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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.09.2018

Sehr schönes Kinderbuch mit neuem Thema

Familie Sargnagel
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Die Familie Wolf-Sargnagel lebt unerkannt mitten unter "normalen" Menschen, haben ein paar spezifische Eigenheiten die ihrer Herkunft geschuldet sind (derer es aber sehr gerne noch ein paar mehr hätte ...

Die Familie Wolf-Sargnagel lebt unerkannt mitten unter "normalen" Menschen, haben ein paar spezifische Eigenheiten die ihrer Herkunft geschuldet sind (derer es aber sehr gerne noch ein paar mehr hätte geben können, das war mir insgesamt zu wenig!) aber fallen ansonsten nicht weiter auf. Bis nebenan eine Familie namens van Helsing einzieht, und anfängt neugierig in ihrem Haus herumzuschnüffeln.

Die Geschichte ist wirklich schön geschrieben, und auch der Schwierigkeitsgrad ist für das angegebene Lesealter (10-12 Jahre) perfekt. Zum Ende hin wird es auch nochmal richtig spannend, und es gibt eine große Überraschung. Das ganze ist auch sehr unterhaltsam, "lustigste Familie seit der Addams Family" - wie es in der Kurzbeschreibung heißt - könnte ich allerdings nicht unterschreiben. Es ist nicht so, dass hier ein Witz den anderen jagt oder die Familie so super witzig wäre. Hier und da kann man aber schon mal schmunzeln.

Jungs (und wahrscheinlich auch Mädels) mit 10 J. können vielleicht mit den Schwärmereien der Mädels für süße Jungs, die sich ja doch durch das ganze Buch zieht, noch überhaupt gar nichts anfangen - die finden das andere Geschlecht in dem Alter eher noch blöd und alles was mit Verliebtsein zusammengehört voll peinlich, daher würde ich vom Inhalt her beim Lesealter sogar eher die 12 Jahre anpeilen.
Die Dinge mit Vampiren, Werwolfen und den Monsterjägern ist aber auch 10jährigen Kindern schon geläufig. Und dank 'Hotel Transsylvania 3' haben sicher die meisten auch schon mal was von den van Helsings gehört. Ob alle auch das Video zu Michael Jacksons 'Thriller' kennen, wage ich zu bezweifeln. Aber das kann man sich ja schnell auch mal im Netz anschauen, und sich dann vorstellen wie Werner Wolf dazu tanzt.

Leider gab es im Buch keinerlei Illustrationen, bis auf die immer wiederkehrende Katze. Auch größere Kinder lieben Bilder in Büchern, um das gelesene sich nochmal besser vorstellen zu können. Und das Porträt der Familie auf dem Cover ist ja auch sehr gelungen, da hätten wir uns schon auf ein paar Bilder im Inneren gefreut.

Veröffentlicht am 07.09.2018

"Wir wollen doch nur spuken"

Geschwistergespenster
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Ich kannte von diesem Autor bereits Bücher für Erwachsene, und hab daher auch nicht lange gezögert als ich dieses neue Kinderbuch von ihm entdeckte.

Eine süße Geschichte um Gespenster war mal eine willkommene ...

Ich kannte von diesem Autor bereits Bücher für Erwachsene, und hab daher auch nicht lange gezögert als ich dieses neue Kinderbuch von ihm entdeckte.

Eine süße Geschichte um Gespenster war mal eine willkommene Abwechslung für meine Jungs (5 + 8) und mich. Sie haben an den süßen Gespenstergeschwistern auch sofort Gefallen gefunden, zum Fürchten ist da zum Glück nichts. Auch wenn sich die drei redlich bemühen, ihre einzig übrig gebliebene Hausbewohnerin so richtig zu erschrecken, leider ist ja sonst nicht mehr so viel los auf dem alten Gutshof. Das soll sich aber bald ändern, doch leider nicht so wie erhofft für die staubliebenden Spukgesellen.
Die Bilder sind sehr lieb gezeichnet, und für die kleinen Mitleser auch immens wichtig!

