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Veröffentlicht am 19.08.2018

Episodenweise und sprunghaft berichtet Blum von seiner Entwurzelung und der Suche nach der Geschichte seiner Großmutter.

Opoe
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Donat Blums „Opoe“ (sprich: opu — niederländisch für Großmutter) hat mich mit seinem minimalistischen Cover gelockt. Der Klappentext weckte meine Neugier, doch als ich eine Weile später zu lesen begann, ...

Donat Blums „Opoe“ (sprich: opu — niederländisch für Großmutter) hat mich mit seinem minimalistischen Cover gelockt. Der Klappentext weckte meine Neugier, doch als ich eine Weile später zu lesen begann, konnte ich nicht so richtig Fuß fassen. Donat Blum erzählt in seinem Debütroman von der Großmutter des Erzählers, die dieser kaum kannte, und in einem parallelen Erzählstrang berichtet er aus ihrer Vergangenheit, versucht Opoes Lebensgeschichte nachzubauen. Wir erfahren von der stets distanzierten Großmutter, die ihren Enkel bis zum Ende siezt, von ihrem Leben als junge Frau in den Niederlanden, als Frau eines Blumenhändlers. Gleichzeitig schildert Blum das Liebesleben des Erzählers, der übrigens ebenfalls Donat heißt – inwiefern sein Roman autobiografisch ist, bleibt allerdings offen.

Donat Blum erzählt flüssig und äußerst angenehm zu lesen die Geschichte der Großmutter und auch die des Erzählers. In kurzen Episoden reflektiert der Erzähler sein queeres Liebesleben. Dass er sich nicht an nur eine Person binden kann, scheint für seinen Partner trotz Einwilligung zur offenen Beziehung doch ein Problem zu sein. Donat trifft sich trotzdem mit anderen Männern, verliebt sich, und inmitten des Liebestaumels verschwimmen die verschiedenen Männer immer mehr. Er kann die einzelnen Personen nur anhand der Gefühle, die diese in ihm auslösen, und anhand der Bedürfnisse, die sie befriedigen, auseinanderhalten. Dass sein Partner in der Priorität immer weiter nach unten rutscht, ist dabei nahezu unvermeidbar.

"Ich will begreifen, warum ich bei Opoes Tod alle Schotten habe dichtmachen müssen. Ich will begreifen, was zwischen Opoe und mir gewesen ist."

Parallel erfahren wir, wie Opoes Leben abgelaufen ist — oder abgelaufen sein könnte. Da Donat Blum die Grenze zwischen Roman und autobiographischer Erzählung verwischt, weiß man nie genau, was von dem Erzählten wirklich so abgelaufen ist und was nicht. Dass der Erzähler ebenfalls Donat heißt, macht die Sache nicht leichter. Dennoch ist Opoes Leben interessant: Sie verliebt sich in einen Schweizer, verlässt mutig ihre Heimat, die Niederlande, um mit ihm in der Schweiz einen Blumenladen zu eröffnen. Die Tochter, die aus dieser Beziehung entsteht, Donats Mutter, verbringt ihre ersten Lebensjahre jedoch in Holland; die Entfremdung ist vorprogrammiert. Und so entsteht eine unüberwindbare Kluft zwischen Mutter und Tochter und in deren Folge auch zwischen Donat und Opoe. Dass Opoes Tod eine klaffende Lücke aus Unwissen hinterlässt, war zu erwarten, denn erst als sie nicht mehr da ist, sehnt Donat sich nach ihr.

Fazit: Dass Donat Blum sich sonst in essayistischen Gefilden bewegt, merkt man „Opoe“ irgendwie an. Der Inhalt erscheint sprunghaft, oft verschwimmt auch der Fokus und nach der Lektüre stellt man dann fest, dass das Buch mehr über die Sorgen des Erzählers berichtet hat als über die titelgebende Großmutter. Anfangs fand ich es schwierig, mich in Blums Textform einzufinden, erst nach etwa 50 Seiten, was ja bereits ein Drittel des Buches ist, kam ich in einen schönen Lesefluss und fühlte mich in der Geschichte wohl. Im Rückblick ist auch leider nicht so viel von Opoes Leben hängen geblieben, was ich etwas schade finde, da ich es beim Lesen als sehr interessant empfunden habe.

