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Veröffentlicht am 21.10.2018

Wundersame Heilungen im Markwaldhof

Thalamus
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Gleich zu Beginn des chronologisch aufgebauten Buches lernen wir Timo kennen und erleben seinen Rollerunfall, der zu seinen schweren Verletzungen führt, hautnah mit. Nachdem er aus dem Koma wieder aufwacht, ...

Gleich zu Beginn des chronologisch aufgebauten Buches lernen wir Timo kennen und erleben seinen Rollerunfall, der zu seinen schweren Verletzungen führt, hautnah mit. Nachdem er aus dem Koma wieder aufwacht, kommt er in die Reha-Klinik Markwaldhof, um wieder laufen und sprechen zu lernen.

Wie der Klappentext verrät, klappt es mit dem Laufen schon sehr schnell wieder ganz passabel, aber mit dem Sprechen nicht. Ähnlich ist es bei seinem Zimmernachbarn. Tagsüber ein Wrack, geht es ihm nachts ganz gut. Deswegen wird Timo schnell klar, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zu geht.

Aber nicht nur der Protagonist wird lange im Dunkeln gelassen, auch für den Leser ist bis kurz vor dem Ende nicht klar, was in dieser Klinik überhaupt geschieht. Man kann nur erahnen, dass die Vorgänge nicht so ganz koscher sind. Das führt dazu, dass die Spannung immer sehr hochgehalten wird. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, was denn nun eigentlich los ist. Timo findet immer wieder Hinweise, was dem Leser hilft, seine eigenen Ideen weiterzudenken und Vermutungen anzustellen - bei mir klappte das mit mehr oder weniger Erfolg.

Nach und nach lernt man auch andere Patienten des Markwaldhof kennen. Die Autorin stellt hier vor allem Jugendliche in den Vordergrund, was für die Zielgruppe sehr passend ist. Dankbarerweise beschränkt sie sich hier auf einige wenige Hauptcharaktäre, die immer wieder vorkommen, so dass man nicht durcheinander gerät.

Natürlich schafft es Timo mithilfe seiner neuen Freunde aufzuklären, was in der Klinik los ist. In kleinen Schritten, und so sehr gut nachvollziehbar für den Leser, kommt Timo hinter das Geheimnis der Wunderheilungen, bei der es aber auch Pannen gibt. Hier fand ich es teilweise allerdings etwas verwirrend und fast schon ein bisschen zu abgehoben. Aber wer weiß, was in einigen Jahren alles medizinisch möglich ist...

Am Ende wird es nochmal richtig dramatisch, weil im Markwaldhof eben doch nicht alles Gold ist, was glänzt. Für meinen Geschmack war es ein passender Schluss, der nochmal viel Spannung aufbaut und einiges erklärt, sodass keine Fragen offen bleiben.

Ich wurde von der ersten Seite an gut unterhalten und denke, dass die eigentliche Zielgruppe mindestens genauso begeistert sein wird wie ich. Deswegen gibt es von mir 5 Sterne!

Veröffentlicht am 10.08.2018

Das Wetter spielt verrückt...

Sturm
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Wie der Klappentext schon verrät, geht es in dem Buch um unerklärliche Wetterphänomene. Dabei steht nicht nur Deutschland im Fokus, sondern überall in der Welt spielt das Wetter verrückt, ohne dass sich ...

Wie der Klappentext schon verrät, geht es in dem Buch um unerklärliche Wetterphänomene. Dabei steht nicht nur Deutschland im Fokus, sondern überall in der Welt spielt das Wetter verrückt, ohne dass sich die Meteorologen das erklären können.

Das Erschreckende daran ist, dass Uwe Laub seinen Plot in der Realität ansiedelt. Es könnte genau so passieren: Auf einmal Hagelstürme oder extreme Temperaturanstiege. Und wenn man sich die Hitze der letzten Tage oder die Unwetter gestern anschaut, dann erscheint es erschreckend realistisch, was man liest.

Allerdings gibt es hier eine Erklärung, denn Wettermanipulation scheint tatsächlich möglich zu sein. Immer wieder werden hier Fakten über Versuche eingestreut, die tatsächlich schon von Regierungen oder dem Militär durchgeführt wurden. Das hat die Story sehr greifbar gemacht und auch glaubwürdig, auch wenn ich hoffe, dass es nie Realität wird.

Denn was dann passieren kann, macht den Kern der Geschichte und auch die Spannung aus: Das Wetter wird als Waffe eingesetzt und man scheint machtlos zu sein. Hier kommen dann die Protagonisten ins Spiel: Daniel Bender ist Meteorologe und beobachtet schon länger, dass da etwas nicht mit rechten Dingen zu geht. Zufällig mit in die Geschichte hineingezogen wird Laura, die zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Die Beiden stellen sich dem Kampf des Wetters und versuchen, das Schlimmste zu verhindern.

