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Veröffentlicht am 28.08.2018

Wenn nur nicht die Liebesgeschichte wäre...

Children of Blood and Bone
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Im Jahr 2018, wo ein Film wie „Black Panther“ wie eine Urgewalt eingeschlagen hat, natürlich vor allem im US-amerikanischen Raum, ist eine Geschichte wie „Children of Blood and Bone“ ja regelrecht prädestiniert ...

Im Jahr 2018, wo ein Film wie „Black Panther“ wie eine Urgewalt eingeschlagen hat, natürlich vor allem im US-amerikanischen Raum, ist eine Geschichte wie „Children of Blood and Bone“ ja regelrecht prädestiniert dafür, ebenfalls wie eine Bombe einzuschlagen, da die afrikanische Kultur wieder unter einem interessanten Aspekt beleuchtet wird und weil alles unter dem Rahmen des Rassismus steht, den vor allem die Autorin sehr bewegt. Nun ist dieses Jugendbuch bereits für einen Blockbuster verkauft und das geschah sogar noch vor der Erstveröffentlichung in den USA (!!!), das nenne ich mal Vorschusslorbeeren. Aber gerade diese stellen für Bücher letztlich eine große Hürde dar, denn was erwartet man wohl nach solchen Lobeshymnen?

Die Grundgeschichte von verschiedenen Clans, wo jeder seine eigene übernatürliche Fähigkeit hat, ist nun wahrlich nicht neu, ist z. B. so oder so ähnlich aktuell bei Bianca Iosivoni und ihrer „Sturmtochter“-Trilogie nachzulesen. Aber dennoch ist die Idee perfekt auf die afrikanische Kultur übertragen worden, so dass sich eine mystische Atmosphäre ergab und eine Welt, die sehr liebevoll, mit vielen Details ausgestattet, erzählt wird und die dennoch etwas sehr Düsteres hat, da es einen erbitterten Kampf um die Magie gibt. In dieser Welt ist eine sehr spannende Geschichte angelegt, die uns Leser immer wieder mit Action-Szenen in den Bann zieht und uns immer wieder neue Landschaften eröffnet, so dass sich von dieser Seite her auch immer wieder eine neuerliche Faszination ergibt. Mir persönlich hat nur ein wenig ein intensiverer Blick auf die magischen Fähigkeiten gefehlt und wie das Konzept der Magie generell aussieht, da hat die Autorin doch eher oberflächlich gearbeitet.

Neben dieser sehr spannenden Handlung, die auch zahlreiche Wendungen bereithält, sind es vor allem die sehr differenziert dargestellten Hauptfiguren, die zu überzeugen wissen. Im Buch gibt es drei Perspektiven: Zelie, Amari und Inan. Da auch Zelies Bruder Tzain eine große Rolle im Geschehen einnimmt, fand ich es doch etwas schade, dass nicht auch er einzelne Kapitel erhalten hat. Ja, vielleicht war er die unspektakulärste Figur dieses ersten Bandes, aber auch er hat eine Geschichte zu erzählen, die es wert wäre, dass man ihr lauscht. Zelie ist die starke Anführerin, die immer schon sehr mutig und rebellisch war, die sogar eher im Gegenteil aufpassen muss, dass sie sich eher zurückhält. Dennoch ist sie nicht nur instinktiv geleitet, da sie auch ein großes Herz und eine unerbittliche Loyalität ihrer Familie gegenüber empfindet. Amari, die vermeintlich verwöhnte Königstochter, ist zunächst das genaue Gegenteil zu Zelie, da sie zerbrechlich und ängstlich wirkt. Aber auch in ihr steckt eine unerbittliche Kriegerin, die viel vernunftgeleiteter ist, was sie vielleicht sogar zu cleveren Anführerin macht. Ihre Wandlung mitzuerleben, war wirklich eine wahre Freude!