Veröffentlicht am 08.06.2018

Schwermütig, rastlos und mit einer nicht zu verachtenden politischen Nuance — ein Einblick in die reiche Oberschicht Ägyptens in den 1950er Jahren.

Snooker in Kairo
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Neugierig durch das ungewöhnliche Cover musste ich mir Waguih Ghalis 1964 erstmals erschienenen und Roman „Snooker in Kairo“, der jetzt zum allerersten Mal in Deutschland erschienen ist, einmal genauer ...

Neugierig durch das ungewöhnliche Cover musste ich mir Waguih Ghalis 1964 erstmals erschienenen und Roman „Snooker in Kairo“, der jetzt zum allerersten Mal in Deutschland erschienen ist, einmal genauer ansehen. Der Klappentext klang zwar etwas zu „hochgestochen“ und politisch für mich, aber ganz im Sinne meiner „Lesen außerhalb der Komfortzone“-Aktion habe ich ihn mir dann doch zur Brust genommen. Es geht um Ram und seinen Freund Font, die beide aus gutem Hause kommen, ohne selbst nur einen Cent am Leib zu tragen. Inmitten der gehobenen Gesellschaft sind sie arm und versuchen durch Glücksspiel, ihr Konto aufzubessern. Denn die Verwandtschaft nach Geld fragen, das geht nun wirklich nicht. Während die anderen Mitglieder ihres sozialen Umfelds ihren Weg gefunden zu haben scheinen, irren Ram und Font ziellos durch die ägyptische Stadt, unsicher, wie sie sich fühlen oder verhalten sollen. Obwohl beide einen Uni-Abschluss aus Großbritannien mitbringen, schlagen sie sich ohne größere Beschäftigung durch den Alltag und versuchen ihre Tage irgendwie herumzubekommen, ob nun beim Polo oder Bridge im Club. Denn die Oberschicht, der die beiden angehören, ist nicht „typisch ägyptisch“, sondern durch und durch angepasst an Europa; man spricht Französisch oder Oxford-Englisch, spricht abfällig von dem „Fellachen“, der ägyptischen Unterschicht, und irgendwie scheint ein jeder seine Natürlichkeit abgelegt zu haben, um die „europäische Kultiviertheit“ zu erreichen. Und von dieser Kultiviertheit profitieren Ram und Font schlussendlich auch, denn nur durch diesen britischen „Way of Life“ ihrer Familien ist es ihnen möglich, so zu leben, wie sie es tun.

»Wenn ich kein Ägypter bin, was bin ich dann?« — »Du bist, was du bist. Ein Mensch, der in Ägypten geboren wurde, auf eine englische Schule gegangen ist, viele Bücher gelesen hat und Phantasie besitzt. Aber zu sagen, dass du dies oder Ägypter bist, ist Unsinn.«

Auch Ram bemerkt im Laufe seines Lebens, während seinem ersten Aufenthalt in England, dass er sich merklich verändert, dass er seinen ägyptischen Humor und seine Leichtigkeit abstreift und dafür die Blasiertheit und leichte Arroganz derer annimmt, die ihn umgeben. Doch nicht nur der Tapetenwechsel mag Grund für diese Veränderung sein, sondern vermutlich auch seine Liebe zu Edna, einer reichen Jüdin, die ihm gehörig den Kopf verdreht hat und seine Liebe offensichtlich nur erwidert, wenn er seiner Arroganz freien Lauf lässt. Die Liebe und Beziehung zu Edna durchzieht das Buch wie ein roter Faden; in jeder freien Minute seines Lebens scheint Ram sehnsüchtig an sie zu denken — bis er letzten Endes „wegen des Geldes“ doch eine Andere heiratet. Er brüstet sich mit seiner Armut, während ihm Butler des Clubs schon Fünf-Pfund-Noten zustecken. In London werden Ram und Font auch erstmalig mit Fremdenfeindlichkeit und Rassismus konfrontiert, etwas, das ihm bisher völlig fremd war. Der Gang zur Ausländerbehörde wurde zur Qual, und dabei wollten die Beiden doch lediglich ihr Visum verlängern.

