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Veröffentlicht am 09.06.2018

Überraschend spannend!

Die Scharen des Teufels. Ostfriesland - Thriller
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Rezension: A. Wegmann - "Die Scharen des Teufels"
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Inhalt: Bei einer Geburtstagsfeier im Küstenort Grevensiel wird Privatermittler Michael Jesko vom örtlichen ...

Rezension: A. Wegmann - "Die Scharen des Teufels"
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Inhalt: Bei einer Geburtstagsfeier im Küstenort Grevensiel wird Privatermittler Michael Jesko vom örtlichen Pfarrer gebeten, die Hintergründe einer Grabschändung zu untersuchen. Jesko, der ein paar Tage Urlaub an der Nordsee eingeplant hatte, geht von einer Lappalie aus und erklärt sich bereit, dem sympathischen Mann zu helfen. Bei seinen Ermittlungen kommt er unfassbaren Verbrechen auf die Spur und gerät ins Fadenkreuz eines satanistischen Zirkels, dessen Mitglieder keine Grenzen kennen. Bald ist nicht nur sein eigenes Leben in höchster Gefahr …
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Was passiert, wenn man sich selbst im Weg steht? Richtig. Man ist nicht offen für Neues. Dass ich kein großer Fan bin von Büchern mit Lokalkolorit, ist kein Geheimnis. Und so war mein erster Gedanke, als ich gefragt wurde, ob ich "Die Scharen des Teufels" lesen möchte, erstmal dieser: Oh Gott!

Mir waren Verlag und Autor bis dahin unbekannt. Wie ich erfuhr, veröffentlichte André Wegmann zuvor auch als Selfpublisher. Der Verlag ist auf Ostfriesland-Krimis spezialisiert und so war klar, dass das Setting an der Nordsee spielen würde.

Ich habe es gewagt, mich in weniger vertraute Gewässer gestürzt und es absolut nicht bereut!
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Privatdetektiv Michael Jesko möchte mit seiner Freundin und Kollegin Kimi ein paar Tage an der Nordsee entspannen. Die Zweisamkeit genießen, abschalten und mal nicht an die Arbeit denken. Ein Grevensieler Gutshaus klingt dafür perfekt. Vor allem, weil die befreundete ältere Gastwirtin ihren Geburtstag feiert. Auf diesem wird Michael schließlich vom örtlichen Pfarrer angesprochen und um Hilfe gebeten. Ein Fall von Grabschändung, der sicher schnell gelöst werden könne, heißt es. Niemals hätte jemand auch nur erahnen können, mit welchen Bösartigkeiten man es tatsächlich zu tun bekommen würde.

Da mich Themen wie okkulte Rituale, magische Verschwörungen, Hexerei und das viktorianische Zeitalter auch privat interessieren, konnte mich die Story inhaltlich gut packen. Bei den mir geschätzten detaillreichen Beschreibungen diesbezüglich nahm ich an, dass auch der Autor ein Faible dafür hat. Mir gegenüber verneinte er dies allerdings. Er habe sich nur im Zuge der Recherche damit auseinandergesetzt. Wie ist das, wenn man versucht dem Leser ein okkultes Ritual zu erklären? Hat man die Bilder direkt vor Augen oder orientiert man sich vielleicht an bestimmten Filmszenen? André Wegmann exerziert alles solange im Kopf durch, bis er quasi einen Film im Kopf hat, erklärte er. Das ist sowieso bei allen Szenen so, meinte er, sie laufen als Film in seinem Kopf ab, dann schreibt er sie. Wenn sie noch nicht klar im Kopf sind, heißt das, dass er noch länger drüber nachdenken muss.
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Die Charaktere sind authentisch und gut ausgearbeitet. Michael Jesko ist ein sympathischer Privatermittler, der regelrecht in seinem Job aufgeht. Dank seiner guten Spürnase, behält er auch in brenzligen Situationen die Oberhand. Besonders gut gefällt mir, wie er seine Freundin Kimi wertschätzt und ihr dies auch zeigt. Sie unterstützt ihn bei seinen Ermittlungen als Hackerin und Motivationshilfe. Beide sind ziemlich taff und intelligent. Zusammen ergeben sie beruflich wie privat ein äußerst interessantes Pärchen.

Michaels Partner Peter kommt meiner Meinung nach - wenn auch als Nebencharakter - etwas zu kurz. Man erfährt zwar von seiner Vergangenheit und seiner zumindest äußerlichen Entwicklung, jedoch begrüße ich persönlich tiefergreifendere Charakterisierungen und Merkmale.

