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Mianna

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.10.2018

Herzerwärmend, aber zu wirr

Als die Tage nach Zimt schmeckten
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Noor reist mit ihrer Tochter zurück in ihre Heimat in den Iran. Enttäuscht und verletzt durch den Betrug ihres Mannes sucht sie Zuflucht bei ihrem Vater Zod.

Die Geschichte beginnt ergreifend. Die Gefühle ...

Noor reist mit ihrer Tochter zurück in ihre Heimat in den Iran. Enttäuscht und verletzt durch den Betrug ihres Mannes sucht sie Zuflucht bei ihrem Vater Zod.

Die Geschichte beginnt ergreifend. Die Gefühle die Noor und ihr Vater Zod trotz der großen geografischen Entfernung teilen sind gut spürbar und zu Tränen rührend. Die Autorin schildert die Beziehung der Beiden mit viel Wärme.

Bemerkenswert ist die Atmosphäre, die beim Lesen entsteht. Die Gerüche der fremdartigen Gerichte, die vereinnahmenden Menschen mit ihrer großen Zuneigung zueinander, die Gefahren der Straße - alles wird lebendig.

Leider gibt es irgendwann einen Bruch in der Geschichte, ab dem die Entwicklungen nicht mehr so gut nachzuvollziehen sind. Vielleicht ist es zusätzlich zu intensiv, dass das Leben und die Vergangenheit des Vaters so ausführlich beschrieben wird.

Eine zu Tränen rührende Geschichte mit viel persischer Atmosphäre - die Geschichte ist jedoch zu wirr.

Veröffentlicht am 18.09.2018

Mehr Thriller als Märchen

Hazel Wood
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Alice ist mit ihrer Mutter ihr bisheriges Leben lang auf der Flucht. Sobald merkwürdige und gefährliche Dinge passieren, ziehen sie weiter. Dies alles scheint mit der magischen Welt ihrer Großmutter zu ...

Alice ist mit ihrer Mutter ihr bisheriges Leben lang auf der Flucht. Sobald merkwürdige und gefährliche Dinge passieren, ziehen sie weiter. Dies alles scheint mit der magischen Welt ihrer Großmutter zu tun zu haben. Als ihre Mutter entführt wird beginnt für Alice eine Reise zu ihren Wurzeln.

Die Autorin dieses Romans hat einen fließenden Schreibstil. Der Text lässt sich gut lesen, die Sprache ist schnörkellos.

Die Geschichte dagegen hat es in sich. Wer einen leicht verdaulichen Fantasieroman oder ein überschaubares Märchen erwartet wird enttäuscht, wenn nicht sogar schockiert. Die Geschichte erinnert mit den übernatürlichen, grausamen Szenen und der grauenvollen Atmosphäre an einen Thriller. Erst später kommen Märchenanteile hinzu, die etwas Tröstliches an sich haben. Das Ende ist dann unerwartet positiv. Die Geschichte lässt sich schwer einordnen, die Merkmale passen nicht richtig zusammen.

Die Geschichte entwickelt sich in drei Teilen. Der erste Teil mit der Einführung in die Geschichte zieht sich sehr in die Länge. Er ist durch eine starke Trostlosigkeit und Grausamkeit geprägt. Die fantastischen Wesen und übernatürlichen Ereignisse schüchtern ein, schüren Ängste. Der zweite Teil wird angenehmer, es entsteht Spannung und Hoffnung. Alice begibt sich auf den Weg zu ihrer Großmutter. Ein ewig währender road-trip bei dem die Charaktere greifbarer werden. Dann vor Ort beginnt ein offensiver Kampf, mit bedrückenden und verwirrenden Szenen. Das Ende ist unerwartet.

Die Geschichte hat eine Sog-Wirkung. Auch grausame und heftige Szenen halten nicht vom Weiterlesen ab. Alice und die anderen Hauptcharaktere haben alle etwas abschreckendes und wenig sympathisches, sind jedoch gleichzeitig irgendwie interessant.

Zusammengefasst ist dieser Roman: Ein Thriller mit fantastischen Wesen, die Geschichte von einem Mädchen auf der Suche nach ihrer Herkunft und eine Roman mit Sog-Wirkung. Unerwartet grausam.

Veröffentlicht am 12.08.2018

Langatmige Geschichte

Der englische Liebhaber
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Federica de Cesco hat nach ihren unzähligen Jugend- und Erwachsenengeschichten nun eine tragische Liebesgeschichte geschrieben. Vor dem Hintergrund des Münster nach Ende des zweiten Weltkrieges erzählt ...

