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Veröffentlicht am 15.09.2016

Britt-Marie räumt auf

Britt-Marie war hier
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„Britt-Marie war hier“ von dem schwedischen Autor Fredrik Backman erzählt die Geschichte einer Frau, die aus ihrem unglücklichen Leben ausbricht und ihren Mann verlässt. Britt-Marie ist 63 und hat ihr ...

„Britt-Marie war hier“ von dem schwedischen Autor Fredrik Backman erzählt die Geschichte einer Frau, die aus ihrem unglücklichen Leben ausbricht und ihren Mann verlässt. Britt-Marie ist 63 und hat ihr Leben damit verbracht, sich um den Haushalt, ihren Mann und die Kinder ihres Mannes zu kümmern. Als er sie betrügt, verlässt sie ihn. Da Britt-Marie nichts schlimmer findet, als zu sterben, ohne dass jemand es merkt, sucht sie sich Arbeit. Sie findet eine Stelle in Borg, ein Dorf, das von der Wirtschaftskrise arg gebeutelt ist. In Borg gibt es keine Arbeit mehr, niemand will dort noch leben. Bis Britt-Marie dort für Ordnung sorgt und Coach der Fußballmannschaft wird. Eigentlich mag sie Fußball nicht und hat auch keine Ahnung davon. Sie weiß aber, wie man saubermacht und das tut sie in Borg. Sie findet dort eine Wohnung und Freunde. Nach und nach wird sie sich bewusst, was ihr bisher im Leben gefehlt hat, auch wenn sie ihr altes Leben sehr vermisst. Und am Ende passiert ein schreckliches Unglück und Britt-Marie muss eine schwere Entscheidung treffen.

Britt-Marie scheint zunächst ein schwieriger, nicht sehr sympathischer Mensch zu sein. Im Laufe der Geschichte gewährt der Autor Einblick in das bisherige Leben von Britt-Marie und sie wächst einem immer mehr ans Herz. Genauso die Bewohner von Borg, die wirklich nicht kurioser sein könnten.

Fredrik Backman erzählt eine Geschichte von Freundschaft, Tapferkeit und Menschen, die nicht aufgeben. Er erzählt humorvoll und mit viel Gefühl. Es macht Spaß, dieses Buch zu lesen. Die Charaktere sind so liebenswert, vor allem Britt-Marie mit ihrem Putzwahn und meist unfreiwilligem Humor ist mir ans Herz gewachsen. „Britt-Marie war hier“ ist ein wunderschönes Buch, weil es so echt wirkt und man mit den Menschen mitfühlen kann. Ich kann den Roman nur empfehlen.

Veröffentlicht am 09.05.2024

Spurensuche in Georgien

Vor einem großen Walde
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Der Roman erzählt die Geschichte einer georgischen Familie, die während des Bürgerkriegs nach England flüchtet. Die Mutter bleibt zurück in Georgien und soll nachkommen. Das Geld reicht aber nie dafür, ...

Der Roman erzählt die Geschichte einer georgischen Familie, die während des Bürgerkriegs nach England flüchtet. Die Mutter bleibt zurück in Georgien und soll nachkommen. Das Geld reicht aber nie dafür, bis eines Tages die Nachricht ihres Todes eintrifft. Dieser Verlust und die Schuld lastet schwer auf der Familie.
Irgendwann macht sich der Vater, Irakli, auf den Weg zurück nach Georgien. Seine Nachrichten werden immer mysteriöser, bis der Kontakt komplett abbricht. Die Söhne sorgen sich um ihren Vater und Sandro folgt ihm nach Georgien, um seinen Vater zu suchen. Doch auch er verschwindet nach kurzer Zeit spurlos und schickt eine letzte beunruhigende Nachricht.
Sabo, der die Geschichte erzählt, versucht, seinen Vater und seinen Bruder in Georgien zu finden. Er folgt den Spuren von Sandro und geht auf eine abenteuerliche Reise in ein Land, das noch immer an den Folgen des Krieges leidet. Sabo muss sich dort seiner Vergangenheit stellen.
Mit Hilfe von Nodar, dem Taxifahrer, der ihn bei seiner Ankunft am Flughafen mitnimmt und ihn bei sich aufnimmt, versucht er die Hinweise von Sandro zu entschlüsseln.
Es stellt sich heraus, dass auch Nodar auf der Suche ist und sie einen gemeinsamen Weg haben.

