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Veröffentlicht am 08.06.2018

Humorvolle Zeitreise in die 80er an die Adria!

In der ersten Reihe sieht man Meer
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Alexander Klein will gemeinsam mit Frau Mona, seinen Kindern und den Großeltern einen Familienurlaub an der Adria verbringen. Einen Abend vor der geplanten Reise sieht er sich alte Urlaubsfotos von 1985 ...

Alexander Klein will gemeinsam mit Frau Mona, seinen Kindern und den Großeltern einen Familienurlaub an der Adria verbringen. Einen Abend vor der geplanten Reise sieht er sich alte Urlaubsfotos von 1985 von der Adria an, trinkt dazu das ein oder andere Glas Wein und erinnert sich an seine Erlebnisse. Er schläft ein und versinkt in der Welt der 80er. Leider weckt ihn am Morgen nicht wie gewöhnlich seine Frau, sondern seine Mutter und er ist in seine Zeit als pickeliges 15 Jahre altes Pummel-Ich zurückgekehrt. So geht es ab nach Italien! Oh Mamma Mia!

Auf diesen Roman war ich sehr gespannt, schließlich bin ich bekennender Klufti-Fan und weiß was die Autoren so drauf haben.

Rein optisch kommt das Buch wie ein Fotoalbum gestaltet daher, deutet damit ganz prima die Urlaubsidee an und zeigt im weiteren Verlauf des Buches private Fotos in Schwarz-Weiß aus den echten Urlauben der Autoren. Das verbreitet ein stimmungsvolles Bild, dass ausserdem die Kapitel mit passenden Songtitel aufgepeppt werden. Man wird sofort in eine eigene Zeitreise gebracht, gesetzt den Fall, man hat die 80er Jahre auch schon als Teenie verbracht wie die Autoren. Bei mir haben die Hits ("Azzurro", "Vamos a la Playa", "Sunshine Reggae", "Spaghetti Carbonara", um nur einige meiner Lieblingstitel zu nennen) sofort gezündet und alte Erinnerungen an meine Jugend geweckt.

Doch nun zur eigentlichen Handlung: die Urlaubsreise der Familie Klein im Jahre 1985 an die Adria!
Hier wird mit Klischees nicht gespart. Schon beim Packen geht es los, neben Koffern voller Kleidung wird auch noch das gesamte Putzsortiment für das Ferienhaus eingeladen, Eingekochtes, ein Kohlkopf, deutsche Nahrungsmittel und Tiroler Nussöl mit LSF Nr. 6 ist ebenfalls mit dabei. Nebenbei wird mit dem Nachbarn darüber gewetteifert, wer denn den besseren Urlaub verbringt und endlich geht es vollgeproppt bis unters Dach im Ford Sierra Richtung Italien.

Es ist richtig schön, wie Alex, der reife Mann mit Marketing-Wissen, wieder gefangen ist im Körper eines pubertären Jünglings. Gerade sein Wissen vom Jetzt mit Handy, Euro und aktueller Politik macht ihm "damals" zu schaffen. Wie er mit seiner krebsroten, weil sonnenverbrannten Schwester im geschwisterlichen Clinch liegt ist auch schon allein witzig. Aber auch seine Oma ist ein gelungener Charakter: sie traut der italienischen Küche und den Italiener im Allgemeinen nicht und zeigt sich dann als spielsüchtige eiskalte Zockerin, die auch vor ihren eigenen Enkeln nicht Halt macht und sich Schuldscheine unterschreiben lässt.

Wie die Italiener hier dargestellt werden, lässt auch einige Lacher hören. Wie sie radebrechend reden, ist schon Klischee und Wahrheit in sich. Ihre "Gastefreundeschafte" ist jedenfalls sehr schön und wer Italiener kennt, weiß das.

Das Buch hat mich super unterhalten, ich habe viel gelacht und mich an meine eigene Jugend erinnert. Warum ich einen Stern von 5 abziehe? Die Autoren sind Meister des Krimi-Genres und haben leider verpasst, Erklärungen zu fehlenden Erinnerungen Alex abzugeben. Auch wenn das hier pure Unterhaltung ist, der Ruf eilt ihnen nun mal voraus!

