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Veröffentlicht am 11.08.2018

Die Magie der Düfte

Die Duftapotheke (1).
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Luzie ist not amused über den Umzug ihrer Eltern in irgendein Kaff, ausgerechnet von einer modernen Wohnung in Berlin in eine alte Villa, in der es ständig seltsam riecht. Außerdem wohnt in der Villa noch ...

Luzie ist not amused über den Umzug ihrer Eltern in irgendein Kaff, ausgerechnet von einer modernen Wohnung in Berlin in eine alte Villa, in der es ständig seltsam riecht. Außerdem wohnt in der Villa noch die alte Besitzerin und hinter dem Haus ist ein riesiges Gewächshaus, von dem aus sie der mürrische Gärtner dauernd verjagt. Dazu kommt, dass Briefe an den ursprünglichen Besitzer der Villa kommen, der vor zweihundert Jahren gelebt hat, und seltsame Besucher tauchen manchmal auf. Als wäre das alles nicht genug, entdeckt Luzie mit ihrem kleinen Bruder Benno und dem Nachbarsjungen Mats unterhalb des Hauses eine riesige Apotheke mit Düften und plötzlich bricht Chaos in der Stadt aus - wie sie auf die harte Tour feststellen müssen, sind die Düfte magisch und lassen auf einmal viele Leute alles vergessen ...

Eigentlich ist es eine nette Geschichte mit einer interessanten Idee. Trotzdem konnte sie mich nicht so begeistern wie es Mount Caravan und der Reise zum Sprudelschlund gelungen war, weil vieles einfach nicht mehr so originell war wie diese von mir erwähnten Vorgänger der Autorin. Irgendwie konnte ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass ich eher eine Geschichte von Kerstin Gier höre als von Anna Ruhe, und das ist ausnahmsweise nicht als Kompliment gemeint. Mir fehlte einfach das typische Feeling, der ganz eigene Zauber, den die anderen Bücher ausstrahlten. Dazu kam, dass die Leute dazu neigten, mitten im Hochsommer dauernd heißen Kakao zu kochen oder mit der Kinnlade den Boden zu berühren. Die Sprecherin war gut, wobei sie witzigerweise am besten den Fünfjährigen hinbekommen hat, der für sein Alter schon verdammt weit und vernünftig war. Mal sehen, ob im zweiten Teil die Genialität der anderen Bücher wieder aufgenommen werden kann.

Veröffentlicht am 31.07.2018

Auf der Suche nach Herkunft

Familie und andere Trostpreise
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Sonny ist gerade einundzwanzig geworden und ein seltsamer Kerl mit mehr Neurosen als ein Tausendfüßler Füße hat. (Bevor ein Klugscheißer ankommt: Ich weiß, dass Tausendfüßler keine tausend Füße haben.) ...

Sonny ist gerade einundzwanzig geworden und ein seltsamer Kerl mit mehr Neurosen als ein Tausendfüßler Füße hat. (Bevor ein Klugscheißer ankommt: Ich weiß, dass Tausendfüßler keine tausend Füße haben.) Eines seiner Geschenke zum Geburtstag ist das Testament seines verstorbenen Vaters, und plötzlich ist Sonny ein bisschen reicher. So um ein paar Millionen. Doch was soll er damit anfangen? Er hat die letzten zehn plus Jahre bei Thomas Hardiker verbracht, der ihm Mutter und Vater zugleich ist. Und jetzt? Jetzt macht er sich auf den Weg nach England, um herauszufinden, wer seine Eltern sind und vielleicht auch, wer er selbst ist ...

Es ist schon ein seltsames Buch mit einem seltsamen Protagonisten, über den ich so manches Mal die Augen gerollt habe. Einerseits glaube ich schon, dass es mit Neurosen kaum anders geht, andererseits wurde mir Sonny zu wenig über was anderes definiert als seine Neurosen, und das ist auf Dauer ein wenig schwach. Die Story plätscherte meistenteils so dahin, weil sich Sonny von verschiedenen Wegbegleitern seiner Eltern über eben jene berichten lässt. Das ist nicht uninteressant, vermag aber auch nicht durchgehend zu fesseln. Im Endeffekt weiß ich immer noch nicht, was mir das Buch sagen möchte. Dass Familie nicht unbedingt aus den Menschen besteht, die dieselben Gene tragen? Das weiß man sowieso. Immerhin ist Sonny ein Fan von Shaun of the Dead und Hot Fuzz, was ihm von meiner Seite aus ein paar Pluspunkte einbringt.