Das Buch hat mich sehr berührt. Es handelt von großem Leid und Hass, aber auch Gastfreundschaft und Menschlichkeit. Es wird einem bewusst, welche Strapazen und Gefahren die Menschen auf der Flucht erleiden, wie grausam Krieg ist. Und trotzdem gibt es Freundschaft und Hilfsbereitschaft und auch Gutes.

Ich kann das Buch wärmstens empfehlen. Es ist spannend und berührend, Sabo auf seiner Reise zu begleiten.

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Veröffentlicht am 16.09.2018

Münchner Krimi

Das Ludwig Thoma Komplott
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Das „Ludwig Thoma Komplott“ ist der zweite Roman von Sabine Vöhringer und spielt im Herzen von München. Hauptperson des Romans ist Tom Perlinger, ein Münchner Hauptkommisar bei der Mordkommision.

Tom ...

Das „Ludwig Thoma Komplott“ ist der zweite Roman von Sabine Vöhringer und spielt im Herzen von München. Hauptperson des Romans ist Tom Perlinger, ein Münchner Hauptkommisar bei der Mordkommision.

Tom ist mit der Ermittlung in einem Cold Case befasst. In den 60er Jahren hatte ein Serienmörder fünf Prostituierte ermordet. Nun wurden Informationen in der Presse veröffentlicht, wonach der damals für die Morde Verurteilte zu Unrecht ins Gefängnis kam. Als plötzlich Tom's Vorgesetzter anordnet, in diesem Fall nicht weiter zu ermitteln, kann Tom das nicht hinnehmen, sein Misstrauen ist geweckt. Zusammen mit seiner Kollegin Jessica widersetzt er sich seinem Vorgesetzten und ermittelt auf eigene Faust. Die Ereignisse überschlagen sich, als eine gute Freundin und ehemalige Schulkameradin vor seinen Augen auf offener Straße erschossen wird. Julia wollte sich mit Tom treffen und ihm etwas zeigen, doch Tom kommt zu spät.

Die Ermittlungen in diesem Mordfall führen Tom in seine Vergangenheit. Wer aus seiner früheren Clique hat mit dem Mord an Julia etwas zu tun? Und welche Rolle spielt Claas, der frühere Kollege von Tom, der nach einem gemeinsamen Einsatz gegen die russische Mafia verschwunden ist. Und was steht in dem bisher unbekannten Manuskript von Ludwig Thoma, das Julia hatte und das von ihren Mördern mitgenommen wurde? Gibt es in dem Manuskript tatsächlich Hinweise auf die Morde in den 60er Jahren? Tom und seine Kollegen stehen vor einem Rätsel. Zu viele einzelne Fäden müssen verstrickt werden.

Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Auf der einen Seite steht Tom und seine Familie, die sehr sympathisch gezeichnet werden. Die Geschichte vermittelt hier Kleinstadtflair. Auf der anderen Seite geht es um brutale Serienmorde und die russische Mafia, die vor nichts zurückschreckt. Teilweise waren es sehr viele verschiedene Handlungsstränge, was zeitweise schwierig zu verstehen war. Die Autorin hat es jedoch gut verstanden, die offenen Fragen am Ende zufriedenstellend zu beantworten und die Handlungen zu verknüpfen. Ein spannender Krimi, den ich mit Freude gelesen habe.

Veröffentlicht am 25.01.2026

Ein ganzes Leben in sechs Tagen

Tage des Lichts
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Der Roman erzählt über das Leben von Ivy in sechs Tagen. Ivy kommt aus einer Künstlerfamilie. Sie selbst hat scheinbar kein Talent für das Künstlerische. Sie hat keine Vorstellung, was sie vom Leben will ...

Der Roman erzählt über das Leben von Ivy in sechs Tagen. Ivy kommt aus einer Künstlerfamilie. Sie selbst hat scheinbar kein Talent für das Künstlerische. Sie hat keine Vorstellung, was sie vom Leben will und wie es weitergehen soll.

An Ostern lernt sie Frances, die Freundin ihres Bruders kennen. Als ihr Bruder Joseph an diesem Ostertag verunglückt, ist plötzlich ist alles anders. Ivy entscheidet sich für die Sicherheit einer Ehe und Familie.