Vor allem Daniel Bender fand ich einen unheimlich tollen Protagonisten, dem man angemerkt hat, dass er sein eigenes Wohl hinter das der Allgemeinheit stellt. Laura war okay, aber ich konnte ihr Verhalten nicht immer nachvollziehen. Zusammen waren sie aber ein Duo, dass man bei ihrem Abenteuer gern begleitet hat.

Das Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Vor allem weil es so realistisch rüber kam und man gemerkt hat, dass sich der Autor viel mit dem Thema Wettermanipulation beschäftigt hat. An Spannung hat es nicht gefehlt und es war nie langatmig.

Deswegen gebe ich dem Buch 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung für alle, die diese Art von Thriller mögen!

Veröffentlicht am 19.07.2018

Noch 68 Jahre...

Muss es denn gleich für immer sein?
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Der Einstieg in das Buch ist schon mal sehr gelungen. Man begegnet nämlich nicht einer Single-Frau, die den Mann ihres Lebens trifft, sondern Sylvie, die ihren Traummann schon gefunden hat. Bei einem Routine-Check ...

Der Einstieg in das Buch ist schon mal sehr gelungen. Man begegnet nämlich nicht einer Single-Frau, die den Mann ihres Lebens trifft, sondern Sylvie, die ihren Traummann schon gefunden hat. Bei einem Routine-Check beim Arzt werden den beiden gute Voraussetzungen für ein langes Leben vorausgesagt. Das bedeutet: Noch ca. 68 gemeinsame Jahre. Und was sich erstmal richtig toll anhört, bringt die Beiden zum Nachdenken...

Die Geschichte von Sylvie und Dan kann man nicht mit den Shopaholic-Büchern vergleichen. Sie ist irgendwie erwachsener. Zwar gibt es auch hier einige witzige und schrullige Passagen, vor allem wenn es um Sylvies Job und ihre Chefin geht, doch geht es auch ernst zu. Sylvie muss nämlich nicht nur ihren Arbeitsplatz, ein kleinen privates Museum in London, sondern auf den ersten Blick auch ihre Ehe retten.

Sehr gut gefallen hat mir, dass alles sehr realistisch und nicht übertrieben war. Man merkt zwar, dass die Protagonistin ein bisschen in einer Blase lebt, aber trotzdem erlebt man den Alltag einer Zwillingsmama sehr gut mit. Außerdem wird gezeigt, dass es in jeder Familie Probleme geben kann - dass man aber oft einfach nicht darüber spricht. Während des Lesens habe ich mir viele Gedanken darüber gemacht, warum man oft nicht so handelt wie man eigentlich möchte, nur weil man Angst hat, was andere von einem Denken. Denn darum geht es, neben den Pannen und witzigen Verstrickungen, eben auch.

Die Sprache war kinsella-typisch locker, leicht und spitzig. Man fliegt nur so über die Seiten, die vielen Dialoge machen das Buch sehr lebendig. Die Kapitel waren zwar relativ lang, aber es gab Absätze, bei denen man mal eine Pause machen konnte, ohne dass der Wiedereinstieg schwer fiel. Ein Pluspunkt!

Der etwas ernstere Kinsella hat mir wirklich sehr gut gefallen. Man konnte lachen, ohne dass es zu albern war, aber eben auch nachdenken. Die sehr starke Protagonistin Sylvie war einfach toll - man muss sie einfach lieben.

Insgesamt habe ich das Buch verschlungen. Deswegen gibt es von mir 5 Sterne!

Veröffentlicht am 05.07.2018

Her mit dem Trödel...

Der zauberhafte Trödelladen
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Gleich vorweg: Obwohl das Buch ein Teil einer Reihe ist, kann man es problemlos alleine lesen, denn es ist in sich abgeschlossen und dreht sich rund um den Trödelladen von Ruby. Allerdings empfehle ich, ...

Gleich vorweg: Obwohl das Buch ein Teil einer Reihe ist, kann man es problemlos alleine lesen, denn es ist in sich abgeschlossen und dreht sich rund um den Trödelladen von Ruby. Allerdings empfehle ich, die anderen Bände vorher zu lesen. Dann ist man mehr in der Valerie Lane drin, kennt die anderen Charaktere und weiß, was schon alles passiert ist, sodass man die gegenwärtige Situation besser versteht.