Eine tolle Erinnerung an die Zeit in den 80er Jahren, mit Sommerhits und humorvollen Erlebnissen aus Italien gespickt. Dieser Roman macht Lust auf Urlaub anno 1985!

Veröffentlicht am 08.06.2018

Bunte Krimimischung mit bayrischem Charme

Hugo & Leberkäs
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Eine Anthologie mit fünf Kriminalgeschichten – alle spielen in der bayerischen Provinz!
Was hier in ländlicher Idylle so alles passieren kann, wird hier mit einem Augenzwinkern beschrieben. Denn es gibt ...

Eine Anthologie mit fünf Kriminalgeschichten – alle spielen in der bayerischen Provinz!
Was hier in ländlicher Idylle so alles passieren kann, wird hier mit einem Augenzwinkern beschrieben. Denn es gibt menschliche Abgründe zu entdecken, brutale Übergriffe von krimineller Energie zu bestaunen und harmlose Frauen entwickeln sich zu bösen Charakteren.


Im ersten Titel "Hugo und Leberkäs" beschreibt Veronika Lackerbauer einen Kurzkrimi, bei dem ein Mordfall die ländliche Polizei in Aufregung versetzt. Die Ermittlungen bringen Licht ins Dunkel und decken schwierige Familienverhältnisse auf, die man so nicht erwartet hat. Es bestätigt sich die Regel, dass die engsten Familienmitglieder doch häufig Tatverdächtige sind.
Hier wird mal der Spieß umgedreht und der Leser kennt den Täter sehr früh, Hauptaugenmerk legt die Autorin dabei auf die Beschreibung der Gründe des Täters für die Morde.


Beim Titel "Kriminalistischer Nachmittag" steht ein neugierige Frau im Mittelpunkt, die sich in eine Sache einmischt, bei der sie Glück hat, nicht selbst ein Opfer von Gewalt zu werden. Diese Geschichte ist allerdings schon recht überspitzt zu sehen.


"Sturm im Wasserglas" hat einen aktuellen Bezug zum Zeitgeschehen. Hier wird die Tat an einem Asylsuchenden in den Krimi eingebaut. Schnell werden klischeemäßig die Mitbewohner, aber auch die befeindete Rockerbande verdächtigt und zum Täterkreis gezählt. Doch der Fall liegt ganz und gar anders. Man sollte sich also mit Vorurteilen zurückhalten und stets objektiv urteilen. Zeigt sich auch in diesem Fall sehr deutlich und mit bayrischem Sprachbild bestens beschrieben.


Bei "Tödliche Begierde" geht es um die junge Paula, die Besuch von der angeblichen Ehefrau ihres vermeintlichen Mannes bekommt. Was als Standpauke beginnt, steigert sich in eine hintertriebende Tat mit mörderischem Ende und endet wirklich überraschend.
Dieser perfide Krimi ist sehr spannend gemacht und für mich die beste Geschichte der Anthologie.
Besonders angesichts der Tatsache, dass sich Paula ganz und gar in einer harmonischen Beziehung glaubte, kann einem Angst und Bange werden.


"Rendezvous mit Mord" ist eine überzeugende Story über eine Frau, die Groschenromane schreibt, davon aber nicht leben kann. Ihr Geld verdient sie daher als Auftragskillerin. Was hier abgeht, kommt einer Slapstick-Komödie sehr nah.
Beim Aufeinandertreffen von Ganoven, Geburtstagsgästen und einer vermeintlich harmlosen Tochter kommt es zu Verstrickungen, die sich immer mehr ineinander verflechten. Humor ist hier garantiert. Dieses Stück kann ich mir gut auf einer Theaterbühne vorstellen. Denn so bildhaft beschrieben sieht man den üblen Mafioso, den schwergewichtigen Russen mit Glatze und die resolute Mutter während des Lesens vor Augen.
Eine tolle Geschichte, der diese Prise Klamauk gut steht.


Dieser Kurzgeschichtenband enthält eine bunte Mischung von Kurzkrimis, die je nach Inhalt erheitern, erschrecken oder auch in menschliche Abgründe schauen lassen.