Über die politische Lage im Ägypten der 50er Jahre hatte (und habe) ich leider keinen Überblick, deshalb habe ich während der Lektüre einiges nachschlagen müssen. Dennoch hat sich mir der Einblick verwehrt, den ich gehabt hätte, hätte ich ausführliche Kenntnisse über diese Zeiten mitgebracht. Zahlreiche Kleinigkeiten habe ich nicht verstanden und so blieb mir nur noch die Essenz des Romans, die Handlung an sich und ihre Charaktere. Während die Handlung leise vor sich hin plätschert und durchaus träge ist, stechen die Charaktere umso mehr heraus. Der aufbrausende Font, die geheimnisvolle Edna, und natürlich unser Protagonist Ram sind allesamt schillernde Charaktere, die vom Autor wunderbar gezeichnet wurden. Die Erzählung, die aus der Ich-Perspektive erfolgt, ist geprägt von Rams Grübeleien und einer Schwere, die den Eindruck erweckt, der Leser befände sich in einer Wüste und müsste sich durch die Dürre zum Ende des Buches ziehen.

Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de/rezension/waguih-ghali-snooker-in-kairo

Veröffentlicht am 28.05.2018

Quirlig, durchgeknallt und chaotisch — ein wilder Ritt zu Frankreichs wohl exzentrischsten Familie

Familiäre Verhältnisse
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Bei diesem Titel aus dem aktuellen Programm des Atlantik Verlags hat mich primär das witzige Cover und der interessant klingende Klappentext angesprochen, „mal was Leichtes“, dachte ich mir noch. Da sollte ...

Bei diesem Titel aus dem aktuellen Programm des Atlantik Verlags hat mich primär das witzige Cover und der interessant klingende Klappentext angesprochen, „mal was Leichtes“, dachte ich mir noch. Da sollte ich noch mein blaues Wunder erleben, denn „leicht“ ist kein Adjektiv, das diesen Roman — oder diesen Wahnsinn — beschreibt! Sophie Bassignac nimmt uns in „Familiäre Verhältnisse“ auf einen Wochenausflug zu Pierre Réveillons zukünftigen-oder-vielleicht-auch-nicht Schwiegereltern mit, zu deren Beschreibung „exzentrisch“ noch harmlos klingt. Denn Isabelles Familie ist nicht so, wie Pierre sich das vorgestellt hat. Während sie ihre Familie als „liebenswert, charmant und eigensinnig“ bezeichnet, hält der streng und vernünftig erzogene Pierre es keine drei Tage mit den Pettigrews, Axilettes und Hivers aus, ehe er die Flucht ergreift. Nach Schlamm schmeckendes Essen, kuriose Gesprächsthemen, noch kuriosere Hobbys und dann noch ein Nacktbadestrand! Das ist dann doch wirklich zu viel des Guten. Dabei wollte er doch einfach nur den Segen der Familie, bevor er um Isabelles Hand anhält. Ob daraus noch etwas wird (aus dem Segen oder der Hochzeit?), ist unklar, aber Fakt ist, dass Pierre sich weder näher mit den Hühnern der Familie befassen mag und den Stier des Nachbarn auch nicht mehr so schnell wiedersehen möchte…

Isabelle stand nackt vor dem Spiegel im Bad und flüsterte etwa zehn Mal „Isabelle Réveillon“, um sich an den Klang ihres künftigen Namens zu gewöhnen. Sie überlegte sich, dass ihre Kinder eine doppelte Staatsbürgerschaft haben und zwei Sprachen sprechen würden, eine rationale und eine magische.

