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Veröffentlicht am 19.12.2019

Chilis als Lebensretter

Hinter blutroten Schatten
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Klappentext: Ein Kommissar mit Todessehnsucht auf dem Dach eines Berliner Hotels — ein grausamer Mord am S-Bahnhof Alexanderplatz. Tattoos, Rote Grütze und Polka im Untergrund — die skurrile Suche nach ...

Klappentext: Ein Kommissar mit Todessehnsucht auf dem Dach eines Berliner Hotels — ein grausamer Mord am S-Bahnhof Alexanderplatz. Tattoos, Rote Grütze und Polka im Untergrund — die skurrile Suche nach einem unberechenbaren Serienkiller führt die Ermittler Harder und Vogt bei ihrem zweiten Fall an die Grenzen des Wahnsinns, und zu allem Überfluss müssen sie auch noch einen Todgeweihten der besonderen Sorte beaufsichtigen. Welches perfide Spiel treibt der Therapeut, der im Hintergrund die Fäden zieht? Nachdem sie in „Unter pechschwarzen Sternen“ schon einmal gemeinsam auf Mörderjagd gingen, müssen die beiden Kommissare sich nun ein weiteres Mal zusammenraufen, um einem weiteren gefährlichen Psychopathen das Handwerk zu legen. Vogts messerscharfer Verstand wird auf eine harte Probe gestellt. Währenddessen tappt Harder mit reichlich Sarkasmus bewaffnet durch den Nebel seines eigenen wirren Geistes. Da scheint nur noch der Biss in eine Chili zu helfen, um einen klaren Kopf zu behalten …"

Schauplatz Berlin, ein Mann wird vor eine S Bahn gestoßen und ruft das ungleiche Ermitterteam Harder/Vogt auf den Plan. Denn der tote Gamer hat mehrere Tattoos, unter anderem eines, das eine Verbindung zum letzten Mordfall aufweist. Es stellt sich heraus, dass der Gamer Domi nur die Nummer 1 eines Serienkillers ist, ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. Werden Harder und Vogt die anderen potentiellen Opfer rechtzeitig finden?


Wie schon der erste Teil punktet dieser Krimi mit einer fesselnden Story, viel Action und schrulligen und skurrilen Figuren. Ich habe mich auf das Wiedersehen mit Harder und Vogt gefreut, ihre Dialoge sind einfach genial. Und obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten, sind sie zusammen ein perfektes Team. Ergänzt wird ihr Team in diesem Fall von einem Zivilisten, und der hat es in sich. Skurriler geht es nicht mehr, ich bin aus dem Lachen nicht mehr herausgekommen. Kopfkino pur! Man begegnet alten Bekannten aus Teil 1, dem singenden Pathologen und dem Polizeipsychologen Sören und einigen anderen. Harder leidet noch immer unter seiner Todessehnsucht, die er mit Chilis bekämpft. Der Schreibstil ist gewohnt locker flapsig, so dass die Seiten nur so dahinfliegen, im Mittelteil hätte ich mir aber mehr Spannung gewünscht.


Fazit: Der Krimi hat mich sehr gut unterhalten, im Vergleich zum ersten Teil ist die Spannung nicht ganz so hoch, dafür gibt es die volle Breitseite auf die Lachmuskeln mit Slapstickszenen, die sich gewaschen haben. 4,5 Sterne

Veröffentlicht am 08.02.2019

Intelligenter Krimi auf sprachlich hohem Niveau

Der Wolf vom Bodensee
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Klappentext: Die Halbinsel Höri versinkt im Schnee, ihre Bewohner sind in einer weißen Falle gefangen. Kommissar Sito wollte hier eigentlich ein paar ruhige Tage verbringen, doch da versetzt ein Wolf die ...

