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Veröffentlicht am 26.08.2018

Ein Opfer der Umstände

Die Sache mit dem Dezember
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Auf Reisen lese ich gerne Literatur aus meinem Reiseland und in Irland ist meine Wahl inzwischen schon zum zweiten Mal auf Donal Ryan gefallen. Vor zwei Jahren war es "Die Gesichter der Wahrheit", ein ...

Auf Reisen lese ich gerne Literatur aus meinem Reiseland und in Irland ist meine Wahl inzwischen schon zum zweiten Mal auf Donal Ryan gefallen. Vor zwei Jahren war es "Die Gesichter der Wahrheit", ein Potpourri irischer Stimmen zur Zeit der Finanzkrise 2008, nun, während einer Hausbootfahrt auf dem Shannon "Die Sache mit dem Dezember". Beide Bücher spielen im County Tipperary und somit auf unserer Bootsroute, vermitteln aber ein sehr viel derbes irisches Flair, als wir es erlebt haben.

Zwölf Kapitel, benannt Januar bis Dezember, umfasst der Roman und alle beginnen mit allgemeinen Betrachtungen von Johnsey Cunliffes Eltern zu diesem Monat, für den tollpatschigen Einzelgänger Mitte 20 allgemeingültige Weisheiten. Im Januar ist Johnseys Vater schon seit mehr als zwei Jahren tot, tief betrauert von Mutter und Sohn. Johnsey kann den kleinen Hof der Familie nicht weiterführen, er ist ein „Hornochse“, ungeschickt, dick, Hilfsarbeiter im Co-op, wo man ihm nicht einmal den Mindestlohn zahlt. Von den Gleichaltrigen wird er seit der Grundschule gemobbt, als „Behindi“ beschimpft, gepiesackt und jeden Tag auf dem Heimweg von der Arbeit drangsaliert. Allerdings hatte ich beim Lesen oft den Eindruck, dass Johnsey keineswegs so einfältig ist, wie er sich selbst sieht und wie der auktoriale Erzähler es berichtet. Sehr behütet aufgewachsen als Augapfel seiner Eltern fehlt es ihm gänzlich an Selbstbewusstsein, er ist völlig passiv und empfindet sich in einer Familie von Helden als Versager, der beständig alle enttäuscht. An Frauen traut er sich nicht heran und begnügt sich wohl oder übel mit seinen sexuellen Fantasien.

Als im Februar seine Mutter stirbt, fühlt er sich einsamer denn je und denkt sogar an Selbstmord. Doch dann heben eine schwere Attacke der Dorf-Gang, ein langer Krankenhausaufenthalt mit neuen Bekanntschaften und ein folgenschwerer Beschluss der Kreisverwaltung sein Leben völlig aus den Angeln.

Ich habe diesen eher traurigen Roman über ein Außenseiterschicksal gerne gelesen und vor allem die Rückblicke in Johnseys Kindheit und die Bemühungen seiner Eltern, einen normalen Jungen aus ihm zu machen, sind herzzerreißend. Donal Ryans Figuren sind durchweg Originale, Johnsey genauso wie die „sexy Engelskrankenschwester“ Siobhán (sprich: Schiwon) und der aufschneiderische Bettnachbar Nuschel-Dave. Sie alle sind ein Stück Irland, das man in einem gewöhnlichen Urlaub so nicht erlebt, über das ich aber gerne lese.

Veröffentlicht am 26.08.2018

Heimatlos

Drei sind ein Dorf
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Gleich doppelt hat der mareverlag bei diesem Roman das Original übertroffen: Einmal wirkt das sowieso schon wunderschöne Cover in warmen Farbtönen mit dem charakteristischen weißen mare-Balken noch wesentlich ...

Gleich doppelt hat der mareverlag bei diesem Roman das Original übertroffen: Einmal wirkt das sowieso schon wunderschöne Cover in warmen Farbtönen mit dem charakteristischen weißen mare-Balken noch wesentlich edler und zum anderen ist der Titel "Drei sind ein Dorf", den man erst gegen Ende versteht, viel ausdrucksstärker als das amerikanische "Refuge".

