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Veröffentlicht am 15.09.2016

Die Vergangenheit holt einen immer ein

Der Todesprophet
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Um es gleich vorwegzunehmen, „Unvergolten“ von Chris Karlden hatte ich mit Begeisterung verschlungen und so war ich schon gespannt auf „Der Todesprophet“. Die Inhaltsangabe ließ erneut auf einen packenden ...


Um es gleich vorwegzunehmen, „Unvergolten“ von Chris Karlden hatte ich mit Begeisterung verschlungen und so war ich schon gespannt auf „Der Todesprophet“. Die Inhaltsangabe ließ erneut auf einen packenden Thriller hoffen und ich wurde nicht enttäuscht. Worum geht es?
Der Autor geht gleich in medias res: Der Berliner Journalist Ben Weidner gerät in Äthiopien in Gefangenschaft und muss einen Mann erschießen, wenn er überleben will. Seitdem leidet er an einer Posttraumatischen Belastungsstörung, hat Flashbacks und Blackouts.
15 Monate später. Ben hat alles verloren, seinen Job, seine Frau Nicole und die gemeinsame Tochter Lisa. Als Tamara, eine Bekannte seines Freundes Viktor, brutal ermordet wird, gerät Ben unter Verdacht. Denn Ben war zur Tatzeit in ihrer Wohnung. Aber, er kann sich nicht erinnern!
Schon bald gibt es ein weiteres Opfer mit demselben Modus Operandi. Der Täter scheint religiös verblendet. Ein Racheengel, der Frauen umbringt, die in seinen Augen schuldig sind, weil sie ihre Ehemänner verlassen haben: „Bis dass der Tod euch scheidet.“
Plötzlich sind auch Nicole und Lisa verschwunden. Kriminalhauptkommissar Lutz Hartmann und seine Kollegin Sarah Winter tappen im Dunkeln. Um seine Familie zu retten, begibt sich Ben auf eine verzweifelte Suche…
„Der Todesprophet“ punktet mit vielen grausigen Einfällen, Twists & Turns, mit denen Chris Karlden, der Meister der Irrungen und Wendungen, die Geschichte voran und die Spannung in die Höhe treibt. Eine Geschichte, die sich zudem flott und flüssig lesen lässt. Nichts ist wie es scheint, niemand ist, wer er zu sein scheint.
Die Vergangenheit wirft lange Schatten, die der Autor gründlich ausleuchtet. Wechselnde Perspektiven, auch aus Sicht des Killers, sorgen für Dynamik. Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Erst ganz am Ende schließt sich dann der Kreis. Die Auflösung ist überraschend, absolut stimmig und schreit geradezu nach einer Fortsetzung.

Fazit: Abgründiger, nervenzerreißender Thriller, der mich mordsmäßig gut unterhalten hat.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Flammender Hass

Im Feuer
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Frankfurt/Main Airport: Roger Cappel vertauscht seinen Alukoffer mit dem von God Zylla, einem Gangsta-Rapper. Beobachtet wird er dabei von Kim und einem bärtigen Mann. Eine wilde Verfolgungsjagd und ein ...

Frankfurt/Main Airport: Roger Cappel vertauscht seinen Alukoffer mit dem von God Zylla, einem Gangsta-Rapper. Beobachtet wird er dabei von Kim und einem bärtigen Mann. Eine wilde Verfolgungsjagd und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt…

Texas/USA: Außerdem gibt es Rückblicke in die Vergangenheit in Form von Tagebucheinträgen. Wer ist dieser Ich-Erzähler? Was haben beide Handlungsstränge miteinander zu tun?

Es geht um verschwundene Kunstwerke, die im Rahmen einer Restaurierung durch Kopien ersetzt wurden. Nichts ist wie es scheint, niemand ist, wer er zu sein scheint. Roger ist smart und cool, Kim tought und nicht dumm. Er betreibt dieses Spiel aus Spaß, sie ist Detektivin. Um seine Unschuld zu beweisen, gerät Roger immer mehr in ein Netz aus Lügen und Intrigen, in das auch seine Stiefmutter verstrickt zu sein scheint.

Es handelt sich um eine fiktive Geschichte, die auf Tatsachen beruht, aber auch krude Verschwörungstheorien enthält. „Im Feuer“ ist ein globaler Thriller, der unter anderem in Frankfurt/M., Texas, Paris, Florenz, London und Macao spielt. Alles ziemlich schräg und amüsant, aber auch rasant und actionreich. Sprachlich locker, teilweise sexistisch.