Was reichlich konfus und skurril klingt, ist in Wirklichkeit ein wahrhaft durchgeknalltes Buch — meine Zusammenfassung hält ihr Versprechen! Sophie Bassignac hat es geschafft, mich mit diesem 190 Seiten dünnen Band komplett auszulaugen, wobei das natürlich nicht nur negativ gemeint ist. Es ist schon unangenehm, den wohlerzogenen Pierre dabei zu begleiten, wie er die durchaus charmante und exzentrische Familie von seiner Liebe für Isabelle überzeugen will und dabei von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt, die anderen dazu ihr Übriges unternehmen, ihn (unabsichtlich) immer wieder aufs Neue in ihm unangenehme Situationen zu bringen. Der nüchterne Pierre mit seiner eigenständigen Art, seinem ruhigen Wesen wird beim Familienbesuch nämlich nicht nur mit einer warmen, quirligen Art überrumpelt, sondern bekommt auch vor Augen geführt, was ihm bei seiner Erziehung gefehlt hat und er nun vermisst. Während Pierre seine kleine, überschaubare Familie immer für eine Art Familienunternehmen gehalten hat, in dem jeder seinen Beitrag zu leisten hat und keine Eskapaden jeglicher Art erwünscht sind und auch die Liebe zwischen seinen Eltern für ihn ein großes Tabu ist, lebt Isabelles Familie ihre Gefühle für jeden sichtbar aus.

Sophie Bassignac erzählt mit einer leichten Sprache von Pierres „Schicksal“ bei der kunterbunten Familie, sodass man regelrecht in die Geschichte hineingesogen wird. Jedoch hatte ich das Gefühl (ähnlich wie Pierre), dass es mir ab ca. Seite 100 zu bunt wurde. Doch während Pierre einfach alles hinter sich lassen kann, habe ich natürlich weitergelesen, aber leider ist der Spannungsbogen doch sehr abgeflaut im letzten Drittel. Zwar hatte ich das Gefühl, mich mit Pierre verbündet zu haben, dennoch konnten die letzten Seiten die ersten nicht wett machen. Die Autorin hat ihr gesamtes Exzentrik-Pulver bereits zu Beginn des Buchs verschossen und wie eine lange Schnur, an der alles baumelt und sich verknotet, durchs Buch gezogen. Dass das Chaos gibt, kann man sich denken.

Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de/rezension/sophie-bassignac-familiaere-verhaeltnisse

Veröffentlicht am 28.04.2018

Ein hochaktuelles Thema, dennoch leider nicht so stark wie die „Bienen“.

Die Geschichte des Wassers
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Nachdem letztes Jahr Maja Lundes „Die Geschichte der Bienen“ in aller Munde war und auch ich mich nicht dem Hype entziehen konnte, war klar, dass ich natürlich auch die kommenden Bücher von ihr lesen muss. ...

Nachdem letztes Jahr Maja Lundes „Die Geschichte der Bienen“ in aller Munde war und auch ich mich nicht dem Hype entziehen konnte, war klar, dass ich natürlich auch die kommenden Bücher von ihr lesen muss. Geplant ist wohl ein Quartett, dessen Bücher sich allesamt mit Themen rund um den Klimawandel und die Umweltverschmutzung befassen sollen. Nun ist „Die Geschichte des Wassers“ erschienen, das sich, wie der Titel bereits vermuten lässt, mit dem großen Thema Wasser verschwendet. Währen Lunde bei den „Bienen“ die Geschichten dreier Personen versponnen hat, findet der Leser in ihrem neuen Werk nur zwei Protagonisten und Zeitebenen vor. Zum einen haben wir Signe Hauger, die Journalistin und Autorin, deren Vater Umweltaktivist ist und immer im krassen Gegensatz zu ihrer Mutter, die eine Karriere als Politikerin bestreitet, handelte. Mit ihren fast 70 Jahren macht sie sich mit ihrem Boot, der Blau, auf in ihre Heimat, um das dort für das neue Trend-Wasser abgebaute Gletschereis zu retten. Der Gletscher gehörte zu ihrer Kindheit, dass er nun abgebaut wird, obwohl der Gletscher sowieso bereits schmilzt, bricht ihr das Herz. Bereits in ihrer Kindheit wurden die Schwesternfälle ihrer Heimat in Rohre umgeleitet, um mit der gewonnenen Energie ein Kraftwerk zu befeuern. Was damals von Politikern wie ihrer Mutter entschlossen wurde, wird nun von ihrem Kindheitsfreund und erster Liebe Magnus betrieben, der sich nicht gegen den Abbau des Gletschers eingesetzt hat, als er konnte. Nun will Signe ihm das Eis, das bereits gesammelt wurde, bis vor die Haustür bringen, um ihm klarzumachen, dass er nicht nur den wertvollen Gletscher, sondern auch ihre gemeinsame Vergangenheit abbaut.

