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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.05.2019

Beeindruckt nachhaltig

Mein Leben als Sonntagskind
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„Mein Leben als Sonntagskind“ von Judith Visser handelt von Jasmijn Leben, ein Leben in dem sie anders ist als die anderen, dies auch erkennt, aber nicht versteht warum. Jasmijn leidet unter dem Aspergersyndrom, ...

„Mein Leben als Sonntagskind“ von Judith Visser handelt von Jasmijn Leben, ein Leben in dem sie anders ist als die anderen, dies auch erkennt, aber nicht versteht warum. Jasmijn leidet unter dem Aspergersyndrom, was sie aber erst im Erwachsenenalter herausfindet.
Jasmijn ist ein cleveres, hübsches, tolles Mädchen und dennoch führt sie die ganze Zeit ein anderes Leben. Sie weiß, dass etwas nicht mit ihr stimmt, sie erkennt die Situationen in denen sie sich anders verhält als ihre Mitmenschen und dennoch hat sie dafür keine Erklärung. Dieses Buch behandelt das Thema Autismus, wie viele andere Bücher vor ihm, aber dennoch ist es grundlegend anders. Noch nie habe ich eine Krankheit so gut verstanden, wie nach der Lektüre dieses Romans.
Während des Lesens gehen unzählige Fragen durch den Kopf. Wie fühlt es sich an, ständig unabsichtlich gegen gesellschaftliche Regeln zu verstoßen? Wie fühlt es sich an nicht zu wissen, warum man so anders ist? Warum verhalten sich die Mitmenschen überhaupt anders als man selbst? Und wer ist denn nun der „Normale“, wer gibt überhaupt vor, was normal ist?
Oft habe ich mich bei diesem Buch dabei erwischt mich zu fragen, was überhaupt Normalsein bedeutet. Die Gedanken eines Menschen mit Aspergersyndrom erscheinen einem oftmals viel logischer. Jasmijn möchte nicht in die Vorschule mit der Begründung, dass sie nicht drei Stunden bei einer Frau bleiben möchte, die sie ja gar nicht kennt. Von dieser Sicht auf die Welt und die Geschehnisse können wir sehr viel lernen.
Als Nichtbetroffener weiß man natürlich das ein oder andere über Autismus, hat etwas darüber in Filmen gesehen oder in Büchern gelesen. Aber diese Beschreibungen alltäglicher Situationen machen dem Leser die Krankheit erst richtig bewusst. Ein tieferer Einblick in ein Leben mit Autismus ist kaum möglich. Man wird mitgenommen auf den weiten und beschwerlichen Weg, den Jasmijn auf sich nimmt um endlich „normal“ zu sein. Judith Visser hat eine unfassbare Beobachtungsgabe. In dieser Art kann man nur schreiben, wenn man selbst betroffen ist. Das macht das Buch zu 100% ehrlich und authentisch und ich bewundere sie für ihren Mut, ihre Welt in diesem besonderen Buch mit uns zu teilen.
Man leidet mit, man freut sich so sehr, als Jasmijn einen Reitwettbewerb gewinnt. Sie versteht selbst nicht, was mit ihr los ist, kämpft so sehr darum normal zu sein. Sie denkt immer wieder darüber nach, wie die normale Jasmijn sich verhalten würde, weil ihr bewusst ist wie anders ihr eigenes Verhalten ist. Man sieht mal wieder, wie absolut wichtig Tiere für die Menschen sind, aufgrund ihrer Ehrlichkeit und ihrem grenzenlosen Vertrauen. Man möchte ihr zuschreien: „Blieb so wie du bist, denn so bist du perfekt“. Es ist traurig zu lesen wie Jasmijn lernt sich zu verstellen, damit sie von anderen akzeptiert wird. Dieser verzweifelte Wunsch jemand anderes zu sein bricht einem fast das Herz. Man kann nur erahnen, wie viel schlimmer die Schicksalsschläge die sie erlebt für sie sein müssen. Umso schöner ist es, dass sie so eine gute und wichtige Freundin hat, die sie zwar nicht versteht, aber die ihr bei alltäglichen Situationen hilft und ihr dadurch Mut macht.
Judith Visser erreicht den Leser auf eine ganz besondere Art. Man leidet mit, man weint, man freut sich. Und man ist stolz auf Jasmijn, wenn sie mal wieder eine Situation gemeistert hat. Dieses Buch hat mich wirklich nachhaltig sehr beeindruckt!!!

