Profilbild von PandaCat

PandaCat

Lesejury Profi
offline

PandaCat ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit PandaCat über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.11.2018

Ein netter Einblick für "Fachfremde"

Gangsterblues
0

Das Buch Gangsterblues handelt von Geschichten, die dem Autor und Gefängnisarzt von (meist) Häftlingen erzählt wurde. Allerdings stellt er dabei am Anfang klar, dass die Geschichten mit anonymisiert wurden ...

Das Buch Gangsterblues handelt von Geschichten, die dem Autor und Gefängnisarzt von (meist) Häftlingen erzählt wurde. Allerdings stellt er dabei am Anfang klar, dass die Geschichten mit anonymisiert wurden (soweit klar - alles andere wäre auch sehr unethisch) und fiktional weitergsponnen und verändert wurden.

Die verschiedenen Kapitel handeln nicht von der Straftat an sich, sondern von den subjektiven Auswirkungen auf die Täter und deren Leben; also dem Schicksal der Täter (und manchmal Opfer).
Dabei sind die Erzählungen recht sachlich geschrieben und aus einer professionellen Distanz heraus. Wer fesselnde Kurzgeschichten erwartet wird daher enttäuscht werden. Der Schreibstil gefällt mir für diese Art Buch gut, schildert der Autor doch seine Sichtweise als die eines Beobachters / Zuhörers. Sie geben einen Einblick in die Strafanstalten und die Geschichten der Straftäter, die schon mehr auf dem Kerbholz haben, als ein kleiner Ladendiebstahl.
Dabei findet der Autos in fast allen Charakteren etwas sympatisches bzw. einen Grund für das Handeln.

Was mich an den Geschichten stört, ist, dass man nicht weiß, was nun tatsächlich Realität ist und was Fiktion - ist der Hauptteil der Geschichte tatsächlich so passiert oder hat ist die Hälfte eh dazu erfunden?
Das nimmt für mich einen Teil des Reizes.

Für jemanden, der sich noch nie mit dem Bereich Haft oder Straftäter beschäftigt hat, für den mag das Buch ein guter Einblick sein, zu erfahren, wie es so abläuft und wie sich das Leben dieser Menschen gestaltet. Auch, um zu erkennen, das es nicht "den Straftäter" als Klischee gibt, sondern viele verschiedene Facetten dessen, von mutmaßlich unschuldig, über skupellose "Gangster" auf Lebenszeit.
Für diejenigen, die in dem Bereich arbeiten - wie ich - ist das Buch allerdings keine große Überraschung. Ich habe in meinem Bereich schon viele derartige Geschichten gehört - persönlich oder aus Erzählungen von Kollegen, dass mir aus dem Buch keine wirklich nachhaltig in Erinnerung geblieben ist.

Ich fand daher das Buch recht nett und unterhaltend, aber wirklich mitgerissen und gefesselt hat es mich nicht.
Wer einen Einblick bekommen möchte in die Welt der Haftanstalt und die Geschichten von Häftlingen, für den ist das Buch sicherlich einen Blick wert.
Wer wirklich spannende Geschichten sucht oder tatsächliches "true crime", der wird von diesem Buch eher enttäuscht sein.

Veröffentlicht am 29.10.2018

Eine nicht ganz so rasante Jagd

Hasenjagd
1

Hasenjagd ist der 6. Band der skandinavischen Reihe um Joona Linna von Lars Keplar. Ich habe nicht alle vorangegangenen Bücher gelesen, aber zwei. Der Stil des Autorenduos war mir daher bekannt.
Es ist ...

Hasenjagd ist der 6. Band der skandinavischen Reihe um Joona Linna von Lars Keplar. Ich habe nicht alle vorangegangenen Bücher gelesen, aber zwei. Der Stil des Autorenduos war mir daher bekannt.
Es ist aber nicht unbedingt notwendig die Bücher der Reihe zu kennen.

Die Geschichte startet sehr rasant mit einer Prostituierten, die von ihrem Kunden in dessen Haus misshandelt wird und plötzlich den Mord an eben jenem miterlebt. Der Mord ruft den Staatsschutz auf den Plan, denn das Opfer ist der Außenminister und es wird Terrorismus vermutet. Die Tat wird daher verschiegen.
Dass tatsächlich Terrorismus die Ursache ist oder doch ein persönliches Motiv vorliegt, darüber beginnt der Leser schnell zu grübeln.

Auch Joona Linna, der nach dem vorangegangenen Buch der Reihe in der JVA einsitzt, wird in den Fall mit einbezogen, da die Ermittlungen nicht recht voran kommen. Um zu ermitteln bekommt er einige Tage Freigang.
Ihm steht seine Kollegin Saga Bauer zur Seite.

