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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

Tödliche Strömungen

Birk
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Ihm ist schlecht, er ist total verstört und mit der Situation restlos überfordert. Der erst neunjährige Mikael durchlebt eine irrealistisch beschriebene Kindheit, die ihn immer weiter vom Leben entfremdet. ...

Ihm ist schlecht, er ist total verstört und mit der Situation restlos überfordert. Der erst neunjährige Mikael durchlebt eine irrealistisch beschriebene Kindheit, die ihn immer weiter vom Leben entfremdet. Das erlebte Trauma, der Verlust seines Vaters und seine Schuldgefühle verfolgen ihn gnadenlos. In seiner Mutter findet er genauso wenig Hilfe und Halt, wie bei dem einzigen Nachbarn, den sie auf ihrer einsamen und abgelegenen Nordseeinsel haben. Mikael driftet immer mehr ab, bis er fast nur noch in seiner eigenen Welt lebt. In Erinnerung an seinen Vater, versucht er sich so zu verhalten wie dieser es, seinem kindlichen Glauben nach, von ihm erwarten würde.
Seine Mutter, die nach dem Unglück und dem Verlust des Ehemannes restlos überfordert ist, findet keinen Draht mehr zu ihrem verwirrten Sohn. Im Gegenteil, mit ihrem zunehmend irrationalen Verhalten verschlimmert sich Mikaels Zustand zusehends. Sie drängt ihn damit regelrecht in die Enge, so dass er im Grunde genommen nicht mehr ein und aus weiß. Auch der Nachbar, der zwar spürt, dass der Junge in seelischer Not ist, richtet mit seinen Hilfsangeboten mehr Schaden an, ohne zu einer Verbesserung beitragen zu können.

Fazit
Deprimierendes Unbehagen und frustrierende Hoffnungslosigkeit dominieren diesen, mit schonungsloser Offenheit geschriebenen, an gefühlsmäßige Grenzen gehenden Roman. Ein aufrührendes und unbequemes Buch, das eine beängstigende Ratlosigkeit zurückläßt.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Die verschwundenen Frauen

Wer nicht das Dunkel kennt
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Kriminalhauptkommissarin Lydia Louis, die schon seit Jahren vergebens mit den Schatten ihrer Vergangenheit kämpft, wird im Rahmen einer Zeugenbefragung mit dem Mann konfrontiert, dem sie nie wieder begegnen ...

Kriminalhauptkommissarin Lydia Louis, die schon seit Jahren vergebens mit den Schatten ihrer Vergangenheit kämpft, wird im Rahmen einer Zeugenbefragung mit dem Mann konfrontiert, dem sie nie wieder begegnen wollte. Doch ihre schlimmsten Befürchtungen werden wahr und sie kommt ihrem persönlichen Abgrund immer näher. Wenn Lydia Louis ihren Job behalten will, muss sie eine Entscheidung treffen. Die Tote vom Teich zwingt sie dazu nicht länger wegzusehen und ihr Fluchtverhalten, das wie immer mit sinnloser Betäubung endet, in den Griff zu bekommen. Aber sie ist nicht die einzige die massive persönliche Probleme hat. Die meisten ihrer Kollegen haben ebenfalls seelische Schräglage und so kommt es während den Ermittlungen zu etlichen Versäumnissen, die dem Täter in die Hände spielen und die er gnadenlos nutzt.

Fazit
Zu viele problembehaftete und unsympathische Charaktere, machen die Geschichte teilweise unglaubhaft und nicht immer nachvollziehbar. Mehr Krimi als Thriller, eine Lektüre die nicht ganz zu überzeugen weiß.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Ein eigenwilliges Bergvolk

Trübe Aussichten
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In dem kleinen Bergdorf Casedisopra regnet es seit Wochen ohne Unterlass und die allgemeine Stimmung ist auf einem Tiefpunkt. Neben einigen anderen Gästen, hält sich auch der Geologe Pierluigi Antonelli, ...

