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Veröffentlicht am 15.09.2016

Spannende Unterhaltung

Die rubinrote Kammer
1

Eigentlich könnte Victoria Bredon ein luxuriöses Leben bei ihren adeligen Verwandten führen. Sie wohnt aber lieber in ihrer kleinen Londoner Wohnung zusammen mit dem treuen Hopkins, der schon als Butler ...

Eigentlich könnte Victoria Bredon ein luxuriöses Leben bei ihren adeligen Verwandten führen. Sie wohnt aber lieber in ihrer kleinen Londoner Wohnung zusammen mit dem treuen Hopkins, der schon als Butler und wirtschaftlicher Assistent bei ihrem Vater gearbeitet hat. Und genauso wie ihr Vater schätzt Victoria sehr ihre Unabhängigkeit und will ihr Lebensunterhalt selbst verdienen. Sie arbeitet als Fotografin für eine bekannte Londoner Zeitung und schreibt an einem Reiseführer.

Vor einem Jahr ist Victorias Vater gestorben. Die Erinnerungen an ihm sind ihr heilig. Nach dem Tod ihrer Mutter hat er sie allein großgezogen, sie liebte ihn über alles und vertraute ihm. Eines Tages erfährt sie aber, dass er sie in einer wichtigen Familienangelegenheit belogen haben sollte. Die Person, die ihr behilflich sein könnte die Wahrheit herauszufinden, wird kurze Zeit später ermordet gefunden.

Immer noch auf der Suche nach der Wahrheit beginnt Victoria Ermittlungen auf eigene Faust. Der Butler Hopkins hilft ihr dabei.

Der Roman spielt im London im Jahre 1907. Die Protagonistin Victoria ist eine junge bemerkenswerte Frau, die sofort meine Sympathie gewinnt. Nicht nur, dass sie ihr Leben eigenständig führen will und keine Almosen von ihrer adeligen Familie annehmen möchte. Sie unterstützt Londoner Suffragetten und nimmt aktiv an dem Kampf für das Frauenwahlrecht teil.

Manche von Victorias Unternehmungen und viele ihrer Ansichten sind recht ungewöhnlich für eine junge Dame aus dieser Zeit. Aber gerade diese abenteuerliche Ideen und Handlungen, die nicht immer ungefährlich bleiben, lassen diese Geschichte prickeln, geben ihr mehr Würze.

Victorias und Hopkins abenteuerliche Ermittlungen sind sehr spannend. Auch der Konflikt mit der Familie ihres Vaters, der jeder Mittel recht ist sich in Victorias Leben einzumischen, hat mich nicht kalt gelassen. Ebenso wie das Liebesleben von Victoria, die zwar jung und unerfahren ist, dafür aber ziemlich gewagt.

Der Roman liefert auch viele historische Details. Nicht nur über die Suffragetten und den Kampf für Frauenrechte wurde mehrfach berichtet. Ich konnte erfahren, wie schwer das Leben in dieser Zeit noch war, wie anstrengend zum Beispiel die einfachen Arbeiten im Haushalt und in der Küche zu verrichten waren. Es war aber auch die Zeit der enormen Fortschritte in der Wirtschaft, Wissenschaft und Medizin, und dies erwähnt die Autorin auch. Die ergänzenden Informationen befinden sich im Nachwort.
"Die rubinrote Kammer" ist das erste Band von Pauline Peters aus der Victoria-Bredon-Reihe. Das Buch lässt den Leser im Krimifall miträtseln und bietet in jeder Hinsicht gute Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Erinnerungen an das Land der Kindheit

Halber Stein
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Der Debüt-Roman von Iris Wolff konnte mich nicht wirklich überzeugen. Die bildhafte Sprache, in der die unzählige Beschreibungen der Umgebung mit ihrer wunderschönen Flora gehalten wurden, macht jedoch ...

Der Debüt-Roman von Iris Wolff konnte mich nicht wirklich überzeugen. Die bildhafte Sprache, in der die unzählige Beschreibungen der Umgebung mit ihrer wunderschönen Flora gehalten wurden, macht jedoch die insgesamt langatmige Erzählung nicht wett.
Auch Sines Suche nach Identität im Land ihrer Kindheit wirkte wenig überzeugend auf mich. Der traurige Anlass für ihre Reise nach Rumänien war die Beerdigung ihrer Großmutter Agneta, die als letzte aus der Familie noch in Siebenbürgen wohnte. In dem verlassenen Haus ihrer Großmutter fühlt sich Sine auf Anhieb wohl; sie sucht dort nach Spuren der Vergangenheit, beschäftigt sich mit der Lebensgeschichte ihrer Großmutter, erkundet die Gegend und erinnert sich bruchstückhaft an die Erlebnisse aus ihrer Kindheit.

Aber Sine hat Siebenbürgen vor zwanzig Jahren als 8-jähriges Mädchen verlassen, hat in Deutschland die Schule besucht und sogar ihr Studium abgeschlossen. Ist sie in der neuen Heimat nicht wirklich angekommen? Keine Freunde gefunden? Als 28-jährige Frau bisher keiner Liebe begegnet? - – Diese und ähnliche Fragen machen für mich diese Geschichte in vielen Punkten wenig überzeugend.

