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Veröffentlicht am 05.08.2018

Unterhaltsam und kurzweilig

Landeierforschung
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Die Protagonisten und ihre Geschichte
Anne ist 40, geschieden und arbeitet in einer Werbeagentur in Köln, in der auch ihr Ex-Mann tätig ist. Unter Alkoholeinfluss und durch Kollegen provoziert verkündet ...

Die Protagonisten und ihre Geschichte
Anne ist 40, geschieden und arbeitet in einer Werbeagentur in Köln, in der auch ihr Ex-Mann tätig ist. Unter Alkoholeinfluss und durch Kollegen provoziert verkündet sie, ihren Urlaub heimatnah auf dem Land zu verbringen. Am nächsten Morgen bereut die Großstadtpflanze ihre Ansage und denkt darüber nach, einen Rückzieher zu machen. Doch dann würde sie ihr Gesicht gegenüber den Kollegen, vor allem aber gegenüber ihrem Ex und seiner „neuen superhübschen, superjungen und supernervigen Gespielin“ verlieren und das will sie sich nicht antun.

Annes Cousin Mike ist im gleichen Alter, freischaffender Künstler und sofort Feuer und Flamme von der Idee, Anne auf ihre Tour ins Landleben zu begleiten.

Schon bei ihrer ersten Station, einem 300-Seelen-Dorf, finden die beiden schnell Anschluss bei den Einheimischen und wider Erwartens fühlt auch Anne sich wohl. Als sich dann noch der Reitlehrer Ben und die Gymnasiallehrerin Nicki in ihrer beiden Gedanken schleichen und sie auf ihren Entdeckungstouren feststellen, dass auch das Leben auf dem Dorf seine schönen Seiten haben kann, haben sie es gar nicht mehr so eilig damit, zurück nach Köln zu kommen.

Meine Gedanken zum Buch
Die Ankündigung, ihren Urlaub im Niemandsland zu verbringen, gehört nicht gerade zu Annes Glanzleistungen, aber ich kann gut nachvollziehen, wie sie sich in diese Situation hineinmanövriert hat, nachdem ich gelesen habe, wie ihr Ex-Mann Oliver sie auf die Palme bringen kann. Eigentlich ist Anne nicht auf den Mund gefallen, aber gegen Olivers dumme Kommentare kommt sie scheinbar nicht an. Das macht diesen dann für mich auch zum unbeliebtesten Charakter des Buches, wobei Anne – und ich hoffe, ich verrate damit nicht zu viel – noch die Möglichkeit bekommt, ihm die Meinung zu geigen.

Karin Spieker lässt ihre Protagonisten auf ihrer Tour schnell Anschluss finden und vor allem beschränkt sie deren Erlebnisse nicht auf das Durchwandern von Kuhweiden oder das Besichtigen von Dorfkapellen. Tatsächliche entdecken Anne und Mike, dass auch auf dem Land interessante Menschen leben und Anne verabschiedet sich nach und nach von ihren Vorurteilen.

Die Autorin hat (überwiegend) sehr liebenswürdige Haupt- und Nebencharaktere gezeichnet und insbesondere Anne die Möglichkeit gegeben, sich neu zu entdecken. Die Handlung selbst ist sehr humorvoll gestaltet. Wenn ich etwas bemängeln müsste, wäre es, dass ich es nicht authentisch finde, dass Anne und Mike überall schnell Anschluss finden. Ich bin selbst auf dem Dorf groß geworden und habe die Erfahrung gemacht, dass Fremde erstmal mit Abstand genossen werden. Im Urlaub wiederum bin ich auch auf dem Land auf Offenheit und Herzlichkeit gestossen, aber dann doch eher in Regionen, in denen Tourismus vorherrscht. Aber das ist, wie oben erwähnt, ein schon fast erzwungener Kritikpunkt.

Was mir tatsächlich nicht gefallen hat, ist das Cover. Es ist sehr einfach gehalten und erinnert mich ein wenig an die selbst entworfenen Cover aus den Anfangszeiten der Selfpublisher. Aufgefallen wäre es mir im Buchladen auf jeden Fall nicht.

Für den unterhaltsamen und kurzweiligen Roman über eine Großstädterin, die Landluft schnuppert und sich neu entdeckt vergebe ich vier Sterne.

Veröffentlicht am 17.06.2018

Irgendwann konnte ich nicht mehr genug bekommen von dieser Geschichte

Gruppentherapie
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Der Protagonist und seine Geschichte
Der 30-jährige Ben Valdern führt ein Doppelleben. In München ist er Architekt in einem bekannten Architekten-Büro und seit einem halben Jahr mit der Clarissa, der Tochter ...

