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Veröffentlicht am 23.10.2018

Konnte mich leider nicht überzeugen

Redemption Point
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Mit „Redemption Point“, dem zweiten Band der Crimson Lake-Reihe, schreibt die australische Autorin Candice Fox die Geschichte um die beiden Außenseiter Ted Conkaffey und Amanda Pharrell fort. Die sich ...

Mit „Redemption Point“, dem zweiten Band der Crimson Lake-Reihe, schreibt die australische Autorin Candice Fox die Geschichte um die beiden Außenseiter Ted Conkaffey und Amanda Pharrell fort. Die sich nicht gesucht, aber gefunden haben, weil sie beide erleben mussten, wie es ist, misstrauisch beäugt zu werden und ihr altes Leben zu verlieren. Ted, Ex-Cop und des Mordes an einer Dreizehnjährigen beschuldigt, und Amanda, die verurteilte Mörderin. Deren Wege sich an ihrem Rückzugsort in einer australischen Kleinstadt kreuzen und die nun gemeinsam als Privatdetektive arbeiten.

Es sind zwei Fälle, die die beiden zu bearbeiten haben. Da ist zum einen der noch immer ungeklärte Fall aus Teds Vergangenheit, der nun, unterstützt von dem Vater des Mädchens und einem Drogenboss, der schützend seine Hand über ihn hält, alles daran setzt, den wahren Täter dingfest zu machen. Amanda kümmert sich währenddessen mit Hilfe von DI Pip Sweeney um einen vermutlichen Raubmord, der sich in einer dubiosen Hinterhofkneipe ereignet hat.

Tja, was bin ich mit großen Erwartungen an diesen Nachfolgeband von "Crimson Lake" herangegangen. Umso größer war die Enttäuschung, hat sich dieser doch relativ schnell als das typische "Mittelbuch" einer Trilogie entpuppt. Absolut keine Fortschritte in den Entwicklungen der Personen und ihrer Backstorys, endlose Wiederholungen von Conkaffeys Geschichte, den falschen Beschuldigungen, seiner zerrüttenden Ehe und so weiter. Amanda hingegen nervt nur noch mit ihrem albernen, kindischen Getue. Und die "Liebes Tagebuch" Einträge des wahren Vergewaltigers setzen dem ganzen dann noch die Krone auf. Ich habe mich immer wieder gefragt, wie alt denn die Protagonisten sind. Zehn oder zwölf Jahre?

Vielleicht hätte sich die Autorin eingehender von ihrem Mentor James Patterson beraten lassen sollen. Aber wahrscheinlich wäre auch er auf die Marketingtricks der Branche ausgewichen, die bei Reihen einen garantierten Umsatz wittern. Ich werde mir jedenfalls den abschließenden Band der Trilogie sparen.

Veröffentlicht am 16.12.2025

Nur peinlich - für Autor und Verlag

Stonehenge - Die Kathedrale der Zeit
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Die Kingsbridge-Reihe habe ich geliebt, aber dieses Buch hat in etwas soviel Substanz und Niveau wie ein Groschenroman. Dazu kommt die rattenschlechte Übersetzung. Wörter, die so nie und nimmer in den ...

Die Kingsbridge-Reihe habe ich geliebt, aber dieses Buch hat in etwas soviel Substanz und Niveau wie ein Groschenroman. Dazu kommt die rattenschlechte Übersetzung. Wörter, die so nie und nimmer in den 2000er v. Chr. Jahren Verwendung gefunden haben. Wie ein Lektorat so etwas durchwinken kann, ist mir ein Rätsel. Nur peinlich.

Wer etwas über Stonehenge erfahren möchte, wird mit jeder Doku aus den Mediatheken besser bedient und unterhalten.

Veröffentlicht am 14.11.2025

Thriller ohne Thrill

Knochenkälte
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Nach der Lektüre von Becketts „Die Verlorenen“ dachte ich, dass es schlechter nicht geht. Ich habe mich getäuscht, denn was Simon Beckett mit „Knochenkälte“ (Bd. 7, Fortsetzung der David Hunter-Reihe) ...