Wie ich bereits am Anfang erwähnt habe, ist die Sprache des Romans schön; einfühlsam und oft poetisch, mit einigen Weisheiten versehen, die zum Nachdenken bewegen. Und die Beschreibungen der Natur: bildhaft, ausführlich, jedoch so detailliert, dass sie immer wieder einige Seiten des Buches überfüllen. Dadurch wurde die insgesamt interessante Geschichte langatmig und ermüdend.
Da der Roman über das immer noch brisante Thema der Migration, des Zurücklassens und Ankommens handelt, ist das Buch auf jeden Fall lesenswert.

3,5 Sterne auf 4 aufgerundet

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Veröffentlicht am 15.11.2025

Stimmungsvoller Roman

Flusslinien
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In dem Roman „Flusslinien“ spielen drei Personen gleichzeitig eine wichtige Rolle.
Die wichtigste Hauptperson ist wohl die heutzutage hundertzweijährige Margit Raven, die ihren Lebensabend in einer Seniorenresidenz ...

In dem Roman „Flusslinien“ spielen drei Personen gleichzeitig eine wichtige Rolle.
Die wichtigste Hauptperson ist wohl die heutzutage hundertzweijährige Margit Raven, die ihren Lebensabend in einer Seniorenresidenz an der Elbe verbringt. Margrit schwelgt in Erinnerungen an die vielen Jahre ihres erfüllten Lebens, an ihre Kindheit und an ihre Liebhaber. Ihre Gedanken an die vergangene Zeit wurden von den täglichen Fahrten in den Römischen Garten beflügelt. Margrit kann sich gut an die Gärtnerin Else, die intime Freundin ihrer Mutter, erinnern, die damals den Garten neugestaltet hat.

Margrit sorgt sich auch um ihre achtzehnjährige Enkelin Luzie, die kurz vor dem Abitur ihre Schule abgebrochen und das Zuhause verlassen hat. Jetzt will das Mädchen als Tätowiererin ihren Lebensunterhalt verdienen. Ihre erste Praxis richtet sie in der Seniorenresidenz ein.

Die dritte Hauptperson des Romans ist Arthur, der früher als Taucher in der Schweiz jobbte. In Hamburg fährt er die Senioren zu ihren Terminen, er fährt auch Margrit jeden Tag in den Römischen Garten.

Während ich als Leserin Margrits Gedanken von Anfang an folgen und die Geschichte ihres Lebens erfahren kann, bleiben Luzie und Arthur mit ihren bisherigen Lebenserfahrungen für mich zuerst ein Rätsel.

Langsam plätschert die ganze Geschichte wie ein Fluss vor sich hin, hier und da von einer kurzen, unerwarteten Episode unterbrochen. Erst fast zum Schluss verrät die Autorin die Geheimnisse von Luzie und Arthur, erzählt über die dramatischen Ereignisse, welche das Handeln von Luzie und das Leben von Arthur geprägt haben.

Viele wichtige, brisante Themen wurden in dem Roman zwischendurch erwähnt. Dazu gehören u.a. das fortgeschrittene Alter, Demenz, Traumata, Gewalt, Klimakrise, Nazizeit, Krieg in der Ukraine, künstliche Sprachen, Freundschaften und vieles mehr, die leider nur angesprochen und nicht weiter ausgeführt wurden. Der Roman wirkt dadurch etwas überladen, die übrigen Figuren bleiben blass.

Der Roman punktet dagegen mit seiner feinfühligen Sprache. Bildhafte Beschreibungen der Natur, flüssiger Erzählstil mit etwas Humor und Witz, lassen diesen stimmungsvollen Roman auf eine ruhige Art und Weise genießen.

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Veröffentlicht am 04.01.2025

Enttäuschte Erwartungen

Die blaue Stunde
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Der Fund des menschlichen Knochens in einer Skulptur der berühmten Künstlerin Vanessa Chapman, der den spannenden Anfang des Romans „Die blaue Stunde“ bildet, wurde im weiteren Verlauf der Geschichte zur ...

Der Fund des menschlichen Knochens in einer Skulptur der berühmten Künstlerin Vanessa Chapman, der den spannenden Anfang des Romans „Die blaue Stunde“ bildet, wurde im weiteren Verlauf der Geschichte zur Nebensache. Es fühlt sich fast so an, als wäre dieses skandalöse Ereignis mit den Meereswellen, die um die einsame Gezeiteninsel Eris Island toben, weggespült, im Meer versunken.

