisten sind grundverschieden, haben jeder für sich einen Grund, abzuhauen. Die Wanderschaft stellt sich alles andere als einfach heraus. Nicht nur mangelnder Komfort, Hunger und die Suche nach Schlafplätzen machen ihnen zu schaffen, sondern auch ihre seelischen Wunden. Während ihrer Reise unterwegs zum Meer müssen sie sich ihren Gefühlen stellen. Das Verarbeiten ihrer Probleme und der damit einhergehende Veränderungsprozess werden von der Autorin eindrucksvoll beschrieben. Die handelnden Figuren sind vielschichtig dargestellt. Noah hält die ganze Gruppe zusammen und trägt dazu bei, eine Vertrauensbasis aufzubauen. Die harten Fassaden der Jugendlichen bröckeln langsam, und der Weg zum Meer wird zugleich auch zu einem Weg der Selbstfindung und Heilung.

Der Schreibstil der Autorin ist äußerst einnehmend. Behutsam und mit viel Feingefühl tastet sie sich nach und nach an die Probleme ihrer Figuren heran, offenbart in kleinen Schritten deren seelische Verletzungen. In Form von beeindruckenden und sehr tiefsinnigen Dialogen dürfen die traumatisierten Teenager gegenseitige Verständnis und Wertschätzung erfahren.

„Die Ausreißer - Sehnsucht nach Meer“ ist ein sehr berührender Jugendroman, der schwierige familiäre Situationen und das Mobbing in Schulen zum Kernthema hat. Melissa C. Feurer legt zudem großes Gewicht auf den christlichen Glauben und wartet darüber hinaus mit einer Fülle von Lebensweisheiten auf. Sie plädiert dafür, die Hoffnung niemals aufzugeben und führt ihre Protagonisten letztendlich zur Erkenntnis, dass Zeit zwar nicht alle Wunden heilt, manche schmerzhaften Erfahrungen im Leben jedoch zur persönlichen Entwicklung beitragen.

„Vielleicht geht es Menschen im Bezug auf Gott manchmal auch so. Sie sind wütend und enttäuscht, weil Gott ihnen eine schmerzhafte Erfahrung nicht erspart hat, und erkennen einfach nicht, dass er es gut mit ihnen meint.“

Veröffentlicht am 18.04.2018

Urangst

Urangst
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Der „Meister des Schreckens“ hat mit seinem Roman „Urangst“ wieder einmal hochgradige Spannung geliefert.

Die Geschichte von Amy und Brian ist gespickt mit psychopathischen Ex-Partnern, Auftragskillern ...

Der „Meister des Schreckens“ hat mit seinem Roman „Urangst“ wieder einmal hochgradige Spannung geliefert.

Die Geschichte von Amy und Brian ist gespickt mit psychopathischen Ex-Partnern, Auftragskillern und jeder Menge Action.

Die wahren Protagonisten dieses Buches sind für mich jedoch die Hunde. Eine Farm für Golden-Retriever, die keiner mehr haben möchte – ausgesetzt, verstümmelt, blind oder seelisch verkrüppelt – allesamt aufgenommen von Amy in ihrer Farm „Golden Heart“. Wo mit viel Liebe und Geduld nicht nur ihre körperlichen Verletzungen, sondern auch die Verletzungen ihrer Seele, geheilt werden und sie auf ein neues Leben in einer neuen Familie behutsam vorbereitet werden.

Wundersame und mysteriöse Dinge geschehen – einige unerklärlich, andere werden durch die nach und nach erzählte Lebensgeschichte von Amy verständlicher.

Ohne der Geschichte vorzugreifen darf ich jedoch sagen, dass sie – wie auch alle anderen Romane von Koontz – gut ausgeht, wenngleich mir selber der Abschluss ein wenig zu „übernatürlich“ vorkommt.

Ich möchte die berührendste Stelle dieses Buches zitieren: „Ein Hundeleben ist kurz, zu kurz, aber das weiß man, wenn man sich darauf einlässt. Man weiß, dass einen Leid erwartet, dass man einen Hund verlieren wird und dass der Schmerz groß sein wird, und daher kostet man mit ihm den Augenblick bis zur Neige aus und unterlässt es niemals, seine Freude zu teilen oder sich für seine Unschuld zu begeistern, denn die Illusion, ein Hund könnte ein Gefährte fürs Leben sein, lässt sich nicht aufrechterhalten. Es liegt eine solche Schönheit in dieser brutalen Aufrichtigkeit und auch darin, dass man es akzeptiert und einem Hund seine Liebe schenkt, während einem ständig bewusst ist, dass der Preis unzumutbar sein wird. Vielleicht ist die Liebe zu Hunden eine Form der Buße für all die anderen Illusionen, die wir uns gestatten, und für die Fehler, die wir aufgrund dieser Illusionen machen.“

Wundervoll!