Der Protagonist und seine Geschichte
Der 30-jährige Ben Valdern führt ein Doppelleben. In München ist er Architekt in einem bekannten Architekten-Büro und seit einem halben Jahr mit der Clarissa, der Tochter seines Chefs liiert. Doch zwei Mal in der Woche jettet er nach Mallorca, wo er als Benny Biber die Bühne des UNIVERSUM als Partysänger im weißen Anzug rockt und danach die Nacht mit der Barfrau Eva verbringt.

Clarissa Zöllner ist dank ihres Elternhauses in der Highsociety von München groß geworden, während Ben mit dem Schicki-Micki-Leben gar nichts anfangen kann. Außer seinem Kumpel Sascha, der die Melodien zu seinen Texten liefert, weiß in München niemand von seinem Leben als Benny Biber. Als Clarissa immer mehr darauf drängt, zusammenzuziehen und ihr Vater Ben ein Prestige-Projekt überträgt, gerät dieser zunehmend unter Druck, schließlich bereiten ihm seine Auftritte viel Freude und er möchte auf keine Fall darauf verzichten.



Meine Gedanken zum Buch
Ich muss gestehen, anfangs hatte ich meine Probleme mit der Geschichte, sie konnte mich zunächst nicht so recht überzeugen, was rückblickend möglicherweise daran lag, dass mich die Lieder, die immer wieder ins Buch einfließen, nicht wirklich an Schlager sondern eher an sinnfreie Sauflieder erinnert haben.

Doch dann habe ich in die CD von Ben Valdern hineingehört, hatte die Musik im Ohr und auf einmal konnte ich gar nicht mehr genug von der Geschichte bekommen und habe den Rest in einem Rutsch gelesen. Ja, die Schlager von Ben Valdern gibt es tatsächlich. Gesungen werden sie vom Autor Friedrich Kalpenstein höchstpersönlich, der sie auch selbst getextet hat.

Insbesondere die Dialoge zwischen Ben und Sascha sind sehr humorvoll, aber Friedrich Kalpenstein versteht es auch, groteske Situationen so gekonnt zu transportieren, dass ich das Gefühl hatte, daneben zu stehen, mehr als einmal musste ich laut lachen.

Zu Beginn habe ich mich noch davor gescheut, Ben wegen seiner Dreiecksbeziehung sympathisch zu finden, aber da Clarissa vom ersten Moment an fast unerträglich gezeichnet ist, konnte ich schnell darüber hinwegsehen.

Insgesamt hat mich das Buch nach dem ersten Drittel super unterhalten, da ich jedoch meine Schwierigkeiten mit dem Einstieg hatte, ziehe ich einen Stern ab.

Veröffentlicht am 17.06.2018

Gefühlvoll, erotisch, aber nicht billig

TURT/LE - Letzte Rettung
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Die Protagonisten und ihre Geschichte
Nathan „Red“ Redfield war mit den SEALS in Afghanistan und wurde von Terroristen gefangen genommen. Sechs Monate lang wurde er gefoltert, bevor das Militär ihn lokalisieren ...

Die Protagonisten und ihre Geschichte
Nathan „Red“ Redfield war mit den SEALS in Afghanistan und wurde von Terroristen gefangen genommen. Sechs Monate lang wurde er gefoltert, bevor das Militär ihn lokalisieren und befreien konnte. Er hat körperliche und seelische Schäden davon getragen und verschließt sich sogar vor seinen Freunden.

Sierra Morgan hat ebenfalls eine Karriere bei der Army hinter sich. Mittlerweile arbeitet sie als Physiotherapeutin. Aufgrund einiger dramatischer Erlebnisse möchte sie aus Selbstschutz nicht mehr mit Männern arbeiten, lässt sie sich von Reds bestem Freund Clint Hunter dazu überreden, eine Therapie mit dem SEAL zu starten. Nach seiner anfänglichen Ablehnung macht Red schnell gesundheitliche Fortschritte und auch emotional kommen sich die beiden näher. Doch als erneut Unheil auf Red zurollt, ist Sierra viel zu nah an ihm dran und gerät selbst in Gefahr.

Meine Gedanken zum Buch

TURT/LE (Terrorism Undercover Reconnaussance Team / Ladies Elite) ist ein Projekt der US-Regierung zur Bekämpfung von Terrorisums und das LE steht für den weiblichen Teil der Einheit. Die TURT/LE-Bände vermischen sich teilweise mit der Hunter-Reihe. Mir persönlich gefällt es, wenn Geschichten übergreifen, es ist, als ob man alte Bekannte trifft.