Inan ist nun ein bisschen die Figur, an der sich vermutlich die Geister scheiden werden. Er ist höchst ambivalent angelegt und dazu noch sehr beeinflussbar, so dass er teilweise wie eine Fahne im Wind nach der aktuellen Stimmungslage agiert. Er ist Antagonist und Protagonist in einem, was ihn durchaus faszinierend macht, aber sein innerer Kampf um das Wissen, was richtig und was falsch ist, ist leider nicht immer so transparent dargestellt, wie ich mir erhofft hatte. Hinzu kommt, dass die dargestellte Liebesgeschichte zwischen ihm und Zelie (ja, das ist ein Spoiler, aber einer, mit dem man nach wenigen Kapiteln schon rechnen kann, daher erlaube ich es mir hier einmal) total überhastet und für die Handlung konstruiert wirkt. Ich jedenfalls habe mich nicht von den Gefühlen der beiden füreinander eingenommen gefühlt, im Gegenteil war ich sogar eher abgestoßen. In meinen Augen hätte man das viel ruhiger aufziehen müssen, zumal die Autorin ja von Anfang eine Trilogie im Hinterkopf hatte. Aber dieses doch größere Manko wird von einer insgesamt sonst starken Handlung ausgeglichen.

Fazit: Es ist kein Wunder, dass „Children of Blood and Bone“ so nahtlos an den Erfolg von „Black Panther“ anknüpfen kann, da eine faszinierende Welt geboten wird, in der es vor allem die starken Frauenfiguren sind, die zu überzeugen wissen. Die Handlung ist spannend und wendungsreich angelegt, zudem mit einigen Szenen, die einen den Atem anhalten lassen. Mein größter Kritikpunkt ist aber eindeutig die Liebesgeschichte, da diese nur für den Fortgang der Handlung so überhastet erzählt wurde, was den betroffenen Figuren nicht gerecht wird. Aber die Faszination ist da und die nächsten zwei Bände werden in jedem Fall von mir gelesen werden!

Veröffentlicht am 24.08.2018

Mal wieder ein etwas experimentierfreudigerer Carter

Blutrausch - Er muss töten (Ein Hunter-und-Garcia-Thriller 9)
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Chris Carter, mein liebster Thriller-Autor, liefert wie ein Uhrwerk einmal jährlich einen neuen Band seiner Robert-Hunter-Reihe ab, oder wie ich es lieber formulieren würde, die Hunter-und-Garcia-Reihe, ...

Chris Carter, mein liebster Thriller-Autor, liefert wie ein Uhrwerk einmal jährlich einen neuen Band seiner Robert-Hunter-Reihe ab, oder wie ich es lieber formulieren würde, die Hunter-und-Garcia-Reihe, da ich Carlos als sein Partner sehr in mein Herz geschlossen habe. Und obwohl Carter so schnell arbeitet, ist jeder Band in sich ein Meisterwerk. Natürlich bekommen sie nicht alle fünf Sterne von mir, weil ich die einzelnen Teile natürlich gegeneinander abwäge, aber im gesamten Thriller-Universum nehmen sie definitiv eine eigene Liga ein. „Blutrausch“ ist nun der neunte Band, also der kurz vor dem ersten großen Jubiläum, was er wohl bereithielt?

Die Bücher von Chris Carter haben grundsätzlich ein bestimmtes Schema. Bisher komplett aus diesem Schema rausgefallen ist der sechste Band, „Die Stille Bestie“, wo Hunter sich seiner Vergangenheit stellen musste, ohne seinen Partner agiert hat und ein wildes Katz-und-Maus-Spiel mit einem als Freund geglaubten Mann getrieben hat. Dieser Band war schon sehr anders. „Blutrausch“ würde ich nun als den zweiten Teil sehen, der in einigen Aspekten vom typischen Carter-Schema abweicht. Das liegt zum einen daran, dass es sich um keine Mordserie handelt, die ausschließlich in L.A. begangen wird, dadurch kommt es zweitens zu einer Zusammenarbeit mit dem FBI, die die klassische Hunter-Garcia-Partnerschaft natürlich nach außen öffnet. Diese Öffnung zu einer neuen Behörde hin, hat mir sehr gut gefallen, weil es eben auch mit anderen Charakteren neuen Input gibt und das Buch so insgesamt nicht so Hunter-lastig war, wie es die meisten anderen Teile sind. Zudem hat Garcia in dieser Zusammenarbeit ein sehr tolles komödiantisches Potenzial entwickelt, das mir viel Freude bereitet hat.