Nilou Hamidi, geboren im iranischen Revolutionsjahr 1979, wächst behütet als Liebling ihres Vaters in Isfahan und Ardestun, dem Dorf ihrer Großeltern, auf. Als ihre Mutter Pari als Christin und Ärztin zunehmend Zielscheibe der Sittenpolizei wird, verlässt sie mit Nilou und deren jüngerem Bruder Kian 1987 das Land. Der Vater Bahman bleibt zurück, seine Zahnarztpraxis, seine Heimatverbundenheit und seine Opiumsucht hindern am Mitkommen. Zwei Jahre sind Pari, Nilou und Kian auf der Flucht, bis sie Asyl in den USA erhalten. Die Alpträume werden Nilou nie mehr verlassen, auch wenn sie das Lernen als Mittel gegen die Angst entdeckt, in Yale studiert und promoviert, den erfolgreichen Anwalt Gui heiratet und schließlich mit ihm nach Amsterdam geht, wo sie Anthropologie an der Universität lehrt. Äußerlich verkörpert Nilou alles, was eine geglückte Integration auszumachen scheint, doch im Inneren fühlt sie sich gehetzt und heimatlos: „Dass sich nichts je richtig abgeschlossen anfühlt. Dass sie etwas Wesentliches in Isfahan zurückgelassen hat und sich nicht daran erinnern kann, was es war.“ Den verständnisvollen Gui kann sie nicht an ihrer Zerrissenheit teilhaben lassen, beklagt die fehlenden gemeinsamen Wurzeln, gibt ihm aber keine Chance, sie zu verstehen.

Der Roman spielt hauptsächlich im Jahr 2009, in dem Nilou immer unruhiger wird und schließlich in einem von Iranern besetzten Haus in Amsterdam erstmals Freunde findet. Ihnen muss sie nichts erklären, sie verstehen einander ohne Worte. Gleichzeitig wird die Situation für ihren Vater im Iran immer prekärer, denn während der Unruhen nach den Wahlen wird er aufgrund einer falschen Beschuldigung unter Hausarrest gestellt. Daneben gibt es Rückblenden auf die vier Treffen zwischen Nilou und ihrem Vater in 22 Jahren der Trennung: 1993 in Oklahoma City, 2001 in London, 2006 in Madrid und zuletzt 2008 in Istanbul.

Dina Nayeri, die selbst im Alter von zehn Jahren aus dem Iran in die USA emigrierte, erzählt abwechselnd über Bahman und über Nilou, unterbrochen durch die Rückblenden aus Nilous Sicht. Zu Beginn des Romans lässt sie Bahman wegen seiner dritten Scheidung einen Tag im Gericht zubringen, wo er und wir Zeuge von 13 Scheidungen werden – ein meisterhafter Kunstgriff, der mich sofort in den Iran katapultiert hat. Überhaupt war Bahman für mich die eindrucksvollste Figur in diesem Roman, auch wenn er durch seine Opiumsucht und seine Weigerung, den Iran mit seiner Familie zu verlassen, vermutlich die Hauptursache für Nilous Zerrissenheit ist. Mit Nilou habe ich dagegen bei allem Verständnis für ihren doppelten Verlust von Heimat und Vater oft gehadert, mit ihrer Unfähigkeit zur Kommunikation und ihrer Weigerung, Gui an sich heranzulassen.

"Drei sind ein Dorf" war eine ebenso bedrückende wie desillusionierende Lektüre für mich, die mich etwas ratlos zurücklässt, doch ist es Dina Nayeri ausgezeichnet gelungen, meine Perspektive auf die Flüchtlingsthematik zu erweitern. Ich bin sicher, dass mir die Geschichte nachhaltig im Gedächtnis bleiben wird.