Ungewöhnlich in diesem Band ist, dass die Nebenhandlungen um die SEALS sehr viel Raum einnehmen. Die Geschichte selbst dreht sich zwar überwiegend um Red und Sierra, wobei Vergangenheit und Gegenwart beleuchtet werden, aber viele der altbekannten SEALS stoßen zu der Gruppe, die versucht, herauszufinden, was es mit den Bedrohungen auf sich hat, an die Red sich seit seiner Befreiung bruchstückhaft erinnert. Im Gegenzug dazu bleiben die TURT/LEs außen vor.

Leider ist dabei die Liebesbeziehung zwischen den beiden Protagonisten ein wenig auf der Strecke geblieben. Die Romantic Thrill-Bücher von Michelle Raven haben mich bisher überwiegend überzeugt, weil sie von einer gelungenen Mischung aus Romantik und Thriller leben. Das war hier nicht so der Fall, wie ich das aus den anderen Büchern der Autorin gewohnt bin.

In dieser Geschichte nähern sich die Protagonisten außerdem nur langsam an, was ihrer Vergangenheit geschuldet und damit absolut legitim ist. Wie ich es von Michelle Raven kenne, lässt sie die richtige Portion Erotik einfließen, so dass die Handlung gefühlvoll, aber nicht billig wirkt.

Sehr gut gefallen hat mir, wie die Autorin Reds Gefühlsleben herausgearbeitet hat, seine Erinnerungen an die Folter sind allerdings nichts für zarte Gemüter.

Da Michelle Raven eine meiner meistgelesenen Autorinnen ist, vergleich ich dieses Buch natürlich mit ihren anderen Romanen. Die Geschichte hat mich zwar gut unterhalten, aber nicht komplett überzeugen können.

Veröffentlicht am 17.06.2018

Das Buch ist all den Eltern gewidmet, die gelegentlich, oftmals oder ständig an sich zweifeln, obwohl sie es wirklich nicht nötig hätten

Prost, Baby!
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Dieses Buch ist laut Buchbeginn für diejenigen,

- die zu viel herumschreien
- die ein stummes „Leck mich!“ in den Kühlschrank brüllen
- die null Geduld haben
- die abends ihren Wein brauchen
-die Einwilligungserklärungen ...

Dieses Buch ist laut Buchbeginn für diejenigen,

- die zu viel herumschreien
- die ein stummes „Leck mich!“ in den Kühlschrank brüllen
- die null Geduld haben
- die abends ihren Wein brauchen
-die Einwilligungserklärungen für die Schule vergessen
- bei denen die längst überfälligen Bibliotheksbücher herum liegen
- die ohne Bestechung mit Süßigkeiten aufgeschmissen wären

Da mein bester Freund der Meinung ist, dass ich gelegentlich Anwandlungen einer Helikoptermutter an den Tag lege, habe ich mich vom Titel des Buches direkt angesprochen gefühlt. Der Buchbeginn hat sein übriges dazu beigetragen.

Die Autorin berichtet auf sehr unterhaltsame Weise von ihren alltäglichen Problemen und illustriert ihr Buch mit Strichmännchenbildern. Ich habe oft geschmunzelt, ich habe mich auch wiedererkannt und wenn ich bedenke, wie oft ich mich wiedererkannt habe, bin ich wohl eher eine Raben- als eine Helikoptermutter. Außerdem bin ich überzeugt davon, dass viele Mamas und Papas sich in diesem Buch wiederfinden werden, weil es mitten im Leben spielt.

Trotz all des Humors, den sich die Autorin offensichtlich bewahrt hat, lässt sie ihre Leser auch an den schlimmsten Stunden ihres Lebens teilhaben. „Die Dinge stehen nicht gut für ihr Baby.“ Ein Satz, den man als (werdende) Eltern nie hören will.

Für mich kommt das Buch zehn Jahre zu spät, denn als die Kinder klein waren, habe ich mich mehr als einmal verunsichern lassen. Heute weiß ich, dass meine Kinder auch nicht anders sind, als andere Kinder.

Die Autorin hat sich gefragt, was eine gute Mutter ausmacht. Danach hat sie ihre Kinder gefragt, warum sie eine gute Mutter sei.
Und das führt mich zu einem Absatz des Buches, der im Grunde schon alles aussagt:

"Das Buch ist all den Eltern gewidmet, die gelegentlich, oftmals oder ständig an sich zweifeln, obwohl sie es wirklich nicht nötig hätten. Denn für die, auf die es wirklich ankommt, sind sie ihr Ein und Alles und die lieben sie mehr als alles in der Welt."

