Profilbild von kassandra10

kassandra10

Lesejury Star
offline

kassandra10 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit kassandra10 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.09.2018

Der Titel ist Programm!

Wie ich fälschte, log und Gutes tat
0

Benni, Vince und Prechtl sind die allerbesten Freunde. Gerade mitten in der Pubertät steckend machen sie ihre kleine Münchener Vorstadt unsicher. Für die drei Tenniscracks zählt derzeit nur Sex, Alkohol ...

Benni, Vince und Prechtl sind die allerbesten Freunde. Gerade mitten in der Pubertät steckend machen sie ihre kleine Münchener Vorstadt unsicher. Für die drei Tenniscracks zählt derzeit nur Sex, Alkohol und Drogen. In der Schule wird gefälscht, betrogen und abgeschrieben was das Zeug hält. Doch Benni treibt es ein klein wenig auf die Spitze. Seit dem letzten Halbjahr fälscht er alles was ihm unter die Finger kommt. Seine Eltern, der Vater Chirurg, die Mutter schwankt zwischen Lügen und Depressionen, sind scheinbar in ihrer Welt angekommen. Zwischen Poolpartys, Spendenaktionen und elitären Lesekreisen gelingt es Benni spielend, bei allen Betrügereien reichlich abzukassieren.

Der Titel ist Programm! Die Eltern leben die Geltungssucht, die Hoffnung auf Anerkennung und echter Freundschaft und erziehen Benni zu einem scheinbar netten, höflichen und wohlerzogenen Tenniscrack, der den Damen des Lesekreises schlaflose Nächte bescheren.

Teilweise erkennt man sich mit einem Augenzwinkern wieder. Man blickt zurück auf die eigene Schulzeit und ist dankbar, dass man diese Zeit unbeschadet überstanden hat. Ebenfalls ist man erstaunt, dass man diese Zeit so ganz ohne Handy, Internet und Social Media überlebt hat.

Thomas Klupp spiegelt die heutige Welt in dieser so fiesen, witzigen und hochmütigen Geschichte um Benni und seine Freunde wieder. Man fragt sich, ob dieser irrwitzige Leistungsdruck in der Schule und im Sport die Kindheit anders prägt. Egoismus und die Mitgliedschaft im elitären Kreis gehört heute zum „must have“ der Kindererziehung. Um das alles zu „Überleben“, gehört fälschen, lügen und Gutes tun quasi schon zum Stundenplan.

Wer auf Sarkasmus und feine Ironie steht, ist hier genau richtig. Genau wie angekündigt: ganz großes Tennis!

Veröffentlicht am 12.09.2018

Ein Stich ins Nest

Abtsmoor
0

So hatte sich Hannah Henker ihre Zukunft eigentlich nicht vorgestellt. Ihre Versetzung ist durch und als sie ihrem Geliebten, dem zuständigen Staatsanwalt vor vollendete Tatsachen stellt, reagiert dieser ...

So hatte sich Hannah Henker ihre Zukunft eigentlich nicht vorgestellt. Ihre Versetzung ist durch und als sie ihrem Geliebten, dem zuständigen Staatsanwalt vor vollendete Tatsachen stellt, reagiert dieser anders als erwartet. Diese Zurückweisung kann Hannah nur ungut einfach so wegstecken und sie verzweifelt an ihrem Liebesleben. Doch dann wird die KABS-Mitarbeiterin Olivia tot im Wald aufgefunden. Deren scheinbarer Sturz aus dem Hochsitz stellt sich nach ersten Ermittlungen als Mord heraus.

Die Spurensuche läuft auf Hochtouren und Hannah stellt fest, dass ihr neues Team hervorragende Arbeit leistet. Dennoch bringt es keinerlei Fortschritte auf der Suche nach dem Mörder zu Tage.

Erst als eine weitere KABS-Mitarbeiterin erschossen wird, gerät der Fall ins Rollen.

Eva Brhel hat mit dem ersten Teil der starken Ermittlerin Hannah Henker einen erfolgreichen und spannenden Start in eine hoffentlich mehrteilige Lokalkrimireihe hingelegt.

Der Krimi bietet dem Leser einen guten Einblick in die Polizeistrukturen rund um Mannheim und Baden.

