Profilbild von schnaeppchenjaegerin

schnaeppchenjaegerin

Lesejury Star
offline

schnaeppchenjaegerin ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit schnaeppchenjaegerin über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.10.2018

Emotionaler Roman über eine verloren wirkende junge Frau, der am Ende jedoch etwas konstruiert wirkt und nicht so rätselhaft und überraschend ist, wie erhofft.

Das Leuchten unserer Träume
0

Sophie Winter ist Übersetzerin und lebt allein mit ihrer Katze Fred. Als nachts ein Feuer in dem Wohnhaus ausbricht, wird sie von einem fremden Mann gerettet. Er kümmert sich auch nach der Rettung um sie ...

Sophie Winter ist Übersetzerin und lebt allein mit ihrer Katze Fred. Als nachts ein Feuer in dem Wohnhaus ausbricht, wird sie von einem fremden Mann gerettet. Er kümmert sich auch nach der Rettung um sie und bietet der nun Obdachlosen sogar, in seinem großen Haus in die Souterrainwohnung zu ziehen. Sophie ist seine Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft unangenehm, willigt aber dennoch ein.
Ben ist ein geheimnisvoller Mann, ein Geschäftsmann, der gerade sein Unternehmen verkauft hat und Single ist.
Sophie ist neugierig auf diesen Mann und beginnt, sich zum ersten Mal in ihrem Leben zu verlieben.

Der neue Roman der Bestseller-Autorin Dani Atkins ist abermals ein emotionaler Roman über eine verloren wirkende junge Frau und einen Mann, der zu ihrem Retter wird und dabei nicht leicht zu durchschauen ist.
Sophie leidet seit dem Tod ihres Bruders Scott, als sie 15 Jahre alt war, unter Bindungsängsten und kann keine Nähe zulassen. Noch nie hat die 31-Jährige einen Jungen nach Hause gebracht oder gar eine Beziehung geführt. Ihre Vertrauten beschränkten sich bislang auf ihre noch immer trauernden Eltern, ihre beste Freundin Julia und Kater Fred. Ben ist der erste Mann, der ihr nahe kommt und dem sie Vertrauen entgegenbringen kann. Mit seiner Hilfe beginnt sie, sich weiterzuentwickeln, für andere Menschen zu öffnen und ihre Ängste zu überwinden.

Ben ist dabei fast unwirklich, wie ein guter Geist, der über Sophie wacht und immer zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle ist, die richtigen Worte findet oder genau das richtige tut. Mir war Ben damit ein Stück weit zu perfekt.
Sophie ist zwar eine sympathische und hilfsbereite Person, aber auch etwas zu sehr auf sich selbst fixiert und ihre Opferhaltung als Frau, die von einem Mann gerettet werden muss, wirkte ein bisschen altbacken.

Der Leser ahnt bald, dass Ben mehr verbirgt, als dass er sich um Freunde kümmert, die krank und dem Tode geweiht sind und mit denen er gemeinsam versucht, ihre letzten Wünsche zu erfüllen.

Als Sophie Bens Geheimnis lüftet, wird die Geschichte noch dramatischer, aber mich konnte diese Wendung, genau wie die Offenbarung von Sophies Eltern, die für mich unrealistisch war und den Roman konstruiert wirken ließ, nicht so verblüffen, wie es die Twists der ersten beiden Romane der Autorin konnten.

"Das Leuchten unserer Träume" ist eine dramatische Liebesgeschichte mit einer positiven Weiterentwicklung der Protagonistin. Im Vergleich zu anderen Romanen von Dani Atkins war mir die Auflösung um den etwas rätselhaften männlichen Charakter aber etwas zu einfach und vorhersehbar. Die Wahrheit, die Sophie über den Unfalltod ihres Bruders Scott erfährt, fand ich zu diesem Zeitpunkt als etwas abwegig, da sie die Hintergründe auch bereits vor 16 Jahren in Zeitungsartikeln hätte lesen können.

Veröffentlicht am 22.08.2018

Auftakt einer dreiteiligen Dystopie: 2120 in München, 100 Jahre nach dem "großen Sterben" - interessante Vorstellung mit inhaltlichen Schwächen

MUC
0

Der Roman handelt im Jahr 2120 in Bayern. Pia macht sich, 100 Jahre nachdem die Menschheit einer Seuche zum Opfer fiel, von ihrem Alpendorf auf den Weg nach MUC, der Stadt, in die ihr Bruder Paul vor fünf ...

