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Veröffentlicht am 06.10.2018

Der gelebte Traum des jungen Paulo Coelho

Hippie
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"Nur ein gelebter Traum hat die Kraft, die Grenzen dieser Welt zu überwinden."

In diesem Buch blickt Paulo Coelho zurück auf seine Jugend, er zeigt Einblicke in seine erlebte Flower-Power-Zeit. Musik, ...

"Nur ein gelebter Traum hat die Kraft, die Grenzen dieser Welt zu überwinden."

In diesem Buch blickt Paulo Coelho zurück auf seine Jugend, er zeigt Einblicke in seine erlebte Flower-Power-Zeit. Musik, lange Haare und bunte Kleidung zeigten die neu entdeckte Lebenslust, Drogen, Friedensbewegung und freie Liebe gehörten zum bestimmenden Zeitgeist der Hippiebewegung.


Paulo erinnert sich in diesem Buch an seine Reise in den siebziger Jahren in Europa, die offen und anschaulich seine persönliche Sinnsuche nach dem wahren Grund seines Daseins widerspiegelt. Es geht um seine Liebe zu Karla und seine abenteuerlich klingende Reise mit dem Magic Bus. Die Hippie-Zeit führte ihn auf die Suche nach dem Sinn des Lebens und er versuchte, selbst erlebte Gewalt zu verarbeiten und sich gedanklich über das Erlebte hinaus zu finden.

Der Roman beginnt am Dam in Amsterdam. Von hier starten junge Menschen auf ihrem Weg auf den Hippie-Trail. Das Buch liest sich abwechslungsreich, voll bildhafter Darstellungen, besonders in der Türkei, und man kann sich die Zeit gut vorstellen. Die Reisegefährten im Bus lernt man nach und nach kennen, das Ziel Kathmandu steht in weiter Ferne, Paulo erreicht es nie.

Es ist die Zeit, als freie Liebe, Friedensbewegung und gesellschaftliche Auflehnung die jungen Menschen zu einem Überdenken ihres auf einen besonderen Weg brachte. Viele suchten in Esoterik, Spiritualität und anderen Denkstrukturen neue Wege.


Paulo Coelho schreibt brillant, sein Stil ist sein Markenzeichen. Stets bringt er Botschaften in seine Texte ein, die man mehrfach lesen möchte. In diesem Buch geht es viel um die Liebe.


"Wer aus Liebe handelt, der wird auf allen seinen Wegen einen unsichtbaren, wohlwollenden Schutz genießen und in schwierigen Augeblicken Ruhe bewahren können. Wer wirklich liebt, wird alles geben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten,..." Zitat Seite 264

Es sind genau diese Stellen, weshalb ich das Buch gern gelesen habe. Sicherlich hat diese Reise den jungen Paulo zu einer anderen Sichtweise, einer von gesellschaftlichen Normen losgelösten Lebenseinstellung bewegt. Als Schriftsteller wird ihn diese Zeit maßgeblich geprägt haben.


Sie hat eine Erweiterung seines Daseins bewirkt, er erlebte die Welt der Derwische, tauchte ab in spirituelle Welten, was anderen Zeitgenossen nur durch die Einnahme bewußtseinserweiternder Drogen gelang und erlebte eine Zeit voller Freundschaft, Freiheit und Liebe.

Eigentlich ist "Hippie" eine Liebesgeschichte von Paulo und Karla. Langsam entwickelt sich ihre Beziehung, doch sie ist nicht von Bestand. Vielleicht zeigt das den Zeitgeist der Hippies, Freiheit über alles zu stellen, selbst über Beziehungen.


Fast nebenher schildert Coelho aktuelle politische Ereignisse, gibt philosophische Denkanstösse zum Besten, doch das hat mich bei diesem Buch nicht so beeindruckt. Vielmehr sind es die persönlichen Erfahrungen, die Aufenthalte in psychiatrischen Einrichtungen, die mich interessieren.


Von den Mitreisenden erfährt man Lebenseinblicke, die sie offen und ohne Scheu zeigen. Doch weder mit ihnen noch mit Karla hat mich etwas verbunden. Ich blieb ihnen fern, war nicht Teil der Bustruppe. Ich hätte gern noch von Paulos weiterer Reise erfahren, wie ist es ihm danach ergangen?