Federica de Cesco hat nach ihren unzähligen Jugend- und Erwachsenengeschichten nun eine tragische Liebesgeschichte geschrieben. Vor dem Hintergrund des Münster nach Ende des zweiten Weltkrieges erzählt sie eine Geschichte aus ihrer Familie. Die junge Anna muss für den Lebensunterhalt ihrer Familie sorgen, sie bekommt eine Stelle als Dolmetscherin bei den Britischen Besatzern. Dort lernt sie den älteren und verheirateten Captain Jeremy Fraser kennen. Sie verlieben sich, aber er verschwindet, bevor sie ihm von ihrer Schwangerschaft erzählen kann.

Die Geschichte ist von Beginn an gut nachvollziehbar. Die Autorin konzentriert sich in ihrer Erzählung auf wenige Hauptcharaktere, die ausführlich in den Blick genommen werden. Anna und ihre Tochter Charlotte wirken anfänglich stark und unabhängig, mit der Zeit ändert sich diese Einschätzung. Beide bekommen etwas farbloses und unsympathisches. Vielleicht ist die Geschichte um Anna und den Offizier zu klischeebehaftet, ebenso ihr Verhalten. Dennoch ergibt sich aus den verschiedenen Sichtweisen, aus denen im Verlauf erzählt wird, ein interessanter Blick auf die Gesamtsituation.

Der Roman hat Atmosphäre, die hauptsächlich über die Sprache entsteht. Diese ist durch schöne Sprachbilder, eine sehr klare Ausdrucksweise sowie sehr kluge und philosophische Gedanken gekennzeichnet. Trotzdem ist der Text anders als erwartet - in nüchterner Sprache und emotional unaufdringlich gehalten. Dies ist einerseits bei diesem hochemotionalen Thema angenehm, wirkt auf Dauer jedoch merkwürdig. Hinzu kommt, dass die Erzählung sehr ausführlich ist und dadurch langatmig wirkt. Es entwickelt sich kaum Spannung, sodass das Weiterlesen schwer wird.

Auch die sehr gut recherchierten Einzelheiten der Entwicklungen und Umstände im Nachkriegsdeutschland wiegen das Ganze nicht auf. Dabei sind diese sehr ausführlich und authentisch beschrieben, bringen sogar etwas Emotionalität in die Geschichte. Es ist interessant die geschichtlichen Entwicklungen mitzuverfolgen und auch die Auswirkungen auf Mutter und Tochter wahrzunehmen. Die Autorin hat sich ein schwerwiegendes und tragisches Thema gewählt.

Eine schwer lesbare - weil langatmige - Liebesgeschichte mit ausführlich recherchiertem geschichtlichen Hintergrund.

Veröffentlicht am 11.07.2018

Starke Frauen auf Sinnsuche

Helle Tage, helle Nächte
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Hiltrud Baier hat in ihrem ersten Roman eine berührende Geschichte zweier Frauen geschrieben, die sich nach Auflösung eines lang gehüteten Geheimnisses neu finden müssen. Als ihre Tante Anna sie bittet ...

Hiltrud Baier hat in ihrem ersten Roman eine berührende Geschichte zweier Frauen geschrieben, die sich nach Auflösung eines lang gehüteten Geheimnisses neu finden müssen. Als ihre Tante Anna sie bittet nach Lappland zu reisen, um dort einem Mann einen Brief zu übergeben ist Frederike dazu bereit. Obwohl ihr dies doch unnötig aufwendig für einen einfachen Brief an einen Unbekannten erscheint. In den Vierzigern, nach der Trennung von ihrem Mann und deshalb in der Sinnfindung macht sie sich auf die Reise, um der krebskranken Anna diesen Wunsch zu erfüllen. Das diese Reise ihre Ansichten auf ihr Leben ändern wird, ahnt sie zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Die Autorin hat eine berührende Geschichte zweier sympathischer Frauen geschrieben, die sich und ihre Familie neu finden. Anna und Frederike sind zwei interessante und vielschichtige Charaktere, die mit ihren Zweifeln, Hoffnungen und Realitäten umfassend beschrieben werden. Abwechselnd werden die Kapitel aus Sicht der beiden Frauen geschildert. Dies lockert die eher nachdenklich – schwere Erzählung auf und vermittelt zwischen den Frauen.

