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Veröffentlicht am 15.09.2016

Erneut ein starker Teil der „Scoundrel of St. James Reihe, der mich verzaubert hat. Romantisch,tiefsinnig und prickelnd zugleich

Gefährlich zärtlich
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Jack Dodger musste seit frühster Kindheit durch die harte Schule des Lebens gehen. Von der Mutter verkauft, missbraucht und schließlich als Straßenjunge zum Dieb ausgebildet- da blieb nicht viel Zeit für ...

Jack Dodger musste seit frühster Kindheit durch die harte Schule des Lebens gehen. Von der Mutter verkauft, missbraucht und schließlich als Straßenjunge zum Dieb ausgebildet- da blieb nicht viel Zeit für Mitgefühl und Sensibilität. Obwohl er ausgerechnet im Kreis der Straßenjungen und deren Anführer einst ein gewissen Gefühl von Sicherheit und Freundschaft vermittelt bekam. Ein einziger Fehler, nämlich der, für Geld alles zu tun und nichts zu hinterfragen, wurde ihm im Alter von nur fünf Jahren zum Verhängnis, als er gegen Geld; eine Familie belog und sie in eine dunkle Gasse lockte, wo ein anderer Vater und Mutter eines kleinen adligen Jungen tötete. Jack war so entsetzt, dass er den Tod zweier Unschuldiger mitverschuldet hatte, dass er sich von nun an, dem verstörten Jungen, der nun auf einen Schlag Waise geworden war, annahm.

Das Schicksal war den beiden gnädig, denn ausgerechnet der Großvater des Jungen nahm sie einige Jahre später auf, als er seinen bislang tot geglaubten Enkel wieder erkannte. Doch auch Jack profitierte davon. Ihm wurden Manieren anerzogen und zudem bekam er von einem ihm unbekannten Gönner eine gewisse Summe zugestellt, die es ihm Schritt für Schritt durch klug gemachte Investitionen erlaubte, ein reicher Mann zu werden. (Diese Vorgeschichte erfährt man bereits in Teil 1 der Serie)

Mittlerweile ist er Besitzer eines gutgehenden Spielsalons und ist eigentlich zufrieden mit seinem Leben, obwohl seine Freunde der Meinung sind, dass er seine Einstellung zum Geld, überdenken und sich stattdessen um Frau und Familie bemühen sollte, da Geld ja bekanntlicherweise kein Ersatz für Liebe ist.
Doch Jack sieht seine Situation völlig anders. Als er eines Tages zur Testamentseröffnung eines ihm nur wenig bekannten Adligen vorgeladen wird, fällt er aus allen Wolken, denn der verschiedene Adlige hat ausgerechnet ihn, Jack Dodger zum Vormund seines Sohnes Henry bestimmt. Dazu bekommt Jack das Stadthaus mit all seinem kostbaren Inventar darin. Doch einen Haken gibt es an der Sache- die Witwe.
Lady Olivia beschließt ihm zunächst spinnefeind zu sein, da Jack sich leider zunächst von seiner schlechtesten Seite zeigt und kein Hehl daraus macht, dass nun er das Sagen hat. So liefern die beiden sich einige hitzige Diskussionen. Doch als Lady Olivia bemerkt, dass Jacks schlechter Ruf nicht ganz seinem Verhalten entspricht; besonders einfühlsam und freundlich verhält er sich nämlich ihrem Sohn entgegen, verliebt sie sich Hals über Kopf in ihn. Kann sie den unnahbar wirkenden Mann denn tatsächlich dazu bringen, sie zu lieben?

Nach „Teuflisch verführt“ dem ersten Teil der Scoundrels of St. James Reihe, erzählt Lorraine Heath nun die Geschichte Jack Dodgers, der bereits im ersten Band, als interessante und vielschichtige Nebenfigur in Erscheinung trat. Diesmal bekommt man von der Autorin viel mehr Einblicke in seine Gedanken und Gefühlswelt geboten und kann so auch viel besser nachvollziehen, wieso Jack so besessen vom Reichtum ist und auch, was ihn zu dem harten Mann gemacht hat, der er für Fremde auf den ersten Blick zu sein scheint. Natürlich hat er auch einen weichen Kern, der jedoch tief verborgen in ihm schlummert, weil er bereits viel zu oft vom Leben enttäuscht wurde.

Lady Olivia ist eigentlich das genaue Gegenteil von Jack. Sie wuchs behütet auf, wurde jung und naiv, mit einem wesentlich älteren Mann, den ihr Vater bestimmt hatte, verheiratet und bekam relativ früh nach der Hochzeit den gewünschten Erben. Ein echtes Ehe- bzw. Liebesleben hat auch sie bislang nie kennengelernt, da sie und ihr Mann, nach der Geburt des Erben auf jegliche Zärtlichkeiten verzichteten, was sie damals sehr verletzte.
Obwohl sie Jacks machohafte Art, mit der er ihr begegnet, abgrundtief hasst und ihm dies auch unmissverständlich sagt, kann sie sich dennoch seiner Männlichkeit und Attraktivität nicht so ganz entziehen. Dennoch knickt sie gottlob nicht vorschnell ein, sondern bietet ihm ordentlich Paroli, was Jack zwar ärgert, aber auch insgeheim imponiert. Besonders Olivias Neigung sämtliche Benimmregeln des tons einhalten zu wollen, treibt ihn anfänglich in den Wahnsinn, doch ich fand es sehr amüsant, zu lesen, wie ausgerechnet diese beiden, die unterschiedlicher nicht sein könnten, plötzlich entdecken, dass sie sich zueinander hingezogen fühlen.

Dabei verlässt sich die Autorin nicht wie viele andere ihrer Kollegen rein auf die sexuelle Anziehung, sondern vielmehr setzt sie auf viele gemeinsame Gespräche zwischen dem Heldenpaar, die glaubhaft vermittelt, für den Leser Nähe schaffen, so dass man schließlich nachvollziehen kann, wieso sich ausgerechnet diese beiden ineinander verlieben. Der Weg bis dahin ist sehr tiefschürfend und romantisch zugleich beschrieben, zudem liebe ich die regencytypische Ausdrucksweise und den ansprechenden Schreibstil von Lorraine Heath einfach und hoffe sehr, dass der Verlag auch weiterhin Romane der Autorin übersetzen wird, da sie zu den besten Autorinnen dieses Genres gehört.

Kurz gefasst: Erneut ein starker Teil der „Scoundrel of St. James Reihe, der mich verzaubert hat. Romantisch, tiefsinnig und prickelnd zugleich. Meine Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Eindringlich geschilderter, geheimnisvoller Roman auf zwei Zeitebenen erzählt, im Stile einer Katherine Webb, Kate Morton...

Das Haus an der Mündung
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Suffolk Gegenwart:

Iris ist Archäologin mit Leib und Seele, ein wahres Arbeitstier, und so bemerkt sie es auch nicht, als sich ihr Mann Stück für Stück zurückzieht. Als er ihr schließlich klipp und klar ...

Suffolk Gegenwart:

Iris ist Archäologin mit Leib und Seele, ein wahres Arbeitstier, und so bemerkt sie es auch nicht, als sich ihr Mann Stück für Stück zurückzieht. Als er ihr schließlich klipp und klar sagt, dass er auszieht aus ihrem gemeinsamen Haus, fällt Iris aus allen Wolken. Selbst ihr Vorschlag es nochmals mit ihr zu probieren und ihre Bitte, er möge sie doch während seines Urlaubs begleiten nach Suffolk, wo sie als Leiterin einer archäologischen Ausgrabung engagiert wurde, lässt ihn völlig kalt. So muss Iris, zutiefst verletzt, allein ihre Reise antreten und zwar in dem Bewusstsein, dass sie nun nicht nur ihre große Liebe verloren hat, sondern auch ihr gemeinsames Haus, dessen Unkosten sie allein unter keinen Umständen tragen kann.
So will sie sich, in Suffolk angekommen, zunächst Hals über Kopf in die Arbeit stürzen, doch das ist leichter gesagt als getan, denn die Arbeiter vor Ort, geben sich äußerst wortkarg und sie wird zu allem Überfluss auch noch in ein sehr abgelegen liegendes Haus einquartiert. Frustriert will sie sich beschweren, doch der ominöse Caleb, angeblich auch ehemaliger Leiter der Ausgrabung, geht gar nicht erst an sein Handy. So macht sich Iris kurz entschlossen auf, um ihn auf eigene Faust im Dorf zu suchen. Als sie vor ihm steht, ist sie überrascht, denn Caleb ist ausgerechnet der Mann, der sie ein paar Tage im Dunklen überrascht hatte, als sie sich ein alleinstehendes Haus näher angeschaut hatte und der ihr gegenüber alles andere als freundlich auftrat…

Orford 1903:

Die seit Jahren mit Rodney Treyane verheiratete Lady Meredith, findet eines Tages mit ihren Kindern Fabia und Theo einen völlig verwahrlosten, abgemagerten Jungen am Fluß und beschließt sogleich, ihn aus Dankbarkeit dafür, dass Gott einst ihr jüngstes Kind, das schwer erkrankt war, wieder gesunden ließ, aufzunehmen und ihn wie ein weiteres Kind aufzuziehen. Der Junge, der sich vom Aussehen her stark von den anderen abgrenzt, wird fortan Emanuel genannt und baut besonders zu Fabia ein enges Verhältnis auf. Die mitfühlende Fabia hasst es, wenn ihr gewalttätiger Vater wieder einmal Emanuel in den Keller hinabzitiert, um ihn zu verprügeln, doch Emanuel erduldet sämtliche Grausamkeiten, die ihm von Seiten seines Ziehvaters angetan werden, ohne Angst zu zeigen, was den Ziehvater noch mehr verärgert. Als beide Jungen das schulpflichtige Alter erreichen, gehen sie aufs College, was Emanuel Zeit gibt, zu einem jungen, wissbegierigen Mann heranzureifen, der ehrgeizige Pläne hat. Er will Arzt werden und später einmal Fabia heiraten. Doch dann bricht der erste Weltkrieg aus und die Karten werden neu gemischt….

„Das Haus an der Mündung“ von Victoria Jones, verlockte mich zunächst durch sein stimmungsvolles Cover. Und da sich auch der Klappentext so las, als habe ich hier eine Lektüre a la Kate Morton, Katherine Webb oder Kimberley Wilkins vor mir, konnte ich auch nicht wirklich widerstehen, da ich Romane liebe, in denen die Helden oder Heldinnen ein dunkles, lange zurückliegendes Geheimnis lüften müssen.
Der Roman wird abwechselnd auf zwei Zeitebenen erzählt. Während im Teil, der in der Gegenwart spielt, eine junge Archäologin im Fokus steht, die sich, nachdem sie von ihrem Mann verlassen wurde, zunächst einmal wieder neu sortieren muss und schließlich in Caleb eine verwandte Seele findet, ist die Handlung, die in der Vergangenheit spielt, um einiges komplexer gestaltet und auch fand ich die Akteure, Fabia und Emanuel ein wenig sympathischer, so dass mich deren Geschichte einfach noch mehr fesseln konnte, selbst wenn ich Iris und Calebs Story ebenfalls mochte.

Emanuel ist ein junger Mann, der ein wenig an Brontes ungezügelten und düsteren Romanheld „Heathcliff“ erinnert, jedoch ist Emanuel im Gegensatz zu Heathcliff um ein Vielfaches milder gestimmt und verabscheut Gewalt. Man leidet mit ihm mit und wünscht sich beim Lesen stets, dass doch endlich einmal jemand von den übrigen Geschwistern oder zumindest die Mutter, für den Jungen einsteht, um ihn zu beschützen, doch leider sind sämtliche Personen typische Vertreter ihrer Zeit, die es nicht wagen, die Initiative zu ergreifen. Bis auf Fabia, verharren sie in ihrer Passivität und selbst das Hausmädchen Ceridwen vermag es leider nicht, Emanuel vor Schlägen zu schützen, was mich beim Lesen sehr aufbrachte. Aber es verleiht der Geschichte auch die gewisse Portion Glaubwürdigkeit, denn in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg waren die Menschen halt noch gefangen in den, ihnen vorgegebenen Konventionen.
Die Autorin hat einen eindringlichen Schreibstil und eine sehr bildhafte Ausdrucksweise und auch die Beschreibungen der Örtlichkeiten fand ich anschaulich dargebracht.
Ich konnte mich daher sehr gut in die Geschichte vertiefen und habe sie leider viel zu schnell ausgelesen gehabt und das trotz der immerhin 479 Seiten, was für das Erzähltalent der Autorin spricht.
Obwohl ich mir gewünscht hätte, dass Iris ein wenig offener und freundlicher vom Wesen her gestrickt gewesen wäre, und das Ende des Roman ruhig etwas happyendlastiger hätte ausfallen dürfen, möchte ich dennoch nicht weniger als 5 von 5 Punkten vergeben, weil mich der Roman so sehr packen konnte.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Achtung Lachfältchengefahr! Umwerfend witziger 4. Teil der „Billionaire Boys Club“ Reihe, der mir viel Lesespaß bereitet hat

Perfect Passion - Feurig
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Was habe ich damals den Film “Pretty Woman” geliebt, in dem, mit einer Prostituierten und einem reichen Geschäftsmann ein Paar zusammen fand, das unterschiedlicher nicht hätte sein können. So ähnlich verhält ...

Was habe ich damals den Film “Pretty Woman” geliebt, in dem, mit einer Prostituierten und einem reichen Geschäftsmann ein Paar zusammen fand, das unterschiedlicher nicht hätte sein können. So ähnlich verhält es sich auch in Jessica Clares aktuellem Roman “Perfect Passion- Feurig”. Maylee ist jedoch keine Prostituierte, sondern ein waschechtes Südstaatenmädel, das nicht nur mit äußerst breitem Dialekt redet und so, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, sondern auch völlig natürlich und unaffektiert durchs Leben geht. Sie stammt aus bürgerlichem Elternhaus, lebt in Brooklyn in einem winzigen, gemieteten Zimmer und freut sich zunächst wie wahnsinnig, als sie erfährt, dass der Freund ihres Arbeitgebers händeringend eine Assistentin sucht, die ihm für ein paar Tage zur Hand geht bei Terminabsprachen. Und alles wird äußerst gut bezahlt! Sie ahnt zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht, dass ihr neuer Chef ein Viscount ist, der so steif wirkt, als ob er laut Freundin seines Kumpels, “einen Stock im Allerwertesten hat”.

Viscount und Milliardär Griffin Verdi braucht Maylees Dienste, weil er zu der königlichen Hochzeit seiner Cousine reisen muss und das alles ohne Butler! Da er noch nicht einmal eine Krawatte selbstständig binden kann… wo käme man da schließlich hin! … braucht er dringend Unterstützung, der alte Snob. Als er Maylee aber zum ersten Mal begegnet, fällt er aus allen königlichen Wolken. Dass sie ein echtes Landei ist und völlig unpassende Kleidung dabei hat, stößt ihm sauer auf. Aber Maylee könnte ihm dennoch äußerst gefährlich werden, da ihre erfrischende und offene Art gepaart mit ihrer Attraktivität, sein Herz schnell höher schlagen lässt.

So weit zum Inhalt. Mit „Perfect Passion- Feurig“ hat Jessica Clare, den nun bereits 4. Teil ihrer erotischen Romanserie um eine Reihe von reichen Geschäftsmännern, die miteinander befreundet sind, abgeliefert. Und obwohl es zwar schön sein mag, wenn man die Bücher in der richtigen Reihenfolge liest, kann man jedoch auch jederzeit neu einsteigen; will sagen, jedes der Bücher kann auch als „stand alone“ gelesen werden.
Diesmal bringt die Autorin nun, wie oben erwähnt ein Paar zusammen, das so unterschiedlich gestrickt ist, dass man kaum fassen kann, dass sie überhaupt jemals zusammenfinden könnten. Während Maylee anfangs ein wenig naiv erscheint, glaubt Griffin, er stände über allen Dingen und Personen. Zwar hat er keine Lust darauf, dass all zu großes Gewese um ihn gemacht wird, doch genießt er im Grunde schon einige seiner Privilegien, was ihm erst durch Maylees Fingerzeige bewusst wird. Überhaupt gelingt es Maylee immer wieder auf ihre natürliche und offene Art, ihm seine Fehler unangenehm unter die Nase zu reiben, was mir einige Lacher beim Lesen entlockt hat.

Es ist auch zu schön, wenn Griffins steife und schnöselige Weltanschauung durch Maylee gehörig durcheinander gewirbelt wird. Zugegeben, er hat eine verletzende schroffe Art, aber er sieht seine Fehler zumeist schnell ein, was ihn letztendlich dann doch sympathisch für die Leser macht.
Es knistert jedoch von Beginn an ordentlich zwischen den beiden, was dann auch in, typisch für einen erotischen Roman, sehr sexy und prickelnd beschriebenen Liebesgeschichten gipfelt. Dennoch gerät die Handlung hier zu keiner Zeit zur Nebensache, was mir besonders gut gefallen hat. Und auch der lesetechnisch gesehene Ausflug in königliche Gefilde, hat mir viel Spaß bereitet. Für die meisten humorigen Szenen sorgen jedoch Maylee und Griffin selbst. Ihre Dialoge sind einfach köstlich zu lesen und überhaupt sorgt Jessica Clares eingängiger und unterhaltsamer Schreibstil dafür, dass man viele Freude an dem 4. Teil der Reihe haben wird. Hier könnte ich mir sogar zu späterer Zeit ein Re-Reading des Buches vorstellen. Etwas, das mir ganz selten passiert.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Beschwingte, humorvolle Historical Romance die einer guten Hollywood Screwball Komödie gleich, zu unterhalten versteht

Wie wird man einen Herzog los in zehn Tagen
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Lady Lucy Upton und ihre Freundinnen Lady Jane Lowndes und Lady Cassandra Monroe, gehören im ton zu den sogenannten Mauerblümchen. Das liegt weniger an ihrem Aussehen, denn alle drei sind auf ihre Art ...

Lady Lucy Upton und ihre Freundinnen Lady Jane Lowndes und Lady Cassandra Monroe, gehören im ton zu den sogenannten Mauerblümchen. Das liegt weniger an ihrem Aussehen, denn alle drei sind auf ihre Art äußerst attraktiv. Während Lady Cass mit einer großen Schüchternheit geschlagen und unglücklich verliebt in einen Mann ist, der bereits seit Kindertagen einer anderen versprochen ist, zieht es Lady Jane lieber in gut gefüllte Bibliotheken. Sie hat einfach nichts übrig für dumme Männer, die nicht mit ihrer Intelligenz umgehen können. Auch Garrett, Lady Lucys Cousin, liebt es Lady Jane zu necken, doch kann sie ihn etwas besser ertragen.

Lady Lucy dagegen hat ein überaus freches Mundwerk. Sie ist gewitzt, abenteuerlustig und über alle Maßen schlagfertig. So ist es dann auch kein Wunder, dass Cass ausgerechnet Lucy darum bittet ihr beizustehen, wenn sie dem frischgebackenen Duke of Claringdon, Derek Hunt eine Abfuhr erteilt, denn Cass fürchtet sich vor dem großen, attraktiven Mann und Kriegshelden, der so überaus dominant wirkt und es sich in den Kopf gesetzt hat, Cass zu heiraten. Obwohl Lucy alles ihr nur mögliche versucht, Derek davon abzuhalten, Cass weiterhin den Hof zu machen, erweist dieser sich als stur und hartnäckig und bringt sie mit seinem trockenen Humor regelrecht zur Weißglut. Was Cass und Lucy nicht ahnen, ist, dass Derek auf Bitten eines im Sterben liegenden Freundes handelt. Und weil weder Lucy noch Derek nachgeben wollen, kreuzen die beiden Kampfhähne weiterhin die Klingen, während Cass sich nicht so recht traut, aus ihrem Schneckenhaus herauszukommen…

Ich war voller Vorfreude, als ich sah, dass eine Historical Romance von Valerie Bowman ins Deutsche übersetzt würde, aber auch sehr gespannt, da ich bislang lediglich englische Leseproben der Autorin kannte, die sich jedoch sehr vielversprechend lasen.
Nun, nachdem ich vorhin „Wie wird man einen Herzog los in 10 Tagen“ ausgelesen habe, bin ich sehr froh darüber, der Autorin eine Chance mit ihrer „Playful Brides“ Reihe gegeben zu haben, denn sie konnte mich mit ihrer Historical Romance mehr als nur überzeugen. Ich war sehr angetan vom beschwingt leichten Unterton, der in diesem Roman vorherrscht, der mich ein wenig an Julia Quinns alte Romances erinnert hat, wenn auch die Ausdrucksweise der Protagonisten und auch ihr Verhalten, hier und da ein wenig moderner wirkt. Normalerweise stört mich so etwas, doch in diesem Fall war es anders, da mich die amüsanten Dialoge der Protagonisten und auch ihr Umgang mit Freunden und Bekannten so begeistern konnten.

Zwar tragen sowohl Lucy als auch Derek kleine seelische Altlasten mit sich herum, doch werden sie nicht in epischer Breite ausgewalzt- es kommt an passender Stelle zur Sprache und damit ist es auch gut, was ich als sehr positiv empfand. Sowieso ist das Heldenpaar erfrischend normal gestrickt. Beide stehen mit beiden Beinen im Leben; haben nur eine Schwäche, die man jedoch eigentlich als Stärke auslegen müsste. Ihre Freunde nämlich, die es ihnen zunächst scheinbar unmöglich machen, zueinander finden zu können.
Zwischen dem Paar wider Willen sprühen von Anfang an die Funken und es hat mir viel Lesespaß bereitet, wie sie sich zunächst versuchen gegenseitig auszutricksen. Dereks Wette mit Lucy inklusive, auf die ich an dieser Stelle nicht näher eingehen möchte, um nicht zuviel zu verraten.

Im ersten Teil ihrer „Playful Brides“ Reihe, macht Valerie Bowman ihre Leser bereits mit einigen ihrer Hauptakteure der weiteren Bände bekannt, und da sie genauso sympathisch und liebeswert beschrieben werden, wie auch Lucy und Derek, möchte ich unbedingt dran bleiben an der Serie und hoffe sehr, dass Bastei Lübbe weitere Bücher der bislang fünfteiligen Reihe übersetzen wird. Denn ich bin schon sehr neugierig darauf wie es weitergeht und vor allem, ob Lady Cass ihren Julian dann doch noch bekommen wird.

Kurz gefasst: Beschwingte, humorvolle Historical Romance die einer guten Hollywood Screwball Komödie gleich, zu unterhalten versteht und mich bezaubert hat.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Atmosphärisch dichter 4. Teil der Schneidmann/Käfer Reihe, der auf ganzer Linie überzeugen kann

Denn mir entkommst du nicht
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Beim Joggen hört Antonio Gomez plötzlich jemanden, der leise seinen Spitznamen ruft. Irritiert schlägt er sich ins Gebüsch und überrascht dabei eine vermummte Gestalt, die vor ihm davonläuft. Als er vorangeht, ...

Beim Joggen hört Antonio Gomez plötzlich jemanden, der leise seinen Spitznamen ruft. Irritiert schlägt er sich ins Gebüsch und überrascht dabei eine vermummte Gestalt, die vor ihm davonläuft. Als er vorangeht, findet er eine Frauenleiche vor, die schrecklich zugerichtet wurde. Nachdem er dann auch noch erkennen muss, dass es sich dabei um eine frühere Bekannte handelt, mit der Antonio einst befreundet war, ist er erst recht erschüttert. Anonym ruft er die Polizei, doch diese findet im Zuge der Ermittlungen schnell heraus, wer der unbekannte Anrufer war, da Antonio sich in der Nähe der Leiche erbrechen musste. Mittlerweile ist auch noch eine weitere Frau getötet aufgefunden worden.
Schnell glaubt die Polizei, in Antonio ihren Täter gefunden zu haben, da seine DNA nicht nur am ersten, sondern auch an einem Beweisstück am zweiten Tatort aufgefunden wurde. Antonio beteuert jedoch seine Unschuld.

Und irgendwie hat die Ermittlerin Charlotte Schneidmann ein seltsames Bauchgefühl, dass ihr sagt, dass sie ihre Ermittlungen auch in andere Richtungen ausweiten müssen. Das bedeutet jedoch auch jede Menge an Überstunden. Überstunden, die für sie und ihre junge Familie etwas ungelegen kommen. Währenddessen versucht ihr Kollege Peter Käfer zusammen mit seiner Frau für Nachwuchs zu sorgen, doch der will sich leider nicht so einfach einstellen'

Der bereits vierte Teil der Münsteraner Krimireihe um das Ermittlerduo Schneidmann und Käfer beginnt sogleich sehr spannend. Diesmal müssen die beiden zwei Frauenmorde aufklären, die die gleiche Handschrift des Täters tragen. Doch könnten die beiden Opfer unterschiedlicher nicht sein. Während das erste Opfer eine stadtbekannte Prostituierte war, handelt es sich bei der zweiten ermordeten Frau um eine junge Mutter, die aus einem völlig normalen und glücklichen Umfeld gerissen wurde. Ein Verdächtiger wird zwar schnell gefunden, doch der Leser weiß ja bereits von Beginn an, dass sich die Tätersuche nicht so einfach gestalten wird. Die Autorin legt dann auch viele Finten und falsche Fährten, so dass man genau wie das Ermittlerduo lange Zeit im Dunklen tappt, was den Roman sehr interessant macht.

Überhaupt fand ich 'Denn mir entkommst Du nicht', noch viel packender und straffer geschrieben, als den Vorgängerband. Zudem streut die Autorin diesmal ein wenig mehr familiären Hintergrund des Ermittlerduos ein, was die Figuren für mich nun greifbarer machte. Gegen Ende des Romans zieht die Autorin dann gewaltig die Spannungsschraube an; war 'Denn mir entkommst Du nicht', zuvor nur ein interessanter Krimi, der die akribische Ermittlungsarbeit auf unterhaltsame Art in den Fokus stellte, bekam er dann gegen Ende die Züge eines atemberaubenden Thrillers, der in einem vor Dramatik nicht mehr zu überbietenden Showdown gipfelte. Den Cliffhanger jedoch hat es in sich, so dass man sich nun wohl oder übel bis zum nächsten Teil der Reihe gedulden muss, auch wenn der Kriminalfall als solches abgeschlossen wird.