Veröffentlicht am 08.06.2018

Fesselnder Ostseekrimi, der mit Kälte und Dunkelheit spielt und Geheimnisse aus der DDR Zeit aufdeckt!

Stumme Wasser
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Der Kunsthistoriker Richard Gruben fährt auf die Bitte seines alten Kunst-Freundes Friedrich Semmering hin nach Fahrenende an die Ostsee in Mecklenburg-Vorpomemrn. Es geht um ein Gemälde, bei der der Sachverstand ...

Der Kunsthistoriker Richard Gruben fährt auf die Bitte seines alten Kunst-Freundes Friedrich Semmering hin nach Fahrenende an die Ostsee in Mecklenburg-Vorpomemrn. Es geht um ein Gemälde, bei der der Sachverstand des Professors gefragt ist. Als Gruben in dem verschlafenen Ostseedorf ankommt, findet er seinen Freund tot vor. Die Enkelin Johanna beginnt mit Gruber zu ermitteln und dabei kommen sie einem Familiengeheimnis auf die Spur...


Dieses Buch beginnt schon vom dramatischen Prolog an mit einer bildhaften Stimmungsbeschreibung der nebelig kalten Ostsee, der man sich als Leser im Verlauf des Buches nicht entziehen kann. Das sorgt für ein authentisches Bild mit dauerhaftem Frösteln und verleiht dem Krimi so einen Gruseleffekt. Auch weil die Situation des Prologs einen offenen Ausgang zeigt, gewinnt die Spannung sofort die Oberhand.

Eine Beziehungspause mit seiner Freundin über die Weihnachtstage nutzt Richard Gruben für seinen Besuch in Fahrenende. Dort erwartet er frohes ein Wiedersehen mit einem alten Freund. Stattdessen findet er einen Toten vor und steht einer verschlossenen Dorfgemeinschaft gegenüber, die ihm als Fremden nicht gerade wohlgesonnen ist. Doch was steckt hinter dem rätselhaften Tod des Malers? Die Antwort greift weit in die Vergangenheit hinein und zeigt Republikflucht, Gemäldefälschung und ein düsteres Familiengeheimnis, das die Dorfbewohner verschweigen.


Ein harmonischer, einfach zu lesender Schreibstil führt durch das Buch und besonders die Landschaftsbeschreibungen sind Anja Behn gut gelungen.
Die Handlung ist logisch aufgebaut und wird stetig komplexer, da sich die Informationen über die Personen und Zusammenhänge immer mehr verdichten. Es gibt einige Tatmotive, die man aber nicht unbedingt einem Täter zuordnen kann und so bleibt das Rätsel um den Mord und das Familiengeheimnis bis zum Schluss fraglich. Die Spannungskurve steigt am Ende noch einmal enorm an und gibt die Auflösung der Konflikte und Tatverbindungen frei. Dabei hat mich die Person des Richard Gruben noch einmal überrascht, allerdings nicht im positiven Sinn.

Bei den Charakteren blieben mir einige trotz detaillierter Beschreibung merkwürdig fremd und undurchsichtig. Während Tante Waltraut und der Polizist sofort sympathisch erschienen. Die verschlossene Art einiger Figuren hat mich vielleicht auch gleich auf Abwehrhaltung gebracht. Der Familienklüngel brachte interessante Einblicke und zeigte aber leider auch die Probleme, die sich durch die Situation der Vergangenheit in der DDR entwickelten.


Dieser Krimi zeigt eine spannende Handlung, weckt Interesse für die beschriebene Familie und zeigt eine atemberaubend schöne winterliche Ostsee. Ein empfehlenswerter Regionalkrimi, dessen Autorin sicher noch von sich hören lässt.

Veröffentlicht am 08.06.2018

Trotz leiser Töne eine spannende japanische Geschichte, die Zwischenmenschlichkeit hervorhebt!

Kirschblüten und rote Bohnen
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In diesem Buch wird von einer ganz ungewöhnlichen Freundschaft erzählt.
Sentaro ist ein junger japanischer Mann, dessen großer Traum, Schriftsteller zu werden sich leider nicht erfüllt hat. Er landete ...