Dieser gelebte Hippie-Traum Coelhos führt uns mit persönlichen Eindrücken des Autors in diese besondere Zeit. Er wurde geprägt von diesem Freiheitsgedanken und wurde so zu dem, der er heute ist.

Veröffentlicht am 03.10.2018

Gelungener Alpenkrimi mit ausgezeichnetem Erzählstil, könnte noch spannender sein!

Oberwasser
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Dieser mittlerweile vierte Fall Jennerweins ist eine gelungene Mischung von schrägen Personen, intelligentem Wortwitz und alpenländischem Flair.

Wortfindungsprobleme hat Jörg Maurer ganz sicher nicht, ...

Dieser mittlerweile vierte Fall Jennerweins ist eine gelungene Mischung von schrägen Personen, intelligentem Wortwitz und alpenländischem Flair.

Wortfindungsprobleme hat Jörg Maurer ganz sicher nicht, so wie er formulieren kann, schafft er eher neue Worverbindungen und erstaunt mit vielen humorvollen Details seiner Wortspielereien.

Die Handlung stützt sich auf die Darstellung mehrerer Stränge, die Jennerwein, seine Kollegen, ein paar Abiturienten im Urlaub in Marokko, eine Gaunerbande, ein Ganovenpaar und einen bessessenen Kajakfahrer in Szene setzen. Durch die Fülle an Handlungsorten und Informationen gerät der eigentliche Fall manchmal ins Abseits, doch es bildet sich allmählich ein Gesamtbild, die Teile fügen sich schliesslich harmonisch ineinander.

Mir hat besonders die Darstellung der menschlichen Reaktionen, der Wortwitz und die bayrische Mundart gefallen. Nebenbei erfährt man als Leser auch noch Interessantes über die Höllentalklamm und die sogenannten Reynolds-Strudel.


Ein spannender Alpenkrimi mit schrägen Figuren und allerlei Wortwitz, dessen skurrile Art und Weise für ausgezeichnete Unterhaltung sorgt.

Veröffentlicht am 03.10.2018

Poetisch beschrieben, wie junge Menschen ihren Lebensweg gehen und sich verändern wollen.

Die Nacht der Zugvögel
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Wir lernen Viola und Leo kennen, beide sind Ende 20 und sie begegnen sich zufällig, verlieren sich nach einer Nacht wieder aus den Augen. Wir begleiten sie ein Stück ihres jeweiligen Lebensweges. Sie besuchen ...

Wir lernen Viola und Leo kennen, beide sind Ende 20 und sie begegnen sich zufällig, verlieren sich nach einer Nacht wieder aus den Augen. Wir begleiten sie ein Stück ihres jeweiligen Lebensweges. Sie besuchen nach langer Zeit ihre Eltern, es gibt Wiedersehen mit alten Freunden und wir erleben ihren jeweiligen Roadtrip mit.

Dabei lassen uns besonders Leo und Viola an ihrer Gedankenwelt teilhaben. Ihre Träume und Pläne werden genau gezeichnet, sie haben mich berührt und dennoch blieben mir die Personen eigenartig fremd. Vielleicht ist mir ihre Art zu leben, so als Zugvogel durchs Leben zu ziehen, doch zu unbekannt. Alle Personen sind im Wandel, stecken in alten Gewohnheiten fest, suchen neue Ziele und Wege um sich zu finden und zu entwickeln. Diese Probleme kenne ich aus meiner Generation nicht so intensiv und eher um das 20. Lebensjahr und kann es daher durch die Vielfalt der Personen auch nur bedingt nachvollziehen. Hier scheint niemand seinen klaren Weg vor Augen zu haben und sie gehen als Einzelgänger durch ihr Leben.

Der Erzählstil dieses Entwicklungsromans ist sehr poetisch und gefällt mir sehr gut. Hier werden mit Metaphern Bilder gemalt, die Sprache wirkt sehr ansprechend und unterhaltsam. Das hat mir sehr gefallen, wobei die Grundstimmung des Romans mir ziemlich grau und trübsinnig vorkommt.
Das passt allerdings auch zu der Aufbruchstimmung der jungen Menschen, die allesamt Ende 20 nicht wirklich fest im Leben stehen, sondern immer noch auf der Suche sind.

Was mir leider nicht so gut gefallen hat, ist die personelle Zuordnung, denn hier erzählen Leo und Viola nebeneinander her. Auch gibt es zum Ende noch offenen Fragen, die in Andeutungen verlaufen, aber nicht endgültige Klarheit bringen.

