Profilbild von skiaddict7

skiaddict7

Lesejury Star
offline

skiaddict7 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit skiaddict7 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.04.2018

Vieles bleibt offen

Alles was glänzt
0

„Es ist gut, dass es solche Menschen wie Patz gibt, die nie über den Ort hinausdenken. Nur deshalb können so Menschen wie sie weggehen. Schließlich muss das immer im Gleichgewicht sein. Die, die weggehen, ...

„Es ist gut, dass es solche Menschen wie Patz gibt, die nie über den Ort hinausdenken. Nur deshalb können so Menschen wie sie weggehen. Schließlich muss das immer im Gleichgewicht sein. Die, die weggehen, und die, die bleiben.“

Dieses Buch ist schwer zu beschreiben. Ein unspezifizierter kleiner Ort in den Bergen in einem nicht genannten Land zu einer nicht genannten Zeit. Hier spielt Gamillschegs Debüt. Der Ort hat früher vom Bergbau gelebt. Dann, als der Berg zu ausgehöhlt war, vom Tourismus. Seit der Journalist im Dorf war und geschrieben hat, der Berg werde bald in sich zusammenstürzen, kommen nun auch keine Touristen mehr. So bleibt der Ort wie früher, jedoch ziehen immer mehr (junge) Menschen in die Stadt. Martin setzt sich eines Tages in sein Auto und kommt auf dem Berg ums Leben. Oder, wie ein Bewohner es ausdrückt, „Die einen ziehen in die Stadt, die anderen setzen sich ins Auto und fahren sich tot“. Nur wenige Menschen bleiben. Merih, der Regionalmanager, kommt ins Dorf um die Leute zum hierbleiben zu bewegen.

Im Buch gibt es verschiedene Protagonisten, deren Alter bis zum Schluss unklar ist. Stets gibt es einen kleinen Auszug aus dem Alltag der Bewohner, der oft mehr Fragen hervorruft als er erklärt. Viele Zusammenhänge werden erst am Schluss des Buches klar, auch die seltsamen Kapitelüberschriften werden kurz vor Schluss zumindest teilweise erklärt. Dennoch bleiben viele Fragen offen und viele Dinge unausgesprochen. Insbesondere am Anfang war das Buch für mich sehr schwer zu lesen, weil alles zusammenhangslos war. Der Schreibstil hat mir eigentlich sehr gut gefallen, er mutet sehr „literarisch“ an. Dennoch habe ich vieles im Buch nicht verstanden. Ob das an mir liegt weiß ich nicht. So fällt es mir sehr schwer, ein Urteil zu fällen. Die Autorin hat meiner Meinung nach sehr viel Potential, jedoch habe die Nachricht, die sie uns mit diesem Roman vermitteln will, nicht ganz verstanden.

Veröffentlicht am 10.04.2018

Unterhaltsamer Roman, teils etwas langatmig

Die letzte Reise der Meerjungfrau
0

Jonah Hancock ist ein mäßig erfolgreicher Kaufmann im 18. Jahrhundert. Er ist Witwer, die Frau und das einzige Kind bei dessen Geburt verstorben. So lebt er vor sich hin, als eines Tages der Kapitän einer ...

Jonah Hancock ist ein mäßig erfolgreicher Kaufmann im 18. Jahrhundert. Er ist Witwer, die Frau und das einzige Kind bei dessen Geburt verstorben. So lebt er vor sich hin, als eines Tages der Kapitän einer seiner Schiffe zurückkehrt. Im Gepäck hat er eine wahrhaftige, echte Meerjungfrau, wie die Welt sie noch nie gesehen hat! Und so schafft es Jonah, durch Ausstellung und Verkauf der Meerjungfrau zu etwas Geld zu gelangen und sich schließlich in der Welt hinaufzuarbeiten. In der Stadt lebt Angelika, Edelkurtisane und anspruchsvolle Dame. Jonah findet Interesse an ihr. Sie verspricht ihm eines: bring mir eine Meerjungfrau und ich bin dein. Jonah arbeitet von nun an nur noch auf dieses eine Ziel zu, ohne zu beachten, welche Folgen dies mit sich bringt. Dann gibt es da noch Mrs. Chappell, die ein Freudenhaus betreibt, und ihre Mädchen. Die Geschichte nimmt seinen Lauf…

Der Schreibstil war insbesondere anfangs etwas langatmig, so dass ich mich zwingen musste weiter zu lesen. Die historischen Informationen sind gut in die Geschichte eingearbeitet und machen das Ganze etwas interessanter. Gegen Mitte nimmt das Buch Fahrt auf. Der Schreibstil ist insgesamt eher ruhig gehalten, teils sehr poetisch. Die Umsetzung der „Meerjungfrau“ fand ich sehr kreativ und definitiv anders als erwartet, jedoch im positiven Sinne. Insgesamt ein ruhiges Buch mit interessanten historischen Passagen, es fehlt jedoch etwas an Aufregung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Atmosphäre
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.02.2018

Schöne Idee, tolle Kulisse, mangelhafte Umsetzung

Nelkenliebe
0

Das Cover des Romans ist wunderschön gehalten und hat in mir den Wunsch geweckt, dieses Buch zu lesen. Auch die Beschreibung klingt wirklich toll.