Veröffentlicht am 17.06.2018

Mehr als eine Liebesgeschichte

Zwischen dir und mir das Meer
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Die Protagonistin und ihre Geschichte
Lena lebt auf Amrum, sie arbeitet in einem Hospiz und bastelt Schmuck aus Meerglas. Das Meerglas ist für sie eine Erinnerung an ihre Mutter Mariella, eine gebürtigen ...

Die Protagonistin und ihre Geschichte
Lena lebt auf Amrum, sie arbeitet in einem Hospiz und bastelt Schmuck aus Meerglas. Das Meerglas ist für sie eine Erinnerung an ihre Mutter Mariella, eine gebürtigen Italienerin, die vor 20 Jahren beim Schwimmen ertrunken ist. Eines Tages steht Matteo vor ihr, von dem sie sofort fasziniert ist. Doch als Lena ihn am nächsten Tag in seiner Pension aufsuchen will, ist er bereits wieder Richtung Italien abgereist. In seinem Zimmer entdeckt Lena Fotos, die ihre Mutter als junge Frau zeigen. Da Mariella nie über ihr Leben in Italien gesprochen hat, beschließt Lena sich an der Amalfiküste auf die Suche nach den Wurzeln ihrer Mutter zu machen und hofft, Matteo dort noch einmal zu begegnen.

Meine Gedanken zum Buch
Das Buch startet im Jahr 1972 an der Amalfiküste, wo sich die damals zwölfjährige Mariella und die gleichaltrige Francesca Forlani das erste Mal begegnen. Die Forlanis sind vermögend und der Vater leitet die Firma, für die Mariellas Vater arbeitet. Durch ihre Freundschaft zu Francesca dringt Mariella in eine Welt vor, die für sie ganz neu ist. Der Roman ist spannend aufgebaut, denn schnell wird klar, dass Mariella vor vielen Jahren alle Brücken hinter sich abgebrochen hat, als sie nach Deutschland ging, doch die Gründe dafür erarbeitet die Autorin nach und nach und legt sie erst gegen Ende offen. Grundsätzlich hat mir das sehr gut gefallen, allerdings fand ich es nicht realistisch, dass nicht einmal Mariellas Mann irgend etwas über ihre Vergangenheit wusste.

Im zweiten Handlungsstrang lernt der Leser zunächst Lena und ihre Familie kennen, bevor die junge Frau sich auf den Weg nach Italien macht. Ein Großteil der Handlung um Lena wird von der Geschichte um sie und Matteo eingenommen, wobei ich Lenas Verhalten gerade im Bezug auf diesen Mann nicht ihrem Altern entsprechend fand. Doch der Part um Lena ist sehr viel mehr als nur eine Liebesgeschichte, es ist eine tiefgründige Erzählung über eine junge Frau, die sich schon ihr Leben lang mit dem Tod auseinandersetzt, die ein gespaltenes Verhältnis zu ihrer Schwester hat, der sie die Schuld für das Scheitern ihrer letzten Beziehung gibt und deren Recherchen über ihre Mutter Dinge ans Licht führen, die sie an der Liebe ihrer Mutter zweifeln lassen. Der Tiefgang ist Katharina Herzog recht gut gelungen. Da sie Lenas Arbeit im Hospiz immer wieder thematisiert, hätte ich mir gewünscht, dass sie noch intensiver darauf eingeht, wie sehr die Arbeit und die ständige Begegnung mit dem Tod den Pflegekräften an die Substanz gehen kann.

Nicht gefallen hat mir, dass Lena Zoe insgeheim vorwirft, am Scheitern ihrer letzten Beziehung schuld zu sein, aber die beiden sprechen nie darüber. Spätestens an der Stelle, an der es zwischen Lena und Matteo um Vertrauen geht, hätte Lena die Vergangenheit durch ein offenes Gespräch mit Zoe hinter sich lassen könne. So fällt die Sache einfach unter den Tisch.

Am Ende gibt es eine Unstimmigkeit im zeitlichen Ablauf, Mariella war im September 1996 auf Fehmarn und hat anschließend einen wichtigen Brief geschrieben, der allerdings auf September 1986, also zehn Jahre zuvor, datiert ist. Darin schreibt sie über ihre Kinder, die 1986 noch gar nicht geboren waren.

Als ich diesen Text geschrieben habe, habe ich gemerkt, wie hoch meine Erwartungen an. die Autorin sind. Im Vergleich zu manchem ChickLit, dem ich 5 Sterne gegeben habe, ist dieser Roman wesentlich gehaltvoller, aber verglichen mit den anderen Romanen der Autorin selbst, habe ich „nur“ 4 Sterne vergeben.