Wer als Rheinanlieger jährlich die Schnakenplage über sich ergehen lassen muss ist überzeugt von der Arbeit der KABS und auch als wenig erfahrener Schnakenjäger lässt seinen Hannah Henker nicht im „Stich“.

Spannende Ermittlungsarbeit mit erstklassigen Charakteren! Ich bin gespannt auf den nächsten Teil!

Veröffentlicht am 09.09.2018

Lug und Betrug

Die Katze lässt das Mausen nicht / Maus im Aus
0


Nr. 11 der Südstaaten-Krimireihe mit Sneaky Pie Brown und den Bewohnern des Südstaatenstädtchens Crozet.

Tief in des Ausläufern der Blue Ridge Mountains und den Apalachen liegt das kleine Städtchen ...


Nr. 11 der Südstaaten-Krimireihe mit Sneaky Pie Brown und den Bewohnern des Südstaatenstädtchens Crozet.

Tief in des Ausläufern der Blue Ridge Mountains und den Apalachen liegt das kleine Städtchen Crozet. Wer die Reihe schon länger verfolgt, ist klar, dass hier noch ausreichend Leichen im Keller liegen.

In Virginia ist tiefster Winter. Alles wiegt schwer von Schnee bedeckt und jeder ist auf der Suche nach Wärme und Geborgenheit.

Während Harry tagtäglich den trotzt den eisigen Temperaturen und sich über reinstes Glatteis zu ihrer Arbeit begibt, liegen die Katzen und die Hunde zuhause vor dem wärmenden Ofen.

Die Basketball-Saison mitten im Gange und als Fan ist Harry natürlich bei jedem Spiel dabei. Doch die Euphorie ist schnell vorbei, als auf dem Parkplatz vor der Sporthalle die Leiche des erfolgreichen Bauunternehmers Donaldson gefunden wird.

Harry vermutet natürlich den Killer auf der Bühne, denn wer würde sich bei solch eisigem Wetter freiwillig nach draußen wagen?

Die Jagd auf den Killer beginnt. Harry und die Polizei erhalten wie immer dabei tatkräftige Unterstützung von Sneaky Pie und ihren Freunden, denen so schnell kein Killer davonkommt.

In gewohnter Südstaatenmanier ist auch dieser Teil der Krimireihe bepackt mit den gängigen Klischees. Reichtum und ein guter Stammbaum sind für Einfluss und Macht ebenso wichtig wie gute Manieren. Rita Mae Brown versteht es gekonnt, in dieser Reihe von Menschen und Tieren zu erzählen, denen man auch im echten Leben gerne einmal begegnen würde.

Veröffentlicht am 06.09.2018

Freund oder Feind?

Vier Tage in Kabul
0

Amanda Lund gehört zu einem schwedischen Ermittlerteam und agiert bei Geiselnahmen als Verhandlungsführerin. Derzeit ist sie in Kabul, Afghanistan stationiert und bildet dort einheimische Truppen aus. ...

Amanda Lund gehört zu einem schwedischen Ermittlerteam und agiert bei Geiselnahmen als Verhandlungsführerin. Derzeit ist sie in Kabul, Afghanistan stationiert und bildet dort einheimische Truppen aus. Mehr als einmal gerät sie unter feindlichen Beschuss.

Als zwei Mitarbeiter der schwedischen Botschaft entführt werden, wird Amanda mit den Ermittlungen vor Ort beauftragt. Das erste Treffen mit dem dortigen Botschafter Sven läuft nicht gerade wie geplant. Der aalglatte Botschafter verschweigt etwas und die Uhr tickt.

In Stockholm wird kurz vor Morgengrauen eine Leiche eines jungen Mannes gefunden. Der Fall landet dank eines unfähigen Polizisten auf dem Schreibtisch von Bill, Amandas Einsatzleiter. Dieser entdeckt sogleich, dass der Tote frisch aus Kabul zurück ist.

Was hat der tote Diplomat in Stockholm mit den vermissten Mitarbeitern der Botschaft in Afghanistan zu tun? Amanda greift vor Ort vor und hält ein brisantes Fax in den Händen, was so einiges erklärt. Jetzt kann die Jagd endlich beginnen, doch weder in Afghanistan, noch in Stockholm spielen alle Beteiligten mit offenen Karten.

Für die Politik steht zu viel auf dem Spiel um den Ermittlern im In- und Ausland freie Hand zu geben, doch Afghanistan ist weit weg und Amanda hat bereits Fahrt aufgenommen.