Mit den Opfern leide ich grundsätzlich in jedem Buch mit. So auch hier. Was für ein grausames Schicksal, welches die Protagonistinnen ertragen müssen! Klara ist für mich das Musterbeispiel für eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung, die letztendlich wenig verwunderlich ist bei dem, was sie durchlebt. Auch Petra ist in ihrer Opferrolle für mich jemand, den ich instinktiv zu beschützen versuche. Es ist furchtbar mitzuverfolgen, wie aus einem vermutlich starken, bodenständigen Menschen ein resignierendes, wirres Geschöpf werden kann.

Die Bleekers sind ein Paar, was für mich klar und deutlich das personifizierte Böse darstellt. Frau Bleekers wird ein wenig wie die typische Mitläuferin hingestellt, dennoch bleibt sie mir sehr unsympathisch. Schließlich kann doch jeder selber entscheiden, auf was er sich einlässt und wo er sich mitschuldig macht. Herr Bleekers ist jemand, dem ich nicht mal am Tage auf der Straße begegnen wollen würde. Pfui!

Ich fragte mich, wie viel vom Autor wohl in seinen Figuren steckt. Kann er sich zum Beispiel mit Winfried Bleekers identifizieren? Nein, kann er nicht, meinte er. Eher mit Michael Jesko, der ähnlich denkt und handelt wie er. Auch ein wenig mit Kimi, die ebenfalls auf Gothic-Musik steht.

Übrigens finde ich den Namen einer Protagonistin besonders schön: Rieke. Mit der Namensfindung hatte André Wegmann laut eigener Aussage nie große Probleme. Das käme intuitiv, sagte er. Bei Rieke habe er nach ostfriesischen Mädchennamen gegoogelt und sich dann für diesen entschieden.
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Der Schreibstil ist zunächst gewöhnungsbedürftig, da verschachtelte Sätze den Lesefluss etwas hemmen. Zahlreiche Beschreibungen der Örtlichkeiten und Figuren sind vom Autor sicher gut gemeint, jedoch in ihrer Ausschmückung hin und wieder zu viel des Guten. Dies bessert sich jedoch im Laufe des Buches. Leider gibt es meines Erachtens nach zu viele Rechtschreib- und Grammatikfehler, die mich sehr stören. Irgendwann versucht man diese zu ignorieren, aber das klappt - zumindest bei mir - nicht gut.

Die Sprache ist angenehm und leicht verständlich. Zwischendurch gibt es Textstellen beispielsweise mit satanischen Flüchen, wo der Autor bewusst auf die deutsche Übersetzung verzichtet. Er erklärte mir, dass er so die Spannung aufrecht erhalten wollte und sich die Dinge sowieso im Kontext ergeben würden. Dem stimme ich nicht gänzlich zu, denn mich hätten diese Übersetzungen durchaus interessiert.

Man merkt allerdings, dass er auch hauptberuflich mit Texten zu tun hat. Er schreibt Reiseberichte, Werbetexte, Produktbeschreibungen und sonstige Artikel.
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Wem würde André Wegmann "Die Scharen des Teufels" empfehlen?

"Allen Krimi/Thriller Fans, die nicht zu zartbesaitet sind und denen auch deftigere Szenen nichts ausmachen. Die vor allem auf eine gute Story aus sind mit einer ganzen Bandbreite an Emotionen und im Falle der Jesko-Thriller viel Küstenflair."
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Auch Familienangehörige und Freunde haben die Bücher gelesen, hat er mir verraten. Diese freuen sich bestimmt auf den 4. Teil, an welchem der Autor bereits arbeitet. Wann genau es zur Veröffentlichung kommt, könne er jedoch noch nicht sagen. Auch nicht, wie viele Teile es künftig weiter geben wird.

Ich fragte ihn, was er denn privat lesen würde. "Ich lese Horror, Thriller und Krimis. Gerne halt auch mal einen Küstenkrimi, aber eigentlich ist der Ort der Handlung nicht so entscheidend. Gerne auch amerikanische Sachen, also die dort spielen. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Chris Carter, John Katzenbach, Jeffrey Deaver. "Mörderischer Mond" Alexandra Sokoloff ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher."

"Mörderischer Mond" befindet sich bereits auf meinem Wunschzettel und wird dann bald geschmökert. Das Buch fiel mir auf Grund des Covers auf. Wie bei "Die Scharen des Teufels".