Die verstorbene Künstlerin besaß auf Eris Island ein kleines Haus, dort – inspiriert von der wilden Natur – hat sie ihre Kunstwerke erschaffen. James Becker, der Kurator und der Kunstkenner bei der Fairburn Stiftung, reist dorthin um das Rätsel des mysteriösen Fundes zu lösen. Am Ort trifft er Grace, Chapmans Nachlassverwalterin, ihre Lebensgefährtin, Freundin und ihre enge Vertraute.
Es ist schwer zu beurteilen, welche Rolle Grace im Leben von Vanessa Chapman wirklich gespielt hat, denn die Frau scheint irgendwas zu verbergen, ihr Verhalten ist oft undurchsichtig, rätselhaft. Auch die übrigen Protagonisten, die nur eine minimalle Rolle im Verlauf der Geschichte spielen, irritieren mit ihrem unkonventionellen Benehmen.

Diesen Teil des Romans, etwa 2/3 des Buches, empfand ich als langatmig, von Spannung keine Spur. Herrlich dagegen fand ich die Beschreibungen der Gezeiteninsel mit ihrer wunderschönen Natur und dem wechselnden Spiel der Farben und Stimmungen.
„Die blaue Stunde“ mit den außergewöhnlichen, sehr interessanten Figuren und der stillvollen Sprachweise ist wahrhaftig ein literarisches Kunstwerk, das man genießen kann.

Als „literarisches Spannungs-Highlight“ beworben hat der Roman mit seiner langatmigen Erzählweise und dem zum Schluss offenen Ende, mich jedoch enttäuscht.

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Veröffentlicht am 12.07.2022

Umfangreiches Werk über die Entstehung des Buches in der Antike

Papyrus
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Ein golden blühender Papyrus ziert das Buchcover. Der Titel „Papyrus“ und sein Untertitel „Die Geschichte der Welt in Büchern“ lassen vermuten, worum es in diesem Buch geht.

Irene Vallejo, die Autorin ...

Ein golden blühender Papyrus ziert das Buchcover. Der Titel „Papyrus“ und sein Untertitel „Die Geschichte der Welt in Büchern“ lassen vermuten, worum es in diesem Buch geht.

Irene Vallejo, die Autorin des Buches, die während des Philologie-Studiums ihre Leidenschaft für die Antike entdeckte, teilt in dem Werk ihr Wissen über die Entstehung der Bücher in der Antike mit.

Gleich am Anfang versetzt die Autorin ihre Leserschaft in die Jahrhunderte v. Chr., nimmt sie nach Griechenland und Ägypten mit. Spannend erzählt sie über die Gründung von Alexandria und über das Menschenleben damals, über die Herrscher und Krieger der Zeit. Erstaunlich ist es, dass gerade diese kriegerischen Herrscher den Bau der Bibliothek von Alexandria ermöglicht und für die Beschaffung der Bücherwerke aus der ganzen Welt gesorgt haben.
Spannend ist die Geschichte über die Entstehung der Bücher, die zu der Zeit eigentlich keine Bücher im heutigen Sinne waren.

Ich fand in dem Buch viele interessante Fakten, die mit der Geschichte der Bücher und Literatur verbunden sind. So haben mich die Erzählungen über die Entstehung des Alphabets, die ursprünglichen Methoden des Lesens- und Schreibenlernens, die Geburt der ersten Bibliotheken und das Erfinden der Katalogisierung in ihren Bann gezogen. Es sind faszinierende Geschichten mit vielen historisch belegten Fakten, aber auch voll Fantasie.

Hilfreich ist es, dass die trockenen geschichtlichen Fakten - sowohl durch die Bezüge zu Gegenwart, wie auch durch interessante Anekdoten - gekonnt von der Autorin gelockert wurden.

Im Buch gibt es viele wunderschöne, poetisch angehauchte Sätze, wie diese über den Besitz von Büchern: (Seite 65)
„Der Zufluchtsort, an dem wir all das bergen, was wir zu vergessen fürchten. Die Erinnerung der Welt. Ein Damm gegen den Tsunami der Zeit“

Anstrengend fand ich, dass die Autorin sich in ihrem Buch an kein Schema und keine Chronologie hält. Ihre Erzählung ist sprunghaft, die Themen und angesprochenen Epochen wechseln ständig, das Lesen - trotz der meistens leichten Sprache – ist ermüdend. Bei vielen historisch belegten Fakten fehlte mir der Bezug zur Geschichte des Buches, das immer wiederkehrende Thema der Antike fand ich irgendwann störend und die Einschübe mit persönlichen Anekdoten für die Geschichte der Bücherentstehung irrelevant.

„Papyrus“ ist keine leichte Lektüre, die man in einem Zug lesen kann. Auch dann nicht, wenn man Bücher liebt und an ihrer Entstehung, ihrer Geschichte interessiert ist. Die enorme Zahl von unterschiedlichen Themen und Informationen belegen auch das 45-seitiger Quellenverzeichnis, 11-seitige Auflistung der „Für die deutsche Übersetzung hinzugezogener Literatur“ und neun Seiten der aufgelisteten „Weiterführenden Literatur“. Diese insgesamt 65-seitige Liste ergänzt zum Schluss das Buch.

„Papyrus“ ist ein sehr umfangreiches Werk, für den man sich viel Zeit nehmen sollte um ihn in aller Ruhe studieren zu können.

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