Dennoch ist diese Geschichte so feinfühlig erzählt, dass mir das Lesen Spaß gemacht hat. Von dieser Autorin möchte ich noch mehr lesen.
Wahrscheinlich bin ich auch nicht die Zielgruppe, die sie mit ihrem Entwicklungsroman ansprechen will.

Dieser Gegenwartsroman hat einen einzigartigen Erzählstil und ist mit berührenden Worten geschrieben. Die Phase des Umbruchs kommt deutlich zur Sprache, mich hat das inhaltlich aber nicht angesprochen. Doch auf weitere Werke der Autorin bin ich sehr gespannt.

Veröffentlicht am 30.09.2018

Ein toll erzählter, intensiver, recht ausführlicher Roman über das Zerbrechen einer Familie vor dem Kriegshintergrund

Das Licht zwischen den Zeiten
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In diesem Roman taucht man nicht nur in die private Familiengeschichte der Autorin ein, man erfährt anhand der umfangreichen Schilderungen der Lebensumstände und Lebenswege der verschiedenen Figuren die ...

In diesem Roman taucht man nicht nur in die private Familiengeschichte der Autorin ein, man erfährt anhand der umfangreichen Schilderungen der Lebensumstände und Lebenswege der verschiedenen Figuren die Entstehung von Kriegsfolgen, politischen Strömungen, Machtenthebung von Gutsbesitzern und Liebesgeschichten.

Die Erzählebene informiert über die verschiedenen Charaktere der Familie von Dahlwitz, in Einschüben kommentiert die Autorin das Drama aus der Gegenwart. Dadurch fühlt man sich mit der gesamten Familie verbunden und erlebt die Gefühle, den Zwiespalt und die politischen Verfehlungen intensiv mit.


Der angenehme Erzählstil der Autorin sorgt für flüssiges Lesen. Sie erzählt spannend und mit detailgenauen Schilderungen und macht das Handeln ihrer Vorfahren verständlich und man hat den Zeitgeist deutlich vor Augen. Dabei sorgt die politische Einstellung für einen gewissen Zwiespalt, einzelne Wege der Familienmitglieder hätten anders verlaufen können und auch darüber wird Auskunft gegeben. Diese Ausführungen sind zwar interessant, führen aber ein wenig vom Thema weg.


Für diesen Roman muss man sich Zeit lassen, man kann ihn nicht mal eben weglesen. Denn die einzelnen Schicksale zeigen auch die politischen Unruhen auf, die man auf diesem Gut in Schlesien gar nicht groß mitbekommt. Hier wird deutsche Geschichte aufgearbeitet, es werden die Schwierigkeiten und Nöte der Menschen und die Entwicklung des Nationalsozialismus aufgezeigt.


"Das System vergisst uns nie, sein Kodex verfolgt uns überallhin, und seine Rache an den Abtrüningen kann furchtbar sein. Aber das ist keine Entschuldigung." Zitat Seite 164

Die Charaktere sind klar und lebhaft umrissen. Man erlebt mit Helen, wie sie um ihre Liebe kämpft. Fühlt mit dem Gutsbesitzerpaar Donata und Heinrich die Sorge um das Überleben ihres Guts und erkennt, wie am Ende die Adelsfamilie zerbricht.

Die Geschichte kommt mir wie eine Doku-Soap in Buchform vor. Das Familienleben, die Befindlichkeiten, Sorgen und Nöte werden ausgelebt, gefeiert und es wird gelitten. Man ist bei dieser Familie hautnah dabei.


In gewisser Weise haben mich die Einschübe der Autorin gestört, sie wirken irgendwie befremdlich und stören meiner Meinung nach das Romangeschehen. Einige Ausführungen zu Kriegstheorien und anderen Themen sind zu ausführlich geraten. Manchmal muss gar nicht soviel erklärt werden, die Figuren zeigen schon die besonderen Umstände der Zeit deutlich auf.

Die Liebesgeschichte von Helen und Georg konnte mich genauso fesseln wie die Schilderungen von Bruder Felix, der als Arzt den Schrecken des Krieges bei seinen Patienten vielfach ins Auge blickt. Es sind die Opfer, die ein Krieg fordert, die Grauen, die durch Menschen gemacht sind und die bei diesem Buch so offen gezeigt werden.