Das Cover hier war ausschlaggebend dafür, dass ich dieses Buch begonnen habe. Ich liebe das Meer, vor allem wenn es stürmisch ist und sich die Wellen tobend brechen. Das Pentagramm unter dem Buchtitel wurde gut gewählt und spiegelt den Inhalt grob wider.
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Fazit: In diesem Krimi steckt viel mehr, als ich zunächst annahm. Man braucht ein wenig, um gut in die Story hineinzukommen, aber hat man erst einmal Blut geleckt, kommt man nicht umhin die Seiten in Windeseile umzublättern. Wer sich neben einem spannenden Plot auf ostfriesischem Terrain außerdem für Satanismus und okkulte Rituale interessiert, ist mit diesem Buch bestens bedient.
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https://recensio-online.blogspot.com/2018/06/andre-wegmann-die-scharen-des-teufels.html

Veröffentlicht am 28.05.2018

Spannend mit Action

Wenn sie mich finden
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Was hatte ich mich auf die Leserunde zum zweiten Teil dieser Reihe gefreut! Und wie genervt und traurig war ich, dass ich nicht so mitmachen konnte, wie ich wollte. Probleme mit der Urlaubsbuchung (Flüge ...

Was hatte ich mich auf die Leserunde zum zweiten Teil dieser Reihe gefreut! Und wie genervt und traurig war ich, dass ich nicht so mitmachen konnte, wie ich wollte. Probleme mit der Urlaubsbuchung (Flüge wurden einfach annulliert, Koffer gingen verloren) und mit dem Internet haben es mir vermasselt. Lesen konnte ich aber trotzdem :)
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Freunde! Der zweite Teil konnte mühelos an den ersten Teil anknüpfen! Ich war ja bereits bei "Nur wenn ich fliehe" skeptisch auf Grund meiner Erfahrungen mit Büchern, die beinahe durchweg positiv bewertet wurden. Die Skepsis verfolgte mich auch auf den ersten Seiten von "Wenn sie mich finden", verflog jedoch ziemlich schnell. Casey, Dylan - ich habe euch vermisst!
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Casey befindet sich immer noch auf der Flucht und erinnert mich dabei oft an Franka Potente in Lola rennt. Sie ist ziemlich selbstbewusst, mutig, tough und kreativ. Lässt sich allerlei Kniffe einfallen, um ihre Tarnung aufrecht zu erhalten. Das kennen wir ja schon aus dem ersten Teil. Miss MacGyver ;) Kein Wunder also, dass sie bei einer uns bekannten Stelle neue Identitäten besorgt. Ziemlich clever von ihr, gleich mehrere auszuwählen, falls mal eine auffliegt. Hat was vom Zwiebelschalenprinzip. Passt eine Schicht nicht mehr, wird sie abgelegt und die darunter genommen.

Allerdings kritisiere ich stark, dass sie dabei viel zu wenig auf sich selbst Acht gibt. Ihre Hilfsbereitschaft in allen Ehren, sie muss dennoch in erster Linie schauen, dass es ihr gut geht ehe sie anderen vernünftig helfen kann. Wirklich sehr unvernünftig von ihr.

Einige Rezensenten beschreiben Dylan als relativ schwer einschätzbar. Man wüsste nicht, ob man ihm trauen kann und ob er Casey tatsächlich helfen möchte. Das kann ich so nicht bestätigen. Ich finde, man merkt das ganz deutlich. Seine ganze Hintergrundarbeit, sein Zutun, die Unterstützung ... ohne ihn als Ermittler würde das Ganze wesentlich komplizierter ablaufen.
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Ich finde es faszinierend, wie Zeit und Zufall miteinander sympathisieren. Diesmal ist der Plot in seiner eigenen Dimension weniger eng begrenzt als im ersten Teil, wodurch mehr Raum für Spekulationen bleibt. Mein Kopf muss die ganze Zeit arbeiten und die Autorin mich herausfordern! Auch wenn das Ende keine überraschenden Wendungen mit sich bringt, so fühlt es sich dennoch schlüssig, spannend und logisch inszeniert an.
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Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und angenehm zu lesen, die Sprache frisch und leicht verständlich.
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Das Cover ist nett anzusehen. Ich finde die Farben gut gewählt. Das Motiv hingegen, nun ja ... hätte die Frau eine etwas verstecktere Haltung, würde mir das Ganze authentischer vorkommen. Wäre mir das Buch dennoch im Handel aufgefallen? Ja!
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Fazit: Ein pulsierender und dynamischer Thriller mit actionreichen Spannungselementen.