Veröffentlicht am 04.05.2019

Einfach klasse

EINFACH MACHEN
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Schon auf dem Cover sehen die drei Männer aus wie sympathische Macher, die für jedes Problem eine Lösung finden. Zu Beginn besticht das Buch gleich durch ein tolles Zitat vom Managementpapst Sprenger, ...

Schon auf dem Cover sehen die drei Männer aus wie sympathische Macher, die für jedes Problem eine Lösung finden. Zu Beginn besticht das Buch gleich durch ein tolles Zitat vom Managementpapst Sprenger, das sehr gut zum gesamten Buch und zur Firmengeschichte passt. Man sitzt gedanklich sofort mit den Jungs beim Italiener und hat das Gefühl von Anfang an bei jedem Schritt dabei zu sein. Das Buch ist erfrischend und witzig. Ein Managementbuch, das keins sein will und bei dem nachher trotzdem mehr Wissen hängen bleibt, als bei einer BWL-Vorlesung. Die Erklärungen sind witzig, fast ein wenig wie die Sendung mit der Maus für Erwachsene.
Hinfallen, aufstehen, weitermachen. Wenn ein Spruch jemals passender war, dann für diese Männer. Man möchte bei mobiheat arbeiten, obwohl man keine Ahnung von Heizungsanlagen hat. Einfach nur um Teil dieses humorvollen und enthusiastisch Teams zu sein.
Besonders schön sind die Fotos und liebevollen Danksagungen an die Mitarbeiter und die Familie, so persönlich wie das gesamte Buch. Jede Geschichte ist witziger und kurioser, als die vorherige.
Das Buch ist herrlich unkompliziert geschrieben, man merkt dennoch wie viel Schweiß, Arbeit und vor allem Liebe und Humor in diesem Unternehmen stecken. Einfach klasse.

Veröffentlicht am 05.11.2018

Ehrlich, authentisch, großartig

Gangsterblues
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In seinem Buch Gangsterblues nimmt Joe Bausch uns mit in die Welt der JVA Werl. In 12 Geschichten erzählt er von der Welt hinter Gittern und den Menschen dahinter.
Ich habe bereits Knast von Bausch gelesen ...

In seinem Buch Gangsterblues nimmt Joe Bausch uns mit in die Welt der JVA Werl. In 12 Geschichten erzählt er von der Welt hinter Gittern und den Menschen dahinter.
Ich habe bereits Knast von Bausch gelesen und war daher extrem neugierig auf sein neues Buch. Der Vorspann schürt die Freude auf die zwölf kommenden Lebensgeschichten noch mehr. Persönlich interessiert mich das Buch auch, da Werl in der Nähe meines Heimatortes ist. Joe Bausch erzählt vorurteilsfrei und sehr respektvoll, seine detaillierten Schilderungen des Alltags in der JVA sind interessant, ohne überzogen zu wirken. Bausch will erzählen, den Menschen einen Einblick geben in ein Leben, das weit entfernt vom normalen Alltag ist. Bausch nimmt die Insassen und ihre Bedürfnisse ernst, urteilt nicht, vertritt aber seine eigenen Ansichten.
Joe Bausch nimmt uns mit hinter die Kulissen, erklärt die Machtstrukturen hinter Gittern. Er hilft uns Vorurteile abzubauen, nimmt uns die Vorstellung à la „so schlecht geht es denen doch gar nicht“ „Verbrecher müssen stillgelegt werden“. Er geht offen damit um, dass es Drogen und Handys im Knast gibt und erklärt die Problematik dahinter.
Die Erzählweise der Geschichten ist sehr verständnisvoll und ruhig, die Wand aus Klischees und Vorurteilen bröckelt mit jeder Seite.
Das Buch zeigt zwölf knallharte, ehrliche Geschichten, eine interessanter als die andere.
Selten ist ein Autor so sympathisch wie Joe Bausch, es geht ihm um die Menschen, nicht um sensationsträchtige Geschichten. Er zeigt die Insassen von ihrer menschlichen Seite, ohne die grausamen Taten zu verharmlosen.
Das Buch ist 100 % authentisch, 100 % interessant, 100 % Bausch

Veröffentlicht am 29.08.2018

Spannend, spannender, Lehane

Der Abgrund in dir
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Der Roman „Der Abgrund in dir“ von Dennis Lehane handelt von Rachel, die alles hat, was man sich vom Leben erträumt: einen netten Mann, einen tollen Job als Journalistin, ein tolles Haus uns ein finanziell ...