Veröffentlicht am 25.07.2018

Der lange Weg nach Lappland

Helle Tage, helle Nächte
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Anna ist zweiundsiebzig und eigentlich richtig fit - doch dann kommt eine niederschmetternde Diagnose: Krebs. Jetzt erst kommt ihr in den Sinn, dass sie etwas wiedergutmachen will und sie schreibt einen ...

Anna ist zweiundsiebzig und eigentlich richtig fit - doch dann kommt eine niederschmetternde Diagnose: Krebs. Jetzt erst kommt ihr in den Sinn, dass sie etwas wiedergutmachen will und sie schreibt einen langen Brief.
Den soll Friederike, ihre Nichte, an einen Mann übergeben, von dem sie noch nie was gehört hat und sie auch nichts weiß. Und nebenbei wohnt der auch noch in Lappland, und weiß auch nichts von ihr. Eigentlich hat sie keine Lust, andererseits ist ihr Leben gerade eh nicht so richtig im Lot, also macht sie sich mit ihrem alten VW auf die Reise. Natürlich trifft sie den Mann nicht sofort und so hat sie viel Zeit, nicht nur über Anna und sich und ihre komplizierte Beziehung nachzudenken, sondern auch darüber, was sie eigentlich vom Leben erwartet.

Eigentlich gehört das Buch nicht in mein Beuteschema, also sollte ich mich nicht wundern, dass es mich nicht gepackt hat. Andererseits habe ich mit Lektüre außerhalb meines Beuteschemas schon absolute Highlights erwischt, also war ich guten Mutes. Nach einigen Seiten schwand dieser, denn obwohl wir hier einen ernsthaften Hintergrund haben - die Krebserkrankung Annas - war ich nur selten gefesselt. Anna selbst geht dabei noch, auch wenn ich bei den Rückblicken mehr Interessantes erwartet habe, doch Friederike ... Mit der bin ich so gar nicht warm geworden. Ihre Art konnte ich nicht ab, und sie tat selten etwas, das ich nachvollziehen konnte. Davon abgesehen war das große, böse Geheimnis von Anna so auffällig und verhältnismäßig banal, dass ich nur die Augen verdrehen konnte. Geschrieben war das Buch routiniert, nur packen konnte es zumindest mich nicht.

Veröffentlicht am 19.06.2018

Elemente der Magie

Vier zauberhafte Schwestern
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Sky ist die Jüngste von vier Cantrip-Schwestern. Flame, die Älteste, ist dreizehn und hat am selben Tag Geburtstag wie sie, Marina ist zwölf, Flora ist zehn, sie selbst neun. Am Tag nach ihrem Geburtstag ...

Sky ist die Jüngste von vier Cantrip-Schwestern. Flame, die Älteste, ist dreizehn und hat am selben Tag Geburtstag wie sie, Marina ist zwölf, Flora ist zehn, sie selbst neun. Am Tag nach ihrem Geburtstag stellt sie fest, dass sie zaubern kann, doch ihre Schwestern sind nicht halb so überrascht, wie sie erwartet hatte. Die können das nämlich auch. Zufälligerweise hat jede eine Magie zur Verfügung, die etwas mit ihrem Namen zu tun hat. Flame beherrscht das Feuer, Marina das Wasser, Flora die Erde und jetzt eben Sky die Luft. Wichtig ist, so lernt Sky, dass sie niemandem außer ihren Schwestern und der Großmutter davon erzählen darf, und ihre Magie auch nie für was Böses einsetzen darf, weil sie dann geschwächt wird. Doch eine alte Feindin der Großmutter kommt in die Stadt, und sie hat nur einen Wunsch: sich zu rächen und der Familie Cantrip zu schaden. Und dass, obwohl sie eigentlich einem anderen Zweig der Familie angehört.