Veröffentlicht am 29.04.2018

Spannend und temporeich

Nur wenn ich fliehe
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Um was geht es? Nachdem sie ihren besten Freund Brent ermordet aufgefunden hat, ist Casey Cox auf der Flucht quer durch das amerikanische Land. Man verdächtigt sie des Mordes, weil zahlreiche Beweise gefunden ...

Um was geht es? Nachdem sie ihren besten Freund Brent ermordet aufgefunden hat, ist Casey Cox auf der Flucht quer durch das amerikanische Land. Man verdächtigt sie des Mordes, weil zahlreiche Beweise gefunden werden, die diesen Verdacht bestätigen. Sein Blut klebt an ihren Händen und Schuhen. Überall am Tatort findet die Polizei ihre DNA. Zufall? Manipulation? Als wäre es nicht schon stressig genug auf der Fahnungsliste zu stehen, wird sie zudem von einem früheren Freund von Brent verfolgt, der offenbar ebenfalls glaubt, dass sie den Mord verübt hat. Dylan, Ex-Soldat mit posttraumatischen Belastungsstörungen und ein ziemlich guter Spurensucher, der von Brents Familie engagiert wird. Damit haben wir auch schon die Grundlage, auf der das Buch basiert. Ich muss an dieser Stelle mal ein "Wahnsinn!" einwerfen. Meine Güte, ist die Hetzjagd spannend! Erst war ich skeptisch. Ich habe in letzter Zeit einfach schon zu viele Agenten-Thriller gelesen, bei denen die Verfolgungsjagd erst actionreich beginnt und dann plötzlich stagniert. Das ist hier nicht der Fall.

Die Kapitel werden aus zwei Perspektiven erzählt: aus Caseys sowie aus Dylans Sicht. Finde ich persönlich sehr gut, da die Story nicht allzu einseitig und dadurch monoton daherkommt. Außerdem lernt man mehr über die Protagonisten, kann sich besser in sie hineinversetzen. Würde nur Casey erzählen, würde man nicht erfahren, was Dylan wirklich denkt, nur das, was sie annimmt und vermutet.

Caseys Flucht steht im ersten Part des Buches im Vordergrund. Es werden die Gründe peu á peu beleuchtet und immer mehr Informationen geraten in den Fokus. Man bekommt also nicht die geballte Ladung auf einmal serviert, sondern häppchenweise. So lässt sich das Ganze besser verdauen ;)

Obwohl manches Szenario zu konstruiert wirkt und man relativ früh dies und das vorhersehen kann, bleibt die Spannung erhalten.

Ungewohnt für mich ist - apropos Ende -, dass es zu keinem gänzlich aufgelösten Finale kommt. Es bleibt relativ offen und lässt Raum für die kommenden zwei Teile der Reihe. Einerseits also seltsam, mit einer Leere aufzuhören bzw. auch mit einigen Fragezeichen. Andererseits freut es mich jedoch, dass die Story fortgeführt wird und ich noch mehr von Casey und Dylan lesen darf. Ich bin übrigens auch bei der lovelybooks Leserunde zu Teil 2 dabei und jetzt schon mächtig aufgeregt.

Die Charaktere sind gut dargestellt und wirken authentisch. Es wird sich keiner unnötigen Klischees bedient. Alles bleibt einfach, überschaubar und realistisch. Dadurch sind die Figuren nicht besonders einprägsam, allerdings versprühen sie abseits vom Mainstream ihren ganz eigenen Charme.

Der Schreibstil ist angenehm und flüssig. Nichts Besonderes im Speziellen, das habe ich auch nicht erwartet. Auch die Sprache punktet eher mit lockerer Finesse. Ich mag Bücher mit einfacher Gestaltung in Wort und Schrift lieber als die Krimis und Thriller, die neuerdings als modern gelten, weil sie einen gehobenen Wortlaut innehaben. Das habe ich in anderen Rezensionen schon kritisiert. Ich widerhole es gern noch einmal: Niemand braucht anspruchsvolle und literarische Sprache in einem Krimi oder Thriller. Ist so. Punkt. Wenn ich 5-Sterne-Niveau möchte, lese ich Jazuo Ishiguro, William Butler Yeats oder Bernhard Schlink.

Das Cover finde ich okay. Es gefällt mir, dass der Name der Autorin etwas verwischt aussieht. Ziemlich cool eigentlich. Das Motiv mit dem Bus finde ich hingegen nur "so lala". Ich persönlich (!) hätte eine rennende Frau (vielleicht nur die Silhouette oder ebenfalls verschwommen) interessanter gefunden. Aber es ist auffällig, das stimmt. Und die Farben harmonieren auch miteinander.

