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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.12.2018

Nicht so viel hadern – leben, ausprobieren und den eigenen Weg finden!

Mädelsabend
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Jeder Mensch wächst mit seiner Familie auf und wird auf eine sehr persönliche Art durch Eltern, Großeltern, Freunden und sein weiteres Umfeld geprägt. Diese Prägung hat einen massiven Einfluss auf Entscheidungen, ...

Jeder Mensch wächst mit seiner Familie auf und wird auf eine sehr persönliche Art durch Eltern, Großeltern, Freunden und sein weiteres Umfeld geprägt. Diese Prägung hat einen massiven Einfluss auf Entscheidungen, die jeder von uns im Leben fällt. Sehr persönlich fällt der Grad aus wie weit man sich vom traditionellen Familienverständis empanzipieren kann und will. Auch darf man die indirekte Prägung durch Sehnsüchte der Eltern nicht außer Acht lassen.

In ihrem neuen Roman hat Anne Gesthuysen ein wunderbares Figurenkabinett zusammengestellt über mehrere Generationen um genau diesem auf den Grund zu gehen: Was macht die Familientradition mit einem, was will man, was kann man und wie entscheidet man sich.
Im Roman gibt es zum einen die Oma Ruth, die früh in die sehr traditionelle Familie ihres Mannes hineingeheiratet hat. Nach einem Unfall zieht sie mit ihrem Walther in ein Altenpflegeheim und nun ändert sich nach 65 Jahren Ehe (!) die Perspektive und der Zuspruch ihres Umfeld etwas zu ändern. Daher auch der Titel des Romans: Mädelsabend. Dann gibt es den Sohn aus dieser Ehe, der mit seiner Frau Lotte auch früh Kinder bekam und die letzte beschriebene Generation ist Sarah (Ruths Enkelin), die auch wiederum einen Sohn hat mit Lars. Die Figuren sind sehr unterschiedlich, machen verschiedenste Perspektiven auf und geben einem eines mit auf den Weg: jeder macht es anders, jeder hat seinen eigenen Weg und seine eigene Geschwindigkeit mit Veränderungen umzugehen und zu guter Letzt: die Gesellschaft hat sich zum Glück weiterentwickelt, nun muss man die Freiheit für sich selbst interpretieren und sich selbst ein Plätzchen finden, das glücklich macht. Natürlich kann sich das auch ändern und dann sollte man den Mut haben, die Ärmel hoch zu krämpeln und es anpacken.
Das ganze spielt am Niederrhein und man merkt dem Text an, dass die Autorin diese Gegend kennt wie ihre Westentasche.

Das Fazit ist auch zugleich ein Zitat aus dem Roman: „Das Leben ist keine Generalprobe.“ (Seite 365)

Veröffentlicht am 03.12.2018

So lebte es sich 1903 in Stuttgart!

Die Schokoladenvilla
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Um 1900 waren Frauenrechte kein Thema. Frauen heirateten und waren dann komplett von ihren Männern abhängig und ihnen ausgeliefert. Kein Wahlrecht, keine eigenen Konten usw… Stelle man sich das mal vor?! ...

Um 1900 waren Frauenrechte kein Thema. Frauen heirateten und waren dann komplett von ihren Männern abhängig und ihnen ausgeliefert. Kein Wahlrecht, keine eigenen Konten usw… Stelle man sich das mal vor?! Grauenvoll. Und genau das kann man beim Lesen miterleben in der ‚Schokoladenvilla‘ von Maria Nikolai. Es ist eine dramatische Familiengeschichte um Schokoladenfabrikbesitzerfamilie Rothmann in Stuttgart. Es spielt 1903, im Mittelpunkt steht die Tochter des Hauses im heiratsfähigen Alter, die gegen den Patriarchenvater aufbegehrt. Ihre Mutter ist weit weg auf einer Kur am Gardasee und die Zwillingsbrüder treiben viel Unsinn. Und dann ist da noch ein ominöser Mann, der auch eine immer größere Rolle spielt.
Über 600 Seiten Familiengeschichte mit Drama & Liebe im historischen Kontext der Jahrhundertwende um 1900. Hört sich anstrengend an und etwas „too much“? Auf keinen Fall! Ja, natürlich ist das keine hochtrabende Literatur, aber sehr unterhaltsam und wirklich Balsam für die Seele. Ab und an ist das auch was Feines zu lesen.
Was ich schätze ist die unaufgeregte Art wie es erzählt wird, ganz ohne Patos.
Ich freu mich auf die kommenden beiden Bände, da mir die ganze Familie ans Herz gewachsen ist!
Und wer sich in Stuttgart und Degerloch auskennt wird sich über die vielen Orte freuen, die detailiert vorkommen!
Fazit: Leichter unterhaltsamer Roman mit leichtem Spannungsbogen. Wunderbar für die Weihnachtszeit – wenn man sich unter einer kuscheligen Decke auf der Couch verkriechen mag zum Lesen.