In dem kleinen Bergdorf Casedisopra regnet es seit Wochen ohne Unterlass und die allgemeine Stimmung ist auf einem Tiefpunkt. Neben einigen anderen Gästen, hält sich auch der Geologe Pierluigi Antonelli, zu Bodenuntersuchungen in dem Ort auf. Gemeinsamer Treffpunkt für sie alle, ist die Trattoria von Benito. Zwischen Espresso, Grappa und Spezialitäten aus Augustas Küche, werden hier die großen und kleinen Dinge des Lebens besprochen. So ist es kein Wunder, dass Benito als ersten den Forstinspektor Gheradini über das plötzliche Verschwinden des Geologen und die Verwüstung seines Gästezimmers informiert. Gheradini, der hier aufgewachsen ist, berichtet dem für diesen Fall zuständigen Maresciallo was passiert ist. Dieser stammt aus Salento und ist bisher mit den Dorfbewohnern noch nicht so richtig warm geworden. Daher bittet er Gheradini ihn zu unterstützen, denn ihm ist klar, dass er ohne Insiderwissen aufgeschmissen ist.
Die Dorfbewohner sind alle mehr oder weniger schrullig und eigen. Die meisten sind zudem recht undurchsichtig und schweigsam und es ist mühsam sie zu einer Aussage zu bewegen. Entsprechend schleppend sind die Ermittlungen, die nur von der Rahmenhandlung um den Engländer Holmes und dessen Nichte Betty etwas aufgelockert werden. Der Schreibstil ist entsprechend angepaßt und so zieht sich die Geschichte unnötig in die Länge, bis Motiv und Täter endlich gefunden sind.

Fazit
Ein behäbiger, unspektakulärer Kriminalroman, der zwar ein gutes Bild eines abgelegenen Bergdorfs und seinen Einwohnern zeichnet, aber außer dem teilweise durchblitzenden trockenen Humor, nicht viel zu bieten hat.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Salbei, Dill und Totengrün – soviel Mord muss sein

Salbei, Dill und Totengrün
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Wer hofft mit diesem mörderischen Kräuterbüchlein eine Anleitung zum perfekten Mord zu finden, wird enttäuscht sein. Auch wenn reichlich gemordet wird, Salbei & Co. sind nie das Mordinstrument, sondern ...

Wer hofft mit diesem mörderischen Kräuterbüchlein eine Anleitung zum perfekten Mord zu finden, wird enttäuscht sein. Auch wenn reichlich gemordet wird, Salbei & Co. sind nie das Mordinstrument, sondern wirken wesentlich subtiler und geben, wie beim Kochen auch, den Geschichten erst die richtige Würze.

Viel wichtiger als ihre Würzkraft und Aroma, sind die den einzelnen Kräutern innewohnenden Kräfte, die, richtig angewandt und gedeutet, die Morde entweder auslösen oder die Fälle zu lösen helfen. Die neun absolut unterschiedlichen Geschichten, die sich sowohl um bekannte als auch um weniger bekannte Kräuter drehen, sind durchwegs überraschend und kurzweilig – ein würziges und abwechslungsreiches Leseerlebnis.

Fazit
Sehr liebevoll gestaltet, beginnt jede Story mit einer Radierungen des Krauts, dass in dieser Geschichte die Hauptrolle spielt. Eine nette Lektüre für zwischendurch, besonders für alle Kräuterfans mit schwarzem Humor.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Monaco Mortale, ein Oktoberfestmord

Monaco Mortale
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Hans Josef Strauß, derzeit arbeitslos und mit der Freundin überworfen, muss unbedingt über seine missliche Lage nachdenken – was erfahrungsgemäß am besten bei einem süffigen Weißbier funktioniert. Und ...

Hans Josef Strauß, derzeit arbeitslos und mit der Freundin überworfen, muss unbedingt über seine missliche Lage nachdenken – was erfahrungsgemäß am besten bei einem süffigen Weißbier funktioniert. Und tatsächlich, seine Stimmung hebt sich. Nach einem extrastarken Aventinus mit seinen Tischnachbarn, fühlt er sich spontan stark genug seine Bierprobe fortzusetzen und steuert die nächste Kneipe an. Dort lernt er Quirin kennen. Nach anfänglichen Irritationen, sind die beiden sich einige Glas später einig, dass sie die besten Freunde sind.

Von Quirin bestärkt, spürt Hans Josef dass dieser Abend der Wendepunkt in seinem Leben ist. Endlich sieht er sich auf der Überholspur, nichts kann ihn mehr aufhalten. Frech wie Oskar, gibt er sich als Privatdetektiv aus und als er tatsächlich den Fall des ermordeten Schankwarts an Land zieht, weiß er dass er auf dem richtigen Weg ist. Gemeinsam mit Quirin macht er sich auf die Suche nach dem Täter. Mit vielen Einblicken hinter die Kulissen des Münchner Oktoberfests und mehreren Streifzügen durch die schönsten Biergärten und Gasthäuser der Stadt, ermitteln die beiden zwar recht unkonventionell aber erfolgreich. Nichts kann sie aufhalten, am wenigsten die Sprachbarriere, die sich dem gebürtigen Westfalen Strauß regelmäßig in den Weg stellt und die er auch trotz seiner Liebe zu Bayern nicht überwinden kann.

Fazit
Eine sehr bierselige Geschichte, die trotz einiger origineller Ideen, nicht zu überzeugen weiß.