Fazit: In diesem Krimi steckt mehr, als man zunächst vermuten mag. Nicht vom Cover täuschen lassen! Eine Empfehlung meinerseits an all Diejenigen, die rasante Storylines mögen und mit einem offenen Ende kein Problem haben - natürlich im Wissen, dass das einer von drei Teilen ist, de facto noch einiges passieren wird.

Veröffentlicht am 26.03.2018

Spannender Krimi mit viel Thrill und Drama

Am Ende bist du still
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Den Haymon Verlag habe ich vorher nie bewusst wahrgenommen. Schade! Wer weiß, welche tollen Bücher mir leider entgangen sind ...

Um was geht es?

Wer kennt das nicht?
"Nein, du gehst heute nicht raus!". ...

Den Haymon Verlag habe ich vorher nie bewusst wahrgenommen. Schade! Wer weiß, welche tollen Bücher mir leider entgangen sind ...

Um was geht es?

Wer kennt das nicht?
"Nein, du gehst heute nicht raus!".
"Ich möchte, dass du DAS anziehst!".
"Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt!".
"Hör auf mich! Ich meine es doch nur gut!"
Und ganz typisch: "So lange du deine Füße unter meinem Tisch hast ... !".

Als Kind wird man permanent kontrolliert, bevormundet, zurechtgewiesen, und sowieso scheinen die Eltern immer alles besser zu wissen als man selbst. Wie wirkt sich diese Erziehung auf jemanden aus, der mit einer durchgehend plakativen Disziplin konfrontiert wird? Kompromisslos, konsequent, durchgreifend. Für Sabine bedeutet dies die reinste Quälerei. Sie wächst gut situiert auf und wird verwöhnt mit allerlei Luxusgütern. Doch der Preis dafür ist hoch. In der Schule mutiert sie zur Außenseiterin und zum Ziel unzähliger Mobbereien. Ständig ist sie dem Kontrollzwang ihrer Mutter ausgesetzt, ihr Vater schweigt lieber und sieht weg. Immer mehr wachsen Wut und Hass in ihr heran. Je dringender sie sich jedoch wünscht, ihre Eltern seien tot, umso weniger bemerkt sie Veränderungen an sich, die charakteristisch zunehmend ihrer Mutter gleichen. Sie entwickelt die selben anankastischen Persönlichkeitsstörungen, die einen Übergang zur Normalität erheblich beeinträchtigen. Bis die Situation irgendwann zu eskalieren droht und Sabine keinen anderen Ausweg mehr sieht ...

Die Charaktere sind authentisch und wirken lebendig. Der Autor schafft es, seine Figuren wie Marionetten perfekt in Szene zu setzen und ins Geschehen zu integrieren. Und zwar so abwechslungsreich, dass ein ständiger Wechsel zwischen Sympathie und Antipathie stattfindet. Schlussendlich fällt es mir schwer zu sagen, wie ich welchen Protagonisten einschätze. Das ist absolut kein Kritikpunkt - im Gegenteil! Mir gefällt es, wenn ich nach dem Ende noch ein Weilchen in der Story verweilen und meine Theorien weiter durchdenken kann. Dass hier mit der seelischen und manipulativen Zerbrechlichkeit sowie der Psyche der Protagonisten im Allgemeinen gespielt wird, gefällt mir gut. Ich persönlich tendiere mehr zur psychologischen Abgründigkeit statt zum Blutrausch-Gemetzel.

Der Schreibstil ist flüssig, alltagssprachlich und einprägsam, die Sprache prägnant und unkompliziert. Der Lesestoff ist leicht verständlich und zieht den Leser in seinen Bann. Herbert Dutzler vermeidet geschickt unscharfe Oberbegriffe sowie schwerfällige Substantive und ermöglicht so einen konstanten Lesefluss.

In den zwei gut durchdachten und dynamischen Zeitperioden, wechselt der Autor das Geschehen von Sabines Kindheit zur erwachsenen Frau. Dadurch lassen sich relativ früh eigene Theorien aufbauen und Rückschlüsse ziehen. Dabei ist die Kulisse im genau so detailliert beschrieben wie im . Lediglich das Ende wirkt etwas zu konstruiert und abrupt. Hier habe ich mehr Authentität erwartet.