Veröffentlicht am 07.08.2018

Historische Reiseberichte vorzüglich gelesen

Europareise
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Seit Juni 2018 verlost die EU im Rahmen ihres Jugend-Programms „DiscoverEU“ kostenlose Interrail-Tickets für 18-Jährige. Das Interesse an Europa soll mit dieser großartigen Aktion geweckt, Toleranz gefördert, ...

Seit Juni 2018 verlost die EU im Rahmen ihres Jugend-Programms „DiscoverEU“ kostenlose Interrail-Tickets für 18-Jährige. Das Interesse an Europa soll mit dieser großartigen Aktion geweckt, Toleranz gefördert, Vielfalt und kultureller Reichtum vermittelt und dem Auseinanderfallen Europas entgegengewirkt werden.

Solche Botschafter, die von ihren Reiseerlebnissen erzählen, gab es zu jeder Zeit, und oft waren es berühmte Schriftsteller und Schriftstellerinnen. Fünfzehn solcher Berichte sind auf acht CDs des Audiobuch Verlags zu hören, 592 erlebnisreiche Minuten aus dem zweiten bis zwanzigsten Jahrhundert. Wie immer sind die Sprecher vorzüglich ausgewählt und interpretieren die Texte bisweilen sogar lebhafter und interessanter, als ich sie beim Lesen empfunden hätte. Ausgezeichnet ist auch das Booklet, das die Autoren im Bild zeigt, Lebensdaten und genaue bibliografische Angaben enthält sowie eine knappe Zusammenfassung des Gehörten bietet.

Was alle Texte verbindet, ist die aus heutiger Sicht große Langsamkeit des Reisens. War das gemächliche Tempo von Ort zu Ort noch den historischen Transportmitteln geschuldet, so wurden die langen Aufenthalte - oft Wochen oder Monate - bewusst geplant und führten zu einem wesentlich tieferen Eintauchen in Landschaft, Sehenswürdigkeiten, Geschichte, Bevölkerung und Sitten, so dass wir heute von äußerst detailreichen Beobachtungen profitieren können.

Wie bei allen Anthologien wird jeder Hörer andere Favoriten unter den Texten küren. Die großartigste Interpretation liefert für mich Oliver Rohrbeck bei Charles Dickens vergnüglichem „Durch Frankreich“, die ich mir gleich mehrfach angehört habe. Wie immer ein sprachlicher Hochgenuss sind die Texte von Stefan Zweig über Oxford, den Hyde Park, die Provence und vor allem seine Heimatstadt Wien. An sie erinnert sich Zweig 1940 wehmütig aus dem Exil zurück und preist ihre ehemals europäische, tolerante Gesinnung als Hauptstadt eines Weltreiches, aus politischer Sicht ein ganz und gar aktueller Text. In Edward Whympers „Der Matterhorngipfel“ über seine Erstbesteigung 1865 spiegeln sich Triumpf über die Bezwingung und Trauer über die toten Kameraden gleichermaßen und der Sprecher David Nathan arbeitet diesen Zwiespalt wunderbar heraus. Bei Ida Pfeiffers „Im hohen Norden“ konnte ich mit ihr durch Stockholm spazieren und sah alles lebhaft vor mir. Über Franz Grillparzers schlechte Laune beim Reisen in seinem teilweise stichwortartigen „Tagebuch auf der Reise nach Griechenland“ musste ich schmunzeln, mit seiner Nörgelei und Hypochondrie ist er der personifizierte Alptraum jedes Reiseveranstalters. Sehr interessant war auch Heinrich Heines „Über Polen“ mit seiner Analyse der polnischen Gesellschaft. Mehr versprochen hatte ich mir dagegen von Johann Wolfgang von Goethes Auszug aus „Italienische Reise“, als schwer verständlich empfand ich „Das Erlebnis Russland“ von Lou Andreas-Salomé, obwohl die Sprecherin Vera Teltz sehr gut liest.

Eine sehr empfehlenswerte Hörbuch-Anthologie für alle, die gerne reisen, tatsächlich oder in Gedanken.