(Rezension zur Printausgabe)

Veröffentlicht am 18.04.2018

Werter Nachwuchs

Werter Nachwuchs
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"Ich halte mich für eine humorige Person. Aber anscheinend ist das Quantum an Humor, das ich besitze, doch nicht ausreichend, um mit Heiterkeit und Gelassenheit das Benehmen gewisser Mitmenschen zu ertragen."

Die ...

"Ich halte mich für eine humorige Person. Aber anscheinend ist das Quantum an Humor, das ich besitze, doch nicht ausreichend, um mit Heiterkeit und Gelassenheit das Benehmen gewisser Mitmenschen zu ertragen."

Die österreichische Autorin Christine Nöstlinger erzählt, ermutigt, tadelt und belehrt mit ihren „Nie geschriebenen Briefen der Emma K.“.

Emma K., eine fiktive Mutter, Schwiegermutter und Großmutter schreibt mit viel Humor, aber auch ernst gemeinter Kritik, ihre Briefe an die jüngere Generation.

Ein literarischer Leckerbissen, gespickt mit vielen Ausdrücken aus dem Wiener Dialekt, aufgrund der Kürze der einzelnen Briefe (maximal 2 Buchseiten) auch eine ideale Einschlaf-Lektüre oder ein Buch für Wartezeiten.

Doch Vorsicht: die Berichte aus der Vergangenheit, die teilweise harsche Kritik an den Kindern und Enkeln lässt den Leser nicht nur die Stirn runzeln und schuldbewusst nicken, nein, der Humor der überaus aufgeschlossenen „Emma K.“ verleitet zum vergnügten Schmunzeln und manch lautem Auflachen.

Ich bin diesen „Nie geschriebenen Briefen der Emma K.“ bereits vor Jahren in einer österreichischen Wochenzeitung begegnet und habe die einzelnen Ausschnitte wegen ihres erstklassigen Inhalts gesammelt. Erst jetzt entdeckte ich diese kleinen Kostbarkeiten in diesem Buch vereint, das ich mit fünf Sternen bewerte und uneingeschränkt weiterempfehlen möchte.

Veröffentlicht am 18.04.2018

Der Junge im gestreiften Pyjama

Der Junge im gestreiften Pyjama
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„Der Junge im gestreiften Pyjama“ ist eine erschütternde Konfrontation mit dem Schrecken des Holocaust – und zwar aus der Sicht eines naiven kleinen Jungen.

Bruno, der Sohn des Kommandanten in Auschwitz, ...

„Der Junge im gestreiften Pyjama“ ist eine erschütternde Konfrontation mit dem Schrecken des Holocaust – und zwar aus der Sicht eines naiven kleinen Jungen.

Bruno, der Sohn des Kommandanten in Auschwitz, geht einsam und gelangweilt auf Entdeckungsreise – und entdeckt einen Zaun. Er entdeckt, dass es hinter diesem Zaun auch Menschen gibt. Seltsam gekleidete Menschen. Menschen in gestreiften Pyjamas, wie er sie nennt. Und er entdeckt Schmuel, einen furchtbar mageren und sehr traurigen Jungen, mit dem er spontan Freundschaft schließt. Eine Freundschaft, die sich im Laufe eines Jahres vertieft und tragisch endet.

John Boyne ist es mit diesem Buch gelungen, den Leser wach zu rütteln, die grauenhaften Verbrechen des Nazi-Regimes sehr eindrucksvoll und aus ungewöhnlicher Sichtweise in Erinnerung zu rufen und gegen das Vergessen zu schreiben.

„Aber wo genau lag der Unterschied? fragte er sich. Und wer entschied, welche Leute die gestreiften Anzüge und welche Leute die Uniformen trugen?“

Veröffentlicht am 18.04.2018

Hathaway Jones

Hathaway Jones und die schöne Flora Dell
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Ein bezaubernder Jugendroman, angesiedelt im Wilden Westen von Amerika.

Der vierzehnjährige Hathaway Jones ist Postbote und Geschichtenerzähler, er versorgt die kleinen Hütten und Farmen nicht nur mit ...

Ein bezaubernder Jugendroman, angesiedelt im Wilden Westen von Amerika.

Der vierzehnjährige Hathaway Jones ist Postbote und Geschichtenerzähler, er versorgt die kleinen Hütten und Farmen nicht nur mit Post und Geschichten, sondern auch mit Zucker, Salz, Kaffee und Munition, und verliebt sich dabei in die Siedlertochter Flora Dell.

Die Autorin Katja Behrens versteht es, ein lebhaftes Bild des Lebens im Wilden Westen zu malen, man meint als Leser mittendrin zu sein und vertieft sich so sehr in die Lektüre, dass man den Fluss beruhigend murmeln und den Wind in den Bäumen rauschen hört.

Obgleich es sich um ein dünnes Buch handelt, wird das Leben in dieser Zeit ausführlich beschrieben, untermalt von der berührenden Geschichte einer zarten ersten Liebe.

Wunderschön.