In diesem Buch wird von einer ganz ungewöhnlichen Freundschaft erzählt.
Sentaro ist ein junger japanischer Mann, dessen großer Traum, Schriftsteller zu werden sich leider nicht erfüllt hat. Er landete im Gefängnis und arbeitet seine Schulden in einem Imbiss ab. Dort backt er Dorayakis, kleine mit An (Bohnenmus) gefüllte Pfannkuchen. Das Geschäft läuft mehr schlecht als recht. Doch eines Tages bietet ihm die alte Tokue ihre Hilfe an. Sie kocht das allerfeinste An und zeigt Senturo die Besonderheiten bei der Herstellung.
Sie hat aufgrund einer Krankheit in ihrer Jugend deformierte Finger und auch ihr Alter spricht gegen eine Beschäftigung.
Als der Laden durch das ausgezeichnete An gut läuft, kommt auch die Schülerin Wakana, die aus schwierigen familiären Verhältnissen stammt, mit den Beiden vom Imbiss an.
Es beginnt eine außergewöhnliche Freundschaft über alle Altersklassen hinweg.


"Im Leben eines Menschen gibt es nie nur eine Farbe. Die Schattierungen können sich jederzeit ändern. Eigentlich ist das ganze Leben ein andauerndes Farbenspiel. Ich weiß das, weil ich bereits am Ende dieses Spiels angelangt bin." Seite 171

Dieses Büchlein ist ganz wunderbar und berührend geschrieben. Wie hier Menschen in Freundschaft zueinander finden, ist ganz bezaubernd erzählt.

Die Handlung ist eigentlich recht einfach. Sentaro bekommt Hilfe von einer alten, von ihrer überstandenen Lepraerkrankung gezeichneten Frau und hält zu ihr. Es entsteht eine altersübergreifende Freundschaft, die auch vor Ausgegrenzten nicht halt macht. Aber die Art der Erzählung und der tiefere Sinn zwischen den Zeilen machen diesen Roman so interessant und berührend.
Es sind die leisen Töne und lang nachwirkenden Sätze, die auch die typisch japanische Art der Menschen zeigen. Es ist die Achtung vor dem Alter, die besondere Höflichkeit und der Respekt, der sich auch daran zeigt, dass man sein Gegenüber nicht ausfragt. Es gibt aber auch Vorurteile gegen Krankheiten, denen die Menschen mit Angst begegnen. Die Hansen Krankheit, wie Lepra heutzutage genannt wird, ist inzwischen medizinisch behandelbar. Im Roman ist in ergreifender Weise dargestellt, wie Erkrankte in Sanatorien weggeschlossen wurden und wie damit der Kontakt zu ihren Familien abgebrochen ist. Welches Herzeleid den Kranken damit zusätzlich zugemutet wurde, ist nur annährerd zu erahnen.

Der Schreibstil ist leicht und von einer melancholischen Ruhe. Das Besondere sind die berührenden Phrasen in Form von Meinungen und Gedanken der Figuren. Sie sind die entscheidenden Sinnträger des Romanes. Sie wecken Gefühle und Stimmungen, denen man sich kaum entziehen kann.

Es ist ein lesenswertes, ergreifendes Buch, dass besondere tragische Schicksale aufzeigt. Es verdeutlicht, wie man sich an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen und daran neue Hoffnungen aufbauen kann. So kann eine Leere im Leben gefüllt werden und gerade der Natur mit ihren wunderschönen Kirschblüten kommt hier eine Sonderrolle zu.

Meine Botschaft aus diesem Roman zeigt sich in diesem Zitat:

"Ganz gleich, wovon wir träumen, irgendwann finden wir das Erträumte." S. 171

Ein Buch, das mit leisen Tönen agiert und noch lange nachhallt. Wo ein Mensch Vertrauen schenkt, gibt es auch Hoffnung.

Veröffentlicht am 08.06.2018

Ein spannender Krimi aus Thüringen zeigt wozu Menschen durch Rachegefühle fähig sind!