Veröffentlicht am 03.08.2018

Eine Frau, ein Kanalboot, viele Bücher

Mein wunderbares Bücherboot
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Die meisten Buchkäufer haben es inzwischen hautnah erlebt: Größere wie kleinere inhabergeführte Sortimente, die meist mit viel Herzblut, Kreativität, Leidenschaft, literarischem Sachverstand geführt wurden, ...

Die meisten Buchkäufer haben es inzwischen hautnah erlebt: Größere wie kleinere inhabergeführte Sortimente, die meist mit viel Herzblut, Kreativität, Leidenschaft, literarischem Sachverstand geführt wurden, schließen oder werden von Ketten geschluckt. Übrig bleiben der Onlinehandel, Wühltische in Lebensmittel- oder Drogerieketten und die immer mehr oder weniger gleichen Filialisten, in denen ich weder gerne einkaufen noch arbeiten möchte. Erschwerend kommen der erneute Rückgang der Umsätze auf dem Buchmarkt 2017, der Anstieg der E-Book-Quote und die abnehmende Kundenfrequenz in vielen Städten hinzu. In Großbritannien, wo die Autorin Sarah Henshaw mit ihrem Bücherboot unterwegs war, fehlt darüber hinaus die Buchpreisbindung, die in Deutschland zum Schutz des Kulturguts Buch glücklicherweise weiterhin besteht.

Die junge Journalistin Sarah Henshaw hat sich 2009 trotzdem ihren Lebenstraum einer eigenen Buchhandlung erfüllt, auf einem 18 Meter langen Kanalboot im Hafen von Burton-upon-Trent nahe Birmingham. Neben Kosteneffizienz erhoffte sie sich von diesem ungewöhnlichen Geschäftsmodell mehr Kunden, eine Rechnung, die im ersten Jahr aufging. Doch bereits nach zwei Jahren stand die „Book Barge“ vor dem finanziellen Aus, der Schuldenberg wuchs trotz Sieben-Tage-Wochen und zahlreichen Veranstaltungen. Als die Beziehung zu ihrem langjährigen Partner hauptsächlich wegen ihrer unternehmerischen Situation in die Brüche ging, beschloss Sarah Henshaw zu handeln und begann im Mai 2011 eine Reise über Englands Kanäle, um sich aus ihrer persönlichen Notlage zu befreien und auf den desaströsen Zustand des stationären Buchhandels aufmerksam zu machen. Zumindest letzteres scheint ihr gelungen zu sein - die immer größere mediale Beachtung im Laufe ihrer Unternehmung spricht dafür.

In ihrem Buch "Mein wunderbares Bücherboot" erzählt Sarah Henshaw in teilweise humorvollen Anekdoten von dieser Reise, von den 1700 zurückgelegten Kilometern, ihrem Kampf mit 707 Schleusen, ihren unzähligen Begegnungen, ihren 1172 Buchverkäufen und 223 Tauschgeschäften, bei denen sie Bücher gegen ein Bett, eine Mahlzeit, einen Haarschnitt oder was immer sie gerade brauchte, eintauschte. Wenig erfährt man dagegen über die Landschaft, die bei ihrer Reise offensichtlich keine große Rolle spielte. Gut gefallen haben mir ihre Betrachtungen zur Literatur genauso wie der fiktive Brief an den Amazon-Chef Jeff Bezos, weniger folgen konnte ich ihren philosophischen Versuchen. Cover, Vorsatzpapier und Layout passen ausgesprochen gut zum Stil des Buches, die gezeichnete Landkarte sieht hübsch aus und erleichtert die Orientierung und das Vorwort von Torsten Woywod kann ich so unterschreiben.

Ein Wort noch zu Sarah Henshaws Herangehensweise an den Buchhandel, die sie selbst zurecht als „naiv“ bezeichnet. So sehr die Liebe zur Literatur für diesen Beruf wünschenswert ist, bleibt es doch eine kaufmännische Tätigkeit und Grundkenntnisse in Betriebswirtschaft sowie eine fundierte buchhändlerische Ausbildung sind unerlässlich. Sarah Henshaw hat so manches auf bittere weil kostspielige Art gelernt, aber ich hatte das Gefühl, dass mir ihre finanzielle Misere mehr Bauchschmerzen bereitet hat als ihr.

