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Veröffentlicht am 19.07.2018

Zauberhaft

Der Duft des Lebens
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Die Autorin hat unter ihrem Pseudonym Clara Maria Bagus den zweiten philosophischen Roman veröffentlicht. In „Der Duft des Lebens“ geht es um den Jungen Aviv, der mit einem weitreichenden Schicksal geboren ...

Die Autorin hat unter ihrem Pseudonym Clara Maria Bagus den zweiten philosophischen Roman veröffentlicht. In „Der Duft des Lebens“ geht es um den Jungen Aviv, der mit einem weitreichenden Schicksal geboren wird. Ein Mensch mit schwarzer Seele bedroht die Heimat des Jungen, alles verkommt und wird Seelenlos. Aviv soll den bösen Plan verhindern und wird dabei vom Jungen zum Mann.

Frau Bagus hat einen wunderbaren Roman mit Zügen eines Erwachsenenmärchen geschrieben, das sehr eindrücklich existenziellen Lebensfragen nachgeht. Es geht um Menschlichkeit in einer Gesellschaft, den Sinn des Lebens, die eigenen Träume und die Seele. Wie findet man seine Bestimmung? Wie wurde man zu dem, der man ist? Was macht das Mensch-sein aus? Wie lässt sich (Mit-)Menschlichkeit bewahren? Thematisch erinnert das Buch an „Momo“ von Michael Ende, die Reihe um „Hector“ von François Lelord und „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry. Ähnlich fantastisch entwickelt sich diese Geschichte.

Die Entwicklung des Jungen Aviv wird gemächlich und tiefgründig geschildert. Die Lesenden bekommen einen umfassenden Einblick in seine Empfindungen und Gedanken. Er gehört zu den sympathischen Figuren. Im Gegensatz zu dem abgrundtief bösen Kaminski, der seinen mörderischen Plan verfolgt. Dies lässt den Eindruck einer Märchenerzählung entstehen. Zwischen diesen platten und überzeichneten Gegensätzen versucht die Autorin jedoch zu vermitteln und die Schattierungen jedes Einzelnen aufzuzeigen. Die Sehnsüchte des Kaminski, die schlimmen Erlebnisse, die er gemacht haben muss, das zögerliche an Aviv. Damit macht Bagus eine Gratwanderung zwischen dem märchenhaft platt und eindeutigen gegenüber dem Versuch des vielschichtig und differenziertem. Die Geschichte bietet inhaltlich also eine interessante Mischung und geht über das Märchenhafte hinaus.

In kurzen nummerierten Kapiteln wird abwechselnd aus der Sicht von Aviv und Kaminski erzählt. Die Entwicklungen sind gut nachvollziehbar, wenn auch langwierig. Die Sprache ist sehr poetisch und bildreich. Die vielen Sprachbilder schaffen Atmosphäre und bleiben lange in Erinnerung. Es finden sich viele kluge Sprüche mit moralischen Botschaften, die in ihrer Menge fast schon übersättigend wirken. Die Sprache lädt also dazu ein sich darin zu verfangen und hängen zu bleiben, nachzudenken. Zudem stolpert der Text vereinzelt über deplatziert wirkende Wörter, wie „volles Bukett“, „glänzender Gagat“ und „panathenäische Preisamphore“. Insgesamt sprachlich eine ungewöhnliche Mischung, die auch irritierend wirken kann.

Trotzdem schafft es die Geschichte Spannung zu erzeugen, nimmt die Lesenden für sich ein und lässt sie darin abtauchen. Die Geschichte ist traurig, nachdenklich, macht ärgerlich und verzweifelt, erzeugt Hoffnung und Entsetzen. Emotional also vollkommen einnehmend.

Ein vielschichtiger Roman - mehr als ein Märchen. Mit großen Botschaften und einem Appell an die Menschlichkeit. Emotional einnehmend, sprachlich teilweise irritierend.

Veröffentlicht am 16.07.2018

Gehaltvoll bis überladen

Die Kunst, einfache Lösungen zu finden
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Der Journalist und Autor Christian Ankowitsch schreibt erneut ein Sachbuch zu menschlichen Grundsatzfragen. Diesmal befasst er sich mit dem Lösen von Problemen und zwar auf möglichst einfache Weise. In ...

Der Journalist und Autor Christian Ankowitsch schreibt erneut ein Sachbuch zu menschlichen Grundsatzfragen. Diesmal befasst er sich mit dem Lösen von Problemen und zwar auf möglichst einfache Weise. In drei Teilen geht er auf einfache Lösungen im Allgemeinen, dann auf konkrete Lösungsideen und abschließend auf den Wert von Problemen ein.

Ankowitsch schafft es schon auf den ersten Seiten seines Buches Interesse zu wecken. Obwohl das Buch teilweise langatmig wirkt und sich der Text ohne Unterbrechungen dahinzieht, kann der Inhalt immer wieder begeistern. Es gelingt dem Autor gut diesen Inhalt mit anschaulichen Beispielen zu durchsetzen. Zudem fördern einzelne hervorgehobene Sätze als Randbemerkung und die Endnoten den Lesefluss. Trotzdem ist es ein sehr „kopforientiertes“ Buch, das verstanden werden muss.

In dem Format des Sachbuches ist wohl begründet, dass der Text nur von den Überschriften unterbrochen wird. Das kann das Lesen herausfordernd machen. Anders als in Ratgebern, müssen die Lesenden selbst für „Verschnaufpausen“ sorgen. Denn: Hier wird Information an Information gereiht. Entsprechend nüchtern und gehoben ist die Sprache. Hat man sich daran gewöhnt, ließt sich der Text fließend.

Das Reizvolle an diesem Sachbuch ist die Bandbreite der angebotenen Lösungsansätze. Diese können zuerst banal erscheinen, werden von Ankowitsch jedoch immer verständlich und glaubwürdig in den Alltag eingeordnet. Weiter entsteht der Eindruck, dass die Lösungsansätze sinnhaft und praktikabel sind. Dies erreicht der Autor vor allem durch die vielen Experten, die er zitiert. Angenehm ist auch, dass Ankowitsch auf unaufdringliche Art überzeugt.

Das Buch ist sehr gehaltvoll und umfassend. In seiner Theorie zu einfachen Lösungen erfasst Ankowitsch die unterschiedlichsten wissenschaftlichen Richtungen und gibt einen ausführlichen Überblick über Erkenntnisse aus Psychologie, Soziologie, Evolutionsbiologie, Wirtschaftwissenschaft, u.a. Das Lesen macht Spaß, da das eigene Wissen wiederholt und erweitert werden kann.

Ankowitsch gibt einen umfassenden Überblick über einfache Lösungsansätze aus den verschiedensten Wissenschaftsbereichen. Bewährtes anschaulich zusammengefasst. Informativ aber überladen.

Veröffentlicht am 04.07.2018

Ein ansprechender Ratgeber

Goodbye Beziehungsstress
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In ihrem zweiten Ratgeber zum Thema Partnerschaft verspricht Elena-Katharina Sohn den Abschied von Beziehungsstress. Dafür beschreibt sie in zwei Problem-analysierenden Kapiteln und einem Übungskapitel ...

In ihrem zweiten Ratgeber zum Thema Partnerschaft verspricht Elena-Katharina Sohn den Abschied von Beziehungsstress. Dafür beschreibt sie in zwei Problem-analysierenden Kapiteln und einem Übungskapitel ihre Erfahrungen aus der Beratung von Menschen in Liebesthemen. Angefangen mit zehn Beziehungsirrtümern geht es über die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu glücklichen Partnerschaften und abschließend zum Erlernen der „Glücksherz-Methode“.

Elena-Katharina Sohn schafft es mit einer persönlichen Ansprache und vielen Beispielen die Lesenden mitzunehmen. Ihr Vorgehen von der Problembeschreibung zur Anleitung für einen neuen Umgang mit Partnerschaften wirkt dabei folgerichtig und gut strukturiert. Sohn erscheint kompetent und sympathisch, wodurch eine gewisse Nähe beim Lesen entstehen kann. Ihre Erfahrungen aus ihrer Arbeit klingen durchweg plausibel und sind gut nachvollziehbar.

Der Ratgeber lässt sich leicht lesen, ist gut verständlich. Mithilfe von Zusammenfassungen, Merksätzen und Abbildungen werden die Inhalte greifbarer und eindrücklicher. Das Lesen macht Spaß, es entsteht Interesse für das Thema und Motivation an sich selbst zu arbeiten. Das Buch liefert ein grobes Grundlagenverständnis und viele hilfreiche Ratschläge. Berührend sind die Beispiele, in denen bestimmte Verhaltensmuster klarer werden. Angenehm ist, das eine grundlegende Hoffnung und Wertschätzung vermittelt wird.

Nicht ganz so überzeugend ist das Punktesystem bei den Selbsttests, da es wenig aussagekräftig erscheint. Die Beschäftigung mit den Testfragen sollte ausreichen, um sich selbst und den eigenen Mustern näher zu kommen. Zudem ist die Nebenwirkung des starken Kategorisierens, das sich nicht Jeder angesprochen und gesehen fühlen kann.

Auch wenn es bereits eine Vielzahl von Ratgebern zu diesem Thema gibt, so sind die Schilderungen der Autorin doch interessant und hilfreich. Insgesamt ein lesenswerter Ratgeber mit ein paar Schwächen.

Veröffentlicht am 30.06.2018

Ungewöhnliches Familienporträt

Familie und andere Trostpreise
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Der Amerikaner Sonny bekommt zu seinem 21. Geburtstag das Vermögen seines Vaters, des Guru Bim, vererbt. Sein Vormund Thomas überreicht ihm zeitgleich eine Liste mit Orten und Personen, die er in England ...

Der Amerikaner Sonny bekommt zu seinem 21. Geburtstag das Vermögen seines Vaters, des Guru Bim, vererbt. Sein Vormund Thomas überreicht ihm zeitgleich eine Liste mit Orten und Personen, die er in England aufsuchen soll, um seine Familiengeschichte zu ergründen. Sonny macht sich samt seinen ganzen Neurosen und seiner Drogenvergangenheit auf die Suche nach sich selbst.

Die Geschichte selbst ist reizvoll und ziemlich abgefahren. Die Begleitumstände der Situation und der Junge selbst sind merkwürdig und absurd. Es könnte alles in Abwegige abdriften bei der ganzen Esoterik, dem Zusammenleben in Kommunen, der ganzen Skurrilität. Tut es aber nicht. Die Autorin hat fast alles logisch und in vielen glaubwürdigen Details verpackt.

Nach und nach entsteht ein umfassendes Bild von Sonny und den anderen Personen. Dies ist insofern ganz angenehm, da es sowohl um positive als auch negative Eigenschaften der Beteiligten geht. Nur Sonny begegnet den großen Herausforderungen trotz seinen vielen Neurosen zu leicht – fügt sich zu leicht in die Geschichte. Immerhin war er drogenabhängig, hat viele Zwänge und Neurosen. Vielleicht passt dies aber auch zu der Art der Geschichte, die sich nicht allzu ernst nimmt und einen leichten Ton anschlägt.

Der Text liest sich fließend, ist in Briefform (der Junge schreibt an seine Mutter) geschrieben. Die Briefform ist günstig gewählt, da die Lesenden so Einblick in Sonnys Seelenleben und seine Gedanken bekommen. Die Erzählung ist sehr ausführlich und intensiv, hat eine kaum wahrnehmbare Spannung. Das Buch lässt sich deswegen zwischendurch immer wieder leicht weg legen. Die Lesenden sind gefordert immer wieder den Reiz der Geschichte zu erinnern, um das Buch wieder in die Hand zu nehmen. Wenn das geschafft ist lässt sich der Faden jedoch leicht wieder aufnehmen. Am Ende des Briefes angekommen hat sich ein rundes Bild von der Familiengeschichte ergeben.

Die Autorin Martine McDonagh hat in „Familie und andere Trostpreise“ eine unterhaltsame nicht ganz leicht gängige Geschichte über die Suche eines jungen Mannes nach sich selbst geschrieben. Eine absurde Reise beginnt - mit vielen skurrilen Begegnungen, klugen und nachdenklichen Tönen.

Veröffentlicht am 16.06.2018

Skurriler Franken-Krimi

Bülent Rambichler und die fliegende Sau
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Im ersten Fall für Bülent Rambichler muss dieser, der sich in Nürnberg erfolgreich an seinen Schreibtisch klammerte, zu seinem ersten Mordfall raus – in seine Heimat aufs Land nach Strunzheim. Gemeinsam ...

Im ersten Fall für Bülent Rambichler muss dieser, der sich in Nürnberg erfolgreich an seinen Schreibtisch klammerte, zu seinem ersten Mordfall raus – in seine Heimat aufs Land nach Strunzheim. Gemeinsam mit seiner Kollegin Astrid trifft er dort auf die dörfliche Enge mit den merkwürdigen Gesetzmäßigkeiten, einige verdächtige Dörfler und seine Eltern, die ihre eigenen Pläne mit ihm haben. Da wird es arg schwer den Mord um die nackerte Gelbwurscht-Pflunz, eigentlich Rummsler Kerstin zu lösen...

Anja Bogner trifft in ihrem Franken-Krimi einen heiteren und humorvollen Ton. Mit viel Wortwitz und urkomischen aber auch peinlichen Situationen beschreibt sie die Ermittlungen um den Mord. Die Eigenheiten der Franken und des türkischen Vaters spielen ebenso eine Rolle wie die Generationenunterschiede. Unaufgeregt webt die Autorin diese ein, ohne vermeintlich türkisch oder fränkische Eigenheiten einzuordnen. Für die Lesenden wird die Dynamik auf dem Land erlebbar, es entsteht Atmosphäre. Dies geschieht vor allem durch die leicht lesbare Umgangssprache und den verschriftlichten regionalen Dialekt samt Anglizismen.

Die Ermittler Bülent und Astrid wirken sympathisch und sehr speziell - er mit seiner paddeligen Unbeholfenheit und sie mit ihrer esoterisch forschen Art. Ihre Charakterzüge werden oberflächlich, jedoch in diesem Rahmen ausreichend dargestellt. Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind durchgehend absurd und unterhaltsam. Weiter geht es um die ländlichen Besonderheiten und die vielen skurrilen Einheimischen. Am Ende werden auch die schrägsten Dorfbewohner immer liebenswerter. Auffallend sind die fehlenden Beschreibungen der Umgebung, der Natur oder anderen regionalen Besonderheiten. Diese werden wohl zugunsten der zwischenmenschlichen Eigenheiten raus gelassen.

Die Geschichte ist amüsant und nett. Es entwickelt sich Spannung. Angefangen mit dem Mord, den verschiedenen Motiven und den sich klärenden Zusammenhängen lassen sich die Entwicklungen gut mitverfolgen. Ganz nebenbei entwickelt sich zwischen Bülent und seiner Kollegin Astrid noch eine kleine Liebelei, die gut in der Erzählung Platz findet. Die Geschichte hat nachdenkliche Züge, im Text finden sich einige prägnante und tiefgründige Zeilen. Insgesamt ist die Geschichte eher oberflächlich und leicht, sodass sich das Buch in wenigen langen Zügen lesen lässt.

Insgesamt ein amüsanter Franken-Krimi mit vielen skurrilen Einheimischen und einer schönen Liebelei zwischen den Ermittlern. Leicht zu Lesen, mit vielen Lachern sowie skurrilen Situationen.