Dass Eva Lirot und Hughes Schlueter im Finale nochmal richtig Gas geben, steigert das Lesevergnügen. Denn einige Überraschungen gegen Ende des Thrillers halten die Autoren für ihre Leser noch bereit.

Fazit: Gelungene Mischung aus Kunst und Kultur, Fiktion und Fakten mit einem ungewöhnlichen Paar. Kurzweilig und unterhaltsam!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Der dritte Mann

Wolfsspinne
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Der dritte Mann
„Wolfsspinne“ ist der dritte Fall für den sympathischen Düsseldorfer Kommissar Vincent Veih und zugleich sein schwierigster und auch persönlichster. Doch worum geht es?
Es geht um Rechtsextremismus, ...

Der dritte Mann
„Wolfsspinne“ ist der dritte Fall für den sympathischen Düsseldorfer Kommissar Vincent Veih und zugleich sein schwierigster und auch persönlichster. Doch worum geht es?
Es geht um Rechtsextremismus, um Strukturen, die Parallelen zum Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) haben, um NSU 2.0. Und es geht um die Rolle von Polizei und Verfassungsschutz. Was ist Fiktion, was ist Realität - oder krude Verschwörungstheorie?
Zwei Handlungsstränge gilt es zu verfolgen:
- 2011: Ein Banküberfall in Eisenach. Anschließend liegen zwei Männer tot in ihrem Wohnmobil. Im Gegensatz zur offiziellen Version, die von Selbstmord ausgeht, erzählt Horst Eckert die Geschichte eines dritten Mannes, der Max und Gerri erschoss.
- 2015: Melli Franck wird in ihrer Düsseldorfer Kneipe brutal vergewaltigt und ermordet. Hauptkommissar Vincent „Che“ Veih und sein Team ermitteln. Die Spur führt zunächst ins Drogenmilieu. Bald ist klar, dass auch Neonazis in den Fall verstrickt sind.
Über das Wiedersehen mit Vincent, seiner Mutter Brigitte und Freundin Nina, habe ich mich sehr gefreut. Gut gefallen hat mir auch, dass es für diejenigen Leser, die die Vorgänger nicht kennen, eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse gibt und das Personal vorgestellt wird.
Gekonnt springt Horst Eckert durch Zeit und Raum. Kurze Kapitel, und viele Perspektivwechsel sorgen für Dynamik. Auch wenn der Leser der Polizei oft einen Schritt voraus ist, wird dennoch Spannung aufgebaut. Der Leser merkt sofort, dass dem Autor das Schicksal seiner Figuren sehr wichtig ist: Was ging in dem Mann vor, der Max und Gerri erschoss, deren Komplizin aber verschonte?
Die Vernichtung von NSU-Akten durch Verfassungsschützer, nur eine Panne? Auch dieser Frage geht der Autor in seinem brandaktuellen, bestens recherchierten Roman nach. Ein Buch mit Herzblut, fesselnd und bedrückend zugleich.
Mit „Wolfsspinne“ hat Horst Eckert nach „Schwarzlicht“ und „Schattenboxer“ erneut einen hochkomplexen und wirklich spannenden Politthriller geschrieben. Eine Lektüre, die einen klüger macht und lange nachhallt.

Fazit: Gelungene Mischung aus Dichtung und Wahrheit zum Thema NSU. Starker Stoff. So muss Thriller!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Späte Sühne

Grausame Nacht
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„Grausame Nacht“ ist bereits der 7. Fall für die sympathische Ermittlerin Kate Burkholder. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ...