Das Cover zeigt den Torso einer blonden Frau in dunkler Kleidung, die eine blühende, rote Rose in den Handen hält. Schnell assoziiert man dieses Bild mit einer Beerdigung. Ich betrachte es relativ neutral. Es wirkt trotz der betrübenden Assoziation auf eine spezielle Art harmonisch, sticht allerdings auch nicht sonderlich hervor.

Fazit: Ein spannender Krimi mit viel Thrill und Drama!

Veröffentlicht am 24.03.2018

Packender Krimi mit Lokalkolorit

Dunkel Land
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Um was geht es? Um sich nach dem Tod ihrer Schwester um ihre Nichte Amelie kümmern zu können, gibt Verena Hofer ihren Job als Literaturwissenschaftlerin auf. Aus der plötzlichen finanziellen Notlage heraus, ...

Um was geht es? Um sich nach dem Tod ihrer Schwester um ihre Nichte Amelie kümmern zu können, gibt Verena Hofer ihren Job als Literaturwissenschaftlerin auf. Aus der plötzlichen finanziellen Notlage heraus, nimmt sie eine zeitlich befristete Stelle als Kindermädchen auf Gut Wuthenow an. Neben der guten Bezahlung wird außerdem für Kost und Logis sowie für die Kinderbetreuung von Amelie gesorgt. Doch der "Junge", den sie eigentlich erwartet hat, entpuppt sich als Dr. Carl von Wuthenow, seines Zeichens freiberuflicher Polizeiberater, Kriminalist und Profiler. Die Ermittlungsbehörden in Deutschland ersuchen regelmäßig seine Unterstützung bei der Aufklärung schwieriger Fälle. Das ist nicht immer einfach für ihn. Auf Grund einer Schussverletzung und der daraus resultierenden Gehirnverletzung, hat er sein Kurzzeitgedächtnis verloren und wacht allmorgendlich mit dem gleichen "alten" Erinnerungsstand auf. Jeder Tag beginnt demnach ohne das Wissen des vorherigen.

Eigentlich lehnt er eine Betreuung ab, geht aber, weil Verena das Geld benötigt, auf einen Deal mit ihr ein. So nutzt Carl Verenas vorübergehende Anwesenheit, um sie - quasi als seine Assistentin - in seinen neuen Fall zu involvieren und schleppt sie mit nach Berlin. Die Leiche eines Migranten wurde dort aufgefunden und die Polizei scheint bereits einen Verdächtigen zu haben. Sämtliche Spuren führen ins Strichermilieu, doch so ganz traut Carl dem Ganzen aber nicht. Er und Verena begeben sich gemeinsam auf Spurensuche. Dass das ungleiche Duo hin und wieder an seine eigenen Grenzen stößt, ist dabei unumgänglich und macht das Szenario erst wirklich spannend und authentisch.

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und bieten dem Plot das gewisse Etwas. Verena zeigt im Umgang mit Carl viel Taktgefühl und Empathie. Sie ist nicht direkt Feuer und Flamme für den Job und dem damit verbundenen Umgang mit Carl, versucht jedoch, das Beste aus dieser Situation zu machen. Im Verlauf der Story gewinnt sie an Stärke, die ich an ihr bewundere.

Carl ist ziemlich direkt. Er sagt, was er denkt, ohne jegliches Pardon. Das mag für einige Leser arrogant rüberkommen, für mich ist diese Offenheit eine geschätzte Eigenschaft. Man weiß stets, woran man bei ihm ist. Darüber hinaus imponiert er mir mit seinem unglaublichen Drang nach Eigenständigkeit. »Where there is a will, there is a way«.

Die Kombination der beiden Figuren als Ermittler-Duo finde ich gelungen.

Der Schreibstil ist äußerst einfühlsam und lebendig, die Sprache präzise. Die charakteristischen Züge der Protagonisten besitzen ausreichend Tiefe. Auch hat die Autorin ein gutes Händchen für das wirkungsvolle Inszenieren von Handlungen. Es wird in der Ich-Perspektive aus Verenas Sicht erzählt. Dadurch fällt es leicht, eine intensivere Verbindung zu ihr herzustellen. Die relativ entschleunigte Erzählweise ist zwischendurch ganz angenehm.

Das Cover gefällt mir sehr! Ich mag die düstere Idylle. Zu sehen ist ein Anwesen in einer ruhigen Umgebung unter einem dunklen, bedeckten Himmel. Das Cover passt absolut zum Buchtitel.

Fazit: Ein packender Kriminalroman mit einem interessanten Ermittler-Duo.