Der Roman „Der Abgrund in dir“ von Dennis Lehane handelt von Rachel, die alles hat, was man sich vom Leben erträumt: einen netten Mann, einen tollen Job als Journalistin, ein tolles Haus uns ein finanziell sorgenfreies Leben. Dennoch ist Rachels Mutter tot und ihren Vater kennt sie nicht. Auf der Suche nach ihrem leiblichen Vater verliert sie immer mehr die Kontrolle über ihr Leben und rutscht immer tiefer in ihren eigenen Abgrund.
Bereits der erste Satz des Buches beginnt mit einem vermeintlichen Todesopfer und dann handelt es sich auch noch um Rachels eigenen Mann. Die Protagonistin Rachel lernt man zu Beginn über die Erzählungen ihrer Mutter und ihrer Kindheit kennen. Auf den ersten Seiten schockiert das Buch, belustigt, packt den Leser und weckt Neugier. Besser kann ein Buch nicht beginnen.
Rachel und ihre Mutter wurden früh vom Vater verlassen, als Rachel 21 Jahre alt war stirbt auch noch ihre Mutter und nimmt das Geheimnis um Rachels leiblichen Vater mit ins Grab. Rachels spannender Suche nach ihrem Vater, bei der sie auch mehr über sich und ihre Mutter erfährt wirkt im ersten Moment wie das zentrale Thema des Buches. Man kann durch diese Geschichte zwar Rückschlüsse auf Rachels Verhalten ziehen, aber am Anfang ahnt der Leser noch nicht, dass dieser Handlungsstrang nur ein kleines Puzzleteil in dieser durchdachten Handlung ist.
Die Charaktere im Buch sind sehr gut durchdacht und vielschichtig. Die Persönlichkeit, die Eigenarten, das Verhalten; alles ergibt ein stimmiges Bild. Wie unfassbar passend die Charaktere sind lässt sich zu Beginn des Buches erahnen, wirklich bewusst wird es dem Leser erst nach der Lektüre des Buches.
Rachels Leben läuft vermeintlich perfekt, man wartet mit Spannung auf den großen Wendepunkt, der nicht lange auf sich warten lässt und den Leser mit einer Wucht trifft, die wohl niemand so vermutet hat. Generell spürt man die unterschwellige Spannung die ganze Zeit, die Fassade bröckelt sehr langsam und in sehr kleinen Teilen.
Der Roman ist vielschichtig. Lehane spricht verschiedene Themen wie Rachels Suche nach ihrem leiblichen Vater, das Erdbeben in Port-au-Prince und das Leben mit Panikattacken an. Das macht die Handlung spannend und abwechslungsreich ohne deplatziert oder lückenfüllend zu wirken. Im Hintergrund taucht immer wieder Brian auf, der die Handlung ebenfalls belebt. Der Autor schafft es auch hier das Gefühl zu erwecken, dass etwas mit Brian nicht stimmt und der Leser fragt sich die gesamte Zeit, was dieses Gefühl zu bedeuten hat.
Rachels Leben nimmt so schnell eine Wendung, von der gefeierten Journalistin zur ängstlichen Frau mit Panikattacken. Trotzdem ist sie immer noch eine taffe Frau und das macht sie als Hauptfigur so authentisch. Man fiebert beim Buch mit, hofft das Brian kein dunkles Geheimnis hat, freut sich aber insgeheim doch, wenn etwas Schreckliches passiert.
Zusammenfassend ist es bemerkenswert, wie Dennis Lehane es schafft die gesamte Zeit unterschwellig das Gefühl zu vermitteln, dass etwas nicht stimmt. Man verschlingt Seite für Seite und wartet auf den großen Wendepunkt. Und als dieser kommt merkt man, dass die Handlung erst richtig beginnt und das nur die Spitze des Eisbergs war. Ich habe an jeder Zeile gehangen, konnte das Buch kaum weglegen. Die Handlung ist an keiner Stelle vorhersehbar.
Ganz große Erzählkunst mit vielschichtigen Charakteren!

