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Veröffentlicht am 14.10.2025

spannende Sachgeschichte

Der Club der kalten Hände
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Eines Tages entdeckt Lizzy, dass ihre Eltern nicht einfach nur ein Transportunternehmen besitzen, sondern dass es sich um ein Bestattungsunternehmen handelt. Mit ihren Freundinnen gründet sie den "Club ...

Eines Tages entdeckt Lizzy, dass ihre Eltern nicht einfach nur ein Transportunternehmen besitzen, sondern dass es sich um ein Bestattungsunternehmen handelt. Mit ihren Freundinnen gründet sie den "Club der kalten Hände", der es sich zur Aufgabe macht, Fragen zu Abschied und Tod zu stellen. Das tun sie, indem sie die Abschiednahmen und Beerdigungen, die Lizzys Eltern organisieren, beobachten und begleiten. Dabei machen die Kinder aus dem Bauch heraus viele Sachen sehr richtig und tun den Trauernden etwas gutes.

Genau diese kindliche Unbefangenheit, mit der die Clubmitglieder ihre Fragen stellen, Dinge auf Gräber bringen oder eine Trauerfeier mitgestalten ist eine große Stärke des Buches. Der Satz "Das macht man so" kommt in dem Buch nicht vor - oder auf jeden Fall nicht ohne Erklärung (im Fall von Cems Onkel). Ähnlich stark ist es, dass für die Clubmitglieder Gefühle etwas völlig normales sind, über das natürlich auch gesprochen wird. Genauso, wie Fragen und Gedanken in den Raum gestellt werden.

Den Sachteil finde ich toll aufbereitet und aus der Sicht der Kinder, aber auch von Fachleuten gut dargestellt. Gut finde ich, dass auch der Islam ganz selbstverständlich dazugehört. Gleichzeitig hätte ich mir gewünscht, dass auch die christliche Bestattung etwas expliziter vorkommt, beispielsweise auch mit dem Seelsorgeaspekt, der in beiden Religionen eine wichtige Rolle spielt, aber generell nicht erwähnt wird.

Was ich an dem Buch schwierig finde, ist, dass bei den verstorbenen Menschen sehr gängige Namen verwendet werden. Gerade bei "Finn" ist damit zu rechnen, dass viele Jungen, die dieses Buch lesen, so heißen oder Leser
innen einen Jungen kennen, der so heißt. Gekoppelt mit dem Bewusstsein, dass Menschen krank werden können, schürt so etwas oft auch Ängste, die dieses Buch ja eigentlich nehmen will. Ein Name, der zwar üblich ist, aber nicht in den aktuellen Kinderjahrgängen seit Jahren immer unter den Top10 (wie bei Baby Bea), wäre hier die bessere Wahl gewesen. Denn an sich ist es sehr gut, dass auch der Tod von Babys und Kindern thematisiert wird.

Nichtsdestotrotz werde ich mir das Buch für meine Arbeit (Pfarrerin im Bereich Kinder, Jugend und Familie) vermutlich noch öfter bestellen und es empfehlen.

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Veröffentlicht am 02.09.2023

interessanter Gesellschaftsroman

Die Davenports – Liebe und andere Vorfälle
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Olivia und Helen Davenport gehören zu einer angesehenen Familie in Chicago 1910 - mit der Besonderheit, dass sie eine PoC-Familie sind. Dass diese es zu Wohlstand und Ansehen gebracht haben, war damals ...

Olivia und Helen Davenport gehören zu einer angesehenen Familie in Chicago 1910 - mit der Besonderheit, dass sie eine PoC-Familie sind. Dass diese es zu Wohlstand und Ansehen gebracht haben, war damals sehr selten. Nun werden sie in die Gesellschaft eingeführt und sollen Ehemänner finden. Olivia hat schnell einen Verehrer, den auch sie sympathisch findet - aber die großen Gefühle, die sie sich erhofft hat, sind es nicht. Helen dagegen will überhaupt nicht heiraten, sondern lieber das familieneigene Kutschenunternehmen in Richtung Automobile modernisieren. Ihr Dienstmädchen Amy-Rose und Olivias beste Freundin Ruby begleiten sie auf ihrem Weg - und suchen dabei selbst ihren Platz in der Gesellschaft und auch die Liebe.

Bücher aus dieser Zeit gibt es spätestens seit den Bridgertons wieder einige, mitunter spielen auch PoC eine Rolle - aber hier wird Rassismus explizit thematisiert, was ich gut fand. Auch die äußeren Umstände in den USA, wo zu der Zeit Sklaverei noch üblich war und Menschen wie der Vater der Davenports, der sich selbst aus der Sklaverei hochgearbeitet hat, eine absolute Minderheit waren, werden gut in die Geschichte eingebaut. Auch gesellschaftliche und rechtliche Entwicklungen und Tendenzen sind in die Handlung eingeflossen. So ist ein Roman entstanden, der von der Grundgeschichte und der Aufmachung her den Bridgertons u.ä. in kaum etwas nachsteht, dabei aber noch einiges mehr bietet.