Der Roman handelt im Jahr 2120 in Bayern. Pia macht sich, 100 Jahre nachdem die Menschheit einer Seuche zum Opfer fiel, von ihrem Alpendorf auf den Weg nach MUC, der Stadt, in die ihr Bruder Paul vor fünf Jahren aufgebrochen war und in die sie selbst alle Hoffnung auf eine bessere Zukunft setzt, auf.

Die 20-jährige Pia ist eine Aussätzige, da sie als einzig Schwarzhaarige unter Rothaarigen lebt. Aus Erzählungen stellt sie sich MUC als einen Ort der Freiheit, des Wohlstandes und der Kultur vor.

Der Weg über die Alpen ist allein voller Gefahren, aber die erfahrene Kletterin schafft es tatsächlich, die Stadt zu erreichen und in einer Gemeinschaft voller Diebe im Untergrund eine Ersatz-Familie zu finden. Sie lernt von ihnen und betritt für die Diebeszüge immer öfter die Oberfläche, an der die Angehörigen der Kommune nicht erwünscht sind und an der sie aufgrund ihrer Haarfarbe permanenter Enttarnungsgefahr ausgesetzt ist. Dennoch steht sie bald vor der Wahl, ob sie ein Leben im Untergrund führen möchte oder ihr Glück tatsächlich in MUC versucht.


"MUC" ist der erste Teil einer dreiteiligen Dystopie, die sich um die gleichnamige Stadt dreht. Die Menschheit ist fast ausgestorben und nur die Rothaarigen haben überlebt. Wissenschaft und Kultur sind um Jahrhunderte zurückgesetzt. Die wenigsten Menschen können lesen und schreiben und haben auch darüber hinaus jedes Wissen über den einstigen Fortschritt verloren. Sie kämpfen um die einfachsten Errungenschaften, weshalb es nur wenige Auserwählte gibt, die in der Hochstadt in MUC leben, von einem Propheten angeführt werden und sich vor den Gefahren von Außen durch Wächter abschotten.

Diejenigen, denen es nicht so gut geht, leben in den Dörfern außerhalb oder zählen zu der friedfertigen Kommune, die die Oberschicht bestiehlt und der sich Protagonistin Pia anschließt.

Die Mehrheit der handelnden Personen ist im Alter von Pia, weshalb sich "MUC" eher wie ein Jugendroman liest. Es wird ein Endzeitszenario beschrieben, wobei lange im Unklaren bleibt, wie es zum "großen Sterben" gekommen ist. Stattdessen verwendet die Autorin viel Mühe damit, Dinge und Orte zu beschreiben, die für Pia fremd sind.

Ich habe mir einen Prolog gewünscht, in dem man die Hintergründe der Apokalypse erfahren hätte können. Zudem hätte ich mir eine Erklärung dafür gewünscht, wie das gesamte Wissen der Menschheit, alle naturwissenschaftlichen und gesellschaftlichen Errungenschaften so einfach von der Erde verschwinden konnten, wenn doch zumindest die Rothaarigen überlebt hatten und auch Literatur offensichtlich noch vorhanden ist. So wirkte der Roman auf mich etwas konstruiert und in den Details nicht immer ganz durchdacht.

Die Idee hinter der Romanreihe - ein Überleben einer Elite von Menschen in den Resten einer Stadt, die sich aus egoistischem Eigenschutz vor anderen abschottet - fand ich sehr interessant, da sie auf mich weniger abwegig wirkt, als ein Szenario auf einem fremden Planeten, der kultiviert werden soll. Trotz inhaltlicher Schwächen und eines etwas in die Länge gezogenen Beginns, macht mich "MUC" neugierig auf Band 2 der Trilogie, von dem ich mir weniger Umschreibungen und dafür mehr Spannung von Anbeginn erwarte. Zudem erhoffe ich mir, mehr über das Leben in MUC an der Oberfläche zu erfahren und wie das System dort von einem Propheten als Alleinherrscher zusammengehalten wird.

Veröffentlicht am 21.07.2018

Romantische Komödie, die sich zu einem Familiendrama entwickelt - sehr überraschend, aber auch etwas weit hergeholt

Muss es denn gleich für immer sein?
0

Sylvie und Dan sind seit zehn Jahren ein Paar, verheiratet und Eltern von Zwillinge. Nach einem Routinecheck bei ihrem Hausarzt stellt sich heraus, dass Sylvie und Dan so gesund sind, dass sie gute Chancen ...

Sylvie und Dan sind seit zehn Jahren ein Paar, verheiratet und Eltern von Zwillinge. Nach einem Routinecheck bei ihrem Hausarzt stellt sich heraus, dass Sylvie und Dan so gesund sind, dass sie gute Chancen haben, weitere 68 Jahre miteinander teilen dürfen. Was eigentlich eine Grund zur Freude sein sollte, wird von ihnen eher mit Entsetzen aufgenommen. Obwohl sie sich lieben, können sie sich nicht vorstellen, noch weitere sieben Jahrzehnte mit ein und demselben Partner glücklich zu verbringen. Sie beschließen, sich im Alltag zu überraschen, um Langeweile vorzubeugen und ihre Ehe so am Leben zu erhalten.

Nicht mit jeder Überraschung beweisen sie ein glückliches Händchen, zumal es auch schwierig ist, sich immer wieder aufs Neue Erlebnisse oder Geschenke zu überlegen, die für beide gleichermaßen schön sind. Ihre sonst so harmonische Beziehung wird zu einem anstrengenden Wettbewerb und beide werden im Umgang miteinander regelrecht verkrampft. Die Stimmung ändert sich, als Sylvie spürt, dass Dan etwas vor ihr verheimlicht, was nichts mit einer vorbereiteten Überraschung zu tun haben kann. Ihre Ehe ist wie aus dem Nichts in eine Schieflage geraten und Sylvie fürchtet, dass mit ihrer Ehe mehr im Argen ist, als eine fehlende Würze im Alltag. Dan zieht sich dagegen immer mehr von ihr zurück und scheint etwas vor ihr zu verbergen. Mit so einer Überraschung hatte Sylvie nun gar nicht gerechnet...

"Muss es denn gleich für immer sein?" ist zu Beginn ein witziger Gute-Laune-Roman über ein Ehepaar, das sich Gedanken darüber macht, ob seine Liebe stark genug ist, noch viele weitere Jahrzehnte zu überdauern und ob es so etwas wie ewige Liebe und Treue wie es sich Sylvie und Dan zur Heirat selbstverständlich versprochen haben.
Die kleinen Episoden über die Alltagsfluchten sind unterhaltsam zu lesen, bis der Roman dann mit einer unvorhersehbaren Wendung überrascht und der humorvollen Handlung um die etwas frühe Midlife Crisis der Protagonisten mehr Tiefgang verleiht. Die leichte Liebeskomödie entwickelt sich zu einem unerwarteten Familiendrama, bei dem ein Geheimnis der Vergangenheit enthüllt wird, das Auswirkungen bis in die Gegenwart hat. Der Weg dorthin ist spannend zu lesen, vor allem weil der Leser zunächst raffiniert auf eine falsche Fährte gebracht wird.
Ich hatte allerdings den Eindruck, zwei unterschiedliche Bücher zu lesen und fand den Wechsel in ein anderes Genre, was man von einem Kinsella-Roman nicht gerade erwartet, als etwas eigenartig und weit hergeholt.

Veröffentlicht am 30.06.2018

Aufwändig konstruierter Krimi mit einem sympathischen Ermittlerduo, der etwas verwirrend sein kann, erst spät Spannung erzeugt

Tiefe Wunden (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 3)
0

"Tiefe Wunden" ist der dritte Fall der Krimireihe um Hauptkommissar Oliver von Bodenstein und seiner Kollegin Pia Kirchhoff vom K11 Hofheim. Alle inzwischen acht Bände der Serie lassen sich unabhängig ...

"Tiefe Wunden" ist der dritte Fall der Krimireihe um Hauptkommissar Oliver von Bodenstein und seiner Kollegin Pia Kirchhoff vom K11 Hofheim. Alle inzwischen acht Bände der Serie lassen sich unabhängig voneinander lesen.

Bodenstein und Kirchhoff sehen sich mit einer Mordserie an drei älteren Menschen konfrontiert, die sich seit Jahrzehnten kannten und eng miteinander befreundet waren. Im rahmen der Ermittlungen stellt sich heraus, dass die beiden Herren - David Josua Goldberg und Herrmann Schneider - nicht die waren, die sie vorgaben zu sein. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs haben sie ihre Identität bewusst verschleiert und neue Legenden aufgebaut, um ihre SS-Tätigkeit zu verbergen. Doch liegt in der gemeinsamen dunklen Vergangenheit nach über 60 Jahren das Motiv der Morde? Und wer sollte sich etwas davon versprechen?

Bodenstein und Kirchhoff sind ein sympathisches Ermittlerduo, die sich perfekt ergänzen. Während Bodenstein der bodenständige Vorgesetzte ist, ist Kirchhoff die junge dynamische Kollegin mit neuen Impulsen. Von beiden Personen erfährt man auch die Sorgen und Probleme aus ihrem Privatleben, anders als in anderen Kriminalromanen sind diese Details allerdings nicht übertrieben oder werden unnötig in den Vordergrund gerückt. Bei den Kriminalfällen von Nele Neuhaus sind vielmehr die Ermittlungen und die Lösung des Falls entscheidend.

Zu Beginn hatte ich etwas Schwierigkeiten mich in den Mordfall hineinzudenken, da mich die vielen unterschiedlichen Handlungsstränge und die Vielzahl der Protagonisten überfordert haben. Hat man sich aber erst einmal eingelesen und die Charaktere für sich sortiert, ist der Krimi spannend zu lesen, da man trotz aller Spekulationen weitgehend im Dunklen tappt, wer die Morde verübt hat, wer hier falsche Fährten legt und wer wirklich etwas zu verbergen hat.

Auch wenn ich "Schneewittchen muss sterben" etwas packender fand, ist auch "Tiefe Wunden" ein sehr solider Krimi, der aufwändig konstruiert ist und deshalb zunächst etwas verwirrend ist, aber spätestens ab der Hälfte des Romans nicht mehr aus der Hand zu legen ist, um die Auflösung der Mordfälle zu erfahren.

Veröffentlicht am 29.06.2018

Dramatische Liebesgeschichte, die gefühlvoll geschrieben, sich dabei aber etwas in die Länge zieht und wenig überraschend ist

Eigentlich nur dich
0

Mona wohnt mit ihrer besten Freundin Aneta zusammen in einer WG und genießt ihr unabhängiges Leben. Sie datet unverbindlich Männer, vermeidet es jedoch die ganze Nacht bei ihnen zu verbringen. Sie kann ...

Mona wohnt mit ihrer besten Freundin Aneta zusammen in einer WG und genießt ihr unabhängiges Leben. Sie datet unverbindlich Männer, vermeidet es jedoch die ganze Nacht bei ihnen zu verbringen. Sie kann sich nicht vorstellen, sich an einen Mann fest zu binden, bis ihr der Radiomoderator Milan begegnet. Sie verliebt sich in ihn, erleidet dann jedoch einen Unfall und ist mehrere Wochen im Krankenhaus. Im künstlichen Koma hört sie dort weiterhin seine Stimme im Radio, während Milan, der sich ebenfalls in Mona verliebt hat, nichts ahnt und von seiner Freundin eröffnet bekommt, dass diese schwanger ist.
Als Mona aus dem Koma erwacht, leidet sie als Folge des Unfalls an Flashbacks und Stimmungsschwankungen und auch Milan ist unleidig, da er es aufgrund seiner baldigen Vaterschaft nicht schafft, sich von seiner Freundin Fiona zu trennen. Er empfindet lange nicht so viel für sie, wie für Mona, möchte sich seiner Verantwortung allerdings nicht entziehen.

"Eigentlich nur dich" ist eine dramatische Liebesgeschichte, bei der die Protagonisten ihrem Glück gegenseitig im Wege stehen. Die anfängliche Sympathie geht sehr schnell in Liebe über, die beide offenbar bisher nicht für andere Partner empfunden haben. Dennoch schaffen sie es nicht, zu ihren Gefühlen zu stehen und die Hindernisse, die ihnen in den Weg gestellt werden, zu überwinden.

Während Mona nach ihrem Unfall zu kämpfen beginnt, sich ihren Narben stellt und vor allem auch beruflich durchstartet, ist es insbesondere Milan, der sich seinem Schicksal passiv ergibt und sich nicht mehr zeitgemäß verhält, um den Anschein einer glücklichen Vater-Mutter-Kind-Familie zu wahren.

Auch wenn es sich bei diesem Roman um eine Liebesgeschichte handelt, bei der von vornherein klar ist, wie diese enden wird, verfolgt man interessiert die parallel Entwicklung beider Charaktere, auch wenn die in Bezug auf Milan etwas frustrierend ist. Noch im letzten Kapitel konnte ich Milans Verhalten nicht nachvollziehen und habe es gar als unrealistisch empfunden, so dass sich das Happy End etwas in die Länge zieht.

Die Kapitelüberschriften, die Titel von Rocksongs sind haben mir gut gefallen, da der Bezug zum Inhalt der Kapitel spürbar war und da sich damit wiederum der Kreis um Milans Beruf als Radiomoderator schließt.
Selbst wenn die Geschichte ein paar Schwächen hat, da sie etwas langatmig und wenig überraschend ist, überzeugt sie durch einen erfrischenden und flüssigen, gefühlvollen Schreibstil.