Nachdem das Buch sehr rasant beginnt, tauchen sehr viele Personen auf, die scheinbar nicht mit der Tat in Zusammenhang stehen. Daraus ergeben sich diverse Handlungsstränge, die den Leser zwar erfolgreich verwirren, mir aber gleichzeitig in dem Mittelteil des Buch auch die Spannung genommen haben.
Man hat zwar die Vermutung, dass alles schon irgendwie zusammen passen wird, aber die Ermittlungen an sich und die Morde rücken zu den Nebencharakteren fast in den Hintergrund. Teilweise musste ich mich fast dazu motivieren am Ball zu bleiben und die Seiten nicht nur zu überfliegen. Hier hätte man kürzen können!

Das letzte Drittel nimmt dann plötzlich Fahrt auf und es wird tatsächlich spannend. Da bin ich nur so durch die Seiten geflogen.
Am Ende fügt sich das meiste zusammen und die Auflösung ist gut gemacht, im Rückblick versteht man auch die Zusammenhänge und Hinweise.


Die Geschichte ist dabei in der Gegenwartsform geschrieben und die Darstellungen sind durchaus explizit und ungeschönt im Hinblick auf die Gewaltszenen. Das wusste ich aber bereits. Manche mögen das als zu blutig oder brutal ansehen, mich stört das nicht, zumal das Genre ein skandinavischer Krimi ist. Für meinen Geschmackt sind es aber doch ein paar viele Kollateralschäden, die halt so passieren.
Der Schreibstil ist ansonsten angenehm und gut. Die Atmosphären ist nicht so düster wie von skandinavischen Krimis gewohnt.

Die vermeintlichen Protagonischen Saga und Joona haben mich nicht so gepackt, wobei ich sie aus den vorherigen Büchern kenne. Sie werden fast etwas blass gezeichnet. Rex dagegen, einer der Nebencharaktere, wird fast zum Hauptcharakter und ist sehr gut und lebendig beschrieben.

Ein Kritikpunkt ist für mich die Übersetzung - der Titel verwirrt, da im Buch fast ausschließlich von Kaninchen gesprochen wird, nicht von Hasen. Auch sind manche Übersetzungen nicht ganz glücklich gewählt.

Fazit:
Das Buch hat mich nicht so sehr gepackt, dazu waren im Mittelteil zu viele Längen. Das Buch ist mit 650 Seiten auch sehr lang, 200 Seiten weniger hätten dem Buch nicht geschadet. Dann wäre ich wahrscheinlich durch das Buch geflogen wie am Ende. Für mich schwächelt dieser Teil der Reihe im Vergleich zu den beiden anderen, die ich bereits gelesen habe.
Wenn das Buch Spannung aufgebaut hat, dann ist es aber sehr gut beschrieben und mitreißend. Allerdings sollte man nicht zu zart besaitet sein. Dieser Krimi gehört im Bezug auf die Gewaltdarstellungen zu den härteren Skandinavienkrimis - mich hat es nicht gestört.

Ich kann das Buch daher nur bedingt weiter empfehlen. Das Buch ist ein guter Krimi mit einigen Längen, aber kein rasanter Thriller, bei dem man das Buch nicht aus der Hand legen kann.
Wer Längen im Kauf nimmt, bekommt dafür aber ein Buch, das Hacken schlägt und diverse echte und falsche Hinweise an den Leser gibt und ihn zum Nachdenken anregt.
Und am Ende fügt sich auch fast alles zusammen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Spannung
  • Atmosphäre
  • Geschichte
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.07.2018

Man muss nicht perfekt sein

Verrücktes Herz
0

Das Buch Verrücktes Herz handelt von Ava, einer Frau, der Mann, zwei erwachsene Kinder und der Haushalt über den Kopf wachsen und sie schlussendlich krank machen. Ava wird in eine psychiatrische ...