Klappentext: Die Halbinsel Höri versinkt im Schnee, ihre Bewohner sind in einer weißen Falle gefangen. Kommissar Sito wollte hier eigentlich ein paar ruhige Tage verbringen, doch da versetzt ein Wolf die Menschen in Angst. Die Lage spitzt sich zu, als eine Schriftstellerin ermordet aufgefunden wird – inmitten zahlloser Manuskriptseiten, auf denen immer wieder ein Name steht: Sito. Als am Neujahrstag auch noch ein Kind verschwindet, gerät Sito in einen Strudel aus Lügen und Gewalt. Und die Jagd auf den Wolf beginnt …

Ein weiterer Fall für Kommissar Sito, den ich bereits in "Die Dunkle Seite des Sees" kennenlernen durfte. Diesmal spielt die Handlung im tiefsten Winter, beim lesen ist die Kälte fast zu spüren. Mit einem etwas mulmigen Gefühl sind Sito und Miriam in den Kurzurlaub aufgebrochen, schon auf der Hinfahrt werden sie Zeuge eines grauenhaften Autounfalls. Die Reise scheint unter keinem guten Stern zu stehen, einmal in Gaienhofen angekommen, brauchen die Kollegen vor Ort seine Unterstützung beim einem Mordfall.

Der Krimi ist anspruchsvoll geschrieben, die Landschaft am Bodensee richtig klasse beschrieben, so dass ich die Szenerie bildlich vor Augen hatte. Die Autorin erzeugt eine einzigartige Stimmung. Leicht melancholisch im tiefen Winter, rätselhaft durch den Mord, geheimnisvoll und schaurig durch die Wolfssichtungen. Der Wolf, der die Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Einige wollen ihn abschießen, andere beschützen. Mittendrin befindet sich Sito, der Angst haben muss, im Mordfall selbst als Verdächtiger zu gelten. Als dann auch noch ein Mädchen verschwindet kocht die Volksseele hoch, die Stimmung wird explosiv. Und dann ist da noch Sitos Befürchtung, dass sein weißer Schäferhund, der dem Wolf zum verwechseln ähnlich sieht, in Gefahr geraten könnte.

Sito ist immer noch ein Mann mit Geheimnissen, auch wenn es einige Hinweise zu den vorigen Fällen gibt, wird nicht zu viel verraten. Da die Krimis für sich abgeschlossen sind, ist es nicht zwingend, die anderen Teile zu kennen. Es gibt ein Wiedersehen mit alten Bekannten, aber auch neue Figuren, die sehr gut beschrieben sind. Die Handlung wird immer wieder durch Auszüge aus dem Skript und dem Tagebuch der ermordeten Autorin unterbrochen, so erfährt man nach und nach was sich in den Wochen zuvor abgespielt hat. Der Plot ist fesselnd, einmal angefangen konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. 4,5 Sterne

Fazit: Intelligenter Krimi auf sprachlich hohem Niveau mit malerischen Landschaftsbeschreibungen und viel Atmosphäre.

Veröffentlicht am 05.10.2018

die Waldviertler ermitteln wieder

Der letzte Sterz
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In Stainz geht ein Mörder um. Die Leiche hat er mit einem Gemisch aus Gips und Beton zu einer Statue verarbeitet und sie anstelle des Erzherzog-Johanns auf das Podest gestellt. Ein Fall für die Mordsbuben ...

In Stainz geht ein Mörder um. Die Leiche hat er mit einem Gemisch aus Gips und Beton zu einer Statue verarbeitet und sie anstelle des Erzherzog-Johanns auf das Podest gestellt. Ein Fall für die Mordsbuben aus Wien.

"Der letzte Sterz" ist der dritte Fall für das schräge Ermittlerduo Hawelka & Schierhuber aus dem Waldviertel, die bei der Wiener Kripo ermitteln. Ihr aktueller Fall führt sie wieder mal in die Ferne, nach Stainz in der Steiermark. Die beiden sind alles andere als begeistert, zumal das Navi sie erst mal ins falsche Stainz führt. Egal, Schierhuber holt die verlorene Zeit mit seinem Bleifuß locker wieder auf. Im richtigen Stainz angekommen haben sie erst mal kleinere Verständigungsprobleme mit den Eingeborenen, ja so ein Dialekt ist was ganz Feines.