Doch nun zum Buch:
Katharina ist Fünfunddreißig und ...

Das Cover des Romans ist wunderschön gehalten und hat in mir den Wunsch geweckt, dieses Buch zu lesen. Auch die Beschreibung klingt wirklich toll.

Doch nun zum Buch:
Katharina ist Fünfunddreißig und lebt in Berlin. Ihr Jura Studium hat sie nach dem ersten Staatsexamen geschmissen und arbeitet daher als Rechtsanwaltsassistentin in einer Kanzlei. Sie ist mit ihrem Job nicht unbedingt glücklich und lebt in einer mittelmäßigen Beziehung mit Arne, einem Anwalt. Gleich auf der ersten Seite erfährt Katharina dass ihr geliebter Paps einen Hirntumor hat, inoperabel. Katharina, das „Papa Kind“, ist geschockt. Ihr Vater hat drei Träume, die er sich vor seinem Tod noch erfüllen will: eine Harley Tour an die Ostsee, dass Katharina und Arne heiraten, und dass Katharina nach Portugal reist und seine erste Liebe, Marisa, findet. Ihr Vater hat in jungen Jahren in Portugal gelebt und hatte dort seine grosse Liebe kennengelernt. Die war eines Tages jedoch einfach verschwunden und ihr Vater möchte nun endlich herausfinden, was damals passiert ist. Katharina fliegt also bereits wenige Tage später mit Arne nach Lissabon und macht sich auf die Suche.

Das Buch beginnt stark. Die Geschichte und Landschaft Portugals werden stets mit eingebunden und machen das Buch interessant. Erzählt wird auf zwei Zeitebenen, 2018 und 1972- 1975. Besonders die Vergangenheit fand ich sehr interessant. Die Liebesgeschichte zwischen Katharinas Vater Gerd und Marisa wird sehr schön erzählt. Die Gegenwart ist dagegen etwas bland: Katharina ist für ihr Alter eher unerfahren und naiv, was die Geschichte etwas langatmig macht. Bereits kurz nach der Ankunft in Portugal lernt sie Nuno kennen, und beginnt, ihr bisheriges Leben und ihre Entscheidungen zu hinterfragen. Katharinas Familie hat sie seltsame Angewohnheit, sich pausenlos mit Torten vollzustopfen. Egal ob sie glücklich sind und es deshalb machen, oder gestresst oder traurig und Torten essen, um sich besser zu fühlen. So spielen zahlreiche Szenen in Cafes, wo Katharina sich durch verschiedene Kuchen aus Portugal durchprobiert. Etwa nach zwei Dritteln des Buches beginnt es, immer unrealistischer zu werden. Alle Probleme werden plötzlich wie von alleine gelöst, es gibt ein Happy End nach dem anderen (teilweise sehr unwahrscheinliche Ereignisse) und es werden einige kuriose Zusammenhänge klar.

Die Ideen zu diesem Buch sind sehr interessant und hätten durchaus Potential. Leider strotzt das Buch vor Vorurteilen (ganz a la „eine Frau braucht einen Mann der auf sie aufpasst und für sie sorgt“). Katharina ist ziemlich naiv, was mich oft gestört hat. Arne ist sowieso nicht sympathisch, denn er behandelt Katharina alles andere als liebevoll und möchte ihr nur Vorschriften machen. Leider bleibt Katharinas Mutter auf der ganzen Suche nach Marisa komplett links liegen und wird nicht einmal eingeweiht. Irgendwie unlogisch, denn ich bin mir sicher sie hätte den Wunsch ihres Mannes angesichts des drohenden Versterbens nachvollziehen können. Gut ausgearbeitet fand ich die Sprünge zwischen den Zeitebenen und die Beschreibung der Landschaft Portugals. Fazit: gute Ideen, die Ausarbeitung entsprach leider nicht meinen Erwartungen.

Veröffentlicht am 21.01.2018

Gescheiterte Träume und ein Neuanfang

Der Tanz unseres Lebens
0

Florence ist Tänzerin und Musicaldarstellerin in Paris. Nach einem schweren Schicksalsschlag begibt sie sich auf der Suche nach ihren Wurzeln in ein Bergdorf in der französischen Schweiz. Nachts tanzt ...