Das Buch Verrücktes Herz handelt von Ava, einer Frau, der Mann, zwei erwachsene Kinder und der Haushalt über den Kopf wachsen und sie schlussendlich krank machen. Ava wird in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.
Dort lernt sie neue Menschen kennen und lernt viel über das Leben, die Liebe und die Freundschaft.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Zum einen finde ich den Aspekt "man muss nicht perfekt sein und es allen recht machen", der sich durch das ganze Buch zieht, unheimlich wichtig und richtig. Das geht tatsächlich einfach nicht und macht auf dauert krank - wie es auch Ava erfährt.
Zudem sind die Charaktere einfach unheimlich sympatisch, einfach weil sie alle Schrullen und Macken haben. Und sie alle machen eine Veränderung durch.
Allerdings (und dies muss, wenn man sich mit psychischen Erkrankungen auskennt gesagt werden), sind die Charaktere überzogen, ebenso, wie die Krankheiten verharmlos bzw. vereinfacht werden. Jemand, der ernsthaft psychisch erkrankt ist, wie nicht durch die Absolvierung von einer Aufgabe und dem Kennelernen neuer Freunde plötzlich geheilt.
Da dies aber keine staatsliche, geschlossene Psychiatrie ist, sondern als private, offene Klinik dargestellt wird (aus der man also einfach gehen kann und sich selber entlassen kann), stört mich das nicht so sehr. Dort könnten sich durchaus Menschen einfinden, die nur eine leichte psychiatrische Erkrankung haben (wie Avas Erschöpfung, die auch keine tiefgehede Depression ist/sein kann), bei der sie Hilfe benötigen.

Das Buch lässt sich flüssig lesen, der Schreibstil ist leicht und locker. Die Geschichte ist gut zu lesen ohne richtigen Tiefgang und ohne komplizierte Sachverhalte und Beschreibungen, die man mehrmals lesen müsste.
Ein bisschen mehr Tiefgang und Ernst wäre mir aber noch lieber gewesen - und wäre auch möglich gewesen. Eine Psychiatrie ist immerhin kein Urlaubsort und die diversen Charaktere habe genug, das eine etwas tiefgründigere Story hergegeben hätte.
Das Buch ist in aus der Ich-Erzähler Perspektive geschrieben und lässt einen so wunderbar Ava Sicht und Innenleben erfahren.

Verrücktes Herz ist eine schöne Urlaubs- / Entspannungslektüre, die man gut lesen kann und die einem gute Laune macht.
Tiefgang darf man hier nicht erwarten, auch keine ernsthafte Auseinandersetzung mit psychiatrischen Erkrankungen oder dem tatsächlichen Aufenthalt in einer Psychiatrie. Gemütlich im Liegestuhl mit einem Glas Wein will ich aber genau das auch nur manchmal.
Und manchmal eben einen seichten, netten, schnell zu lesendem Roman, der einen zum lächeln bringt wie diesem Buch.

Veröffentlicht am 05.11.2021

Nett zu lesen, aber ohne viel Tiefgang

Only Us - Unvergesslich
2

Das Cover ist hübsch, aber sticht nicht unbedingt aus der Masse hervor.

Der Klappentext hat mir super gefallen und weckt Erwartungen an eine Enemie-to-Lovers Geschichte. Dem ist aus meiner Sicht aber ...

Das Cover ist hübsch, aber sticht nicht unbedingt aus der Masse hervor.

Der Klappentext hat mir super gefallen und weckt Erwartungen an eine Enemie-to-Lovers Geschichte. Dem ist aus meiner Sicht aber nicht so! Sie sind zwar nicht die dicksten Freunde am Anfang des Buches, aber Feinde trifft es nicht einmal annährend. Wer also hitzige Diskussionen, Streitereien, Funken und Temperament erwartet, wird enttäuscht werden. Bereits nach den ersten Seiten verflüchtigt sich der „Enemy-Eindruck“ schon sehr.

Für diejenigen, die nicht gerne lange Rezensionen lesen:
Wer einen kurzweiligen, romantischen Roman sucht und nicht unbedingt über ein Buch nachdenken möchte, der kann dieses hier gut lesen. Wer aber Tiefgang und Charakterentwicklung sucht, der wird mit diesem Buch nicht wirklich glücklich werden.

Zu meiner Meinung im Detail:
Der Schreibstil des Buches ist flüssig und lässt sich sehr gut lesen. Es erzählt die Geschichte im Wechsel aus der Ich-Perspektive von Cleo und Oliver, weshalb man die Gefühle und Gedanken den Personen schnell versteht. Zudem gibt es noch Zeitsprünge, wo Episoden aus der Vergangenheit erzählt werden angefangen von der Kindheit bis zum jungen Erwachsenenalter.

Bei den Charakteren war es anfangs so, dass ich Cleo sehr mochte und Oliver sehr unsympathisch wirkte. Dies drehte sich allerdings im Laufe der Geschichte. Das liegt vor allem daran, dass ich mit Cleo nicht warm geworden bin. Sie wird als selbstbewusste, temperamentvolle, starke Frau beschrieben. Leider ist sie aber tatsächlich das Gegenteil. Cloe knickt jedes Mal sehr schnell ein wenn es um Oliver geht, egal was sie sich vorher vorgenommen hat. Und dazu braucht es nur eine kurze Unterhaltung mit Oliver. Und das obwohl sie immer wieder erzählt, diesmal würde sie es ihm nicht leicht machen. Diese extreme Diskrepanz zwischen dem tatsächlichen Verhalten und der Beschreibung des Charakters hat mich gestört.

