Cover-Bild Sechzehn Wörter
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18,00
inkl. MwSt
  • Verlag: btb
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: Generationenroman
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 320
  • Ersterscheinung: 27.03.2017
  • ISBN: 9783442756797
Nava Ebrahimi

Sechzehn Wörter

Roman
Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin 2021

Es gibt Wörter, die wir nicht kennen. Deren Bedeutung wir aber erahnen. Als wären sie immer schon hier gewesen. Als hätten sie schon immer in uns gewohnt. Und manchmal wollen sie endlich ausgesprochen werden.

Als ihre Großmutter stirbt, diese eigenwillige Frau, die stets einen unpassenden Witz auf den Lippen hatte, beschließt Mona, ein letztes Mal in den Iran zu fliegen. Gemeinsam mit ihrer Mutter wagt sie die Reise in die trügerische Heimat. Der Rückflug in ihr Kölner Leben zwischen Coworking und Clubszene ist schon gebucht. Doch dann überredet sie ihr iranischer Langzeitliebhaber Ramin zu einem Abschiedstrip nach Bam, in jene Stadt, die fünf Jahre zuvor von einem Erdbeben komplett zerstört wurde. Und Monas Mutter schließt sich den beiden an. Die Fahrt wird für Mona zu einer Konfrontation mit ihrer eigenen Identität und ihrer Herkunft, über die so vieles im Ungewissen ist. Aber manchmal wird uns das Fremde zum heimlichen Vertrauten. Und über das, was uns vertraut schien, wissen wir so gut wie nichts.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.04.2024

Charaktere zwar etwas unnahbar, aber trotz allem ein tolles Buch

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Das Buch liest sich wirklich gut und schnell, auch wenn ich zu den Figuren keine richtige Bindung aufbauen konnte. Verschiedene persische Wörter werden geschickt in den Text eingebunden und in einem der ...

Das Buch liest sich wirklich gut und schnell, auch wenn ich zu den Figuren keine richtige Bindung aufbauen konnte. Verschiedene persische Wörter werden geschickt in den Text eingebunden und in einem der nächsten Kapitel übersetzt. Das alles passiert sprachlich total elegant und organisch im Laufe der Handlung. Die Geschichte bekommt am Ende einen derartigen Twist, dass es sich eigentlich lohnen würde, das Buch mit dem Wissen gleich nochmal von vorn zu lesen. Ich denke, ich hätte mir für die Charaktere noch etwas mehr Glück/Liebe gewünscht, andererseits soll es vielleicht auch einfach nicht darum gehen, sondern um die Komplexität des Lebens der Protagonistin als Deutsch-Iranerin.

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Veröffentlicht am 09.12.2018

Zeit, die Erinnerung zu überschreiben

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„Von einem neuen Ort angezogen werden allein reicht nicht. Der alte Ort muss einen auch wegschieben. „Ich glaube“, sagte er, nachdem er die Tasse wieder abgestellt hatte, „dass man immer eher weggeschoben ...

„Von einem neuen Ort angezogen werden allein reicht nicht. Der alte Ort muss einen auch wegschieben. „Ich glaube“, sagte er, nachdem er die Tasse wieder abgestellt hatte, „dass man immer eher weggeschoben wird, auch, wenn man glaubt, angezogen zu werden.“


Inhalt


Bereits als Kind kommt die junge Iranerin Mona Nazemi nach Deutschland und wächst dort auf, sie selbst sieht sich als Deutsche und merkt ihre Fremdartigkeit eher in den Verhaltensweisen ihrer Mitmenschen, als in ihrem eigenen Denken. Allerdings erhält sie sich auch die Verbindungen zur Heimat, in der ihre Großmutter immer noch lebt und ihr leiblicher Vater ebenfalls. So anders ist das Leben dort, bietet ganz andere Reize. Für Mona sind es die Besuche in ihrem Heimatland, die sie immer wieder reflektiert und auch die Liebe zu Ramin, einem Iraner, der mittlerweile selbst verheiratet und Vater geworden ist. Es fällt ihr schwer sich ein ständiges Leben im Iran vorzustellen, doch sie liebt auch die dortigen Eindrücke und die Menschen in ihrem Leben. Als ihre Großmutter stirbt, bricht eine elementare Stütze aus der kindlichen Erinnerung weg und Mona reist gemeinsam mit ihrer Mutter in ihr altes Zuhause. Doch bei ihrer Rückkehr nach Deutschland muss sie erkennen, dass es nicht das eine, einzig wahre Leben ist, das sie ihr eigenen nennt, sondern vielmehr eine kleine Facette ihrer Persönlichkeit. Es gibt da eine Mona in Deutschland, doch obwohl sie bestens integriert ist, schleicht sich ihre wahre Herkunft immer wieder in die Gegenwart ein.