Der Tod vergisst nie
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Ein brutaler Dreifachmord in einem Architekturbüro in der Erfurter City erschüttert selbst die Ermittler. Hier hat jemand gezielt geschossen und auch scheinbar Erfahrung darin.
Der tote Mitinhaber Dr. ...

Ein brutaler Dreifachmord in einem Architekturbüro in der Erfurter City erschüttert selbst die Ermittler. Hier hat jemand gezielt geschossen und auch scheinbar Erfahrung darin.
Der tote Mitinhaber Dr. Bock hat sich nicht nur durch unsaubere Geschäfte Feinde gemacht, seine Frauengeschichten könnten ihm auch den Tod gebracht haben. Welche Hintergründe hat die Tat wirklich?

Hier liegt das gelungene Erstlingswerk eines Zahnarztes vor und die fesselnde Lektüre habe ich recht schnell gelesen.
Man mag mutmassen, ob der Autor von der Polizei durch eine Zahnbildüberprüfung eines Unbekannten zu Rate gezogen wurde und so auf die Idee des Schreibens kam. Auf jeden Fall hat er interessant aufgezogene Ermittlungen beschrieben und die Handlung logisch aufgebaut.

Dieser Krimi zeigt einerseits die typische Form eines "Whodonit" und hält für den Leser und Mitrater mehrere Verdächtige zur Verfügung, andererseits wird auch sehr ausführlich die Ermittlungsarbeit geschildert. Der Leser ist bei allen Ermittlungen hautnah dabei. Wie trotz intensiver Bemühungen erst ein neuer Mord aus derselben Tatwaffe Licht ins Dunkel bringt, zeigt wie zermürbend und schwierig Polizeiarbeit sein kann. Die Spannung bleibt konstant erhalten und ein spannender Showdown setzt dem Täter schliesslich ein Ende.

Auch wenn man als geübter Krimileser schon einen Verdacht hat, gibt es raffinierte Wendungen und neue Erkenntnisse, die verwirren und den Leser auf falsche Fährten locken sollen.

Zwischendurch erhält man durch innere Monologe tiefe Einblicke in die Gedankengänge des Täters. Dieses literarische Mittel lässt den Leser erschauern und direkt Anteil nehmen an den kranken Gedanken.

Was mir am meisten gefallen hat, ist die inhaltliche Einbindung von Pädophilie, Immobilienbetrug und Korruption, die wie im wahren Leben bis in höchste politische Kreise hineinreichen. Hier werden Themen angesprochen, die man der täglichen Presse entnehmen kann und unsere Gesellschaft beschäftigt. Solche aktuellen Bezüge gehören in echte Krimis.

An den Charakterzeichnungen sollte der Autor meiner Meinung nach noch ein wenig feilen. Hier gibt es zwar steckbriefähnliche Angaben über Alter, Haarfarbe, Kleidung und Äußerlichkeiten, gerade bei den Frauen, die wahren Charakterzüge bleiben aber weitgehend verborgen.
Eine Ausnahme bilden die beiden Ermittler, dieses Gespann ist sich trotz einiger Zankereien und Wortgefechte sympathisch und kommt gut miteinander aus. Wobei dem Kommissar Zeller hier die Rolle des nicht gerade professionell arbeitenden Kollegen zukommt. Man bemerkt seine Fehler, sieht seine Inkompetenz und das, obwohl ihm ein genialer Ruf nachgesagt wird. Er ist dennoch die interessanteste Person im Buch. Niemand hängt wie er jedem Rochzipfel nach, säuft was er kann und hat dennoch ein gutes Bauchgefühl. Diese Antihelden sind nun mal die Charaktere, von denen Bücher leben.

Der Erzählstil hat mich flott durch das Geschriebene geführt, es gibt einige amüsante Dialoge und Redewendungen, die für Auflockerung sorgen. Allerdings sind sie nicht neu und dadurch wirken sie wie reine Kalauer.

Dieser kriminelle Ausflug ins Thüringische stellt einen neuen Autoren vor, der durchaus schreiben kann, weiß was Krimifans interessiert und von dem man sicher noch einiges hören wird. Es sei denn, die Arbeit als Zahnarzt macht ihm mehr Spaß!