Alles in allem ist das Buch als flammendes Plädoyer für den unabhängigen stationären Buchhandel und als Zeugnis der Literaturliebe sehr zu begrüßen, man sollte allerdings keinen genauen Reisebericht erwarten.

Veröffentlicht am 26.07.2018

Alle Puzzleteile finden ihren Platz

Krokodilwächter
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Herausstechend und zweifellos preiswürdig an "Krokodilwächter" ist der Umschlag: eindeutig Diogenes und doch mit den Schnitten, die den Blick auf den roten Leineneinband freigeben, ganz außergewöhnlich.

Mit ...

Herausstechend und zweifellos preiswürdig an "Krokodilwächter" ist der Umschlag: eindeutig Diogenes und doch mit den Schnitten, die den Blick auf den roten Leineneinband freigeben, ganz außergewöhnlich.

Mit Schnitten ist auch die erste Leiche übersät, die Verletzungen im Gesicht wirken sogar wie ein Scherenschnitt. Julie Stender, 21 Jahre alt, wird von einem anderen Mieter ihres Mehrfamilienhauses in der Kopenhagener Innenstadt gefunden. Was diesen Fall so ganz besonders macht, ist die unglaubliche Tatsache, dass die Hausbesitzerin, die berentete Unidozentin Esther de Laurenti, an einem Krimimanuskript arbeitet, das wie ein Drehbuch genau diesen Mord beschreibt. Wer ist der von der Presse als „Messermonster“ titulierte Täter, der so gut wie keine Spuren hinterlassen hat? Wer außer Esther hatte Zugang zu diesem Manuskript? Wer ist Julies geheimnisvoller neuer Freund „Mr. Mox“? Wer postet auf Instagram Fotos der übel zugerichteten Toten? Welche Rolle spielt ihr bulldozerhafter Vater, der sie zugleich vergöttert und bevormundet hat? Wer schwebt noch in Gefahr? Und nicht zuletzt: Was in aller Welt hat es mit dem titelgebenden Krokodil auf sich?

Um es vorwegzunehmen: Die Dänin Katrine Engberg hat in ihrem Debütthriller alle wesentlichen Fragen logisch und befriedigend geklärt. Dazu bedient sie sich zweier Polizeiassistenten, dem eher ruhigen Jeppe Kørner und der manchmal aufbrausenden, eher undiplomatischen Anette Werner, und ihrem Team von der Mordkommission Kopenhagen. Jeppe, dessen Ehe vor acht Monaten am unerfüllten Kinderwunsch gescheitert ist, hat seinen trennungsbedingten Nervenzusammenbruch und seine Selbstzweifel noch nicht überwunden, was sein berufliches Verhalten zwischendurch unprofessionell und gefährlich werden lässt. Dieser Aspekt des Buches ist zwar durchaus interessant und passt letztlich sogar überraschend gut zur Haupthandlung, hätte für mich aber deutlich kürzer ausfallen dürfen. Über Anette, die in einer Musterehe lebt, erfahren wir dagegen wenig, vermutlich wird sie in einem der nächsten Bände mehr in den Fokus rücken.

Der sehr spannende Thriller - oder Krimi - spielt an nur sechs Tagen: vom achten August, dem Todestag Julies, bis zum dreizehnten August, an dem Jeppe im Gespräch mit seinem Freund die äußerst komplexen Umstände noch einmal rekapituliert, wofür ich ihm angesichts der Verwicklungen dankbar war.

Ein Ermittlerteam mit viel Potential für kommende Bände, ein gutes sprachliches Niveau, viel Kopenhagenflair für Kenner, viele sorgfältig ausgearbeitete Charaktere, klug aufgebaute, nahezu durchgängige Spannung und eine gut nachvollziehbare Auflösung als Ergebnis sorgfältiger Ermittlungen zeichnen diesen dänischen Bestseller aus.