Die beiden ermitteln mit ihren ganz eigenen Methoden und nehmen natürlich auch das Auskunftsbüro Berlakovic in Anspruch. Als die Identität des Toten geklärt ist ergeben sich erste Spuren, eine führt in die Vergangenheit. Es wären nicht Hawelka & Schierhuber, wenn sie diesen Fall nicht lösen würden. Trotz einiger Vermutungen war der Fall für mich bis zum Ende nicht durchschaubar, ich konnte wunderbar miträtseln.

Bei diesem Krimi ist der Weg das Ziel, für mich stand nicht der Fall als solcher im Mittelpunkt, ich habe es einfach genossen die Mordsbuben bei ihren Ermittlungen zu begleiten, in Hawelkas Gedankenwelt einzutauchen und die kurzen knappen Kommentare von Schierhuber zu interpretieren. Die beiden verstehen sich blind, auch ohne viel reden. Brüder im Geiste, Topf und Deckel, einer kann nicht ohne den anderen.

Autor Günther Pfeifer bringt das Lokalkolorit bestens rüber, viel Dialekt, viel Flair, so dass die Szenerie vor meinem inneren Auge auflebte. Dazu schwarzer Humor vom Feinsten. Besonders klasse sind die vielen Fußnoten, die Begriffe erklären oder Infos über die beiden Protagonisten bieten. Der Showdown am Ende ist Slapstick pur, tolles Kopfkino, zieht sich aber ein bisschen in die Länge.

Fazit: Insgesamt hat mich der Krimi wieder super unterhalten, wer humorige Krimis mit viel Lokalkolorit mag kommt hier voll auf seine Kosten. 4,5 Sterne.

Veröffentlicht am 04.08.2018

schlaflos...

Das Morpheus-Gen
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Schauplatz New York: David Berger ist Anwalt, er bereitet mit seinen Kollegen eine Firmenübernahme vor und muss alles geben, Müdigkeit kann er sich nicht leisten. Sein Kollege und bester Freund Alex bietet ...

Schauplatz New York: David Berger ist Anwalt, er bereitet mit seinen Kollegen eine Firmenübernahme vor und muss alles geben, Müdigkeit kann er sich nicht leisten. Sein Kollege und bester Freund Alex bietet ihm die Lösung. Von einem Mandanten hat er Tabletten bekommen, die allerdings noch nicht zugelassen sind. Mit "Stay tuned" soll man kein Schlafbedürfnis haben und mindestens zwei Tage ohne Schlaf auskommen können. David lässt sich darauf ein, doch damit beginnen seine Probleme. Er kann auch nach den zwei Tagen nicht schlafen, verspürt keine Müdigkeit. Er stellt Alex zur Rede, hat danach einen Blackout. Als er wieder zu sich kommt ist Alex tot und seine Freundin liegt ebenfalls tot in Davids Wohnung. Die Polizei geht davon aus, dass er der Mörder ist. Seine Flucht führt ihn nach Europa, gejagt wird er von der Polizei und einer anderen Organisation. Unerwartete Hilfe bekommt David von der Studentin Nina, die für das Schlaflabor arbeitet, in dem er einen Termin vereinbart hat.

Der Klappentext hatte mich neugierig gemacht und er hat nicht zu viel versprochen. Ein neuer Thriller aus der Feder von Tibor Rode, von dem ich zuletzt "Das Mona-Lisa-Virus" gelesen habe. Das Thema Schlaf bzw. Schlaflosigkeit finde ich sehr interessant, denn wie oft schon hatte ich den Wunsch, die Zeit, die ich mit schlafen verbringe, anderweitig nutzen zu können. Nach der Lektüre denke ich anders darüber.

Wir begleiten also David, der unter Mordverdacht seht. Aber dies ist nicht sein größtes Problem, viel schwerer wiegt, dass er keine Müdigkeit verspürt und Tage ohne Schlaf verbringt. Auf der Suche nach den Ursachen und einem Geheimnis in seiner Vergangenheit geht es von den USA nach Europa. Parallel laufen die Ermittlungen der New Yorker Polizei, die auf den Spuren Davids ist. Doch dann ergeben sich Ungereimtheiten und Detective Millner muss seine bisherige Theorie ad acta legen.

