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Veröffentlicht am 15.09.2016

Grado im Regen

Grado im Regen
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Wenn ich heute so aus dem Fenster schaue, passt die Stimmung der letzten Tage perfekt zum Buch: Grau in grau und Dauerregen.
Im Prolog erlebt der Leser einen Banküberfall, der nicht so ganz abläuft, wie ...

Wenn ich heute so aus dem Fenster schaue, passt die Stimmung der letzten Tage perfekt zum Buch: Grau in grau und Dauerregen.
Im Prolog erlebt der Leser einen Banküberfall, der nicht so ganz abläuft, wie sich die beiden Räuber das eigentlich vorgestellt hatten. Das Ganze läuft etwas aus dem Ruder. Mit dieser kleinen Vorgeschichte beginnt dieser Krimi, der wie der Titel schon verrät, in Grado in Italien spielt.

In den ersten Kapiteln lernen wir einige der Protagonisten kennen, wobei uns die Autorin im Unklaren lässt, wie viel Zeit seit dem Banküberfall im Prolog vergangen ist. Die Speziellste der weiblichen Hauptprotagonisten ist Angelina Maria. Sie ist eine alte Dame, die von ihren Dämonen aus der Vergangenheit heimgesucht und allgemein als verrückte Alte abgestempelt wird. So nimmt auch niemand ihren Anruf bei der Polizei ernst, als sie einen Mord an einer Meerjungfrau meldet. Aber auch Francesa, eine junge Frau, die vor kurzem ihren Mann verlassen hat, beobachtet Tag für Tag eine junge Frau, die sie an eine Nixe erinnert und die sie auf Leinwand festgehalten hat. Doch eines Tages ist die "Meerjungfrau" verschwunden....

Neben Angelina und Francesca, die nicht nur an ihrer zerbrochenen Ehe laboriert, sondern ernsthaft erkrankt ist, lernen wir noch die Schülerin Laura kennen, die jeden Morgen vor dem Unterricht frische Backwaren austrägt und dabei die eine oder andere wichtige Beobachtung macht. Die vierte der Hauptprotagonisten ist Maddalena Degrassi, die zuständige Kommissarin und letzte Affäre von Francescas Mann Tomaso. Außerdem lernen wir noch Stefano kennen, einen Barbesitzer, der in Francesca verliebt ist, und eine wichtige Rolle im Buch spielt.

Es dauert relativ lange, bis in diesem Krimi Spannung aufkommt. Die erste Hälfte des Buches benötigt viel Zeit um die vier weiblichen und zwei männlichen Hauptrotagonisten vorzustellen. So wird man langsam mit dem Leben der einzelnenen Figuren konfrontiert. Dabei geht es aber größtenteils um Beziehungsprobleme und um die wirren Gedankengänge von Angelina Maria. Jedoch ist eben die "irre Alte" die einzige Zeugin des Mordes. Bis die Polizei beginnt Spuren nachzugehen, schwebt bereits die Nächste von ihnen in Gefahr.
Leider plätscherte für mich die Geschichte erst einmal dahin, bis sie endlich im letzten Drittel spannend wurde. Auch die Ermittlungen der Polizei bleiben eher im Hintergrund. Ich muss sagen, dass mir das für einen Krimi leider zu wenig ist.

Schreibstil:
Der Schreibstil ist locker und gut zu lesen. Die Handlung ist gut aufgebaut, komplex und das Ende ist logisch. Das Buch lebt größtenteils von den interessanten Charakteren, die die Autorin hier geschaffen hat und die wirklich gelungen sind.

Fazit :
Ein ruhiger und atmosphärischer Krimi, bei dem mir leider die Spannung gefehlt hat. Für mich wirkt die Geschichte eher wie ein Beziehungsroman mit einem temporeichen Finale. Ich hätte mir mehr davon erwartet....

Veröffentlicht am 15.09.2016

Guter Start, aber leider ein sehr unglaubwürdiges Ende

Sonnensegeln
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Marita lebt seit sie denken kann auf der ostfriesischen Insel Amrun und hat auch nicht wirklich vor, dies zu ändern. Sie ist Ende Vierzig, geschieden, Mutter eine Teenagertochter und liebt ihren Beruf ...

Marita lebt seit sie denken kann auf der ostfriesischen Insel Amrun und hat auch nicht wirklich vor, dies zu ändern. Sie ist Ende Vierzig, geschieden, Mutter eine Teenagertochter und liebt ihren Beruf als Krankenschwester. Doch mit dem neuen Vorgesetzten, der nicht viel von liebevoller Fürsorge der krebskranken Patienten hält, kommt sie gar nicht klar. Als sie eine Annonce entdeckt, in der eine private Pflegerin für einen alten Herren in Südfrankreich gesucht wird, denkt sie das erste Mal über eine Veränderung nach. Nach einem heftigen Streit mit ihrem Boss, kündigt sie kurzentschlossen. Ihre Tochter Sophie, die kurz vor dem Abitur steht, ermutigt sie auf die Annonce zu antworten. Tatsächlich erhält Marita die Stelle und hat nun etwas Bammel vor der Veränderung. Doch nun kann sie nicht mehr zurück und macht sich auf den Weg nach Grasse in Südfrankreich. Der alte Mann, den sie pflegen soll, erweist sich allerdings als sehr starrköpfig. Gemeinsam mit seinem Sohn Lucien und den Hausangestellten, leben die Beiden inmitten von Jasmin- und Rosenfeldern, denn die Lefleurs sind alteingessessene Parfumhersteller. Hat Marita anfangs noch große Schwierigkeiten mit dem eigenwilligen Georges und seinen Zicken, schließt sie die Hausangestellte Ségolène und deren Familie sofort ins Herz. Diese hilft ihr bei ihren Französischkenntnissen, macht sie mit ihren Freunden bekannt und unterstützt sie, wenn ihr Patient wieder ausgesprochen schlechte Laune hat.

Der Beginn des Romans hat mir sehr gut gefallen. Marita, die ihren Beruf über alles liebt und bei den Patienten sehr beliebt ist, kann nicht fassen, dass ihr Boss nur an Kostenoptimierung denkt und ihr vorhält sich zu lange mit den Patienten zu beschäftigen. Ihre Wut und Enttäuschung konnte ich sehr gut nachfühlen und auch die daraus resultierenden Zweifel, ob sie sich nicht verändern soll. Als sie den Schritt wagt mit ihren eher bruchstückenhaften Französischkenntnissen nach Südfrankreich auftzubrechen, kann ich auch ihre leichte Panik gut nachvollziehen. Mit Ende Vierzig so einen Sprung ins kalte Wasser zu wagen, ist nicht einfach. Wie sie langsam das Herz von Georges Lefleur gewinnt und auch hinter sein Geheimnis kommt, fand ich herzerfrischend. Neben der Pflege des alten Mannes findet Marita noch Zeit und Gelegenheiten Grasse und Umgebung kennen zu lernen. Die Beschreibungen der wunderschönen Gegend, der Duft der Blüten und auch die Erklärungen über die Parfümherstellung, fand ich einfach gelungen. Man möchte am liebsten sofort die Koffer packen und Urlaub in Südfrankreich machen.

Jedoch gab es für mich auch jede Menge Kritikpunkte. Marita, in Amrun noch eingefleischter Single, wird plötzlich von drei Männern umgarnt. Kurz vor ihrer Abreise lernt sie Knut kennen, mit dem sie stundenlang telefoniert und sich sehr gut versteht. In Grasse läuft ihr der charmante Francois über den Weg, der ihr den Hof macht und sich für sie als Fremdenführer betätigt und dann ist auch noch der verstockte Lucien, der Sohn des Patienten. Diese Anhäufung an plötzlichen Verehrern kam mir einfach zu unrealistisch vor. Ich bin selbst in dem Alter und frage mich wo ich bitte diese Herren finden kann? ;)
Die Entscheidung, die Marie getroffen hat, konnte ich auch nicht wirklich nachvollziehen, blieb doch die aufkommende Liebe zwischen ihr und ihrem letztendlichen Herzblatt einfach nur blass.
Auch das letzte Drittel des Romans war mir einfach zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Hier kann ich leider nicht näher darauf eingehen, sonst würde ich spoilern, aber meiner Meinung nach, hätte man das Ende sicher auch anders lösen können. Durch diesen Abschluss verlor die Geschichte für mich leider die Authentizität und den Reiz, den sie vorher ausgeübt hatte....

Es gibt auch noch einen zweiten Handlungsstrang in der Vergangenheit, der von einem Bo Rickleffs erzählt. Dieser Mann stammt aus Amrun und kam im 18. Jahrhundert nach Südfrankreich und macht dort sein Glück. Obwohl ich im Allgemeinen eingeschobene Erzählstränge aus der Vergangenheit liebe, hätte man diesen hier auch ohne weiteres weglassen können. Er trägt nicht wirklich zur Geschichte bei, auch wenn die beiden Stränge ganz zum Schluss zusammenführen.

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin ist lebendig, flüssig und bildhaft. Die wunderbaren Schauplatzbeschreibungen und auch die Darstellung der Charaktere ist wirklich gelungen.

Fazit :
Ein locker, leichter Sommerroman, der gut beginnt und stark nachlässt. Durch die gelungene Beschreibung der Landschaft und der Düfte stellt sich sehr schnell Fernweh ein. Doch die manchmal sehr unlogische Geschichte und vorallem das total an den Haaren herbeigezogene Ende, lässt mich etwas enttäuscht zurück und so kann ich gerade noch 3 Sterne für den Roman vergeben.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Nett, aber das wars schon

Die Buchspringer
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Der Roman "Die Buchspringer" hat ja wieder genau unser Lieblingthema zu bieten, nämlich: BÜCHER. Und wer hat sich nicht schon einmal gewünscht so richtig in eine Geschichte eintauchen zu können...ganz ...

Der Roman "Die Buchspringer" hat ja wieder genau unser Lieblingthema zu bieten, nämlich: BÜCHER. Und wer hat sich nicht schon einmal gewünscht so richtig in eine Geschichte eintauchen zu können...ganz real...und einer der Protagonisten in der Geschichte sein zu dürfen. Oder dass vielleicht der Traumprinz aus dem Büchlein steigt und gerade zu uns nach Hause kommt :) Mittlerweile gibt es immer mehr Bücher dazu und jedes ist ein bisschen anders, was ich sehr gut finde.
Mechthild Gläser hat unserer Hauptprotagonistin Amy die Fähigkeit gegeben, in eben so eine Geschichte einzutauchen, quasi ins Buch zu springen. Doch Amy weiß anfangs noch gar nichts von ihren Fähigkeiten und dass sie einer Familie der Buchspringer angehört.

Gemeinsam mit ihrer Mutter Alexis reist Amy in den Sommerferien von Deutschland auf die schottische Insel Stormsay zu ihrer Großmutter, die sie weder kennt, noch jemals vorher getroffen hat. Diese fordert von Alexis, dass Amy endlich in das Familiengeheimnis eingeweiht wird, wegen dem sie damals die Insel und ihre Familie verlassen hat. Alexis Tochter soll gemeinsam mit Will und Betsy, die ebenfalls Buchspringer sind oder werden, am Unterricht teilnehmen. Amy bemerkt bald, dass sie über größerer Fähigkeiten verfügt, als die beiden Mitschüler. So versucht sie auf eigene Faust ihren ersten Sprung und findet sich schon kurze Zeit später im Dschungelbuch wieder und freundet sich mit Shir Khan und Mogli an. Doch warum sind einige der Buchfiguren so aus dem Häuschen? Bald entdeckt Amy, dass in der Buchwelt einiges schief läuft. Die Geschichten verändern sich plötzlich und so macht sie sich gemeinsam mit Shir Khan und dem jungen Werther auf, den Dieb der Worte zu finden. Denn das oberste Gebot der Buchspringer ist es, die Geschichten und deren Inhalt zu beschützen.

Die Autorin hat hier eine wirklich nette Idee aufgegriffen, die jedoch nur teilweise gut umgesetzt wurde. Leider machte sich bei mir während des Lesens bald Enttäuschung breit. Das beginnt damit, dass Amy meiner Meinung nach das Buchspringen viel zu schnell erlernt und zieht sich durch weitere Abschnitte. Während sie von einer Geschichte zur nächsten wandert, macht sie im Schnelltempo die Bekanntschaft mit den unterschiedlichsten Buchfiguren, wie den jungen Werther, Shir Khan und Mogli aus dem Dschungelbuch, sowie Alice im Wunderland....eben typischen Kinder- und Jugendbuchklassiker. Außerdem schein Amy als Einzige die Fähigkeit zwischen den Geschichten hin- und herzuspringen zu besitzen, denn die anderen Buchspringer aus der Familie halten sich nämlich immer nur in ihrer jeweiligen Lieblingsgeschichte auf. Und so ist Amy die Einzige, die den Dieb aufhalten kann. Warum der Dieb letztendlich auch diese Fähigkeiten hat, wurde nicht wirklich erklärt. Auch viele andere Dinge bleiben eher oberflächlich und nebulös und kratzen nur an der Oberfläche. Man muss dies als Leser einfach so hinnehmen, dann kann man sich auch besser in die Geschichte einfühlen. Vielleicht ist es doch zu sehr Kinder- und Jugendbuch, dass die Autorin so an der Oberfläche bleibt, was ich trotzdem nicht wirklich verstehen und akzeptieren kann.
Auch die beiden Liebesgeschichten konnten mich überhaut nicht überzeugen. Hier kamen kaum Gefühle rüber und schien mir insgesamt zu bemüht.
Der große Pluspunkt ist das Thema und das Stöberns durch die Buchwelt mit bekannten Figuren aus unserer Jugendzeit.

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin ist dem Jugendbuch angepasst und lässt sich leicht und flüssig lesen. Der Roman ist aus der Sicht von Amy in der Ich-Form geschrieben. Gelegentlich berichtet auch Will in der 3. Person über die aktuellen Ereignisse. An jedem Kapitelanfang kann man einzelne Zeilen aus einem Märchenbuch lesen, das im Buch eine Rolle spielt.

Fazit :
Leider hatte ich mir hier viel mehr erwartet. Die Geschichte kratzt nur an der Oberfläche und viele Dinge bleiben unerklärt. Es fehlte mir einfach das gewisse Etwas und der Tiefgang. Eine fantasievolle Geschichte rund um Bücher, die so viel mehr hätte sein können....

Veröffentlicht am 15.09.2016

Die zwei Seiten Beijings

Beijing Baby
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Volker Häring lebt seit Jahren immer wieder einige Zeit in China und blickt so gekonnt hinter die Kulissen. Peking, eine Stadt der Kontraste - gefangen zwischen der Tradition und Fortschritt.
Dieses Bild ...

Volker Häring lebt seit Jahren immer wieder einige Zeit in China und blickt so gekonnt hinter die Kulissen. Peking, eine Stadt der Kontraste - gefangen zwischen der Tradition und Fortschritt.
Dieses Bild zeigt uns der Autor immer wieder auf den 320 Seiten. So gestalten sich teilweise auch die Ermittlungen schwer, als die junge Studentin Xiang Fang tot im Hof des Pekinger Theaterinstituts liegt. Was zuerst wie ein Selbstmord aussieht, wird jedoch bald als Mordfall eingestuft. Für den Fall wird dem bereits von der Rente träumenden Inspektor Wang die junge und ehrgeizige Kommissarin Xiang Xia zur Seite gestellt. Bald entdeckt sie, dass einer der Verdächtigen ein hochrangiges KP-Mitglied ist. Außerdem dürfte auch Xiang Fang nicht nur die fleißige und hübsche Studentin gewesen sein, die sie nach außen hin darstellte, sondern sie führte ebenso ein sehr interessantes Doppelleben.

Die beiden Ermittler könnten unterschiedlicher nicht sein. Wang ist ein grantelnder Eigenbrötler, der sich auf der einen Seite nach seiner Rente sehnt, aber auf der anderen Seite mit Grauen an seine kleine Wohnung denkt, wo er zusammen mit seiner Frau den letzten Lebensabschnitt verbringen soll. Xiang Xia ist hingegen hochmotiviert und wurde gerade erst nach Peking versetzt. Ihre Karrieremöglichkeiten sind hoch.... Doch schon bald kommt ihr der deutsche Student Philipp in die Quere, der ihr Liebesleben durcheinander bringt und ihre Schnüffeleien im Pekinger Nachtleben kommen bei der Partei nicht wirklich gut an.

Der Krimi lebt vorallem durch die fundierten Hintergrundinformationen des Autors und die fremdländische Kultur, in die er den Leser entführt. Moral und Gerechtigkeit sind hier ein Fremdwort. Mit der gewollt derben Sprache zeigt uns Volker Häring ein ziemlich verkommenes Sittenbild der Stadt. Sex und Korruption sind an der Tagesordnung. Doch nicht nur die negative Seiten der alten Stadt werden hier beschrieben, sondern es wird auch vonTraditionen erzählt und der Hoffnung ein besseres Leben zu führen. Hungrig sollte man ebenfalls nicht sein, denn hier wird pausenlos gegessen und auch wenn vieles für uns fremdländisch ist, läuft einem unwillkürlich das Wasser im Mund zusammen.

Leider hielt sich aber die Spannung in Grenzen. Die Ermittlungen ziehen sich durch zahlreiche Dialoge und Verhöre und auch das Ende ist nicht wirklich überraschend, sondern mindert für mich den kriminalistischen Touch noch mehr. Das finde ich sehr schade, denn ich hatte mir hier einen spannenden Krimi erwartet. So empfinde ich die Geschichte eher als Roman, der die chinesische Gesellschaft widerspiegelt, wo wir zufällig zwei Kommissare begleiten.....

Schreibstil:
Der Schreibstil ist flüssig, teilweise sehr detailgetreu und auch etwas derb. Der Autor versteht es hervorragend uns die für uns fremde und exotische Kultur näher zu bringen. Nicht umsonst schreibt er auch China- und Asien-Reiseführer. Die Kapitel in diesem Roman, der aus vier Teilen besteht, sind eher kurz gehalten und haben sehr interessante Überschriften (z. Bsp. "Dicke Luft", "Schattenboxen", "Nudelgericht"....) Alle beziehen sich eindeutig auf China bzw. Beijing.

Fazit:
Für mich als Krimi- und Thrillerleser beinhaltet dieses Buch leider viel zu wenig Spannung! Es gibt eher einmalige Einblicke in die Kultur Chinas und lässt uns hinter die Kulissen blicken. Wer mehr über Peking erfahren möchte, muss hier einfach zugreifen, denn so fundierte Einblicke erhält man selten. Wer allerdings einen spannenden Krimi lesen möchte, könnte - wie ich - enttäuscht werden.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Zu konstruiert und vorhersehbar

Morgen kommt ein neuer Himmel
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Meine Meinung:
In einer gemeinsamem Blogger-Leserunde bei Janine - Meine Welt der Bücher - haben wir den Roman "Morgen kommt ein neuer Himmel" gelesen, der schon länger ungelesen in meinem Regal stand.
Ich ...

Meine Meinung:
In einer gemeinsamem Blogger-Leserunde bei Janine - Meine Welt der Bücher - haben wir den Roman "Morgen kommt ein neuer Himmel" gelesen, der schon länger ungelesen in meinem Regal stand.
Ich hatte nach den eher guten Bewertungen ziemlich hohe Erwartungen an das Buch, die sich leider nicht ganz erfüllten.
Der Leser lernt zuerst Brett, unsere Hauptprotagonistin kennen, die eben erst mit dem Tod ihrer Mutter Elizabeth konfrontiert wurde. Diese war eine erfolgreiche Unternehmerin, die Kosmetik auf Naturbasis herstellte. Brett hat dort ihren Job als Leiterin der Marketingabteilung. Aber auch im privaten Bereich standen sich die beiden Frauen sehr nahe. Deshalb ist Brett umso entsetzter, als sie bei der Testamentseröffnung erfährt, dass nicht sie, sondern ihre Schwägerin Catherine, die neue Geschäftsführerin des Unternehmens sein wird. Brett bekommt nur einen Brief mit zehn Aufgaben, die sie innerhalb von 12 Monaten zu erfüllen hat und erst nach Einlösung dieser Forderungen erhält sie eine Abfindung in Millionenhöhe. Unterstützung erhält sie dabei von Brad Midar, den jungen Anwalt ihrer Mutter.

Brett ist außer sich, denn die Liste ist zwanzig Jahre alt und mit 14 Jahren hatte sie natürlich andereTräume, wie z. Bsp. "Einen Hund beschaffen", Ein Pferd kaufen", aber auch "Mich in den Richtigen verlieben".... Und außerdem hatte sie soeben noch einen Traumjob (der ihr gekündigt wurde), eine tolle Wohnung (die ihrem Freund gehört) und eine Beziehung.
Und nun frage ich mich: Welche Mutter würde ihrer Tochter absolut NICHTS hinterlassen, außer einen Brief mit Forderungen? Dinge, die sie besser zu wissen scheint, als ihre Tochter? Sicherlich hat sie in einigen Punkten recht, aber da im Roman die besonders innige Beziehung zwischen den beiden Frauen immer wieder angesprochen wird, ist dies für mich als Mutter total unrealistisch!
Noch dazu hat Elizabeth groß Karriere gemacht und ein riesiges Unternehmen gegründet. Brett und ihre zwei Brüder Jay und Joad gehören zur Upper Class und hier kommen auch wieder diese typischen amerikanischen Charaktere zur Geltung: reich, erfolgreich, wunderschön...... keine Durchschnittsmenschen, sondern absolute "Traumtypen", die es meiner Meinung nicht gibt.

Auch die Idee ist nicht wirklich neu. In Cecilias Ahern "P.S. - Ich liebe dich" wurde diese bereits - viel besser - umgesetzt. Natürlich werden erfolgreiche Geschichten gerne kopiert und wir erleben das immer wieder in Büchern...man kann ja auch nicht immer das Rad neu erfinden....trotzdem hatte ich mir hier einfach mehr erhofft, denn die Story wirkt leider ziemlich oberflächlich und konstruiert. In der Mitte des Buches konnte ich bereits zwei Ereignisse erahnen, die danach auch genauso eintrafen. Das zeigt nicht gerade von einem Roman, der mich überraschen konnte...

Charaktere:
Brett war mir zwar nicht unsympathisch, aber ob wir Freundinnen geworden wären? Ich weiß nicht (abgesehen davon, dass ich nicht zur Upper Class gehöre). In einigen Situationen tat sie mir wirklich leid. Im Laufe des Romanes hat Brett auch einiges gelernt und an sich gearbeitet, ihr Charakter hat sich weiterentwickelt. Auch ein wunder Punkt aus ihrer Vergangnenheit löste sich sehr positiv auf. Ihre Brüder hatten eine dermaßen oberflächliche Einstellung, die sie mir absolut unsympathisch machten. Einige sehr nette Charaktere wie Carrie, Johnny oder Shelley wuchsen mir allerdings ans Herz.
Die Autorin hat unsere Hauptprotagonisten, als auch viele Nebencharaktere sehr glaubhaft und bildhaft beschrieben, auch wenn es ihnen an Ecken und Kanten fehlte.

Schreibstil:
Hier gibt es nichts zu bemängeln. Die Geschichte lässt sich sehr gut und flüssig lesen. Es gibt einige wunderschöne Zitate im Roman, die einem immer wieder innehalten lassen und über diese Worte nachdenken lässt.

Cover:

Ich habe mir diesmal auch ein Cover mit französischen und spanischen Titel herausgesucht. Das französische Cover gefällt mir nämlich so überhaupt nicht, aber die Frage im pinkfarbenen Teil ist sehr ausagekräftig. Übersetzt heißt es etwa "Was hast du aus deinen Träumen aus der Kindheit gemacht?" Ganz perfekt ist die Übersetzung jetzt nicht...würde wohl dann korrekt etwa "Was ist aus deinen Kindheitsträumen geworden?" heißen, aber es ist die konstante Frage, der rote Faden, des Buches. Deshalb wollte ich auch dieses Cover miteinbeziehen.

Fazit:
Für mich war dieser Bestseller leider eine Enttäuschung. Durch die guten Kritiken hatte ich wohl zuviel erwartet. Ich versprach mir eine tolle Geschichte, die letztendlich aber viel zu konstruiert und vorhersehbar war. Schade!