Die Zielgruppe wird mit 6-8 Jahren angegeben, wo ich bei der Thematik durchaus zustimme. Allerdings hätte es für Schulanfänger etwas weniger Text (oder etwas einfacher geschrieben) bedurft und dafür mehr Bilder. Auch die zahlreichen Wortschöpfungen ließen mich als Vorleser und die Kinder als Zuhörer immer wieder 'stolpern', da sie aber immer wieder auftauchen hatte man sich daran dann auch irgendwann gewöhnt. Und es ist ja ganz klar, dass so Gespenster ganz anders leben als Menschen (schlafen können sie nur wenn es so richtig schön laut ist) und daher auch ganz andere Wörter benutzen (sie sind zB unsichtnackt).

Veröffentlicht am 06.09.2018

Typveränderung mal in die andere Richtung

Landeierforschung
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Ich habe erst kürzlich ein anderes Buch von Karin Spieker gelesen, "Schlagerfeen lügen nicht", und normalerweise lese ich nicht (gern) denselben Autoren so kurz hintereinander. Oft sind die Bücher sich ...

Ich habe erst kürzlich ein anderes Buch von Karin Spieker gelesen, "Schlagerfeen lügen nicht", und normalerweise lese ich nicht (gern) denselben Autoren so kurz hintereinander. Oft sind die Bücher sich irgendwie zu ähnlich. Das war hier aber überhaupt nicht der Fall, ich hab während des Lesens von "Landeierforschung" nie an das andere Buch denken müssen. Komplett unterschiedlich. Wobei, eine Gemeinsamkeit haben sie dann doch: Karin Spieker schwimmt hier bewusst gegen den Strom. In "Schlagerfeen" lässt sie ihre Protagonistin ihre Brötchen mit Musik verdienen, über die die meisten Leute - trotz der Erfolge von Helene Fischer und Andrea Berg - die Nase rümpfen. Zumindest die Leute in der Altersgruppe, die dieses Buch ansprechen soll. In "Landeierforschung" nun lässt Spieker ihre Protagonistin sich selbst 'enthübschen' wenn man so will. Während ihres Landurlaubs entdeckt Anne die Vorzüge von flachen Schuhen, bequemer weiter Kleidung, neuer Frisur und luftgetrockneten Haaren und dass man auch mal ungeschminkt am Frühstückstisch sitzen kann. Meist läuft es ja anders herum, da muss die Protagonistin (oder manchmal auch der Protagonist) nur ein klein wenig an seinem Äußeren arbeiten - modernere Kleider, eine freche Frisur die einen jünger wirken lässt, eine Spur Make-Up - und schon läuft es gleich viel besser in Liebesdingen. Anne aber will gar nicht auf Teufel komm raus jemandem gefallen (obwohl ihr jemand sehr gut gefällt), sondern einfach endlich nur so sein wie sie sich am wohlsten fühlt. Und macht also genau das Gegenteil: unförmiger grauer Schlabberlook, eine Frisur die mehr ihrem Alter (40!) entspricht, und kein zugekleistertes Gesicht mehr. Finde ich super! (Obwohl man da auch nicht übertreiben muss! Bequeme Kleidung sehr gut, extra dafür unförmige graue Sachen zu wählen - bitte nicht!)

Zusammen mit ihrem Cousin Mike macht Anne also Urlaub auf dem Dorfe. Eher unfreiwillig, denn eigentlich wollte sie nur ein Wortgefecht mit ihrem angeberischen Ex-Mann gewinnen. Aber dann wird es eben nicht nur eine Reise nach Kleinkleckersdorf, sondern auch eine Reise zu ihr selbst. Und sie lernt, sich durchzusetzen! Dass sie und Mike dabei so schnell Freunde finden ist etwas arg unglaubwürdig (am Schützenfest wechseln sie nur einen Satz mit Nicki, und schon sind sie in der Clique aufgenommen; im Restaurant kommt Bernd einfach so an ihren Tisch und lädt sie gleich für den Abend zu sich nach Hause ein), aber all diese neuen Freunde tragen immerhin dazu bei, dass Anne in ihrem Urlaub nicht versauert.

Ich hab Anne gern begleitet bei ihrer Landeierforschung, und werde jetzt mal die Augen offen halten was Karin Spieker als nächstes schreibt!

Veröffentlicht am 05.09.2018

Eine außergewöhnliche Form der Prosa für ein außergewöhnliches Buch

Verdammt perfekt und furchtbar glücklich
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Ich wusste aufgrund einiger Rezensionen, dass hier die Geschichte mittels verschiedenster Erzähltechniken präsentiert wird, und war daher darüber nicht sehr überrascht.
Überrascht war ich eher, als sich ...