Ein lebendig geschriebener, sehr ausführlicher Roman, der Zeitgeschichte aufzeigt, dabei die Liebe nicht vergisst und für Geschichtsinteressierte sehr zu empfehlen ist.

Veröffentlicht am 06.09.2018

Die Macht der wahren Liebe

Die Stunde der Liebenden
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1928 treffen sich in England Alice, Tochter aus gutem Hause, und der künstlerisch talentierte Tom nach Jahren wieder. Sie kennen sich schon seit ihrer Kindheit und verlieben sich ineinander. Doch die Familien ...

1928 treffen sich in England Alice, Tochter aus gutem Hause, und der künstlerisch talentierte Tom nach Jahren wieder. Sie kennen sich schon seit ihrer Kindheit und verlieben sich ineinander. Doch die Familien setzen alles daran, um die Beziehung zu verhindern.
1986 fällt der jungen Fotografin Kate eine Federzeichnung in die Hände, auf der eine Frau dargestellt ist, die ihrer inzwischen verstorbenen Mutter zum Verwechseln ähnlich sieht. Die Zeichnung wurde 1928 vom mittlerweile bekannten Maler Thomas Stafford angefertigt.
Kate macht sich auf, das Geheimnis dieses Bildes herauszufinden und damit auch Einblicke in ihre Familie zu gelangen. Sie stösst auf eine Liebesgeschichte, die ihr Mut macht, selbst um ihr Glück zu kämpfen.


In diesem Liebesroman zeigt sich wunderbar das schriftstellerische Talent der jungen Autorin. Ihr gelingt es, Gefühle ohne kitschigen Beigeschmack zu erzählen und sie zeigt wie Sehnsucht, Freiheit und der Wunsch nach Veränderung durch das Überschreiten konventioneller Schranken die Menschen schon früher bewegt haben. Gleichzeitig beschreibt sie aber auch die Courage, die Menschen abverlangt wird, die in ihrer bestehenden Situation aushalten und nicht davon rennen.

Auf eine interessante Sichtweise wird im Buch wird aus verschiedenen Perspektiven berichtet: 1986 von Kate, die durch eine Zeichnung auf die ihr bis dahin unbekannte Großmutter stösst; aus Thomas Staffords Sicht, der ein erfolgreicher Künstler wurde, auf Korsika lebt und Alice lebenslang liebte, aber nichts von ihrem gemeinsamen Kind wusste; und von Alice und dem Verlauf ihres Lebens, 1928 beginnend.

Dabei entwickelt die Geschichte eine emotionale Reise durch die Gefühlswelt der Menschen und zeigt neben Liebesgefühlen auch Abschied von Menschen, Konflikte und Zukunftsängste deutlich auf. Kriegserlebnisse werden hier zur Sprache gebracht und haben die Menschen manchmal grundlegend verändert. Diese Beschreibungen gelingen Lucy Foley sehr gefühlvoll und intensiv.

Mich haben die vielen Perspektivsprünge und der Wechsel der Erzählzeit von Präsens für die alten Vorgänge von 1928 zur Perfektform für die Geschichte von Kate etwas gestört und auch verwirrt. Das hätte meiner Meinung nach in der umgekehrten Zeitformwahl besser und verständlicher gewirkt. So musste ich mich immer wieder vergewissern, von welcher Generation gerade die Rede ist. Das hat meinen Lesefluss unterbrochen und ich kam nie so richtig tief in die Geschichte hinein.

Dabei sind die Figuren wirklich gut dargestellt und man erfährt viel über die verschiedenen Charaktere und ihre Lebenswege. Gerade Kate und ihre Liebe zu Oliver geht mir sehr nahe, ähnelt diese Liebe doch sehr der ihrer Großmutter und auch die Probleme stellen sich ähnlich dar.

Einblicke in die Kunstszene hätte ich mir noch mehr gewünscht, diese Thematik wird nicht tief genug aufgegriffen, sondern sie dient nur als Hintergrund. Insgesamt gesehen hatte das Buch einige Längen, die mich nicht so in das Buch hineinziehen konnten. Die Schicksale haben mich berührt, aber nicht richtig tief bewegt.


Wer gerne Liebesgeschichten und Familiengeheimnisse liest, dem möchte ich diesen romantischen Roman mit seiner einfühlsamen Sprache und den verschiedenen Schicksalen ans Herz legen.