Zusätzlich entsteht durch die Beschreibungen der Landschaften und Umgebungen eine schöne Atmosphäre. Die Autorin schafft es durch diese Beschreibungen eine Verbindung zwischen den beiden Frauen in Süddeutschland und Nordschweden herzustellen. Der Roman hat seine Stärken eindeutig in der Charakterisierung, der Frage nach dem Sinn und der Atmosphäre.

Sprachlich ist der Roman dagegen eher schlicht und unaufgeregt. Die Erzählung lässt sich fließend lesen und ist gut nachvollziehbar. Dies sorgt dafür, dass sich die Lesenden voll auf den Inhalt konzentrieren können. Für ungeduldigere und spannungsliebende Lesende ist dies jedoch nichts. Es entsteht wenig Spannung und zusammen mit dem schwermütigen Geschehen wird die Erzählung lang. Ähnlich wie für die Charaktere geht es für die Lesenden darum das gemächliche Tempo und die belastenden Gefühle auszuhalten. Zudem wirkt das Buch schon bald durchschaubar, das Geheimnis schnell aufgedeckt.

Eine schwermütige Geschichte mit leisen Töne, die sich in den starken Frauencharakteren verliert. Atmosphärisch, aber ohne Spannung.

Veröffentlicht am 09.07.2018

Unter den Albatrossen

Wie man die Zeit anhält
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Der auch in Deutschland bekannte Schriftsteller Matt Haig hat in seinem neuen Roman „Zeit“ philosophisch aufgegriffen. Die fiktive Geschichte um den „Albatros“ Tom Hazard entwickelt sich zu einem Thriller. ...

Der auch in Deutschland bekannte Schriftsteller Matt Haig hat in seinem neuen Roman „Zeit“ philosophisch aufgegriffen. Die fiktive Geschichte um den „Albatros“ Tom Hazard entwickelt sich zu einem Thriller. Anders als Menschen altern Albatrosse viel langsamer und werden deswegen Hunderte von Jahren alt. So auch Tom, der Anfeindungen und Todesdrohungen durch die normal sterblichen Menschen („Eintagsfliegen“) ausgesetzt ist. Geboren im Jahr 1581, erlebt er mehrere Jahrhunderte, später geschützt durch die Organisation der Albatrosse. Um die Albatrosse zu schützen, muss das Geheimnis bewahrt werden – die oberste Regel ist es sich nicht auf Normalsterbliche einzulassen. Denn dann sind alle in Gefahr.

Dieser spannende Roman beschäftigt sich mit der Zerrissenheit, der großen Sehnsucht nach einem Lebenssinn und dem Bedürfnis zu „Sein“. Die Geschichte ist durchgehend dramatisch, eine schwere Lektüre. Tom hat ein hartes Los, flieht sein ganzes Leben lang und selbst dann holt ihn der „Erinnerungsschmerz“ immer wieder ein. Immerhin ist selbst sein Gehirn (obwohl er ein Albatros ist) nicht dafür gemacht die Erfahrungen und Erlebnisse mit allen Gefühlen aus Hunderten von Jahren zu verarbeiten. Der Autor erfasst die Gefühle und Gedanken der Hauptfigur einfühlsam. Dies alles kann den Lesenden deswegen sehr nahegehen, beängstigend und erschütternd wirken.

Die Geschichte ist neben der Schwere ebenso faszinierend und begeisternd. Matt Haig hat mit viel Fantasie geschichtliche Ereignisse in England und der Welt vom Mittelalter an in der Person des Tom Hazard vereint. Die Begeisterung für Geschichte und die Geschichte an sich wird spürbar und rückt näher – immerhin hat Tom dies alles erlebt. Der Autor bedient sich vieler Zeitsprünge und Ortswechsel, die teilweise schnell aufeinander folgen. So ist es schwer der Geschichte zu folgen.

Die hohe Intensität verbunden mit der hohen Informationsdichte macht das Buch ab der Hälfte schwer lesbar. Es wirkt langatmig und taucht zu sehr in Toms Seelenschmerz ab. Es kann helfen Teile zu überspringen, um Abstand zu gewinnen. Und am Ende geht es schließlich um Verrat und Verschwörung, es gibt Tote. Bei aller Heftigkeit und Absurdität ist die Geschichte doch logisch erzählt. Das Ganze wird dann noch rund.

Eine in sich schlüssige, anschauliche Fiktion: Drama und Thriller in Einem. Sehr intensiv und mit viel Seelenschmerz.