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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.08.2018

Grausame Geschichte

Scherbenseele
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Das Buch war auch diesmal keine leichte Kost. Schon die vorherigen Bände von Erik Axl Sund waren nicht so einfach zu lesen, da die Themen bedrückend, belastend und traurig waren. Diesmal jedoch konnte ...

Das Buch war auch diesmal keine leichte Kost. Schon die vorherigen Bände von Erik Axl Sund waren nicht so einfach zu lesen, da die Themen bedrückend, belastend und traurig waren. Diesmal jedoch konnte man der Geschichte nur schwer folgen. Für mich waren anfangs zu viele Personen unterwegs, die die Geschichte undurchsichtig und verworren machten. Ich fand auch nicht so gut in die Geschichte hinein. Es war gerade am Anfang etwas quälend, trotzdem wollte ich wissen, wie es weitergeht.

Ich fand die Charaktere diesmal nicht so stark wie bei den vorherigen Büchern. Sie wirkten etwas hölzern und unausgereift. Der Schreibstil an sich war gut (wie bei den anderen Büchern auch) und die Themen wieder sehr schwer verdaulich. Lange weiß man nicht, wer sich hinter „Hunger“ verbirgt. Umso erschreckender war dann der Moment, als man wusste, wer es war. Teilweise empfand ich die Handlungen als zu brutal. Gut fand ich, wie der Autor den Einfluss der Medien auf die Menschen dargestellt hat und was man damit bewirken kann. Allerdings ist genau dieser Einfluss auch wieder beängstigend.

Ich bin mir noch nicht so sicher, was ich von diesem Buch halten soll. Ich musste diesmal das Buch mehrfach bei Seite legen und etwas anderes Lesen.

Es ist eine gute (wenn auch teilweise grausame) Geschichte, aber diesmal waren mir zu viele Charaktere involviert.

Veröffentlicht am 30.08.2018

Gelungener Krimi mit kleinen Makeln

Die Scherben der Wahrheit
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Die Scherben der Wahrheit sind für Helen teilweise nur schwer zu vertragen. Sie muss den Tod ihres Freundes verkraften. Dazu ist sie noch schwanger und wird bald ein Baby bekommen. Helen versucht in Erfahrung ...

Die Scherben der Wahrheit sind für Helen teilweise nur schwer zu vertragen. Sie muss den Tod ihres Freundes verkraften. Dazu ist sie noch schwanger und wird bald ein Baby bekommen. Helen versucht in Erfahrung zu bringen, warum ihr Freund sterben musste. Er wurde überfahren - aus ihrer Sicht gezielt. Sie glaubt an keinen zufälligen Unfall. Dies erscheint ihr merkwürdig und so begibt sie sich auf Spurensuche. Als Polizistin kennt sie die Gefahren und die Möglichkeiten und kann somit die scheinbaren Ausreden der Vorgesetzten und Kollegen nicht glauben. Sie recherchiert auf eigene Faust und nicht immer gefällt ihr, was sie dabei aufdeckt.

Die Geschichte ist ein ruhiger und wenig actionreicher Krimi. Es geht hier in der Hauptsache um Helen und ihrer Suche nach der Wahrheit. Die Stimme von Katja Danowski ist angenehm und trägt auch gut durch die Geschichte. Sie konnte nur leider nicht so gut die männlichen Parts widergeben, so dass man oft überlegen musste, wer jetzt gemeint ist. Eine zusätzliche männliche Stimme wäre gut gewesen.

Die Geschichte ist gut gestrickt und teilweise auch verworren (im positiven Sinne). Die vielen kleinen Abzweigungen sorgen dafür, dass diese ruhige Art der Erzählung nicht langweilig wird. Auch die Charaktere fand ich gut ausgearbeitet (besonders die Jugendlichen) und interessant.

Einzig Helen war für mich nicht glaubwürdig genug. Ich war erstaunt, wie leistungsfähig eine hochschwangere Frau sein soll. Selbst am Tag der Geburt ermittelt sie noch und sucht die Konfrontation mit den Jungen und macht trotz der Wehen weiter. Dies erscheint mir etwas übertrieben und wenig glaubhaft. Ihre Gefühle hatte sie trotz des Todes ihres Freundes und der Schwangerschaft sehr unter Kontrolle und wirkte, aus meiner Sicht, teilweise zu emotionslos und beherrscht.

Insgesamt jedoch ist es ein gelungener (wenn auch leiser) Krimi, der beweist, dass auch leise Töne spannend sein können.

Veröffentlicht am 30.08.2018

Eine große umfassende und blumige Familiengeschichte

Buskaschi oder Der Teppich meiner Mutter
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Eine große umfassende und blumige Familiengeschichte, die in ein Land entführt, welches man selten im positiven Licht sieht, hört oder liest.

Afghanistan.

Vorweg, wer sich an dieses Hörbuch wagt, muss ...

Eine große umfassende und blumige Familiengeschichte, die in ein Land entführt, welches man selten im positiven Licht sieht, hört oder liest.

Afghanistan.

Vorweg, wer sich an dieses Hörbuch wagt, muss über 25 Stunden Zeit haben. Zeit für all die vielen bunten, ausschweifenden und sehr detaillierten Beschreibungen der Familie, der Traditionen und des Lebens.

Der Autor packt so viele Personen, Orte und Erlebnisse in diese Geschichte, dass man zu tun hat ihm zu folgen. Es fiel mir schwer, mir die ganzen Namen und die Verwandtschaftsgrade zu merken. Leider hatte das Hörbuch kein Booklet mit einer kleinen Übersicht, was hier jedoch sehr hilfreich gewesen wäre.

Die Geschichte wird sehr opulent erzählt, d.h. der Autor erzählt nicht nur, sondern er malt Bilder für seinen Leser/Zuhörer und diese sind laut, bunt und exotisch. Sie sind sehr kraftvoll und beeindruckend, aber auch teilweise erschlagend und sehr ausschweifend. Häufig werden Figuren aus Sagen, alten Geschichten des Landes und zahlreiche Metaphern verwendet. Wer sich (wie ich) nicht so gut mit der Geschichte des Landes auskennt, könnte hier Probleme beim Nachvollziehen und Verstehen bekommen. Gerade in der Mitte des Hörbuches hatte ich ein kleines Tief, da ich die vielen Details nicht mehr aufnehmen konnte. Ich empfand es fast schon als anstrengend, obwohl mich gerade die ganzen Informationen über das Land, das Leben der Menschen und der Politik sehr interessiert haben.

Ich habe es nicht bereut mir die Zeit zu nehmen, um dieses Land, die Familie und die Traditionen kennenzulernen. Es hat dafür gesorgt, dass das Land von mir nicht mehr nur aus einem Blickwinkel gesehen wird.

Wer große Familiengeschichten mit vielen Charakteren in blumiger Sprache geschrieben, mag, sollte hier zugreifen.

Veröffentlicht am 30.08.2018

Der Funke sprang nicht so richtig über

Finstere Geschäfte
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Für die Sozialarbeiterin Lena kommt alles auf einmal. Sie erfährt von dem Selbstmord ihrer Arbeitskollegin und sie hat Liebesprobleme. Die Autorin lässt diese Handlungsstränge parallel laufen. Dazu kommen ...

Für die Sozialarbeiterin Lena kommt alles auf einmal. Sie erfährt von dem Selbstmord ihrer Arbeitskollegin und sie hat Liebesprobleme. Die Autorin lässt diese Handlungsstränge parallel laufen. Dazu kommen immer wieder Texte in kursiver Schrift, die mit den beiden Handlungssträngen scheinbar nichts zu tun haben. Diese Texte geben jedoch die gewalttätigsten Szenen wieder. Frauen werden entführt, misshandelt, missbraucht und verschleppt.

Auf der anderen Seite steht das Liebesleben von Lena. Zwei Frauen spielen eine wichtige Rolle in ihrem Leben, aber beide entfernen sich immer mehr von ihr. Dafür tritt ein Mann in ihr Leben, der ihr Gefühlskarussell zum Drehen bringt. Und nun kommt noch der Selbstmord der Kollegin hinzu. Lena kann es nicht glauben und versucht in Erfahrung zu bringen, was die letzten Arbeiten von Emilia waren. Deren Schwester Christine ist ebenfalls nicht von der Selbstmordtheorie überzeugt. Und tatsächlich stossen sie auf Ungereimtheiten.

Ich fand den Krimi trotz der vielen Handlungsstränge etwas zäh und schleppend. Die Geschichte brauchte fast 100 Seiten, um in Fahrt zu kommen. Trotz eines guten Schreibstils konnte mich Lena nicht so richtig packen und mitziehen. Zwar hat die Autorin die Charaktere gut beschrieben und auch etliche Ecken und Kanten bei ihnen mit eingebaut, jedoch blieb mir die Hauptfigur Lena irgendwie fremd. Die Szenen rund um den Menschenhandel waren schockierend und wirkten sehr realistisch und bedrückend. Auch die Verknüpfungen von Veruntreuung von Geldern, falschen Abrechnungen sowie Menschenhandel und Missbrauch fand ich gut, jedoch hatte es sich etwas gezogen. Die Auflösung der ganzen Stränge kommt recht spät in der Geschichte und dann folgten die Szenen Schlag auf Schlag. Die letzten Seiten wirkten wie Abarbeiten von noch offenen Punkten und standen damit im Gegensatz zum etwas zähen Anfang.

Insgsamt ist die Geschichte gut durchdacht und geschrieben. Auch die Themen sind nicht einfach und recht realistisch. Trotzdem sprang bei mir leider nicht der Funke über.

Veröffentlicht am 23.08.2018

Ein ruhiges, leises und nachdenkliches Hörbuch.

Und jetzt lass uns tanzen
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Ein ruhiges, leises und nachdenkliches Hörbuch. Es wird aus der Perspektive von Marguerite und Marcel erzählt. Beide haben ihre langjährigen Partner verloren und müssen sich nun an die neue Situation ...

Ein ruhiges, leises und nachdenkliches Hörbuch. Es wird aus der Perspektive von Marguerite und Marcel erzählt. Beide haben ihre langjährigen Partner verloren und müssen sich nun an die neue Situation gewöhnen. Es fällt ihnen schwer allein zu sein und ihre alten Gewohnheiten abzulegen.

Marguerite hat ihren Mann jung geheiratet und war wenig glücklich in der Beziehung. Bis zum Schluss haben sich die Eheleute gesiezt und waren sehr distanziert. Sie wurde klein gehalten und ihr wurden die Entscheidungen abgenommen. Nun muss sie lernen ihre Entscheidungen selbst zu treffen. Marguerite entscheidet sich eine Kur zu machen.
Marcel hatte eine glückliche und harmonische Ehe mit Norah und sie feierten gerade ihre Rubinhochzeit. Er kommt nur schwer mit dem Verlust zurecht und wird nun auch von seiner Tochter zur Kur überredet. Die Geschichte lässt die beiden langsam zusammenkommen. Es beginnt eine leise, vorsichtige Annäherung und neue zarte Bande entwickeln sich. Doch nicht jeder freut sich darüber, so dass Marguerite und Marcel ein paar Hürden umkreisen müssen.

Mir hat die Perspektive gefallen. Alles wurde aus der Sicht der älteren Charaktere erzählt. Wie sie die Trauer, die Kinder und deren Aussagen wahrnehmen. Wie sie sich selbst wahrnehmen und einschätzen und was mit ihnen passiert, wenn die Liebe zurückkommt.

Die Autorin hat eine schöne und nachdenkliche Geschichte geschaffen, die leider ein paar Längen hat und manchmal (für mich) zu kitschig wurde. Aber der Humor des Paares war gut und unterhaltsam.