Nach der Lektüre von Becketts „Die Verlorenen“ dachte ich, dass es schlechter nicht geht. Ich habe mich getäuscht, denn was Simon Beckett mit „Knochenkälte“ (Bd. 7, Fortsetzung der David Hunter-Reihe) abliefert, ist mit großem Abstand das schlechteste Buch, das ich in diesem Jahr gelesen habe.

Eine an den Haaren herbeigezogene, uninspirierte Story, die die Versatzstücke des Genres abarbeitet: Hunter strandet unter widrigen Umständen in einer unwirtlichen Gegend im englischen Nordwesten, die durch ein Unwetter von der Außenwelt abgeschnitten ist. Das abseits gelegene Dorf ist umgeben von dunklen, undurchdringlichen Wäldern. Die wenigen Bewohner sind (natürlich) wortkarg, verschlagen und wenig hilfsbereit. Auf der Suche nach einem Handysignal stolpert der Protagonist zufällig über ein in Baumwurzeln eingewachsenes Skelett. Nur gut, dass er seine Brötchen als forensischer Anthropologe verdient…

Beckett hat nichts zu erzählen, denkt aber, er könne das durch die ausufernden und sich wiederholende Landschaftsbeschreibungen kaschieren, wenn er einen weinerlichen Hunter seitenlang monologisierend durch die tiefschwarzen, undurchdringlichen Wälder Cumbrias stolpern und sowohl jeden Schritt als auch jeden Grashalm kommentieren lässt.

Es mag Leser*innen geben, die das atmosphärisch, gruselig und spannend finden, mich hat dieser Pseudo-Thriller von der Stange nur genervt. So sorry, aber das war nix Mr Beckett.

Veröffentlicht am 13.05.2025

Alter Wein in neuen Schläuchen

Devil's Kitchen
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Ich versuche es zwar immer wieder, aber die Chancen stehen schlecht, dass Candice Fox und ich unsere Freundschaft erneuern. Ihre ersten beiden ins Deutsche übersetzten Bücher der Hades-Trilogie habe ich ...

Ich versuche es zwar immer wieder, aber die Chancen stehen schlecht, dass Candice Fox und ich unsere Freundschaft erneuern. Ihre ersten beiden ins Deutsche übersetzten Bücher der Hades-Trilogie habe ich sehr gerne gelesen, aber alles, was danach kam, konnte mich leider nicht überzeugen. Interessanterweise sieht das bei den semiprofessionellen Krimi-/Thriller-Lesern durch die Bank weg ganz anders aus, die bei jedem Buch der Autorin verzückt juchzen und Lobeshymnen von sich geben, in die ich längst nicht mehr einstimmen möchte und kann.

Warum? Hier der Versuch einer Antwort am Beispiel von Devil’s Kitchen:

Die Inhalte ihrer Thriller sind selten neu. Sei es ein Gefängnisausbruch, verschwundene Kinder und deren verzweifelte Eltern oder, wie im vorliegenden Fall, die Feuerwehrleute als Brandstifter und Diebe. Hat man alles bereits verfilmt gesehen oder bei Autorenkollegen um ein Vielfaches besser geplottet gelesen (siehe dazu z.B. „Corruption“ von Don Winslow).

Ihre Protagonisten, in diesem Fall Ben und Andy, wecken null Sympathie, was in erster Linie daran liegt, dass sie wie künstliche, holzschnittartige Konstrukte daherkommen, die bestimmte Kriterien erfüllen müssen. Daran ändert leider auch das 9/11-Trauma des (total unsympathischen) Anführers nichts.

Die langatmigen Einschübe, die Handlungen erklären sollen/müssen, bremsen das Tempo aus und killen jeden Spannungsfunken. Das sorgt dafür, dass man ständig in Versuchung ist, große Teile zu überblättern, um endlich zum Schluss zu kommen.