Der Roman ließ sich gut und flüssig lesen - allerdings fehlte mir die Sog-Wirkung, die ähnliche Romane anderer Autorinnen auf mich hatte, die ich nicht aus der Hand legen konnte. Mich hat da die klare Aufteilung der Kapitel gestört: Jedes Kapitel wird aus einer anderen Perspektive geschrieben. Die Reihenfolge ist immer Olivia - Helen - Amy-Rose - Ruby. Auf der einen Seite sind die wechselnden Perspektiven spannend, auf der anderen Seite sind es für meinen Geschmack mind. 1 zu viel. Zumal ich durch die sehr regelmäßigen Wechsel auch nicht richtig bei den einzelnen Protagonistinnen ankam, mit ihnen nicht so warm wurde, wie es mit anderen der Fall war. Ich finde das sehr schade, weil die Geschichte an sich sehr gut ist und mir die Tatsache, dass auch die Schwierigkeiten dieser Zeit angesprochen werden, gut gefallen hat.

Fazit: Ein Roman, den ich gerne empfehle, der es aber leider nicht auf meine Favoritenliste schafft.

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Veröffentlicht am 05.05.2018

Leider nicht so gut wie der Vorgänger

Verliere mich. Nicht.
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!! Da es sich um Band 2 eines 2-Teilers handelt, kann ich Spoiler nicht ausschließen!!


Sage hat Luca in ihr Herz gelassen, war mit ihm so glücklich wie noch nie - und musste ihn verlassen, weil ihre ...

!! Da es sich um Band 2 eines 2-Teilers handelt, kann ich Spoiler nicht ausschließen!!


Sage hat Luca in ihr Herz gelassen, war mit ihm so glücklich wie noch nie - und musste ihn verlassen, weil ihre Vergangenheit sie eingeholt hat. Allerdings konnte sie Luca das nicht sagen, so dass er nur weiß, dass sie ihn von jetzt auf gleich hat sitzen lassen. Sage zieht aus der gemeinsamen WG aus und leidet, weil ihr Leben in Scherben liegt. April versucht, ihr zu helfen, doch auch sie kennt keine Hintergründe und kann oft nur raten, wie sie Sage gerade helfen kann. Doch um Sage zu helfen, bräuchte es gerade so einiges...

Nachdem Band 1 mich sehr positiv überrascht hat, bin ich mit hohen Erwartungen an das Finale herangegangen. Leider waren meine Erwartungen dann wohl doch zu hoch.

Das Buch beginnt da, wo "Berühre mich. Nicht." endet, nämlich bei der sehr hastigen Trennung von Sage und Luca. Sage versucht nach ihrem Auszug, ihr Leben in den Griff zu kriegen, eine WG zu finden, ihre Prüfungen zu bestehen und irgendwie weitermachen zu können. Doch dabei hindert sie zu allererst ihr Nebenjob, bei dem sie mit Luca zusammenarbeiten muss. Immerhin läuft ihre Freundschaft mit April weiter, auch wenn diese über die Trennungsgründe nichts weiß.

Leider passiert nach dem Anfang sehr lange nicht viel - Sage trauert um ihre Beziehung und versucht, mit ihrer Vergangenheit klarzukommen, aber auch wenn das nicht einfach ist, ist es auf Dauer leider ziemlich zäh dargestellt. Wo ich Band 1 nicht gerne aus der Hand gelegt habe, lag "Verliere mich. Nicht." hier zwischendurch auch ein paar Tage unbeachtet neben dem Sofa.

Dabei finde ich den Stil von Laura Kneidl nach wie vor sehr flüssig und gut zu lesen - wäre das anders gewesen, hätte ich vermutlich nicht zwischendurch um die 100 Seiten am Stück gelesen. Deshalb ziehe ich auch nur einen Stern ab und nicht mehr. Auf den ersten ca. 300 Seiten hätte zwar einiges gestrafft werden können, aber der Stil macht hier so einiges wieder wett.

Das Ende (also die letzten 100 - 150 Seiten) ist dafür ziemlich voll gepackt mit Ereignissen und Auflösungen - das hätte gerne anders verteilt werden können.

Fazit: Als Fortsetzung und Finale zu "Berühre mich. Nicht." ist es nicht schlecht, auch das Ende überzeugt, genauso wie der Stil von Laura Kneidl, aber leider ist es zwischendurch ein bisschen lang.