Ich muss gestehen, dass mich Ruby und ihr Trödelladen bisher am wenigsten von den fünf Freundinnen interessiert hat. Deshalb war ich auch etwas enttäuscht, als ihr der dritte Teil gewidmet wurde - aber ich wurde eines Besseren belehrt und ich kann sagen: Ruby ist mir total ans Herz gewachsen!

Ruby ist die ruhigste der Freundinnen in der Valerie Lane. Sie ist sehr in sich gekehrt und hatte deswegen nur wenig Raum in den anderen Büchern. Hier lernt man sie endlich richtig kennen - sie ist zwar ruhig, das liegt aber vor allem daran, dass sie viele Sorgen planen. Das kann man total nachvollziehen, denn ihr Laden läuft nicht gut und ihr Vater macht ihr Sorgen. Das hat sich in den Vorgängern schon angedeutet.
Jetzt wächst sie aber richtig über sich hinaus und diese Entwicklung mitzuverfolgen ist einfach herrlich. Ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.

Auch das Setting ist einfach toll. Ich würde am liebsten nach Oxford fahren und nach genau so einer Straße suchen. In einem Trödelladen wie den von Ruby würde ich gerne stöbern und die alten Gegenstände "einatmen".

Das Buch ist sehr kurzweilig geschrieben, die flüssige Sprache lädt zum Weiterlesen ein. Die 300 Seiten sind also schnell weggelesen.

Ruby ist eindeutig zu meiner Lieblingsprotagonistin aufgestiegen, was ich so gar nicht erwartet habe. Das Buch hat mich überrascht und gefesselt: Ich muss einfach 5 Sterne vergeben!

Veröffentlicht am 26.06.2018

Schweig...

Das Haus der Mädchen
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Gleich zu Beginn wird nicht lange gefackelt: Der Leser bekommt das Kellerverlies präsentiert, in dem zwei junge Frauen gefangen gehalten werden. Von wem oder warum ist allerdings unklar. Man weiß nur, ...

Gleich zu Beginn wird nicht lange gefackelt: Der Leser bekommt das Kellerverlies präsentiert, in dem zwei junge Frauen gefangen gehalten werden. Von wem oder warum ist allerdings unklar. Man weiß nur, dass es kein gutes Ende nehmen kann - und dass man besser nicht redet...

Dann gibt es einen harten Bruch, denn man lernt die Protagonistin kennen: Ein Mädchen vom Lande, dass ziemlich naiv in die Großstadt Hamburg kommt und eine Mitbewohnerin, die nur dort ist, um sich einen Millionär zu angeln - eine ziemlich wilde Kombination, auf die man gleich zu Anfang des Buches trifft. Die schüchterne Leni war mir aber doch gleich sympathisch, weil sie sofort Zivilcourage zeigt. Und das steigert sich noch im Laufe der Geschichte, weil sie eben nicht wegsieht, sondern all ihren Mut zusammennimmt und sich auf die Suche nach ihrer Mitbewohnerin begibt, die plötzlich verschwunden ist.

Wo diese sich befindet, weiß der Leser natürlich - im Kellerverlies, das man schon kennengelernt hat. Und es ist wirklich schaurig. Wer redet, wird bestraft. Und wer sich nicht fügt, der hat nicht mehr lange zu leben. Die eigene Identität wird den Gefangenen geraubt, sie sind nur noch eine Nummer.

Der Leser springt immer wieder zwischen Leni, dem Verlies und den Ermittlern der Polizei hin und her. Dadurch wird die Spannung immer aufrecht erhalten. Ich musste das Buch deswegen auch an einem Tag weglesen, ich konnte es einfach nicht aus der Hand legen.

Wer allerdings aufmerksam liest, der kann die ein oder andere Wendung vorhersehen. Ich habe mich immer richtig gefreut, wenn ich mit einer Vermutung richtig lag. Das tut der Spannung aber keinen Abbruch, weil es meist eh einige Seiten später aufgelöst wird. Trotzdem lag ich bis zum Ende zumindest zum Teil mit meinen Vermutungen, wer hinter allem steckt, falsch. Am Schluss wurde ich also nochmal richtig überrascht.

Wie auch schon im "Housesitter" konnte mich Winkelmanns Schreibstil komplett überzeugen. Auf der einen Seite ist das Buch teilweise sehr sachlich, fast schon emotionslos geschrieben, dann werden Passagen wieder so anschaulich geschildert, dass mir fast das Herz stehen geblieben ist. Es ist rasant, ohne sich in die Länge zu ziehen und man hat trotzdem das Gefühl, dass alles gesagt wird, was wichtig ist.

Ich kann nicht anders: Auch dieses Buch von Andreas Winkelmann bekommt von mir 5 Sterne und ich freue mich schon wahnsinnig auf sein nächstes - hoffentlich dauert es nicht so lange!