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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.08.2018

Clever konstruiert und nachvollziehbar, hilft nebenbei gegen Fernweh

Gefährlicher Lavendel (Ein-Leon-Ritter-Krimi 3)
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Frühling in der Provence. Die Eidechsen sonnen sich auf den Steinen, der alljährliche Blumenkorso steht bevor. Scheinbar nichts kann diese Idylle zerstören. Wäre da nicht der wochenlang ausbleibende Regen, ...

Frühling in der Provence. Die Eidechsen sonnen sich auf den Steinen, der alljährliche Blumenkorso steht bevor. Scheinbar nichts kann diese Idylle zerstören. Wäre da nicht der wochenlang ausbleibende Regen, der die Bewohner von La Lavandou zwingt, die Blumen für das Fest in Italien zu besorgen, der verschwundene Richter, die übel zugerichteten Leichen.. Dr. Leon Ritter, deutscher Rechtsmediziner, mittlerweile fast waschechter Südfranzose, ist in Gefährlicher Lavendel nun schon zum dritten Mal am Ermitteln.

Ich hatte vor Lesebeginn kleine Bedenken, da mich Krimireihen, die vielversprechend begonnen hatten, mit ihren Fortsetzungen in letzter Zeit etwas enttäuscht haben. Nicht so Remy Eyssen: Nach dem fulminanten ersten Teil Tödlicher Lavendel und dem tollen Nachfolger Schwarzer Lavendel, überzeugt mich Eyssen auch im dritten Band. Mit seinem Schreibstil fällt es sehr leicht, der Geschichte zu folgen, die Beschreibungen der Provence wecken einmal mehr Fernweh.

Auch in Gefährlicher Lavendel stehen die Ermittlungen wieder im Vordergrund, die Personen machen deshalb wenige Entwicklungen durch:
Isabelles Tochter Lilou macht ein paar Scherereien – ein Teenager halt. Schön, dass sie sich verhält wie viele anderen und ihre Grenzen austestet. Um dabei auch auf die Nase zu fallen.
Isabelle selbst muss herausfinden, wem sie mehr glaubt: ihrem Freund oder einer seiner Patientinnen?
Angesprochener Freund Leon Ritter hingegen merkt, dass er nicht unfehlbar ist, und keineswegs (immer) schlauer als die anderen. Sehr sympathisch, oft sind die Protagonisten zu perfekt und zu clever. Gefiel mir gut!

Mehr möchte ich auch gar nicht verraten, es sei nur so viel gesagt: Gefährlicher Lavendel ist definitiv lesenswert, vor allem als Krimi, aber auch als Mittel gegen Fernweh. Clever konstruiert, nachvollziehbar und manchmal etwas brutal in den Beschreibungen, wobei bei letzterem wahrscheinlich lediglich die Realität wiedergegeben wird. Und die ist nun mal oft brutal.


Vier Sterne für diesen tollen Krimi!

Veröffentlicht am 19.08.2018

Krimi mit viel Witz und Klamauk, mit fast schon unzählbaren Überraschungen und Wendungen

Im Grab schaust du nach oben
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G7-Gipfel im Alpenvorland: zahlreiche Demonstranten, eine Hundertschaft an Polizei, Security und Militär, eine große Auswahl an Wurftorten (ein Tortenwurf ist nämlich laut BGH-Urteil keine Körperverletzung, ...

G7-Gipfel im Alpenvorland: zahlreiche Demonstranten, eine Hundertschaft an Polizei, Security und Militär, eine große Auswahl an Wurftorten (ein Tortenwurf ist nämlich laut BGH-Urteil keine Körperverletzung, sondern nur eine Beleidigung). Also mit allem was dazugehört. Mittendrin eine Beerdigung, eine Erbschaft.. ist das da drüben etwa Sean Penn?

Ich kann diesen Krimi gar nicht richtig beschreiben. Er ist auf alle Fälle schlüssig und intelligent, aber auch überraschend, voller Wendungen, mit viel Humor und Klamauk, unzähligen Anspielungen, zahlreichen gewollten Witzen – teilweise so gewollt, dass es fast schon zu viel ist. Ein typischer Maurer einfach. Wer diese Reihe liebt, wird auch dieses Buch lieben. Wer mit dieser Art von Krimi nichts anfangen kann, wird sich denken: was für ein Schmarrn. Man muss sich schon drauf einlassen, nicht alles so ernst nehmen und sich für verschroben anmutende Theorien öffnen – die vielleicht gerade mit dieser Absurdität bestimmte Vorfälle nachvollziehbar erklären. Wieso sonst ist Stille Nacht, heilige Nacht weltweit dermaßen erfolgreich?
Dieser neunte Fall für Jennerwein und sein Team ist definitiv lesenswert, in jedem Kapitel dachte ich mir wieder: wie kommt man auf solche Ideen? Über was macht sich der Autor sonst noch alles Gedanken? Alltägliches wird hinterfragt, neu aufgerollt und völlig anders wieder ausgespuckt – ohne dabei übermäßig viel an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Woher weiß ich schon, ob es sich nicht so abgespielt haben könnte? Klar, manches ist zu übertrieben. Aber gerade diese überspitzte Darstellung macht den Charme aller Krimis aus. Deshalb bekommt auch dieser neueste Alpenkrimi 4 Sterne von mir und ich hoffe, dass der zehnte Fall nicht minder unterhaltsam ist.