Gut gefallen hat mir, dass die Message lautete: Ihr müsst zusammenhalten, nur so könnt ihr gegen etwas Übermächtiges bestehen oder sogar gewinnen. Nicht so richtig cool fand ich die Umsetzung bzw. die Logik des Ganzen. Die eine Seite der Familie darf ihre Magie nur für Gutes einsetzen, sonst verlieren sie sie. Die andere darf fröhlich gemein sein und fiese Sachen veranstalten und wird dadurch stärker. Warum? Auch in einem Kinderbuch erwarte ich dafür eine Erklärung, die mich zufriedenstellt. Dann erzählt die Großmutter, dass sie ihre Magie verloren hat, weil sie jemandem anders geschadet hat. Im gleichen Atemzug behauptet sie aber, um sich selbst zu verteidigen, ist das erlaubt - sie hatte sich selbst verteidigt, warum also ist sie jetzt magielos? Kann ja sein, dass Kinder über so was nicht nachdenken, aber ein gutes Kinderbuch ist eben nur eines, das auch Erwachsenen gefällt. Dieses hier war ganz nett, aber auch nicht mehr.

Veröffentlicht am 13.06.2018

Ein Dackel namens Dornröschen

Das Hotel der verzauberten Träume – Fräulein Apfels Geheimnis (Das Hotel der verzauberten Träume 1)
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Schuld ist ja ihre Mutter: Hätte sie nicht das Navi falsch programmiert, würden Joelle und ihr Bruder Lancelot nicht mitten im Nirgendwo an der Ostsee festsitzen, mit einem uralten Kasten, das sich Hotel ...

Schuld ist ja ihre Mutter: Hätte sie nicht das Navi falsch programmiert, würden Joelle und ihr Bruder Lancelot nicht mitten im Nirgendwo an der Ostsee festsitzen, mit einem uralten Kasten, das sich Hotel nennt, mit einem Dackel namens Dornröschen und einer Gans namens Agathe aufwartet. Stattdessen könnten sie in einem megamodernen Club schwimmen, tauchen, Bogenschießen und was der Adler was noch machen. Gut, der Adler weiß das nicht, der ist nämlich ausgestopft und sitzt in der Lobby des alten Hotels, aus dem sie nicht wegkommen, weil ein Marder die Autokabel durchgebissen hat. Doch dann entdecken die beiden Geschwister mit Benny nicht nur einen Spielkameraden, sondern auch ein Geheimnis - und dieses hat etwas mit den vielen Traumfängern zu tun, die überall herumhängen.

Die Geschichte ist ganz nett. Leider war es das auch schon - nett. Hübsche Ideen, hübsch formuliert, hübsche Illustrationen. Aber, und das ist ein dickes Aber: Man merkt, dass es von jemandem geschrieben wurde, der vergessen hat, wie es ist, zehn oder zwölf Jahre alt zu sein. In diesem Alter ist man am wildesten, am abenteuerlustigsten, am neugierigsten. Schon allein daher hätte es auch bei einem Kinderbuch durchaus mehr Verwicklungen, mehr Spannung und mehr Action geben dürfen. So plätscherte alles ein bisschen dahin wie die Wellen der Ostsee - Probleme wurden gesehen, erkannt, durchdacht und im Vorübergehen gelöst. Wie soll da Spannung aufkommen? Auch Kinder mögen es, wenn sie mitfiebern können. Übrigens die Sache mit dem Adler. Da steht ein ausgestopfter Adler in der Lobby - Erklärung: Weil der Besitzer ihn zu Lebzeiten gemocht hat, ließ er ihn nach dem Tod ausstopfen. Ich hoffe ja sehr, dass dieses Buch nicht wirklich von wilden, abenteuerlustigen und neugierigen Kindern gelesen wird, denn dann wird die erste Frage lauten: Mama, wenn du stirbst, darf ich dich dann auch ausstopfen und in den Korridor stellen lassen?