Ich wusste aufgrund einiger Rezensionen, dass hier die Geschichte mittels verschiedenster Erzähltechniken präsentiert wird, und war daher darüber nicht sehr überrascht.
Überrascht war ich eher, als sich das Thema des Romans herauskristallisierte. Es ist nämlich kein schnödes Chick-Lit, sondern vielmehr die Geschichte einer Frau die ihre Alkoholsucht besiegen und ihr Leben in den Griff kriegen will.

Ottila darf aufgrund eines Medikaments 10 Tage lang keinen Alkohol trinken. Hört sich für die meisten wahrscheinlich nicht weiter schlimm an, für Ottila ist es aber quasi kalter Entzug. Und zugleich ein Augen-öffnen, den meiner Einschätzung nach war ihr vorher gar nicht bewusst wie groß ihr Alkoholproblem mittlerweile eigentlich geworden ist. Kein Fortgehen, kein Treffen mit Freunden, kein Sex ohne Alkohol! Das Trinken ist ihr nicht nur sprichwörtlich in Fleisch und Blut übergegangen.
Ottila beschließt daraufhin, nicht nur die 10 Tage auf Alkohol zu verzichten, sondern für immer. Was natürlich nicht so leicht ist, wie es sich anhört...

Die Erzählweise mittels Emails, SMS, Aphorismen, Therapiesitzungsprotokollen, alten Briefen und sogar Kassenbons ist sicher nicht für jeden was, da die Geschichte hier nicht flüssig vor sich hinplätschert, sondern der Leser aktiv aus den einzelnen Puzzleteilen sein Bild von Ottila (und auch diversen Nebenfiguren) zusammensetzen muss. Ich hätte für die Geschichte an sich wahrscheinlich 3,5 Sterne gegeben, aber für den Schreibstil, der für die Autorin sicher sehr viel aufwendiger gewesen ist als ein herkömmlicher, wird auf 4 Sterne aufgerundet!

Veröffentlicht am 20.08.2018

Berührend

Ein Song bleibt für immer
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4,5 Sterne

Ich hab mit Absicht vorher nicht gegoogelt, wie die Geschichte der echten Alice ausgegangen ist. Ich wollte ganz unbefangen lesen, und würde das auch jedem anderen Leser empfehlen. Die Lieder ...

4,5 Sterne

Ich hab mit Absicht vorher nicht gegoogelt, wie die Geschichte der echten Alice ausgegangen ist. Ich wollte ganz unbefangen lesen, und würde das auch jedem anderen Leser empfehlen. Die Lieder kannte ich auch nicht, gibt sogar Videos dazu. Ein wirklich hübsches Mädchen, diese Alice. Die Musik ist poppig, kann man gut im Radio hören, ich habe mich aber nicht verliebt in die 2 Lieder, die ich mir angehört hab sobald ich das Buch ausgelesen hatte.

Wie Alice Peterson die Entstehung der Songtexte in das Buch integriert hat fand ich sehr passend. Es kamen manchmal nur einzelne Zeilen vor, aber auch ein gesamter Liedtext, und es hat sich immer gut ein gefügt. Alice schreibt sehr persönliche Texte, die alle mit ihr und ihren Gefühlen zu tun haben. Das Buch heisst ja auch "Ein Song bleibt für immer", und so dreht sich sehr viel um Alice' Traum eine berühmte Sängerin zu werden. Es ist aber auch eine Liebesgeschichte, denn etwa gleichzeitig lernt Alice Tom kennen. Und so sehr er sie auch liebt, so schwer ist es dennoch für ihn eine Beziehung mit jemandem einzugehen der unheilbar krank ist. Das erfordert sehr viel Stärke.

Darüber zu urteilen wie realistisch oder unrealistisch die Charaktere agieren oder das 'Märchen' vom Charterfolg ist, erübrigt sich bei einer wahren Geschichte. Die Art wie die Autorin diese erzählt hat mir jedenfalls gut gefallen. Und sie hat mir die Krankheit Mukoviszidose sehr viel näher gebracht. Vorher hatte ich den Begriff schon einige Male gehört, hätte aber nicht sagen können was das eigentlich ist.