Rosie, oh Rosie
Der Rosie-Effektich hoffe, Dein Papa sagt ja! sang Thomas Fritsch in den 1960ern in der Schweiz und ich - noch im tiefsten Kindergartenalter - tanzte hingebungsvoll um den Wohnzimmertisch.
Jetzt reagiere ich ähnlich ...
ich hoffe, Dein Papa sagt ja! sang Thomas Fritsch in den 1960ern in der Schweiz und ich - noch im tiefsten Kindergartenalter - tanzte hingebungsvoll um den Wohnzimmertisch.
Jetzt reagiere ich ähnlich hingebungsvoll auf meine aktuelle Lektüre: Wir befinden uns im New York der Gegenwart und die Rosie, die Don Tillman begehrt hat, hat schon längst "Ja" gesagt - sie leben immerhin in einer Zeit - nämlich der heutigen, in der die Dame das selbst tut (Siehe "Das Rosie-Projekt").
Nein, wir sind eine ganze Stufe weiter: Don ist mit seiner Rosie über den großen Teich gezogen - von Melbourne nach New York - sie promoviert, er arbeitet an der Uni. Alles könnte so friedlich sein, da kündigt sich schon das nächste gemeinsame Projekt an, das in neun Monaten abgeschlossen sein wird - mit oder ohne weiteres Dazutun von Don. Doch Don wäre nicht Don, würde er sich der Materie des Vaterwerdens nicht auf seine ganz besondere, ungemein gründliche Art nähern und seine Umwelt - und insbesondere natürlich Rosie - immer wieder in Bedrängnis, aber auch in Schwung bringen. Seine noch so junge Ehe gerät in Gefahr - ist sie noch zu kitten?
Der originellste Unterhaltungsroman, den ich seit langem gelesen habe, hat eine Fortsetzung: und diese steht Teil 1 in nichts nach! Der Autor Graeme Simsion versteht es derart wortgewandt, warmherzig und humorvoll aus der Sicht seines Helden, des autistischen Wissenschaftlers Don Tillman zu erzählen, das man nicht genug davon bekommen kann. So viele originelle Ideen und liebenswerte Charaktere hat man selten in einem einzigen Buch versammelt. Auch ein Don Tillman hat nämlich Freunde - und was für welche! Da gibt es den Weiberhelden Gene, seinen Kollegen und Rosies Doktorvater, das New Yorker Pärchen Dean und Sonia ... und einen neuen Freund: Dons Vermieter George, seines Zeichens Schlagzeuger bei den "Dead Kings" und das seit über 40 Jahren - er bringt auf seine very britishe Art frischen Wind in die Handlung.
Wer was ganz Neues lesen, wer lachen, weinen, fassungslos den Kopf schütteln und das Buch erst aus der Hand legen will, wenn wirklich die allerletzte Zeile gelesen wurde - der sollte dieses wunderbare Buch lesen. Ein Gute-Laune-Buch der besonderen Art zum Verschenken, aber vor allem zum Selberlesen!