Der Fall nun aber hat mich nicht komplett begeistern können. Da die entscheidende Auflösung zu den Motiven erst sehr spät kommt, kann ich leider nicht so viel dazu sagen, weil ich sonst was vom Lesevergnügen wegnehmen würde, aber ich hatte das Gefühl, die Idee hinter der Mordserie schon einmal woanders gelesen oder gesehen zu haben. Ich kann leider nicht mehr rekonstruieren, ob es in einem anderen Thriller war oder vielleicht auch in einer Serie oder einem TV-Film, jedenfalls wirkte es etwas öde und das ist tatsächlich das erste Mal, dass ich das über einen Chris-Carter-Fall sage. Da die Tat eben schon so langweilig war, war es der Täter dementsprechend weitestgehend für mich auch.

Richtig genial waren aber die letzten fünfzig Seiten, die ich sehr genossen habe. Und wieder sind diese Momente eher untypisch für Chris Carter. Normalerweise hat Hunter kurz vor Ende eine Eingebung, die dem Leser nicht verraten wird und dann geht er auf eine Egomission und kann mit Geschick, aber auch immer viel Glück den Täter stellen, ohne selbst dabei ums Leben zu kommen. Diesmal ist der Showdown mit ihm, Garcia und zwei FBI-Agents verbunden und da gibt es die ein oder andere sehr überraschende Wendung. Es gab sogar einen richtigen Schockmoment, der war wirklich besonders gemacht. Ganz zum Schluss wird dann sogar schon die Handlung für den Jubiläumsband angestoßen, woraus man schlussfolgern kann, dass der zehnte Band richtig groß werden kann.

Fazit: Carter zeigt sich mal wieder etwas experimentierfreudiger und weicht in den Ermittlungen und im Endshowdown von seinem üblichen Muster ab. Das hat mir sehr gut gefallen, weil so auch Langeweile vorgebeugt wird. Diese Experimentierfreude ging aber etwas zu Lasten des Falls, der mich nicht besonders packen konnte. Wie gut, dass alles drum herum nach wie vor zur Spitzenunterhaltung führt.

Veröffentlicht am 21.08.2018

Gefühlvoll, aber zu wenig Liebesgeschichte

Worte, die leuchten wie Sterne
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Brigid Kemmerer ging Ende 2017 wirklich als Neuentdeckung für mich durch die Decke, als ich ihr Jugendbuch „Der Himmel in deinen Händen“ las. Ein deutscher Titel, der unweigerlich an Autoren wie Nora Roberts ...

Brigid Kemmerer ging Ende 2017 wirklich als Neuentdeckung für mich durch die Decke, als ich ihr Jugendbuch „Der Himmel in deinen Händen“ las. Ein deutscher Titel, der unweigerlich an Autoren wie Nora Roberts oder Nicholas Sparks denken lässt. Aber an Kemmerer hat mir vor allem sehr gefallen, dass ihre schriftstellerische Entfaltungskraft weniger von gemütlichen Stereotypen herkommt, sondern dass sie ein tiefes Gefühl mit einfachen Mitteln erreichen kann. „Worte, die leuchten wie Sterne“ ist nun quasi der zweite Band, da wir uns in derselben Welt befinden, mit der Unterschied, dass die anfängliche Nebenfigur Rev nun die Hauptfigur ist. Auf ihn war ich sehr gespannt, da seine angedeutete Vergangenheit bereits auf diesem Minimum sehr reizvoll erschien.

Die intensive Auseinandersetzung mit Rev zeigt schnell, dass die Reize sich bestätigen konnten. Er ist eine sehr komplexe Persönlichkeit, die im Kern sehr empathisch, sensibel und nachdenklich ist. Obwohl er auf solch solide Grundfesten bauen kann, wird er durch seine Dämonen der Vergangenheit in eine Glaubenskrise gestürzt. Dieser innere Konflikt war sehr spannend mitzuverfolgen, weil er eben so authentisch erzählt wurde. Ich habe jedes einzelne seiner Gefühle wunderbar nachvollziehen können und somit wurde er zu einer sehr transparenten Persönlichkeit. Ihm gegenüber steht Emma, die für mich als Leserin neu war. Ich hatte automatisch meinen Blick mehr auf Rev, weil ich ihn so unbedingt kennenlernen wollte, aber es hat sich auch schnell gezeigt, dass Emma im Vergleich auch einfach weniger interessant ist, weil sie viel eindimensionaler war. Sie war als typischer Teenager inszeniert, die gegen ihre Eltern rebelliert und die so störrisch ist, dass sie auch allen anderen Figuren vor den Kopf stößt. Da hilft auch nicht, dass sie als weibliche Gamerin eher ungewöhnlicher ist. Somit war das Gleichgewicht der Protagonisten leider nicht ganz im Gleichgewicht.