Jahre später trifft sie Frances wieder und die beiden Frauen fühlen sich zueinander hingezogen. Für Ivy wird Frances die Liebe ihres Lebens. Da beide Frauen verheiratet sind und Kinder haben, muss ihre Liebe geheim bleiben.

Die Wege der beiden trennen sich und Ivy versucht, ihre Bestimmung im Leben zu finden. Als sie glaubt, endlich das Richtige gefunden zu haben, passiert etwas, was ihrem Leben nochmal eine andere Richtung gibt.

Ich finde es interessant, wie die Autorin das Leben eines Menschen in sechs Tagen erzählt und man hat nicht das Gefühl, dass etwas fehlt. Die Geschichte ist sehr berührend, man kann die Gefühle der Menschen gut nachvollziehen und verstehen. Das Buch hat mir sehr gut gefallen, ich finde es auf jeden Fall sehr lesenswert.

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  • Erzählstil
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  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.09.2018

Treibt ein Kindermörder sein Unwesen?

Geschürte Angst
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Der Roman „Geschürte Angst“ von Anna Snoekstra gewährt uns tiefe Einblicke in die Abgründe der Menschen in dem Ort Colmstock. Rose Blackey, eine junge Frau, wünscht sich nichts sehnlicher, als Journalistin ...

Der Roman „Geschürte Angst“ von Anna Snoekstra gewährt uns tiefe Einblicke in die Abgründe der Menschen in dem Ort Colmstock. Rose Blackey, eine junge Frau, wünscht sich nichts sehnlicher, als Journalistin zu werden und dem trübsinnigen Ort den Rücken zu kehren. Dafür ist ihr jedes Mittel recht.

Rose wohnt zusammen mit ihren jüngeren Halbgeschwistern, den Zwillingen Scott und Sophie und dem Nesthäkchen Laura, bei ihrer Mutter und ihrem Stiefvater. Sie arbeitet bei Eamon's, einer Polizistenkneipe. Verzweifelt versucht sie, ein Volontariat in der Stadt zu bekommen, erhält aber eine Absage nach der anderen. Als auch noch ihr Stiefvater und ihre Mutter von ihr verlangen, dass sie auszieht, ist Rose verzweifelt. Ihre beste Freundin Mia scheint die einzige zu sein, die zu ihr hält.

Als mehrere Kinder im Ort geheimnisvolle Puppen erhalten, die den Kindern zum Verwechseln ähnlich sehen, nutzt Rose ihre Chance. Sie verfasst einen reißerischen Artikel und schickt diesen an ein Revolverblatt. Zu ihrer Freude wird der Artikel angenommen und veröffentlicht. Ganz schnell wird klar, dass sie sich damit im Ort keine Freunde macht. Was zunächst ganz harmlos schien, erhält durch den Artikel von Rose auf einmal eine andere Bedeutung. Die Menschen in Colmstock haben plötzlich Angst um ihre Kinder, der Polizei wird vorgeworfen, dass sie Informationen zurückhält.

Im Laufe der Ermittlungen wegen der Puppen kommen zwangsläufig Informationen über Bewohner von Colmstock ans Licht, die diese lieber nicht preisgegeben hätten. Rose muss erkennen, dass auch in ihrer eigenen Familie dunkle Geheimnisse lauern. Trotzdem scheinen die Ermittlungen nicht weiterzukommen, Rose fürchtet um ihren Erfolg. Da greift sie zu Mitteln, die sie sehr bald bitterlich bereuen wird, auch wenn sie zunächst scheinbar zum Erfolg führen.

Viele Menschen im Umfeld von Rose zeigen im Laufe der Geschichte ihren wahren Charakter. Bei manchen zeigt sich überraschend eine gute Seite, andere enttäuschen.

Die Geschichte ist sehr spannend erzählt. Vor allem am Schluss konnte ich das Buch überhaupt nicht mehr weglegen. Die Autorin schafft es , die schlechte wirtschaftliche Lage in Colmstock und die trostlose Situation der Bürger dort gut darzustellen und Spannung aufzubauen. Leider war die Handlung teilweise aber sehr verworren, auch unglaubwürdig. Zu viele verschiedene Erzählstränge, ich hatte manchmal Mühe, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Ich habe das Buch trotzdem sehr gern gelesen und kann es auch weiterempfehlen.