„Grausame Nacht“ ist bereits der 7. Fall für die sympathische Ermittlerin Kate Burkholder. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Schauplatz ist wieder Painters Mill in Ohio. Worum geht es?
Der Prolog führt uns zurück in die Vergangenheit, in den August des Jahres 1985: Die neunjährige Sally macht in der Nähe einer alten Scheune eine grauenvolle Beobachtung. Einen Tag später wartet eine 17-jährige Frau an einer Brücke auf ihren Liebsten, mit dem sie ein neues Leben außerhalb der amischen Gemeinde beginnen möchte.
In der Gegenwart gibt es ein Wiedersehen mit Kate, Chief of Police, die einst selbst zu den Amischen gehörte. Sie lebt inzwischen mit ihrem Freund John Tomasetti zusammen. Er war früher Detective bei der Polizei in Cleveland und ist jetzt Agent im Ohio Bureau of Criminal Identification and Investigation.
Sie sind gerade zu Besuch bei Kates Familie, als ein Sturm aufzieht. Nachdem der Tornado die halbe Stadt in Schutt und Asche gelegt hat, werden bei Aufräumarbeiten unter einer eingefallenen Scheune die Überreste eines menschlichen Skeletts gefunden. Wer ist der Tote? Und warum lag er jahrelang hier vergraben? Schnell wird klar, dass der Mann keines natürlichen Todes gestorben ist.
Linda Castillo hat ihren neuen Roman wieder routiniert und mit viel Atmosphäre in Szene gesetzt. Erzählt wird die Geschichte - wie immer - in der Ich-Perspektive aus Sicht von Kate. Englische und Amische, zwei Weltanschauungen stehen einander gegenüber, nicht feindlich, sondern in Koexistenz. Kate Burkholder kennt beide Seiten und löst ihre Fälle mit viel Einfühlungsvermögen.
„Grausame Nacht“ ist eine spannende Geschichte. Dem gruseligen Beginn folgt die Ermittlungsarbeit, die authentisch und nachvollziehbar dargestellt wird. Denn das Grauen kann sich auch hinter der Fassade von Sittsamkeit und Bescheidenheit verbergen. Und so ist das Ende stimmig, allerdings nicht überraschend. Auch das Privatleben nimmt einen breiten Raum ein, denn Kate ist schwanger.

Fazit: Mitreißend und überwältigend. Kate Burkholders schwerster Fall!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Der will doch nur spielen

Interview mit einem Mörder
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Endlich: der vierte Krimi mit Kult-Totengräber Max Broll. Über das Wiedersehen mit Max habe ich mich sehr gefreut. Doch, oh Schreck, sein bester Freund, Ex-Fußballstar Johann Baroni, wird bei der Eröffnung ...


Endlich: der vierte Krimi mit Kult-Totengräber Max Broll. Über das Wiedersehen mit Max habe ich mich sehr gefreut. Doch, oh Schreck, sein bester Freund, Ex-Fußballstar Johann Baroni, wird bei der Eröffnung seines Würstelstandes angeschossen und liegt seitdem im Koma.
Max hat den Täter gesehen. Aber als er sich der Polizei anvertraut, glaubt man ihm nicht. Nicht einmal seine geliebte Stiefmutter Tilda. Also nimmt Max die Verfolgung des mutmaßlichen Mörders auf. Es handelt sich um den deutschen Touristen Konrad Maria Fink aus Wuppertal.
Zusammen reisen sie im Zug nach Italien und gehen an Bord eines Kreuzfahrtschiffs. Dort findet er nicht nur Gewissheit, sondern auch eine neue Liebe, die Journalistin Anna. Als er mit Anna in sein Dorf zurückkehrt, hat Fink alle manipuliert, so dass Max schließlich selbst in Verdacht gerät.
Denn Fink entpuppt sich nicht nur als Serienkiller, sondern als Spieler, der ein perfides Spiel mit Max spielt. Wer wird gewinnen, wer wird verlieren und zu welchem Preis?
Story und Stil haben mir gefallen. In einem ganz eigenen Stakkato-Stil schildert der Autor die Geschichte seiner Protagonisten. Eine wunderbar schräge Geschichte mit lauter skurrilen Typen. Knappe Dialoge, ohne Anführungszeichen und hohes Erzähltempo.
Zitat: "Zu schnell ging alles, keine Verbindung zwischen den Dingen, Max steht nur da, begreift es nicht. Nur zuschauen. Wie Baroni auf dem Asphalt liegt und ihn anstarrt. Wie sich sein Hemd verfärbt. Wie alles rot wird. Und wie die Augen seines Freundes einfach zugehen."
Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Heimlicher Star der Geschichte ist der afrikanische Dorfpfarrer Akofa, der selbst Gras anbaut - und Erntedank 2.0 in der Sauna feiern will. Anna und Max, Baroni und Akofa, eine sympathische Truppe, der ich gerne wieder über die Schulter schauen möchte.

Fazit: Ein Thriller aus der österreichischen Provinz. Erfrischend anders. Beste Unterhaltung!