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Veröffentlicht am 18.08.2018

Blut ist dicker als Wasser

Zwischen uns ein ganzes Leben
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„Wir hatten nur noch Hunger, Angst und die vage Hoffnung, dass irgendwann der Frühling kommen musste.“ (S. 220) stellt Judith 1940 in Paris fest. Sie ist eine jüdische Studentin und mit Christian, dem ...

„Wir hatten nur noch Hunger, Angst und die vage Hoffnung, dass irgendwann der Frühling kommen musste.“ (S. 220) stellt Judith 1940 in Paris fest. Sie ist eine jüdische Studentin und mit Christian, dem Sohn eines Bankiers zusammen. Sein Vater kollaboriert mit den Nazis, darum wollen er und Judith zusammen fliehen. Doch das Schicksal durchkreuzt ihren Plan.

„Du musst Judith finden. Versprich es mir.“ (S. 26): 1982 erfährt Jacobina in Montreal von ihrem Vater, dass sie eine ältere Halbschwester hat, Judith. Ihr Vater war Rumäne und hat lange in Paris gelebt. Irgendwann ging er zurück, aber Judith und ihre Mutter blieben. Durch den Krieg hat er den Kontakt verloren.

„Irgendwann sitzt du krank und alt in deiner Wohnung und bereust Dein Leben.“ (S. 106) hatte ihr Vater Jacobina prophezeit. 2006 ist es so weit, sie lebt heruntergekommen in Washington D.C. Eine Hilfsorganisation schickt Béatrice mit Lebensmitteln zu ihr. Die Frauen freunden sich an und Jacobina erzählt von Judith, und dass sie nie nach ihr gesucht hat. Für Béatrice wird die Suche zu einer willkommenen Ablenkung von ihren eigenen Problemen.

Judiths und Christians Liebesgeschichte ist sehr romantisch, wäre da nicht der zweite Weltkrieg und sie keine Jüdin. Sie lernen sich beim Studium an der Sorbonne kennen. Judiths Leben wird immer schwerer, die Einschränkungen und Ängste immer größer. Christian kümmert sich liebevoll um sie, hört aufmerksam zu, liest zwischen den Zeilen und leistet praktische Hilfe, indem er ihr immer wieder Nahrungsmittel oder Kohlen zusteckt. Er macht ihr Leben bunter, lebenswerter. Doch dann beginnen die Deportationen und er geht extreme Risiken für sie ein. Ihre Geschichte ist extrem fesselnd und berührend, man muss einfach mit ihnen mitfiebern.

Auch Béatrice und Jacobinas Suche nach Judith ist sehr spannend und informativ, zeigt sie doch, dass und vor allem wie immer noch Menschen nach ihren Angehörigen suchen, hoffen, dass diese den Holocaust überlebt haben.
Aber ich bin mit Jacobina und Béatrice einfach nicht warm geworden. Über Jacobina erfährt man so gut wie nichts. Sie wirkt extrem unsympathisch und introvertiert, interessiert sich nur für gutes Essen und Fernsehen. Warum sie so geworden ist? Keine Ahnung. Sie erzählt nur Bruchstücke aus ihrer Vergangenheit.
Auch Béatrice ist kein Sympathieträger. Nach außen gibt sie die Powerfrau und superschicke Französin, lässt sich aber sowohl von ihrem Chef als auch ihrem Freund immer wieder zur Schnecke machen und muss sich für deren Fehler verantworten. Sie ist viel zu nachgiebig, duckmäuserisch. Warum macht sie sich so klein? Das passt nicht zu ihrem sonstigen Auftreten. Außerdem wird sie im Klappentext als „junge Französin“ beschrieben, dabei ist sie schon 43.
Zudem ist das, was man über die beiden Frauen erfährt, ist nicht zwingend für die Suche nach Judith erforderlich. Für mich hätte ihr Erzählstrang kürzer sein oder sich mehr um die eigentliche Suche drehen können.

Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass die Geschichte, welche Melanie Levensohn in „Zwischen uns ein ganzes Leben“ erzählt, zum Teil auf der Biographie einer Verwandten ihres Mannes beruht, deren Spur sich in Auschwitz verliert. Das macht dieses Buch so besonders. Sie zeigt Suchwege und Hilfsorganisationen auf, an die man sich wenden kann.