Veröffentlicht am 22.11.2018

Frena, Shug, Sheikh Mahshi und Maklouba – schon mal gehört?

Ofirs Küche
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Frena, Shug, Sheikh Mahshi und Maklouba – schon mal gehört? Nee? Eine Idee was das sein soll? Orte? Bauten? Berühmtheiten? Nein! Es sind leckere Gericht aus der israelisch-palästinesischen Küche. Vor Ofirs ...

Frena, Shug, Sheikh Mahshi und Maklouba – schon mal gehört? Nee? Eine Idee was das sein soll? Orte? Bauten? Berühmtheiten? Nein! Es sind leckere Gericht aus der israelisch-palästinesischen Küche. Vor Ofirs Küche kann ich diese Gerichte auch nicht! Und mittlerweile frag ich mich warum – so ignorant kann man doch gar nicht sein.
Jedenfalls hat Ofir Raul Graizer, der eigentlich nicht nur Koch sondern auch Filmregisseur ist, hier ein Kochbuch mit 80 Gerichten zusammengestellt.
Bisher haben wir das leckere Shashuka nachgekocht und einige andere und waren beglückt vom leckeren Essen. Ich bin insgesamt von dem atmosphärisch tollen Buch begeistert Die Fotos passen klasse, die Texte sind wunderbar und bringen Leben in die Gerichte. Die Einführung und die Texte zwischen den Rezepten machen es sehr persönlich und fast zu einem netten Lesebuch.
Aber bei den Gerichten tat ich mich zunächst trotz Glossar am Ende wo das ‚Kochen mit Gewürzen‘ und ‚Kochen mit Kräutern‘ erklärt wird schwer. Warum brauch der Zitrusfrüchtekuchen Canola-Öl? Ja, es ghet auch Sonnenblumenöl! Und wo bekomme ich Matzenmehl her? Alles lösbar und kein großes Problem, aber man sollte sich Bewusst sein, dass man nicht mal kurz liest und im Supermarkt um die Ecke alle Zutaten einsammelt. Und Zeit zum Kochen sollte man auch haben, einige Gerichte haben es zeitlich in sich. Aber wenn man sich „eingearbeitet hat“, wird man reich beschenkt mit neuen Geschmackserlebnissen. Dieses Dressing mit Datelsirup – to die for! Allerdings teilt meine Tochter seine Liebe zur Aubergine nicht….;0)
Alles in allem eine schöne Abwechslung in der Küche und wirklich mal was Neues dabei!

Veröffentlicht am 19.11.2018

Kabul, Stockholm - spannend bis zur letzten Seite!

Vier Tage in Kabul
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Der Thriller „Vier Tage in Kabul“ von Anna Tell ist ein sehr spannendes Debüt geworden. Was für diesen Thriller spricht ist das fundierte Wissen und die Erfahrung auf die die Autorin zurückgreifen kann. ...