Alle diese Punkte könnten damit zusammenhängen, dass Fox in der Schreibschule von James Patterson das Handwerk gelernt und in den Anfängen ihrer Karriere auch für ihn geschrieben hat (stand früher auch noch auf ihren Covern). Schaut man sich die Qualität seiner Bücher an, wirken sie wie am Reißbrett konstruiert, folgen immer wieder dem gleichen Aufbau. Uninspiriert und in ihrer Masse auf blanken Kommerz angelegt. Grottig und keine Empfehlung…so wie Devil’s Kitchen von Candice Fox.

Veröffentlicht am 17.06.2022

Konventionell gestrickter Krimi

Mörderisches Madeira (Ein Madeira-Krimi 2)
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Madeira, das schroffe Kleinod im Atlantik, früher ein Geheimtipp, mittlerweile fest in touristischer Hand. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch die Verfasser von Urlaubskrimis dieses Eiland ...

Madeira, das schroffe Kleinod im Atlantik, früher ein Geheimtipp, mittlerweile fest in touristischer Hand. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch die Verfasser von Urlaubskrimis dieses Eiland als Handlungsort für sich entdeckt haben. Aber ist eine quasi exotische Lokalität ein Garant für einen spannenden Kriminalroman? Und hat der Autor die Fähigkeit, die besondere Atmosphäre diese Insel zum wesentlichen Bestandteil der Handlung zu machen?

Es ist Frühling, und Laura Fleming, die wir bereits aus dem Vorgänger „Tod auf Madeira“ kennen, hat ihre Koffer gepackt. Der Abgabetermin für ihren neuen Krimi steht ins Haus, und sie hofft, auf Madeira Ruhe zum Schreiben zu finden. Aber sie freut sich auch auf ein Wiedersehen mit einem Freund, Comissário Mauricio Torres, den sie bei ihrem letzten Aufenthalt auf der Insel kennengelernt hat. Aber ehe sie sich versieht, steckt sie mitten in einem Mordfall, in dem Mauricio die Hände gebunden sind, denn der Hauptverdächtige ist sein Bruder.

Bereits der Vorgänger war ein mehr als konventionell gestrickter Krimi, weder atmosphärisch noch sonderlich spannend. Und auch „Mörderisches Madeira“, der zweite Band der Reihe, ist voller Klischees, die nur jemand verbraten kann, der auf den ausgetretenen Pfaden der Pauschaltouristen wandelt. Das fängt bereit bei der Auswahl des Handlungsortes an. Prazeres? Wirklich? Natürlich wieder in der Nähe des touristischen Hotspots Calheta. 700 Einwohner, landschaftlich schön gelegen, aber jede Menge Ferienwohnungen, Hotels und Apartmentanlagen, die dem Ort die Einzigartigkeit genommen haben. Und auch die Rumbrennerei, hier der Tatort und das nächste Alleinstellungsmerkmal der Story, hat auf der Insel längst an Bedeutung verloren.

Auch bei der Beschreibung der Protagonisten ist kein Fortschritt festzustellen. Klar, alles läuft darauf hinaus, dass Laura und Mauricio ein Paar werden. Aber braucht es dazu die gebetsmühlenhaften Wiederholungen? Laura hat Eheprobleme, Mauricio trauert noch immer um seine tote Frau, beides ist hinlänglich bekannt und trägt nicht zum Fortgang der Krimihandlung bei. Genau so wenig wie die das Erwähnen von Saudade und Fado. Nein, die Madeirer sind kein Volk von lebensmüden Melancholikern, offenbar hat der Autor noch nie die ausgelassene und lebensfrohe Atmosphäre bei einem Dorffest auf der Insel erlebt.

Weder zeugt dieser Kriminalroman von Ortskenntnis noch bietet er eine spannende und unterhaltsame Lektüre. Und Werbung für die Blumeninsel ist er schon zweimal nicht, dafür uninspiriert und langatmig. Ein Ärgernis!