Veröffentlicht am 30.07.2018

Man ist das, was man sein will

Warum ich trotzdem an Happy Ends glaube
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Emma de Tessent wäre gern erfolgreiche Filmproduzentin und würde in der mit Glyzinien bewachsenen Villa wohnen, die seit Jahren zum Verkauf steht. Im realen Leben ist sie die „ewige Praktikantin“ der amerikanische ...

Emma de Tessent wäre gern erfolgreiche Filmproduzentin und würde in der mit Glyzinien bewachsenen Villa wohnen, die seit Jahren zum Verkauf steht. Im realen Leben ist sie die „ewige Praktikantin“ der amerikanische Filmproduktionsfirma Fairmont in Rom und wohnt bei Mama, weil sie sich von ihrem mickrigen Gehalt nicht mal eine eigene Wohnung leisten kann. Ihre Abende verbringt sie am liebsten mit schmalzigen Liebesromanen, ungesunden Keksen und den Überlegungen, wie sie den berühmten Schriftsteller Tameyoshi Tessai doch noch dazu bewegen kann, ihrer Firma die Filmrechte an seinem Bestseller zu verkaufen.
Als ihr Praktikum wieder einmal ausläuft und nicht, wie versprochen, in einen richtigen Vertrag umgewandelt oder wenigstens verlängert wird, stürzt sie in eine Sinnkrise. Die Vorstellungsgespräche bei anderen Firmen laufen überhaupt nicht gut, am schlimmsten läuft es bei der elitären Firma Waldau – Dr. Scalzi demütigt sie regelrecht. Da kommt ihr die Arbeit in der Kinderboutique von Vittoria Airoldi wie eine Ruheoase vor, ein Stück heile Welt in ihrem Katastrophenfilm. Doch plötzlich reißen sich auch die Fairmont und Waldau wieder um sie ...

Die Geschichte hat mich sofort in ihren Bann gezogen. Emma erzählt die Geschehnisse aus ihrer Perspektive und lässt den Leser dadurch an ihren geheimsten Träumen, Wünschen und Gedanken teilhaben. Ein besonderes Highlight sind die witzigen Kapitelüberschriften, die fast immer das Wort Praktikantin beinhalten und eine Vorgeschmack auf die nächsten Szenen geben.

Emma war mir gleich sympathisch und ich konnte mich gut ihre Situation einfühlen. Sie hat eigentlich alles, was man für eine erfolgreiche Karriere braucht – eine gute Ausbildung, Ehrgeiz und Durchhaltevermögen – nur ihre Gutgläubigkeit wird ihr zum Verhängnis. Zudem ist sie sehr romantisch und träumt von der einzigen großen Liebe, wie ihre Eltern sie gefunden hatten. Die Ehe ihrer Schwester Arabella ist leider das ganze Gegenteil und ein abschreckendes Vorbild.

Natürlich gibt es auch in dieser Geschichte viele Geheimnisse. Was verband z.B. Emmas Mutter mit Tessais Verleger und woher rührt Tessais Weltschmerz?
Und was will Dr, Scalzi von Emma? Sie geraten immer wieder aneinander, die Fetzen fliegen und Funken sprühen. Trotzdem sucht er immer wieder ihre Nähe ...

„Warum ich trotzdem an Happy Ends glaube“ ist ein wunderbar leichter und amüsanter Roman um die harte Filmbranche und zwischenmenschliche Beziehungen. Seine Sprache lädt zum Träumen ein und lässt die Dolce Vita vor meinem inneren Auge lebendig werden. Emma ist eine zauberhafte Person, die ich gern als Freundin hätte – auch um sie ab und an aus den Wolken auf den Boden der Realität zu holen.
Einzig das Ende hat mir nicht ganz so gut gefallen. Die Ereignisse überschlugen sich und die Handlung wurde zum Teil etwas unübersichtlich.

Veröffentlicht am 18.05.2018

Künstlerin oder Künstlergattin?