Florence ist Tänzerin und Musicaldarstellerin in Paris. Nach einem schweren Schicksalsschlag begibt sie sich auf der Suche nach ihren Wurzeln in ein Bergdorf in der französischen Schweiz. Nachts tanzt sie dort am zugefrorenen Bergsee. Doch das Eis bricht und Florence sinkt in das kalte Wasser des Sees. Martin, ein junger Kinderarzt, schafft es sie zurück ans Ufer zu holen. So beginnt die Geschichte der beiden. Kurz darauf lernt Florence Zoe kennen, ein liebenswertes und starkes Mädchen mit Trisomie 21, sowie ihre Mutter Claire und Schwester Lysann. Florence beginnt sich um Zoe zu kümmern und findet so eine neue Aufgabe. Und dann gibt es da noch den Einsiedler, der nachts durch das Dorf spaziert und sich stets von allen fernhält… Jeder der Protagonisten hat einen schweren Schicksalsschlag hinter sich, und so treffen sie alle aufeinander.

Noa Walkers Schreibstil ist sehr ausgeschmückt, sehr blumig, sodass ich etwas Zeit gebraucht habe, in das Buch hineinzukommen. Die Protagonisten fand ich interessant und vielseitig. Vor allem die kleine Zoe ist sehr liebenswert und man kann von ihr viel lernen. Die Themen sind gut recherchiert. Die zugrundeliegende Nachricht, dass eine erfolgreiche Karriere nicht unbedingt glücklich macht und dass ein gescheiterter Traum nicht das Ende der Welt sein muss, finde ich prinzipiell gut und sehr wichtig. Allerdings kam diese für meinen Geschmack zu häufig und in zu vielen verschiedenen Beispielen vor. Bis zum Schluss konnte mich der Schreibstil nicht überzeugen.

Ein schönes Buch über gescheiterte Träume und Neuanfänge, über das Schicksal, und darüber, wie oft es im Leben anders kommt als wir und es vorgestellt haben.

Veröffentlicht am 29.10.2017

Schöne Idee, aber mangelhafte Umsetzung

Das Glück an Regentagen
0

Mae ist am Ufer des St Lorenz Stroms im Gebiet der „Thousand Islands“ bei Alexandria Bay aufgewachsen. Ihre Eltern sind beide gestorben als sie sechs war. Danach wurde sie von ihren Großeltern aufgezogen, ...

Mae ist am Ufer des St Lorenz Stroms im Gebiet der „Thousand Islands“ bei Alexandria Bay aufgewachsen. Ihre Eltern sind beide gestorben als sie sechs war. Danach wurde sie von ihren Großeltern aufgezogen, die dort ein Hotel hatten. Ihre große Liebe, Gabe, verschwand eines Tages spurlos, als sie siebzehn war. Mae ging im Anschluss zur Uni und lebte seitdem in New York City. Dort beginnt das Buch – ihr Verlobter Peter verschwindet eines Tages und sie merkt, dass seine sogenannte Firma nur Leute betrogen hat. Nun hat sie also alles verloren und kehrt daher zu den Großeltern zurück. Dort warten einige Überraschungen auf sie. Wieso ist der Großvater aus dem Inn ausgezogen? Und wird sie Gabe wiedersehen?

Die Idee hinter der Geschichte gefällt mir sehr gut. Auch, dass es am St Lorenz Strom spielt, finde ich schön, weil ich dort schon mal im Sommer war und mir so die Gegend viel besser vorstellen konnte. Der Fluss hat wirklich eine Magie, die im Buch auch immer wieder beschrieben wird, aber die man sich ohne dort gewesen zu sein nur schwer vorstellen kann.

Die meisten Kapitel beginnen mit einem „Tipp“ von Virginia, Maes verstorbener Mutter, was man bei Regenwetter tun kann, was eine sehr schöne Idee ist. Insgesamt fand ich die deutsche Übersetzung leider nicht sehr gelungen. An mehreren Stellen kommt einem vor, dass noch die englische Satzstruktur durchkommt. Außerdem gibt es ein paar Fehler im Buch (Namens- und Rechtschreibfehler). Auch den deutschen Titel finde ich nicht so passend, der englische passt deutlich besser ("What to do when it`s raining"). Auch wiederholen sich einige Ideen bzw. Schicksale im Buch, was etwas aufgesetzt wirkt. Das Cover ist wunderschön gestaltet und insgesamt fand ich das Buch sehr schön illustriert. Ich habe lange zwischen 3 und 4 Sternen überlegt, kann aber schlussendlich leider nur 3 geben.