Veröffentlicht am 21.05.2018

Überraschungshit

Ohne ein einziges Wort
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Der Roman „Ohne ein einziges Wort“ von Rosie Walsh handelt von Sarah und Eddie, die sich innerhalb einer Woche unsterblich ineinander verliebt haben, deren Glück aber nur von kurzer Dauer ist, da Eddie ...

Der Roman „Ohne ein einziges Wort“ von Rosie Walsh handelt von Sarah und Eddie, die sich innerhalb einer Woche unsterblich ineinander verliebt haben, deren Glück aber nur von kurzer Dauer ist, da Eddie sich nicht mehr meldet und von Erdboden verschwindet.
Bereits das Cover spricht mich, aufgrund meiner Lieblingsfarbe türkis, natürlich sehr an. Ich finde es toll, dass die Autorin ihren Heimatort auch als Handlungsort für ihr Buch genommen hat. Das erste Kapitel beginnt mit einem Brief, sodass man sich direkt angesprochen fühlt.
Die besondere Verbindung zwischen Eddie und Sarah geht aus dem Roman vom ersten Augenblick heraus, dass es sich nicht nur um einen harmlosen Flirt handelt, ist bereits nach wenigen Seiten erkennbar. Im nächsten Kapitel ist Eddie dann verschwunden und man kann selbst kaum glauben, dass es so ist. Man leidet mit Sarah, stellt Theorien auf, fragt sich ob sie an einen Betrüger geraten ist. Dieses Thema ist uns allen bekannt, wir haben alle schon einmal auf diesen einen Anruf gewartet und sind in dieser Zeit schier verrückt geworden. Egal wie alt oder taff und selbstbewusst man ist, dieser eine ausbleibende Anruf verändert uns alle. Aktuelle Themen wie Onlinedating und die damit verbundenen Problematiken sind in der heutigen Zeit wohl allen geläufig. Auf dem Weg zu ihrer alten Schule diskutieren Sarah und ihre Freunde über den Grund für Eddies Verschwinden, während im nächsten Kapitel das Kennenlernen von Eddie und Sarah im Vordergrund steht. Dadurch ist der Leser schnell im Bilde und man findet sehr leicht in die Geschichte. Die Briefe zwischendurch sind eine nette Abwechslung, die zur Handlung beitragen, ohne die Spannung zu mindern. Man fühlt sich Sarah verbunden, möchte aber auch mit ihr und ihrer aktuellen Situation nicht tauschen: vom mann geschieden, Eddie ruft nicht an, an ihrer alten Schule trifft sie die Frauen, die ihr damals den Schulalltag zur Hölle machten.
Rosie Walsh findet genau die richtigen Worte, um diese besondere Beziehung zwischen Eddie und Sarah zu beschreiben. Die Geschichte der beiden wird immer spannender, aber auch merkwürdiger. Die Spannung wird im ganzen Buch sehr gut aufgebaut und kontinuierlich gehalten. Man kann Sarah verstehen, aber gerade wenn man den Eindruck erhält, dass sie vielleicht doch etwas zu verzweifelt ist und überreagiert, passiert etwas mit dem man nicht gerechnet hat. Welches Geheimnis verbirgt Eddie?
Die Mailentwürfe, die nie an Sarah gesendet wurden, sind eine gute Idee. Dadurch erhält man einen Einblick in Eddies Gefühlslage.
Sarahs Freunde sind Gold wert, sie sind immer für sie da und unterstützen sie bei allem. Man erinnert sich bei der Lektüre des Buches an seinen eigenen Freundeskreis und schwierige Situationen, die man gemeinsam gemeistert hat.
Gerade als ich dachte, dass das Buch etwas vorhersehbar wird, kommt eine Wendung mit der ich so nicht gerechnet hätte. Ich war überrascht und völlig begeistert. Dieses Buch ist kein romantisch vorhersehbarer Kitschroman. Er ist spannend, überraschend und beschreibt mit den richtigen Worten Situationen, die wir so alle schon einmal erlebt haben. Ein tolles Buch!