Oliver hingegen wirkt zwar am Anfang sehr unsympathisch, aber seine Handlungen werden zumindest im Laufe des Buches nachvollziehbar. Und bei ihm machen die Handlungen durchaus Sinn: Wer nie mit ernsthaften Konsequenzen rechnen muss verhält sich anders und lügt und hintergeht durchaus immer wieder – wieso auch nicht?

Beide Charaktere bleiben aber etwas blass und verhalten sich teilweise eher wie Teenager, als wie erwachsene Menschen. Meine Lieblingsfigur ist Olivers Oma – die taucht erst ganz am Ende auf und das will bzgl. des Buches dann schon was heißen.

Die Geschichte an sich ist nett, plätschert vor sich hin und ist unterhaltsam. Am Ende ging es mir aber etwas sehr schnell und ich war nicht ganz glücklich mit der Art und Weise wie schnell das Happy End nach dem "Plottwist" kommt.
Trotz all dieser Kritikpunkte kann man das Buch aber durchaus gut lesen. So fürs nebenher Lesen in der Bahn oder zum Zeitvertreib ist es nett, aber es hat mich nicht mitgerissen oder weiter beschäftigt.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 28.07.2020

Ein Roman in dem Wein die Hauptrolle spielt

Saale Premium - Stürme über dem Weinschloss (Die Weinschloss-Saga 1)
0

Das Buch ist der erste Teil der Familiensaga um Aenne und ihre Familie und ihrer Liebe zu Wein.

Aenne ist eine junge Frau, die - entgegen der damaligen Zeit - nach Selbstbestimmung und Liebe strebt. Anfangs ...

Das Buch ist der erste Teil der Familiensaga um Aenne und ihre Familie und ihrer Liebe zu Wein.

Aenne ist eine junge Frau, die - entgegen der damaligen Zeit - nach Selbstbestimmung und Liebe strebt. Anfangs scheint alles gut zu laufen und ihr Wunsch erfüllt sich, sie findet die große Liebe. Allerdings ist ihr Vater gegen die Verbindung, da er sich mit dessen Familie überworfen hat. Damit beginnt Aennes von Schicksalsschlägen geprägte Erzählung.

Während des Buches erfährt man einiges über die damalige Zeit, die Mode, Preise und Einstellungen der Menschen. Noch viel mehr erfährt man über Weinanbau und Sektherstellung. Und das ist einer meiner Hauptkritikpunkte: Der Wein nimmt eine größeren Stellenwert ein, als die Handlung an sich. Gefühlt besteht 2/3 des Buches aus Erzählungen um und über Wein, 1/3 erzählt nebenbei, was im Leben der Protagonistin passiert.
Und das geschieht in teil sehr großen Sprüngen, sodass man vieles erfährt, indem es von jemandem erzählt wird, nicht indem es von Aenne erlebt wird. Scheinbar wichtige Ereignisse (wie die Zeugung ihres Kindes) geschehen auf 3 - 4 Zeilen, während über die Weinherstellung über Seiten referiert wird.
Die Handlung selbst ist sehr melodramatisch und erinnert an eine Seifenoper. Aenne stolpert von einem Schicksalsschlag in den nächsten und sie kann ihre Clemens einfach nicht zum Mann nehmen; selbst als alle Hindernisse aus dem Weg geräumt sind. Als Leser fragt man sich zwischendurch manchmal: Warum eigenlich nicht? Aenne steht sich da sehr oft selbst in Weg.

Eine Seifenoper kann zwischendurch mal nett sein, man sollte aber nicht zu hohe Erwartungen daran haben. Die Charaktere in dem Buch werden gut dargestellt, aber manchmal versteht man insbesondere Aennes Beweggründe nicht, da sie nicht so tiefgründig ausgearbeitet wurde, sondern nur so weit, wie es die melodramatische Geschichte braucht.

Das Buch ist informativer und recht unterhaltsam. Allerdings ist es kein anspruchsvoller historischer Roman, wie ich ihn erwartet habe, sondern eher eine leichte Sommerlektüre für den Balkon, die man aber auch schnell vergessen hat.
Die weiteren zwei Teile werden eher nicht bei mir einziehen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere