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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.12.2016

Ein Thriller mit Stärken und Schwächen

Schattenkiller
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Zum Inhalt:
In Rom werden mehrere Leichen entdeckt, die auf den ersten Blick nicht wirklich viel gemeinsam zu haben scheinen. Dennoch besteht der Polizeipräsident darauf, dass sich Commissario Enrico Mancini ...

Zum Inhalt:
In Rom werden mehrere Leichen entdeckt, die auf den ersten Blick nicht wirklich viel gemeinsam zu haben scheinen. Dennoch besteht der Polizeipräsident darauf, dass sich Commissario Enrico Mancini des Falls annimmt, der eigentlich gerade mit einem Vermisstenfall betraut ist und in einer schweren Lebenskrise steckt. Es entwickelt sich ein Wettlauf gegen die Zeit, der die Ermittler an ihre Grenzen führen wird…

Meine Meinung:

Autor Mirko Zilahy gilt als gefragter Übersetzer namhafter englischer Autoren. Mit „Schattenkiller“ legt er nun Debut als Schriftsteller vor. Nachdem ich das Buch zu Ende gelesen hatte, hat es mich zunächst mit gemischten Gefühlen zurückgelassen, denn „Schattenkiller“ ist ein Thriller mit Stärken und Schwächen.

Die Story an sich ist spannend, in sich rund und sehr ausgeklügelt. Der Leser tappt dabei ebenso wie die Ermittler die meiste Zeit absolut im Dunkeln, was die Hintergründe der Tat oder den Täter selbst anbelangt. Im Verlauf der Geschichte präsentiert der Autor zahlreiche Puzzlestücke, die sich erst am Ende lückenlos zusammenfügen und so ein schlüssiges und nachvollziehbares Bild ergeben. Darüber hinaus wartet der Autor am Ende noch mit einer Überraschung auf, die ich nicht habe kommen sehen – sehr geschickt gemacht! Dazu ist das Finale surreal, extrem atmosphärisch und gleichzeitig auch sehr symbolträchtig. Alles in allem eine überzeugende Grundstory, auch wenn an der einen oder anderen Stelle der Zufall seine Hand mit im Spiel hatte.

Die zentrale Schwäche sind für mich allerdings die Charaktere. Zum einen überschwemmt der Autor seine Leser gerade zu Beginn mit einer Vielzahl von Charakteren, die man im rund ersten Viertel mitunter nur schwer auseinanderhalten und zuordnen kann. Dies hat mir beim Lesen einiges an Konzentration abverlangt und weniger Spaß gemacht. Nach ca. dem ersten Drittel hatte ich damit aber keine Probleme mehr.

Dafür hat sich ein Problem wie ein roter Faden durch dieses Buch gezogen: der Protagonist Commissario Enrico Mancini, mit dem ich bis ganz zum Schluss nicht „warm“ geworden bin. Durch einen Schicksalsschlag steckt Mancini in einer schweren Lebenskrise, ist tief depressiv und hat diverse merkwürdige Ticks entwickelt. Das an sich wäre ja nicht weiter tragisch, aber ebenso wie Mancini seine Kollegen und Mitmenschen auf Distanz hält, so erging es auch mir. Obgleich es dem Autor gelungen ist, eine durchaus überzeugende Charakterentwicklung Mancinis über den gesamten Verlauf der Story hinweg darzulegen, war mir Mancini doch an keiner Stelle irgendwie „nahe“ oder gar sympathisch. Eher im Gegenteil: Stellenweise war ich von seinen Verhaltensweisen einfach nur genervt. Letztendlich war der Fall eine Art Therapie für Mancini, durch die man ihn als Leser begleitet hat.

Auch die meisten anderen Charaktere sind für meinen Geschmack recht blass geblieben. Lediglich die Charaktere Walter Comello, Caterina De Marchi und Professor Carlo Biga sind mir im Verlauf der Geschichte sympathisch geworden. Ich hätte mich daher gefreut, wenn sich der Autor dieser Charaktere ein bisschen mehr angenommen hätte.

Als Stärke dieses Debuts habe ich die sehr interessanten Settings empfunden. Der gebürtige Römer Mirko Zilahy zeigt die „ewige Stadt“ mal von einer ganz anderen, dunklen Seite („Sicher, mein Rom ist anders, es ist eine unbekannte, wenngleich absolut reale Stadt“ - S. 425). Sonnenschein sucht man in „Schattenkiller“ vergeblich, denn passend zur Gemütslage der Hauptcharaktere versinkt Rom in kaltem Dauerregen. Auch die einzelnen Schauplätze befinden sich abseits der ausgetretenen Touristenpfade. Selbstverständlich führt die Handlung schlaglichtartig immer mal wieder an den bekannten historischen Gebäuden und Plätzen Roms vorbei (wie z.B. dem Kolosseum oder auch dem Forum Romanum) doch die eigentlichen Schauplätze dieses Thrillers liegen in den Industriebrachen dieser Metropole, die nicht weniger interessant und atmosphärisch sind als die antiken Stätten. Sei es nun das Stahlungetüm eines alten Gasometers, ein verlassener Schlachthof oder auch weitere Industrieruinen. Alle Schauplätze passen perfekt zur Story.

Der Schreibstil des Autors hat mir insgesamt gut gefallen. Auch wenn mich hier und da ein paar Wiederholungen, die es nicht gebraucht hätte, gestört haben, ist der Stil stellenweise sehr blumig, ja fast schon düster-poetisch. Hierzu möchte ich gerne die folgenden Sätze zitieren: „Hinter ihm, jenseits des Sees, erzitterten die hölzernen Gerippe der Kirschbäume im leisen Windhauch unter den Tränen des Himmels.“ (S. 47) oder auch „Er betrat die Duschkabine und ließ die flüssige Hitze in seinen Körper kriechen.“ (S. 329).

FAZIT:
Ein spannender Fall, tolle Settings aber leider unnahbare Charaktere und ein stellenweise nerviger Protagonist. Knappe vier Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Charaktere
  • Spannung
  • Handlung
  • Stil
Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein fesselnder Mystery-Thriller mit kleineren Schwächen

Das Mona-Lisa-Virus
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Meine Meinung:

Die Story startet rasant und Autor Tibor Rode („Das Los“ / „Das Rad der Ewigkeit“) macht auf den ersten 100 Seiten gleich so viele Schauplätze und Handlungsstränge auf, dass ich mich beim ...

Meine Meinung:

Die Story startet rasant und Autor Tibor Rode („Das Los“ / „Das Rad der Ewigkeit“) macht auf den ersten 100 Seiten gleich so viele Schauplätze und Handlungsstränge auf, dass ich mich beim Lesen durchaus konzentrieren und lernen musste, die einzelnen Personen erstmal auseinanderzuhalten. Hierdurch ergibt sich aber über die gesamte Länge des Buches (rd. 450 Seiten) hinweg ein sehr hohes, streckenweise atemloses Tempo mit extrem viel Spannung und Abwechslung. Zwischendurch habe ich regelrecht gezweifelt, ob es dem Autor tatsächlich gelingen kann, am Ende alle Handlungsstränge nachvollziehbar zu verknüpfen. Soviel sei an dieser Stelle vorab verraten: Er schafft es, auch wenn sich einige Schauplätze am Ende als Nebenkriegsschauplätze herausstellen und ein Handlungsstrang für meinen persönlichen Geschmack mehr Beachtung verdient hätte.

Letztendlich ergibt sich eine sehr vielschichtige, verzweigte uns stellenweise komplexe Geschichte, deren Grundgedanke ich sehr interessant und als sehr gut für einen Thriller geeignet empfunden habe. Auch das Konzept, basierend auf historischen Personen und Gegebenheiten eine fiktive Thriller-Story darum herum zu entwickeln, hat mir außerordentlich gut gefallen. Herr Rode hat die Lücken in den historisch belegten Fakten sehr geschickt mit seiner Story ausgefüllt, die mich durchweg sehr gut unterhalten und gefesselt hat. Das Grande Finale, mit dem Tibor Rode seine Story krönt, war wirklich spannend, action- und temporeich! Gerade auf den letzten rd. 100 Seiten konnte ich dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Die Charaktere, die Tibor Rode dabei für seinen Thriller entworfen hat, sind zahlreich und vielfältig, konzentrieren sich nach und nach aber auf drei Hauptcharaktere, von denen mir der FBI-Agent Greg Millner persönlich am sympathischsten war. Ich würde mich freuen, mehr von ihm und Helen Morgan zu lesen.

Was mir persönlich weniger gut gefallen hat ist, dass „Das Mona Lisa-Virus“ für mich einen eindeutigen Mystery-Touch hat. Nicht falsch verstehen, ich liebe gute Mystery-Thriller (wie diesen!), aber ich erwarte dann auch, dass diese als solche verkauft werden. In einem „waschechten Thriller“ ist für mich kein Platz für Mystery. Darüber hinaus hat mir der Zufall an der einen oder anderen Stelle eine etwas zu große Rolle gespielt, auch wenn es im wirklichen Leben tatsächlich oftmals der Zufall ist, der die Geschicke lenkt. Ein weiterer Kritikpunkt meinerseits ist, dass ich Manches als zu vorhersehbar empfunden habe und Anderes wiederum als zu wenig glaubwürdig, wenn z.B. Laien die Arbeit von Spezialisten machen.

Alles in allem hat mich das Buch aber wirklich sehr gut unterhalten und – wie schön erwähnt – regelrecht gefesselt.

FAZIT:
Trotz kleiner Schwächen ein spannender, temporeicher und absolut fesselnder Thriller mit deutlichem Mystery-Touch. Für Fans von Dan Brown oder Thomas Thiemeyer sicherlich genau das Richtige!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein absolut fesselndes Verwirr-Spiel

Die stille Kammer
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„Die stille Kammer“ (Original: „How I lost you“) ist der Debut-Roman der 29jährigen Engländerin Jenny Blackhurst. Auf rd. 440 Seiten entspinnt die Autorin eine Geschichte, die mit einer für die meisten ...

„Die stille Kammer“ (Original: „How I lost you“) ist der Debut-Roman der 29jährigen Engländerin Jenny Blackhurst. Auf rd. 440 Seiten entspinnt die Autorin eine Geschichte, die mit einer für die meisten Menschen unglaublichen Tat beginnt: Einer Mutter, die ihren eigenen, wenige Wochen alten Sohn umgebracht haben soll. Die eigentliche Handlung setzt dann vier Jahre später ein, als Susan längst aus der Psychiatrie entlassen ist und sich unter einem neuen Namen ein neues Leben aufgebaut hat, nachdem sie sämtliche Kontakte und Verbindungen zu ihrem alten Leben gekappt hat. Noch immer leidet Susan sehr unter ihrer damaligen Tat. Doch nach und nach verstärken sich bei ihr die Zweifel, häufen sich die Fragen, was damals wirklich genau passiert ist.
Von diesem Punkt aus nimmt die Autorin den Leser mit auf eine sehr spannende Reise, in deren Verlauf immer mehr Fragen und Ungereimtheiten auftauchen und der Leser genauso ahnungslos ist wie die Protagonistin Susan selbst. Dabei wird Schritt für Schritt klar, dass der Auslöser für die Tragödie in der Vergangenheit zu suchen ist, vielleicht sogar sehr viel weiter in der Vergangenheit. Susan zweifelt dabei nicht nur an neuen und alten Bekannten und Freunden, sondern sehr oft auch an sich selbst. Genau so ist es auch mir beim Lesen ergangen. Dabei dreht sich der Strudel der Ereignisse im Fortgang der Geschichte immer schneller, so dass es mir schwergefallen ist, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Diese stetig zunehmende Spannung, die ständige Ungewissheit über die wahren Beweggründe der handelnden Personen und nicht zuletzt das große Fragezeichen, wie das alles zusammenpassen soll, machen für mich einen besonderen Reiz dieses Thrillers aus. Bis erst ca. 50 Seiten vor dem Ende hatte ich große Sorgen, dass es der Autorin nicht gelingen würde, eine wirklich schlüssige, befriedigende und einfach „runde“ Auflösung ihrer Story zu präsentieren. Doch soviel sei hier verraten: Sie hat es geschafft!
Eine weitere große Stärke dieses Thrillers liegt für mich in den Charakteren, die Jenny Blackhurst sehr detailreich und realitätsnah entworfen hat. Denn bei fast keinem Charakter ist man sich während des Lesens sicher, auf welcher Seite er steht, welche Motive ihn antreiben. Dies habe ich in dieser Intensität und Vielzahl wirklich selten gelesen und es ist schon erstaunlich, wie Blackhurst dies in ihrem Debutroman so gut gelingen konnte.
Dennoch hat dieser Thriller für mich persönlich ein kleines Manko, das für mich letztlich zum Abzug eines Sternes geführt hat. Dies kann ich leider nicht begründen, ohne ein kleines Bisschen zu spoilern. Wer also auch kleine Spoiler nicht mag, sollte jetzt NICHT weiterlesen, sondern gleich zum Fazit übergehen!
*****SPOILER ANFANG****
Ich liebe es an Thrillern, wenn am Ende eine mich völlig überraschende Auflösung präsentiert wird, bei der es mir „wie Schuppen von den Augen fällt“ und ich mich frage, warum ich denn nicht auf diese Lösung gekommen bin. Das gehört für mich für einen „5 Sterne Thriller“ einfach dazu. Dies ist der Autorin leider nicht gelungen. Auch wenn die Auflösung im großen Ganzen nachvollziehbar und durchaus überraschend war, bin ich doch der Meinung, dass ich gar keine Chance hatte, der Auflösung wirklich nahe zu kommen. Das ist schade und begründet für mich den Abzug des einen Sterns.
****SPOILER ENDE*****

FAZIT:
Ein bemerkenswertes Debut und sehr spannendes Verwirrspiel um eine absolut tragische Vergangenheit. Ein Thriller, den man nur schwer wieder aus der Hand legen kann!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein ungewöhnlicher, spannender und überraschender Thriller

Scherbenmädchen
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Zum Inhalt:
Während eines Pfadfindercamps wird die 13jährige Angie entführt. Drei Jahre später taucht sie plötzlich wieder zu Hause auf. Was in der Zwischenzeit passiert ist, weiß niemand, auch Angie nicht. ...

Zum Inhalt:
Während eines Pfadfindercamps wird die 13jährige Angie entführt. Drei Jahre später taucht sie plötzlich wieder zu Hause auf. Was in der Zwischenzeit passiert ist, weiß niemand, auch Angie nicht. Doch die Lösung zu diesem Fall ist in den Tiefen von Angies Psyche verborgen.

Meine Meinung:
Es ist ein absolut ungewöhnlich aufgebauter Jugend-Thriller, den Liz Coley hier präsentiert. Ausgehend von einem sehr spannenden Start rund um die Entführung Angies und ihrer unerwarteten Rückkehr, zieht sich die zentrale Frage danach, was in den drei Jahren passiert ist, als Grundmotiv konstant durch die Geschichte hindurch. Dieses Geheimnis wird nur Stück für Stück, einem Puzzle gleich, enthüllt. Dabei lernt der Leser auch Angie, ihr Umfeld und ihre Kindheit besser kennen und verstehen. Besonders interessant ist es, dass es Angie ganz genauso geht.
Eine besondere Stärke dieses Buches liegt für mich, neben der ungewöhnlichen Geschichte, in der Charakter-Entwicklung, die in diesem Buch durchaus eine ganz neue Bedeutung bekommt. Es ist sehr interessant zu verfolgen, wie Angie selbst ihre Geschichte auf- und verarbeitet. Aber auch die anderen Charaktere sind Liz Coley sehr gut gelungen, von den verstörten Eltern, die mit ihren Gefühlen nicht richtig umzugehen wissen, bis zu Angies Freundeskreis, der sich vollkommen neu definiert. Es ist sehr interessant, die Interaktionen zwischen den Charakteren und deren Auswirkungen zu verfolgen.
Last but not least passt auch der Schreibstil sehr gut zum Setting und den Charakteren. Das Buch liest sich flüssig und leicht, ohne von der Ausdrucksweise zu einfach oder gar „platt“ zu wirken.
„Scherbenmädchen“ ist ein Thriller, der nicht „nur“ unterhält und fesselt, sondern der nebenbei auch ethische Fragestellungen aufwirft, die einen selbst ins Grübeln bringen und dem Ganzen Tiefgang verleiht.
Da die Story aber für meinen Geschmack ein / zwei Zufälle zu viel enthält, ziehe ich in der Endwertung einen Stern ab und vergebe insgesamt gute vier Sterne.

FAZIT:
Ein außergewöhnlicher, spannender Jugend-Thriller, der mich insbesondere mit seiner Grundidee und der Charakterentwicklung überzeugt hat.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein topaktueller Politthriller um die skrupellosen Machenschaften in Afrika

Todesdeal
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Zum Inhalt:
Eigentlich wurde Martin Fischer mit seinem Kollegen Bernd von seinem Boss in das Grenzgebiet zwischen Ruanda und Kongo geschickt, um eine Reportage über die Berggorillas und das Leben von Diane ...

Zum Inhalt:
Eigentlich wurde Martin Fischer mit seinem Kollegen Bernd von seinem Boss in das Grenzgebiet zwischen Ruanda und Kongo geschickt, um eine Reportage über die Berggorillas und das Leben von Diane Fossey zu schreiben, die im Dezember 1985 unter mysteriösen Umständen starb. Doch was für Martin die erste große Story und ein abenteuerlicher Safari-Trip mitten ins Herz von Afrika sein sollte, entwickelt sich ganz anders, denn Martin und Bernd kommen nie bei den Berggorillas an…

Meine Meinung:

Bestseller-Autor Veit Etzold ist nunmehr seit Jahren eine feste Größe unter den deutschen Thrillerautoren und dürfte Vielen von den bislang vier „Clara Vidalis“- Thrillern bekannt sein. Nun hat sich der Autor in ein für ihn neues Genre gewagt: Politthriller.

Wenn man sich die Vita von Veit Etzold durchliest, verwundert es durchaus, dass er nicht schon früher einen Politthriller geschrieben hat. Denn sie untermauert, dass Veit Etzold ein absoluter Kenner der internationalen Wirtschaft und der Politik ist und mit Sicherheit ganz genau weiß, worüber er schreibt. Dr. Veit Etzold arbeitete u.a. für die Boston Consulting Group und war oder ist Berater bei den unterschiedlichsten Firmen und Institutionen, wie z.B. der global tätigen Bergbaufirma Gaia Mineral Ressources, der African Development Corporation in Ruanda und auch des deutschen Auswärtigen Amtes.

Mit „Todesdeal“ hat Etzold nun eine Story entwickelt, die um die skrupellosen, ja sogar kriminellen Machenschaften von internationalen Firmen, staatsnahen Institutionen oder sogar den Staaten selbst kreist. Nachdem jahrzehntelang Öl und Diamanten („Blutdiamanten“) die Objekte der internationalen Begierde waren, rücken mit dem immer schneller werdenden technologischen Fortschritt andere Rohstoffe in den internationalen Fokus der Beschaffungsketten: seltene Erden wie beispielsweise das von Menschenrechtsorganisationen als „Konfliktmaterial“ eingestufte Coltan. Das perfide daran: Die stärksten Volkswirtschaften der Erde werden immer abhängiger von diesen Rohstoffen, die oftmals aber nur in den schwächsten Volkswirtschaften vorkommen.

Wozu dies alles führen kann, zeigt Veit Etzold in seinem „Todesdeal“: Staaten (hier: Deutschland, Russland und die VR China) rufen streng geheime Programme und Einsätze ins Leben, um sich möglichst viel von den extrem knappen Ressourcen zu sichern. Dabei wird hemmungslos paktiert, getäuscht und betrogen. Man bedient sich der Schreckensherrschaft brutaler Warlords mit ihren Armeen aus Kindersoldaten und feuert die politische Instabilität in den Abbauländern weiter an. Alles im Dienst der eigenen Wirtschaftskraft.

So wird Martin Fischer ungewollt zum Spielball internationaler Interessen und muss dabei immer wieder um sein Leben fürchten. Schon der Prolog gibt einen sehr genauen Vorgeschmack auf das, was Martin und den Leser erwartet. Die Spannung erzeugt Veit Etzolt auf den knapp 500 Seiten aber nicht durch eine ständige Bedrohung des Lebens seines Protagonisten, sondern viel mehr durch das immer tiefer führende Eintauchen in die internationalen Verstrickungen, die sich dem Leser und Martin nur nach und nach eröffnen. Wenn man denkt, noch schlimmer könne es doch gar nicht kommen, darf man sicher sein: Es kann noch schlimmer kommen!

Dass man für eine solch komplexe Geschichte nicht mit einer Handvoll Charaktere auskommt, ist klar. Zu Beginn hatte ich daher auch meine Schwierigkeiten, mich im Dschungel der Charaktere zu Recht zu finden. Dabei hat mir aber das vorangestellte Personenregister ungemein geholfen. Während am Anfang, nach dem Prolog, gerade durch die vielen internationalen Szenenwechsel ein sehr hohes Tempo bei noch vergleichsweise geringer Spannung herrscht, steigt die Spannung im Verlauf der Geschichte stark an, während sich die Story immer mehr auf die Region um Goma / Kongo konzentriert.

Der Schreibstil Etzolds ist sehr flüssig und kurzweilig zu lesen. Es ist sehr interessant, mit wie vielen politischen, geschichtlichen und ökonomischen Fakten Veit Etzold den Leser durch seine Charaktere versorgt. Dazu kommen (Lebens-)Weisheiten und Sprichworte seiner internationalen Protagonisten (z.B. S. 292: „Man kann zwei Blätter Papier zusammenkleben, (…) Und sie dann wieder auseinanderreißen. Doch egal, wie vorsichtig man sie auseinanderreißt, ein Stück von einem Blatt bleibt immer am anderen hängen. Und umgekehrt.“). Ein kleines Bisschen haben mich dabei nur die zahlreichen Wiederholungen solcher Hintergrundinformationen oder Weisheiten gestört, die sich teilweise innerhalb weniger Seiten ergeben haben.

FAZIT:
Spannend und zutiefst erschreckend. Auch wenn „Todesdeal“ ein fiktionaler Politthriller ist, fragt man sich als Leser, wie viel Wahres an den vielschichtig beängstigenden Zuständen wohl dran ist.