Parallel zu Signes Geschichte lesen wir von David, der mit seiner Tochter Lou auf der Flucht ist. Mit nur dem Allernötigsten im Gepäck fliehen sie vor dem Feuer, das ihr Zuhause heimgesucht hat, in eines der vielen Flüchtlingslager. Dort hoffen sie, Davids Frau Anna und den gemeinsamen Sohn August wiederzufinden; die Vier wurden bei der Flucht getrennt. Der Alltag im Lager ist dröge, das Essen karg und die Wasserrationen bemessen. Denn David lebt im Jahr 2041, Jahre nachdem der Gletscher abgebaut wurde und eine schwerwiegende Dürre die Erde heimgesucht hat. Waldbrände sind an der Tagesordnung und das Wasser ist mittlerweile rar gesät. Das, was da ist, muss streng rationiert werden. David und Lou vertreiben sich die Zeit, in der sie auf Anna und August warten, mit Spielen und Spaziergängen. Eines Tages finden sie bei einem Spaziergang ein Boot, mit dem sie ab sofort tägliche See-Abenteuer bestreiten — natürlich nur imaginäre, da es ja kein Wasser gibt. Doch David hat plötzlich eine Idee, mit dem er das Leben von sich und Lou besser machen kann und möglicherweise auch das vieler anderer Menschen.

»Du sagst, es sei unser Instinkt, für unsere Nachkommen zu sorgen […]. Aber eigentlich sorgen wir nur für uns selbst. Uns selbst und unsere Kinder. Höchstens noch für unsere Enkel. Diejenigen, die danach kommen, vergessen wir.«

Maja Lunde gelingt es mit ihren Romanen, wichtige Themen, die ein jeder Mensch eigentlich auch als wichtig erachten sollte, an die Masse zu bringen. Dadurch, dass sie um die Figuren spannende Schicksale spinnt und auch verschiedene zeitliche Ebenen einbaut, wird man als Leser schnell von der Geschichte eingenommen und fliegt nahezu durch die Seiten. Jedoch muss ich gestehen, dass ich Signes und Davids Schicksal als weniger spannend wie die „Bienen“ empfunden habe. Bei den Bienen konnte ich mit jedem Charakter mitfühlen, habe um den Verlust der Bienenstöcke getrauert und mich sehr über das optimistisch anmutende Finale gefreut. Doch diesmal erschienen mir die Protagonisten platt, nicht mit Liebe zum Detail erschaffen, und die Geschichte konnte mich auch nicht so richtig packen. Maja Lunde macht sehr viel mit ihrem Schreib- und Erzählstil wett, sodass man auch ohne ausgefleischte Charaktere und verfolgenswerte Story irgendwie an dem Buch hängen bleibt.

Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: https://killmonotony.de/rezension/maja-lunde-die-geschichte-des-wassers

Veröffentlicht am 04.01.2018

Atwood baut hier eine gruselige Dystopie auf, die leider nicht glaubwürdig erscheint – der vielgelobte Klassiker kann nicht überzeugen.

Der Report der Magd
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Mit dem „Report der Magd“ erschien in den Achtzigerjahren Margaret Atwoods gruselige und dystopische Vorausschau, die mittlerweile zum Klassiker avanciert ist, mehrere Male verfilmt wurde und jetzt auch ...

Mit dem „Report der Magd“ erschien in den Achtzigerjahren Margaret Atwoods gruselige und dystopische Vorausschau, die mittlerweile zum Klassiker avanciert ist, mehrere Male verfilmt wurde und jetzt auch in Serie läuft. Das Buch hatte ich bisher nie gelesen, wurde aber durch die ersten Folgen der Serie doch ermutigt, es zu tun. Durch eine namenlose Protagonistin erfahren wir, wie sich ein Regime aufbaut, das den Frauen zwar keine „Freiheit zu“ mehr gewährt, sondern vielmehr eine „Freiheit von„. Die Gesellschaft der religiösen Sekte besteht aus mehreren aufeinander aufbauenden Schichten: den Unfrauen, den Ökonofrauen, den Mägden, den Tanten und schlussendlich aus den Kommandanten und ihren Frauen. Unsere Protagonistin, mit dem Namen Desfred (nach „ihrem“ Kommandanten), ist eine Magd. Ihre Aufgabe ist es, für den Kommandanten und seine Frau Nachwuchs zu zeugen – also mit dem Kommandanten – nachdem durch Umweltverschmutzung und Atomabfälle Unfruchtbarkeit weltweit sehr verbreitet ist. Über die Vergangenheit der Protagonistin erfährt der Leser auch einiges: Sie wurde ihrer Familie – bestehend aus ihrer Tochter und ihrem Partner – während einem Fluchtversuch über die Grenze entrissen, und in das „Rote Zentrum“ gebracht. Ihre Freundin Moira, die ebenfalls ins Zentrum gebracht wurde, hat sie aus den Augen verloren, seit diese es geschafft hat, zu fliehen. Lebt sie noch? Könnte auch ihr eine Flucht gelingen? Und leben ihre Tochter und Luke noch? Der Wunsch nach einem Wiedersehen mit ihrer Tochter und ihrem Geliebten bringt sie dazu, durchzuhalten und das für sie zum Alltag gewordene sehr eingeschränkte Leben zu überstehen. Doch wird ihr Durchhaltevermögen am Ende belohnt werden? Gelingt ihr der Ausbruch oder beugt sie sich dem System restlos?

Ich denke an die Waschsalons. An das, was ich anhatte, wenn ich in einen Waschsalon ging: Shorts, Jeans, Jogginghosen. An das, was ich in die Maschinen steckte: meine eigenen Kleider, mein eigenes Waschmittel, mein eigenes Geld, Geld, das ich selbst verdient hatte. Ich stelle mir vor, wie es ist, so viel selbst bestimmen zu können.

Atwood schafft hier eine Welt, in der Frauen nur noch sehr wenige Rechte haben; sie dürfen sich nicht miteinander unterhalten, dürfen nicht arbeiten gehen und auch kein Eigentum besitzen — wozu auch der eigene Körper zählt. Dieser ist je nach Rang der Frau ausschließlich da, um Nachwuchs für den jeweiligen Kommandanten zu zeugen. In Atwoods Dystopie werden Frauen auf ihre Zeugungsfähigkeit reduziert, eine sehr furchterregende Idee, nachdem Frauen jahrhundertelang für ihre Rechte gekämpft haben. Doch innerhalb von kürzester Zeit gelingt es einer Gruppe von religiösen Fanatikern, die Regierung und sogar die Verfassung außer Kraft zu setzen; die Zeitspanne ist sogar so kurz, dass unsere Protagonistin sich noch lebhaft daran erinnert, was sie „vorher“ für Rechte hatte und was Freiheit wirklich bedeutete.

Die vollständige Rezension findet ihr auf dem Blog: https://killmonotony.de