Veröffentlicht am 19.08.2018

Schöner Krimi mit ausgeprägter Liebesgeschichte, toller Landschaft und sympathischen Charakteren

Retour
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Alexander Oetker entführt uns mit Retour nicht wie so viele Autoren nach Südfrankreich, sondern in den Südwesten des Landes, nach Aquitaine: die raue Atlantikküste ist beliebt bei Surfern, die Produkte ...

Alexander Oetker entführt uns mit Retour nicht wie so viele Autoren nach Südfrankreich, sondern in den Südwesten des Landes, nach Aquitaine: die raue Atlantikküste ist beliebt bei Surfern, die Produkte der Weinberge um Bordeaux sprichwörtlich in aller Munde. Perfekt, um der Hektik der Hauptstadt zu entfliehen. Wenn da nicht die Leiche eines jungen Mädchens am Strand wäre. Und Commissaire Luc Verlain eigentlich gar nicht dem Pariser Treiben entkommen möchte. Vorerst zumindest..


Für mich war das mein erster Ausflug in diese Gegend Frankreichs, abgesehen von einem uralten Schinken der Autorin Tanja Kinkel.
Den schönen Landschaftsbeschreibungen nach ist der Landstrich auch durchaus berechtigt, Schauplatz einer eigenen Krimireihe zu werden.



Oetker hat einen lesenswerten Krimi geschrieben, der definitiv Spaß macht und Lust auf Nachfolgebände. Es wird viel ermittelt, es wird (fast schon ein Muss in Frankreichkrimis hab ich das Gefühl) auf die Einwanderungsproblematik eingegangen, es gibt einen Kollegen, der anfangs quer schießt und deshalb ungeliebt ist.


Was für mich ganz okay war, aber eventuell einige Krimileser fehl am Platz finden, ist die ausgesprochen in den Vordergrund rückende Liebesgeschichte: "sie schauten sich tief in die Augen" las ich gefühlt 10mal, dicht gefolgt von "sie lächelten sich an". Ich mag so schnulziges Zeug, kann aber verstehen, wenn dabei ein anderer Leser mit den Augen rollt.


Deshalb von mir 4 Sterne, da ihre Augen wenigstens nicht wie dieselbigen funkelten (das ginge selbst mir zu weit) und ich gut unterhalten wurde.

Veröffentlicht am 19.08.2018

Gewohnt gut, mit sehr interessanter Thematik

Grand Prix
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Frank Dietschreit vom Mannheimer Morgen hat die perfekte Beschreibung für die Reihe um Bruno, Chef de police erkannt: "Martin Walker hat die definitive Erfolgsformel für den literarischen Krimi gefunden." ...

Frank Dietschreit vom Mannheimer Morgen hat die perfekte Beschreibung für die Reihe um Bruno, Chef de police erkannt: "Martin Walker hat die definitive Erfolgsformel für den literarischen Krimi gefunden." Dem kann ich nicht viel hinzufügen.

Grand Prix ist Brunos mittlerweile neunter Fall. Wer die Reihe kennt, wird in gewohnter Manier allerbestens unterhalten. Walkers Schreibstil ist flüssig, unaufgeregt und mit viel Liebe zum Detail - sei es das neueste Gericht, welches Bruno für seine Gäste zaubert oder ein kostbarer Oldtimer.
Bruno selbst ist kein hohes Tier innerhalb des Polizeiapparats, er wurde nicht aus der Großstadt in die Provinz strafversetzt. Er ist ein normaler Dorfpolizist, mit Pferd, Hund und Garten. Gerade das macht ihn so sympathisch.
Die Thematik des Buches ist zudem erfrischend anders, abseits von Zuwanderungsproblemen und Ausländerfeindlichkeit, welche in so vielen Frankreichkrimis gerade rauf und runter behandelt werden.


Daumen hoch für diesen neusten Teil der Reihe, 4 Sterne. Auf den zehnten Fall!

Veröffentlicht am 19.08.2018

Ich bereue meinen Ausflug an die Côte Bleue kein bisschen. Trotz aller Gefahren :)

Gefährliche Côte Bleue
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Gefährliche Côte Bleue ist Roger Blancs vierter Fall - und ich hoffe, dass noch viele folgen werden.

Cay Rademachers Schreibstil ist sehr angenehm, mit nicht zu detaillierten Schilderungen und einem ...

Gefährliche Côte Bleue ist Roger Blancs vierter Fall - und ich hoffe, dass noch viele folgen werden.

Cay Rademachers Schreibstil ist sehr angenehm, mit nicht zu detaillierten Schilderungen und einem genau richtigen Erzähltempo. Der Fall an sich ist gut konstruiert und logisch aufgebaut, leider ließ mich das Ende etwas unzufrieden zurück.

Es ist sehr schön, dass es einige Konstanten wie Cay Rademacher in der Provencekrimiwelt gibt, die von Fall zu Fall einen lesenswerten und unterhaltsamen Krimi abliefern. Die ganze Reihe um Capitaine Blanc kann ich uneingeschränkt empfehlen. Es zieht sich zwar eine Hintergrundstory um den Protagonisten durch alle vier Bände, jedoch ist ein Lesen von Beginn an meiner Meinung nach nicht zwingend notwendig. Jedenfalls in Hinsicht auf Blancs Hintergrund. Man verpasst halt dann nur drei tolle Krimis :)

Mein Ausflug an die Côte Bleue habe ich also nicht bereut, trotz allerlei Gefahren. 4 Sterne!