Der Thriller „Vier Tage in Kabul“ von Anna Tell ist ein sehr spannendes Debüt geworden. Was für diesen Thriller spricht ist das fundierte Wissen und die Erfahrung auf die die Autorin zurückgreifen kann. Die Autorin ist selbst Kriminalkommissarin und hat viele Einsätze im In-und Ausland absolviert für Schweden, auch als Unterhändlerin ist sie tätig geworden. Also, hier schreibt jemand der weiß wie es in der Realität ist und das merkt man dem Text.
Die Protagonistin, Amanda Lund, Kriminalkommissarin aus Stockholm, ist plausible beschrieben und auch ihre inneren Auseinandersetzungen konnte ich gut nachvollziehen. Das gilt natürlich auch für alle anderen Figuren, die hier auftauche.
Was die „Vier Tage in Kabul“ auch so unterhaltsam macht, sind die kurzen Kapitel und die ständigen Szenenwechsel. Kurz und knapp, gehetzt wie es ist, wenn man 2 vermisste Botschaftsmitarbeiter sucht und noch andere Stränge zunächst Rätselhaft eingeflochten werden. Aber das sei genug gesagt zum Inhalt.
Spannend fand ich persönlich auch, dass trotz Schwerpunkt in Kabul das Schwedische immerzu präsent ist.
Fazit: Unterhaltsamer Reihenauftakt um die Kriminalkommissarin Amanda Lund. Ich werde sicherlich den zweiten Band auch lesen!

Veröffentlicht am 09.11.2018

Spannendes Tierabenteuer für alle kleinen Helden!

Die Eichhörnchenpiraten
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Eichhörnchen vergraben ihre Nüssen überall im Wald, genauso wie diese hier im Buchtenwald. Aber diese Gruppe ist nicht die Schlauste, denn sie erinnern sich an gar kein Versteck und haben nun Sorge den ...

Eichhörnchen vergraben ihre Nüssen überall im Wald, genauso wie diese hier im Buchtenwald. Aber diese Gruppe ist nicht die Schlauste, denn sie erinnern sich an gar kein Versteck und haben nun Sorge den Winter nicht zu überstehen. Gut, dass die Möwe Einauge vorbeischneit und die Idee hat in See zu stechen um auf einer Insel riesige Nüsse zu holen: Kokosnüsse! Und das Abenteuer beginnt…
Die Geschichte ist super spannend geschrieben und die Kapitel sind schön kurz gehalten. Praktisch für Leseanfänger damit es nicht zu lang wird und genauso beim Vorlesen…ein Kapitel mehr geht immer! Vor allem hat jedes Kapitel einen Cliffhanger! Wirklich unglaublich diese Spannungsbögen. Und das Ende hat auch einen ganz gewaltigen Cliffhanger, da MUSS einfach noch ein weitere Band kommen, sonst wäre das zu schade.
In Teilen erinnert das ganzen im positiven Sinne an Jim Knopf und die Wilden 13, wenn sie alle auf einer Insel landen, die Piraten sich mit Rumrosinen voll stopfen und dann die Gefangenen flüchten.
Die Bilder von Derek Roczen sind reichhaltig und ergänzen den Text der Autorin Sibylle Rieckhoff fabelhaft.
Sprachlich in weiten Teilen auch gut getroffen, mir waren die Piraten, auch wenn es natürlich einen rauen und harten Umgang reflektieren soll zu viele negative Wörter enthalten…da ist die „miese Bande“ und „Verdammt, euch gibt es ja auch noch“, dann ist da wieder was „Bäh! Ekelhaft!“ Eine Beobachtung, die uns natürlich nicht vom guten Lesestoff abhält. Sicherlich beim Vorlesen bei 5jährigen auch auffälliger als beim 8jährigen Kind, das selbst liest. Da ist die Prägung schon eine andere. Positiv am Text war die Wortvielfalt, ideal um den kindlichen Wortschatz zu erweitern.
Das Lesealter ist mit 6 bis 8 Jahre angegeben und trifft es für dieses Buch recht gut, ich würde die Untergrenze auf 5 Jahre zum Vorlesen absenken, da reichlich Bilder auch zum Mit-Hineinschauen anregen und die Vorstellungskraft noch stark unterstützt wird.
Fazit: Meine beiden 5jährigen waren begeistert und am liebsten hätten sie immer weiterlesen wollen (also ich vorlesend), da es soooooo spannend war!