Wie bei den anderen Romanen von Tibor Rode ist der Schreibstil anspruchsvoll und trotzdem leicht zu lesen. Es geht spannend los mit einem Rückblick, bevor die eigentliche Handlung startet. Man kann Davids Verwirrung und Verzweiflung spüren, er hat keinen Ahnung, wie er in diese irrwitzige Geschichte geraten ist. Was hat es mit dem Brief seines Vaters auf sich, der vor vielen Jahren bei einem Verkehrsunfall starb? Immer wieder gibt es eingeschobene Kapitel, die in der Vergangenheit spielen und die Informationen zu Davids Problem liefern.

Ich fand die Figuren gut gezeichnet, mein Lieblingscharakter war Millner, obwohl David im Mittelpunkt der Geschichte steht. David verhält sich stellenweise wirklich naiv, ich konnte nicht alle seine Handlungen nachvollziehen. Schließlich ist er ein abgeklärter Anwalt. Davids Problem liegen Geheimnisse zugrunde, die Jahrhunderte zurückreichen. Spannend finde ich, dass es, wie bei allen Romanen von Tibor Rode, einen wahren Kern gibt. Die Handlung bietet jede Menge Action und interessante Locations, z. B. das Tunnelsystem unter New York. Ich fand den Thriller gelungen, er ist von Anfang bis Ende fesselnd, aber es gibt auch kleine Längen zwischendrurch, weswegen ich einen halben Stern abziehe.

Fazit: Actionreicher Thriller über die Thematik des Schlafs, sehr gut umgesetzt.

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  • Umsetzung
Veröffentlicht am 18.06.2018

kurzweiliger Krimi mit sympathischer Protagonistin

Der letzte Gast
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Mia Kaminski ist Dogwalkerin mit Leib und Seele. Sie führt ihre Hunde nicht nur aus, sondern arbeitet mit ihnen, lässt sie Fährten lesen und Sachen finden. Einer der betreuten Hunde ist Coco, der Pudel ...

Mia Kaminski ist Dogwalkerin mit Leib und Seele. Sie führt ihre Hunde nicht nur aus, sondern arbeitet mit ihnen, lässt sie Fährten lesen und Sachen finden. Einer der betreuten Hunde ist Coco, der Pudel von Berna, einer todkranken älteren Dame. Als Mia Coco zurückbringt, findet sie Berna tot im Bett liegen. Es stellt sich heraus, dass Berna keines natürlichen Todes gestorben ist, sie wurde ermordet. Zur Trauer um Berna kommen die Anschuldigungen der Angehörigen, denn ein wertvoller Ring wird vermisst und Mia des Diebstahls bezichtigt. Die Polizei beginnt mit ihren Ermittlungen, als Mia ins Fadenkreuz des Mörders gerät....

Von Sabine Kornbichler habe ich schon "Das Verstummen der Krähe" gelesen, welches mir sehr gut gefallen hat. Ihr Schreibstil ist fesselnd und schön bildhaft, so dass ich über weite Teile die Szenerie in München vor Augen hatte. Aber nicht nur die Szenerie, sondern auch die Protagonisten, die sehr detailliert angelegt sind und überwiegend sympathisch wirken. Am besten konnte ich mich mit Mia identifizieren, sie ist eine wirklich sympathische Figur, ehrlich und direkt. Die Szenen mit ihren Hunden haben mir besonders gefallen, das Training und wie verantwortungsbewusst sie mit ihnen umgeht.

Was die Story angeht hatte ich mehrere Verdächtige im Visier. Ich konnte toll miträtseln wer hinter dem Tod von Berna steckt, hatte dann aber doch recht schnell einen Hauptverdächtigen, der sich am Ende auch als Täter erwies. Insgesamt hat mir der Krimi sehr gut gefallen, ich vergebe 4,5 Sterne, abgerundet auf 4.