Reihenfolge:
1. Berühre mich. Nicht.
2. Verliere mich. Nicht.

Veröffentlicht am 09.10.2017

Ella und Micha I

Das Geheimnis von Ella und Micha
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Ella hat nach ihrem ersten Semester auf der Uni von Las Vegas Semesterferien und wird von ihrer Mitbewohnerin Lila nach Hause gefahren. Eigentlich will diese nur eine Nacht bleiben und dann weiterfahren ...

Ella hat nach ihrem ersten Semester auf der Uni von Las Vegas Semesterferien und wird von ihrer Mitbewohnerin Lila nach Hause gefahren. Eigentlich will diese nur eine Nacht bleiben und dann weiterfahren - der Plan gefällt Lila umso besser, als sie sieht, dass Ella eigentlich aus einer nicht so dollen Gegend stammt. Doch gleichzeitig sieht sie, wie Ella aufgenommen wird, dass sie ziemlich überstürzt auf die Uni gegangen sein muss - dass irgendetwas vorher passiert sein muss. An der Uni waren Ella und sie eher locker befreundet, doch nun wird ihre Freundschaft enger. Das hat allerdings auch damit zu tun, dass Ella und Micha, ihr langjähriger bester Freund (Freund?) sich wieder annähern. Dabei hat sie gerade ihn mit ihrem Weggang ziemlich vor den Kopf gestossen...

Ich muss leider immer mehr feststellen, dass der Young Adult-Bereich nicht so wirklich meins ist. Ich finde die Bücher zwar nett, aber die Protagonisten sind mir in der Regel zu anstrengend, da sie lieber weglaufen, statt ihre Probleme zu klären. Hier ist das teilweise anders - aber leider auch nicht immer. Ella ist ziemlich tough, aber auch ziemlich angeschlagen von dem, was vor ihrem Weggang vor acht Monaten passiert ist. Dieses Ereignis war heftig, aber gleichzeitig finde ich die Vorstellung, dass auch andere denken, dass sie schon alles verarbeitet haben sollte, heftig. Manches braucht einfach seine Zeit. Gut fand ich, dass Micha nicht zu lange nachtragend ist, was ihren Weggang angeht, aber insgesamt hat mir bei den Beiden ein bisschen was gefehlt, irgendwie fehlte mir ein bisschen was. Mir ist die Beziehung zwischen Lila und Ella präsenter, als die von Micha und Ella - und um letztere geht es. Da das Buch recht kurz ist (285 Seiten) entstehen wenigstens keine Längen, aber leider hat es auf mich auch nicht den Sog entwickelt, den andere beschrieben haben. Schade!

Fazit: Bei Young Adult muss man anscheinend wissen, ob man es mag oder nicht... Einfach mal ausprobieren!

Reihenfolge:
1. Das Geheimnis von Ella und Micha
2. Für immer Ella und Micha

Veröffentlicht am 09.10.2017

nett für zwischendurch

Der verschimmelte Reiter
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"Der verschimmelte Reiter" ist eine Sammlung von Prüfungsfragen in allem möglichen Fächern - und vor allem den Antworten, die die Schüler und Studenten zum Thema gegeben haben, die aber nicht immer so ...

"Der verschimmelte Reiter" ist eine Sammlung von Prüfungsfragen in allem möglichen Fächern - und vor allem den Antworten, die die Schüler und Studenten zum Thema gegeben haben, die aber nicht immer so ganz einwandfrei ausgefallen sind. Dabei kann man zwischen zwei Typen von Antworten unterscheiden: Die, die schlicht keine Ahnung haben, es aber mal versucht haben bzw. schlicht Begriffe vertauscht haben und die, bei denen die Frage so doof formuliert ist, dass sie eine bestimmte Antwort provozieren

Es gab einige Stellen, wo ich festgestellt hab, dass ich ähnlich geantwortet hätte - und andere, wo ich die Antwort wusste, mich aber trotzdem amüsiert habe, was im Eifer einer Klausur auf einmal auf dem Papier steht... ich hätte mir meine alten Klassenarbeiten mal genauer ansehen sollen, was für Böcke ich so geschossen habe

Hier ein paar Beispiele:

Nenne ein Wahrzeichen Griechenlands! --> Das berühmteste ist die Apokalypse.

Was ist der Nachteil von Videokonferenzen? --> Man vereinsamt.

Ich hätte es noch interessant gefunden, in welcher Klasse die jeweilige Frage gestellt wurde - wobei ich umgekehrt nicht weiß, was das zur Sache getan hätte. Irgendwie hätte es mich interessiert.

Fazit: Witziges Buch, gut geeignet für Werbepausen im Fernsehen oder eher kurze Wartezeiten, da man es auch jederzeit gut weglegen kann.