Die Muse von Wien
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Wien um 1900: Alma Schindler ist Anfang 20, sehr verwöhnt und eigensinnig. Ihr Vater, der berühmte Maler Emil Jakob Schindler, verstarb früh und ihre Mutter heiratete dessen Schüler Carl Moll.
Alma wächst ...

Wien um 1900: Alma Schindler ist Anfang 20, sehr verwöhnt und eigensinnig. Ihr Vater, der berühmte Maler Emil Jakob Schindler, verstarb früh und ihre Mutter heiratete dessen Schüler Carl Moll.
Alma wächst in einem Künstlerhaushalt auf, Moll gehört zur Wiener Secession. Gefeierte Berühmtheiten wie Gustav Klimt oder Max Burkhard sind regelmäßig zu Gast und tragen zu ihrer Bildung bei.

Alma gilt als schönste Frau Wiens, spielt sehr gut Klavier, komponiert selbst und sonnt sich in der Bewunderung ihrer Verehrer. Sie hat intime Verhältnisse mit älteren Männern (Freud stellt später die Ferndiagnose Vaterkomplex), aber auch ein klares Ziel: „Ich will etwas werden im Leben, etwas Großes, und dazu gehört ein großer Mann.“ (S. 60) Ihr Traum ist es, eine Symphonie zu schreiben und Klimt zu heiraten, aber der will (und wird) nie eine Ehe eingehen.
Alma ist sehr flatterhaft, es geht ihr eher um die Befriedigung ihrer Gelüste statt um die Männer. Sie scheint jedes Gefühl uferlos ausleben zu wollen. Erst der 19 Jahre ältere Gustav Mahler ändert das. Er vergöttert sie, schreibt Liebesbriefe, schickt Geschenke, macht Ausflüge mit ihr und sie musizieren zusammen. So hat sie sich eine Ehe – eine echte Partnerschaft – immer vorgestellt. „Gustav Mahler ist der Richtige für mich. Er wird dem Chaos meiner Gefühle ein Ende machen und meinem Leben endlich eine Richtung geben.“ (S. 135) Doch Mahler hat hohe Ansprüche: zwei Künstler in einem Haushalt, das geht nicht. Alles hat sich seiner Kunst und seinem minutiös geplanten Tagesablauf unterzuordnen. Alma stimmt dem zu und führt ab dann das Leben der „Frau Operndirektorin“. Von anderen Frauen wird sie beneidet, dabei ist die Ehe ein harter Bruch für die bis dato Verwöhnte. Statt der elterlichen Villa lebt sie jetzt in einer 5-Zimmer-Wohnung und muss sich um den Haushalt und die Finanzen kümmern. Mahler hat Schulden, sparen ist angesagt. Sie gehen kaum noch aus und auf seine Reisen kann sie ihn nur begleiten, wenn genug Geld da ist. Gustavs Wünsche sind Gesetz, ihr ganzes Leben dreht sich nur noch um ihn. „Ich bin es nicht gewohnt, mich als jemand anderes als die Frau meines Mannes zu sehen.“ (S. 378)

„Die Muse von Wien“ hat mich sehr zwiegespalten zurückgelassen. Wien und die Künstlerszene, die Freundschaften, aber auch Animositäten, werden sehr fesselnd und atmosphärisch beschrieben. In ihrem gewohnten Umfeld brilliert Alma mit ihrem Wissen immer wieder und bezaubert auch mich. Als Mahlers Frau folgt dann das böse Erwachen. Sie ist jetzt Ehefrau und Mutter (oft auch seine, hat man das Gefühl), hat nicht mehr zu komponieren oder sich mit anderen Männern bzw. auf Gesellschaften rumzutreiben. Sie beide haben ja sich! Wenigstens darf sie seine Noten kopieren und ins Reine schreiben. Die Lage für den konvertierten Juden Mahler wird in Wien immer schwieriger, also gehen sie für mehrere Monate im Jahr nach New York an die Metropolitain Opera, die Kinder bleiben in Wien. Alma stumpft ab, das Leben besteht gefühlt nur aus Koffer ein- oder auspacken. Sie wird lust- und lieblos, was sich leider auch auf diesen Zeitabschnitt im Buch niedergeschlagen hat – er wird mir zu langatmig und farblos beschrieben. Und obwohl man Mitleid mit ihrer Situation hat, ist sie keine besonders sympathische Protagonistin - man bleibt beim Lesen seltsam distanziert.

Für mich kommt Almas Geschichte leider nicht ganz an das erste Buch der Autorin Caroline Bernard „Rendezvous im Café de Flore“ heran. Ich vermute aber, dass das hauptsächlich mit Almas Person zusammenhängt, zu der ich einfach keinen Zugang gefunden habe.

Veröffentlicht am 10.05.2018

Beginn einer neuen Reihe?

Dunkle Nächte auf Montmartre
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Paris glüht und eigentlich möchte sich Quentin Belbasse, seines Zeichens Jazz-Bassist, nach der Party letzte Nacht nicht wirklich von seinem Ventilator wegbewegen, aber da ruft sein väterlicher Freund ...

Paris glüht und eigentlich möchte sich Quentin Belbasse, seines Zeichens Jazz-Bassist, nach der Party letzte Nacht nicht wirklich von seinem Ventilator wegbewegen, aber da ruft sein väterlicher Freund Moulin an. In dessen Cabaret „Narcisse“ haben sie gefeiert und nun liegt Daphné tot im Keller. Sie ist die einzige weibliche Darstellerin der Travestie-Show. Zum Glück stellt sich schnell heraus, dass es „nur“ eine unbekannte Frau ist, die sich wie sie verkleidet hat. Aber warum und wer ist sie? Die Polizei tappt im Dunklen und verdächtigt Moulin des Mordes, schließlich ist es sein Club. Darum bittet er seinen Freund Quentin um Hilfe.

“Dunkle Nächte auf Montmartre“ ist ein typischer Whodunit-Krimi. Untypisch ist nur der Ermittler, der eben kein (Privat-)Detektiv ist, auch wenn sich Quentin im Laufe seiner Ermittlungen als solcher ausgibt.
Ziemlich schnell ist er sich sicher, dass eigentlich Daphné ermordet werden sollte. Sie hat sich schon in der kurzen Zeit, in der sie zum Ensemble gehört, mehr Feinde als Freunde gemacht hat. Aber auch ihr Ex-Freund hat ein Motiv, wie sie Quentin bald gesteht. Daphné sammelt Verehrer und spielt sie gegeneinander aus. Die Eifersüchteleien, nicht nur unter ihren Kollegen, erschweren die Ermittlungen. Doch Quentin kennt sein Monmarte und die Bewohner gut und weiß, wen er fragen muss, wenn er spezielle Informationen braucht.

Durch die vielen Verdächtigen, ihre Motive und die unbekannte Identität der Toten bleibt das Buch bis zuletzt sehr spannend. Quentin und der ermittelnde Polizist liefern sich ein fast freundschaftliches Wettrennen um die Lösung des Falls, man tauscht zwischendrin sogar die neuesten Erkenntnisse aus. Quasi „Quid pro quo“.
Quentin ist ein sehr sympathischer Ermittler, der genau weiß, wie er sein Gegenüber ansprechen muss, um ihn zu knacken. Außerdem steht ihm – überraschend und eher unerwünscht – seine Hippi-Mutter mit dem Künstlernamen „Rosa Kontrapunkt“ recht unkonventionell zur Seite.
Etwas irritiert hat mich, dass er sich in die Ermittlungen stürzt, ohne dass mir seine Intension klar wurde. Ist es nur Moulins Bitte? Eigentlich ist er Bassist und er hat auch noch nie ermittelt. Dazu kommt, dass ihm der zuständige Polizist so viel durchgehen lässt? Warum? Sie kannten sie bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Gefallen hat mir auch die Darstellung von Montmartes dunkler Seite abseits des Tourismus: der Straßenstich, die Zuhälter, abgewrackte Stundenhotels, gescheiterte Existenzen.
P.B. Vauvillé (das Pseudonym von Bertina Henrichs und Philippe Vauvillé ) schreibt sehr anschaulich und fesselnd – ich habe den Krimi an nur einem Tag gelesen.