Nun ist dieses Jugendbuch ja nicht nur Charakterstudie, sondern beinhaltet auch eine Liebesgeschichte. Da muss ich festhalten, dass die Liebesgeschichte doch eher auf Sparflamme läuft. Rev und Emma erleben ihre Abenteuer viel mehr jeder für sich als zusammen. Die Szenen, die sie aber miteinander haben, sind einfühlsam, süß und echt on point erzählt. Gerade wenn die Szenen so gut sind, wünscht man sich natürlich mehr davon, daher ziehe ich das Fazit, dass „Worte, die leuchten wie Sternen“ ruhig mehr Liebe hätte bieten können.

Die Liebesgeschichte ist zwar zu wenig, verläuft aber von der Handlung her sehr sinnvoll. Daher werfe ich noch einen Blick auf die Einzelgeschichten. Emmas Geschichte war natürlich sehr von ihrer Persönlichkeit geprägt, dennoch habe ich mich in ihrer Perspektive nicht nur geärgert oder gelangweilt, da die Geschichte insgesamt einen guten Spanungsbogen hatte. Revs Geschichte war im Ganzen aber einfach besser, weil er mit den bereits bekannten Charakteren verbandelt ist und weil er einfach die Entwicklung mitmacht, die ich sehen wollte. In beiden Geschichten sind kleine Aspekte nicht ganz rund, aber das fällt nicht schwer ins Gewicht.

Fazit: „Worte, die leuchten wie Sterne“ ist erneut eine ganz tolle Jugendbuchunterhaltung, weil dieser einfühlsame Stil von Brigid Kemmerer erneut durchstrahlt und vor allem in der Figur Rev seine volle Entfaltungskraft findet. Dennoch, so sehr ich Rev auch mag, muss ich dieses Buch einfach einen Ticken schlechter einschätzen als „Der Himmel in deinen Händen“, da auch die Liebesgeschichte schlechter wegkommt. Diese Einschränkungen ändern aber nichts an einer uneingeschränkten Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 13.08.2018

Bisher süßester Band der Reihe

True North - Du bist alles für immer
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Die „True North“-Reihe von Sarina Bowen hat es mir bisher wirklich angetan, weil diese heimelige Atmosphäre in Vermont wirklich sehr einnehmend ist und weil prickelnde Liebesgeschichten erzählt werden, ...

Die „True North“-Reihe von Sarina Bowen hat es mir bisher wirklich angetan, weil diese heimelige Atmosphäre in Vermont wirklich sehr einnehmend ist und weil prickelnde Liebesgeschichten erzählt werden, die von einer sehr lebensnahen Dramatik begleitet sind. Der nun bereits dritte Band dreht sich um den bereits altbekannten Farmhelfer Zach und eine neue Figur namens Lark, die in der Familie Shipley aber keine Unbekannte ist.

Mir hat es sehr gefallen, dass wir nun auch endlich Zach richtig kennenlernen durften, da er immer so in sich ruhend wirkte, aber eben immer nur der loyale Anpacker war, der höchst mysteriös rüberkam, weil man so wenig über ihn wusste. Zach ist auch tatsächlich in sich ruhend und vermutlich der liebste Mann, der auf Erden wandelt. Seine empathischen Handlungen, seine Ruhe, mit der er die Späße seiner Kollegen erträgt und diese bedingungslose Loyalität sind unheimlich einnehmend. Seine Vergangenheit bei der Sekte wird immer mal wieder beleuchtet, aber nur aus seinen Erzählungen heraus, weswegen mir bei diesem Aspekt der Geschichte die letzte Dramatik gefehlt hat. Es hätte der Geschichte noch wesentlich mehr Tiefgang gegeben, wenn man Zachs Erlebnisse hautnah mit ihm erlebt hätte. Zudem war ich etwas enttäuscht, dass nicht mehr gegen die Sekte gearbeitet wurde, sondern dass das Konstrukt mit Ende der Geschichte kommentarlos bestehen bleibt. Schließlich geht in diesem Kult einiges nicht mit rechten Dingen zu, so dass man dadurch Handlungen zur Anzeige hätte bringen können.