Dieser Thriller von Anna Tell ist gewagt, brisant und könnte nicht aktueller sein. Die Ermittlungen in einem Land, welches seit Jahren unter den Kriegswirren, der Religion, dem florierenden Drogenhandel und der Armut leidet, stellen alle Beteiligten vor eine schwierige Aufgabe: Wer ist Freund und wer ist hier eigentlich der Feind?

In Amanda Lund sehen wir eine moderne schwedische Frau. Gut ausgebildet in einer Männerwelt nähert sie sich konsequent ihrem Ziel und legt somit ein wenig Aufmerksamkeit auf die Unterdrückung der Frauen in Afghanistan.

Der Wiederaufbau und die Stabilisierung dieses Landes können also nur gelingen, in dem alle Einsatzkräfte gemeinsam dazu beitragen und einzelne politische Interessen für lange Zeit erstmal in den Hintergrund treten.

Ich hoffe doch sehr auf einen weiteren Teil des Ermittlerteams Amanda & Bill und freue mich jetzt schon auf atemlose Spannung.

Veröffentlicht am 05.09.2018

Eine Reise in die Vergangenheit einer Spionin

Kriegslicht
0

Nathan begibt sich auf eine schwierige Reise. Als Kind von der Mutter Rose regelmäßig verlassen und in einer allumhüllenden Ungewissheit sich selbst überlassen tritt er durch Zufall in ihre Fußstapfen.

Nichtsahnend ...

Nathan begibt sich auf eine schwierige Reise. Als Kind von der Mutter Rose regelmäßig verlassen und in einer allumhüllenden Ungewissheit sich selbst überlassen tritt er durch Zufall in ihre Fußstapfen.

Nichtsahnend erkennt er während einer normalen Übersetzungsarbeit in der Nachkriegszeit aus den Erzählungen eines Separatisten seine Mutter wieder. Damit beginnt für Nathan und seine Schwester Rachel eine Reise in die eigene Vergangenheit und somit natürlich auch in das gewaltige, von Umbrüchen und Kriegen geplagte Leben seiner Mutter.

Der Kalte Krieg machte aus seiner Mutter Rose eine Spionin, die gut getarnt unter dem Decknamen Viola eine verhärmte Frau, die sich der Liebe zu ihren Kindern stets anderer Menschen, Freunde und Helfer bediente. Die Geschwister wachsen mal in höchster Gefahr, mal selbst in dunkle Machenschaften verwickelt und dann wiederum vollkommen behütet auf. Doch dieses Erwachsenwerden hat Risse hinterlassen. Nathan wagt es, seine Mutter, die den Kriegswirren als eine von wenigen unenttarnt davonkam, die allesentscheidende Frage zu stellen.

Mit Kriegslicht hat Michael Ondaatje eine ungewöhnliche Familiensaga geschaffen. In den Wirren des Krieges steht die junge Rose vor mehr gewichtigen Entscheidungen als sie eigentlich verkraften kann. Doch ihr Meister und zeitweise geliebter Nachbar ihrer Eltern gibt sie nie auf. Rose hingegen ist sich jedoch sehr wohl darüber im Klaren, dass die Zukunft ihrer Kinder, auch wenn sie aus der Ferne alles für deren Sicherheit veranlasst, stets unter der Bedrohung ihrer eigenen Vergangenheit leben werden. Ihre Tarnung aufrechterhalten steht noch über der Liebe zu ihren Kindern. Innerlich geplagt von dieser Entscheidung sieht Rose dieses Leben als einen einzigen Kampf mit sich selbst.

Die Erzählung Ondaatje springt in der Geschichte hin und her, wirkt anfangs unruhig. Die einzelnen Erzählstränge über Nathan, Rachel und Rose machen es dem Leser anfangs nicht leicht, deren Zusammenhänge zu verstehen. Aber diese losen Enden machen deutlich, dass das Leben eines Menschen, so unterschiedlich es auch sein mag, nie geradeaus verläuft, sondern vom Leben selbst auf eine unruhige Bahn geleitet wird.

Frank Stieren schafft es mit seiner Stimme, die bedrohliche Stimmung und die Neugierde Nathans über die Vergangenheit seiner Mutter ausgezeichnet zu inszenieren.