Von meinen kleinen Kritikpunkten abgesehen ist es ein gelungenes Krimi-Debüt und ich hoffe, bald wieder von Quentin zu lesen.

Veröffentlicht am 03.05.2018

Ein Dorf schweigt

Mord an der Algarve
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„Sieben Tote in vier Monaten. Allein drei aus einer Familie.“ steht im Klappentext des Buches, da erwartet man eigentlich einem ziemlich harten Krimi – obwohl ich es ja eher „Cosy“ mag.
Zum Glück beginnt ...

„Sieben Tote in vier Monaten. Allein drei aus einer Familie.“ steht im Klappentext des Buches, da erwartet man eigentlich einem ziemlich harten Krimi – obwohl ich es ja eher „Cosy“ mag.
Zum Glück beginnt „Mord an der Algarve“ relativ beschaulich. Die Journalistin Anabela Silva steckt mitten in der Scheidung und weiß nicht so richtig, wie es mit ihrem Leben weitergehen soll „Kopf, Herz, Bildschirm, alles leer.“ (S. 16). Da kommt die Bitte ihrer Eltern, sie doch in Portugal zu besuchen, wie gerufen. Ihre Mutter hat sich den Arm gebrochen und ihr Vater wird irgendwie wunderlich, sie brauchen Hilfe.
Anabelas Eltern sind Portugiesen. Sie leben in einem kleinen Dorf im Hinterland der Algarve. Das durchschnittliche Alter der Bevölkerung liegt sich bei deutlich über 50. Als Anabela ihre Mutter auf den Friedhof begleitet und sich die neuesten Grabstätten anschaut, stellt sie fest, dass den letzten Monaten gleich 3 Menschen mit Namen Alves gestorben sind. Ihre journalistische Neugier ist geweckt, vor allem als angelblich niemand im Dorf näheres über die Familie weiß. Auch ihr Cousin Luís, der bei der Polizei arbeitet, wiegelt ab. Sie verrenne sich da in etwas.

Die erste Hälfte des Buches ist sehr gemütlich, Land und Leute werden beschrieben, ihre Lebensumstände und wie sich Anabela wieder in Portugal einlebt. In kleinen kursiven Einschüben erlebt man zwar die Morde an den Alvez, aber auch die sind nicht blutig und werden von der Polizei bzw. den Ärzten als Unfälle und natürliche Tode abgetan. Erst, als ein deutscher Auswanderer erschlagen wird, kommt endlich Fahrt in die Sache und aus dem Urlaubs-Roman wird ein Krimi.

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich in letzter Zeit ein knapp 300 Seiten umfassendes Buch an nur einem Nachmittag / Abend gelesen habe. Der Schreibstil ist sehr flüssig, unterhaltsam und fesselnd, obwohl ich das Buch nicht durchgängig als Krimi bezeichnen würde.
Anabela ist Anfang 40 und ihr Mann hat sie wegen einer Studentin verlassen. Sie hadert mit der Situation ist ganz froh um die Auszeit und den Abstand, die sie durch die Reise nach Portugal einlegt. Ihr wird erst dort bewusst, wie alt ihre Eltern eigentlich schon sind und dass sie wahrscheinlich nicht mehr lange allein für sich sorgen können. Sie muss sich überlegen, ob sie nicht auch von Portugal aus für die Zeitschriften in Deutschland arbeiten könnte Außerdem machen ihr gleich zwei interessante und attraktive Männer den Hof.

Bezgl. der Hintergründe für die Morde und auch die Identität des Mörders tappt Anabela lange im Dunkeln. Mir ihren Verdächtigungen macht sie sich nicht nur Freunde, aber die Bandbreite der möglichen Motive auch groß. Fühlt sich ein Arzt oder Betreuer der Alten als Todesengel? Geht es um Grundstücksspekulationen oder hängt es gar noch mit dem alten Regime des Estado Novo zusammen?

„Mord an der Algarve“ ist der Auftakt einer neuen Krimireihe um die Journalistin Anabela Silva und passt perfekt in die Urlaubszeit. Ich werde auf jeden Fall nach dem nächsten Band Ausschau halten um zu erfahren, wie es mit Anabela weitergeht.