Bei der weiblichen Protagonistin, Lark, war diese Dramatik eindeutig besser umgesetzt. Ihre Erlebnisse in Guatemala, wo sie als freiwillige Helferin beschäftigt wurde und wo sie schließlich für Lösegeld entführt wurde, haben bei ihr ein Posttraumatische Belastungsstörung ausgelöst, die sie sich nicht eingestehen will. Lark ist dennoch eine lebensfrohe Frau, die keinem Streit aus dem Weg geht und unheimlich bockig sein kann, trotzdem merkt man durch ihre Perspektive, was bei ihr wirklich los ist und begleitet sie zum absoluten Tiefpunkt. Hier zeigt also erneut, dass Bowen dramatische Geschichten geschickt in erotische Liebesgeschichten einweben kann, denn die Darstellung von PTBS wirkte sehr realistisch.

Die Liebesgeschichten von Audrey und Griffin und Jude und Sophie waren wirklich sehr erotisch aufgeladen. Auch der dritte Band hat seine erotischen Momente, die aber keinesfalls überhand nehmen. Zudem ist Zach und Larks Liebesgeschichte viel süßer. Bei den beiden geht es von Anfang an um mehr als des Körperliche, das merkt man, weil dieser explosive Charakter fehlt. Manches Mal fehlten mir die Szenen etwas, andererseits passte es auch zur Entwicklung der Handlung, dass die beiden Figuren sich auf Anhieb innerlich erkannt haben und darüber ihre Verbindung hergestellt haben. Das Ende der Geschichte war dann perfekt, aber das galt auch schon für die beiden Bände dafür.

Fazit: Bowen liefert mit dem dritten Band den bisher bodenständigsten Teil ab, da die prickelnde Chemie am geringsten erzeugt wird. Dennoch haben Zach und Lark als einzelne Figuren viel zu bieten (vor allem Larks PTBS ist sehr realistisch dargestellt), aber auch zusammen haben sie etwas so Tiefes, dass man zufriedenstellend von ihrer Liebesgeschichte eingenommen wird.

Veröffentlicht am 12.08.2018

Nichts als gute Unterhaltung

Nichts als Liebe
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Christina Lauren ist auf dem Buchmarkt wahrlich keine Unbekannte, dennoch habe ich von ihr (beziehungsweise von ihnen, da hinter dem Pseudonym ja gleich zwei Autorinnen stecken) noch nichts gelesen. Bei ...

Christina Lauren ist auf dem Buchmarkt wahrlich keine Unbekannte, dennoch habe ich von ihr (beziehungsweise von ihnen, da hinter dem Pseudonym ja gleich zwei Autorinnen stecken) noch nichts gelesen. Bei einer Buchverlosung sah ich plötzlich ein wunderschönes Cover und stutzte, als ich den Autorennamen Christina Lauren entdeckte, denn in Deutschland wurde deren Werke bisher eher mit Covern vermarktet, die von Männern (gerne in Anzügen) bestückt sind. Als ich dann las, dass sich die beiden Autorinnen neu ausprobiert haben, dachte ich mir: das passt ja, so kann ich sie überhaupt mal kennenlernen.

Die Geschichte hat eine klare Aufteilung: einmal im Hier und Jetzt, wo sich Macy und Elliot nach elf Jahren wiederbegegnen und einmal Rückblenden in ihre Jugend, wo die beiden sich kennenlernten. Diesen Weg habe ich im Prinzip als sehr ansprechend empfunden, weil in der Gegenwart natürlich viele Andeutungen gemacht wurden, wo klar war, die Lösung liegt in der Vergangenheit und nur dort können wir sie entdecken. Das hat auch einen ungeheuren Spannungseffekt gehabt, was für einen Liebesroman doch eher ungewöhnlich ist. Denn die Autorinnen haben es geschafft, die Vergangenheitskapitel immer in spannenden Momenten zu verlassen, so dass man immer weiterlesen wollte, um zu erfahren: was war jetzt damals eigentlich mit Macy und Elliot, was ist da passiert? Gegen Ende hin kam leider aber etwas Frust dazu, da die Zeitsprünge zwischen den erzählten Episoden in der Vergangenheit sehr unrealistisch wurden, was aber auch viel mit den beiden Figuren zu tun hat, die ich im nächsten Abschnitt behandeln werde.

Macy und Elliot gefielen mir als Charaktere unheimlich gut. Vor allem Elliot ist natürlich der Traum eines jeden Mädchens, da er so viele Bücher liest. Wo gibt’s das heute noch so richtig? Er wirkt dadurch auch etwas nerdig, aber gleichzeitig ist er so empathisch und sensibel, dass man ihn einfach lieb haben muss. Macy ist nicht unbedingt eine Figur, die man sofort ins Herz schließt, da sie sowohl als Jugendliche, als auch als Erwachsene alles falsch zu machen scheint. Aber dennoch konnte ich ihr nicht böse sein, da ja klar war, warum sie so ist wie sie ist, denn an ihr wurde eindrucksvoll gezeigt, wie einnehmend Verluste im Leben eines Menschen sind, weil sie es so beeinflussen, dass man es gar nicht mitbekommt und sich auch nicht wehren kann. Unterschwellig sind die Themen bei mir auch sehr präsent, weswegen ich zu Macy auch einen besonderen Zugang gefunden habe.

Die Chemie der beiden ist am Anfang in erster Linie süß, in der Gegenwart ist sie bittersüß und verzehrend. Aber gerade im Jugendalter kommt es schnell zu einem Knackpunkt, der sehr eng mit meiner Kritik der unrealistischen Darstellung verknüpft ist. Die beiden entdecken ihre Gefühle füreinander, parallel erkennen sie, wie für das Alter üblich, ihre Sexualität und wenn sie sich dann einmal geküsst haben, sehen sie sich eben Monate nicht und das scheint sie nicht so sehr zu bewegen. Das empfinde ich aber als sehr unrealistisch, vor allem, als die beiden noch weiter miteinander gehen und trotzdem den Verstand über alles stehen, in dem Alter wirklich überhaupt nicht passend. Dadurch wurde mir bewusst, dass es den Autorinnen nur darum ging, die Spannung möglichst hochzuhalten und den Leser oder die Leserin auf die Folter zu spannen, dafür haben sie aber in Kauf genommen, dass die Vergangenheit doch irgendwie auch zäh wirkte.

Ansonsten gefällt mir die Geschichte aber wirklich gut. Es gibt viele ruhige, einnehmende Momente. Es gibt Oden an die Familie, das Thema Trauer wird intensiv beleuchtet, ebenso wie Beziehungen, die nicht der Liebe wegen geführt werden, sondern um der Einsamkeit zu entkommen. Diese Themenkomplexe hatten eine sehr berührende Note. Nur der Grund, warum sich Macy und Elliot elf Jahre nicht mehr gesehen haben, wurde am Ende dann wieder etwas überdramatisiert. Zwar schloss sich logisch ein Kreis, dennoch gab es kleinere Details an der Erklärung, die man dann eher mit einem Augenzwinkern sehen muss.

Fazit: „Nichts als Liebe“ ist wirklich eine schöne Liebesgeschichte, bei der es für Christina Lauren eher untypisch, weniger um die sexualisierte Komponente als um das Zwischenmenschliche geht. Dennoch ist die Geschichte nicht ganz rund erzählt, weil an einigen Stellen einfach zu viel gewollt wurde, was dann mit der Atmosphäre nicht ganz stimmig war. Aber ich habe auf jeden Fall gemerkt, dass sich hinter Christina Lauren zwei Autorinnen verbergen, die zu erzählen wissen.