Meinung


Die junge Autorin Nava Ebrahimi, schreibt in ihrem Debütroman sehr empathisch und mit viel Fingerspitzengefühl von einem Leben zwischen zwei Kulturen, von gegensätzlichen Erwartungen und konträren Ansprüchen. Dabei versetzt sie den Leser direkt in den Kopf ihrer Hauptprotagonistin Mona, die als Ich-Erzählerin auftritt und deren Erinnerungen so lebendig und eindringlich wirken, dass man meint selbst dabei zu sein. Scheinbar nebenbei erfährt man auch die familiären Umstände, die sie von einer Kindheit in Persien in ein Leben nach Deutschland geführt haben, erkennt die Zwänge denen ihre Mutter ausgesetzt war und die Ansprüche der Großmutter an eine Frau, die es immer noch nicht geschafft hat sich Mann und Kind zuzulegen.

Anders als in vielen Romanen über die Herkunft und die Liebe zur Heimat, bleibt Mona ein sehr sachliches Wesen und trauert ihren verpassten Chancen in einem Leben im Iran nicht nach, auch spürt man die innere Zerrissenheit nicht wirklich, denn ihrer Identität ist sie sich gänzlich bewusst. Das hat mir gut gefallen, weil ich nicht glauben mag, dass ein Leben in der Fremde immer nur mit dem Verlust des Heimatgefühls einhergeht.

Dennoch bleibt die Erzählung hinter meinen Erwartungen zurück, weil mir einfach die klare Ausrichtung fehlt, eine direkte und greifbare Entwicklung, eine Verbindung zwischen der persönlichen Geschichte und der Außenwelt. Alles dreht sich im Kreis, die Erinnerungen speisen den Text und bleiben doch nur eine Abbildung vergangener Zeiten.

Die Verluste, die Trennungen und der von mir erwartete Schmerz, bleiben aus. Mona distanziert sich von Emotionen, sie handelt mit Bedacht und nicht immer mit dem Herzen. Sie lebt einfach irgendwie vor sich hin, nimmt, was sich ihr bietet und denkt ohne große Wehmut an anderes. Man könnte meinen hier einen oberflächlichen Charakter vor sich zu haben, doch das ist es ganz und gar nicht, denn die Tiefgründigkeit ist spürbar und präsent.

Vielleicht ist dieses Verwischen einer klaren Aussage auch das Ziel der Autorin, die sich damit diverse Denkansätze offenhält und ihre Leser nicht in eine bestimmte Richtung drängt, doch genau das hätte ich mir erhofft.


Fazit


Ich vergebe 3,5 Lesesterne (aufgerundet 4) für diesen Roman über eine junge Frau mit fremden Wurzeln und Bindungsängsten in der Gegenwart, die sich hier auf Spurensuche begibt und ihre Erinnerungen ausgräbt, um sie mit neuem Leben zu füllen. Sehr gelungen sind die kleinen, unscheinbaren Momentaufnahmen, die zahlreiche Differenzen zwischen Persien und Deutschland sichtbar machen. Auch sprachlich berührt das Buch, nur bleibt kaum etwas hängen, keine Assoziation, kein Wiedererkennen, kein Schmerz, keine Liebe, keine Endgültigkeit – seltsam unpersönlich bleibt der Text, fragil die Aussage und müsste ich das Buch mit Farben bewerten, so würde ich Grau wählen.

Veröffentlicht am 27.06.2017

Reise in die Vergangenheit, Erinnerungen an die Aufenthalte im Iran - für mich allerdings ohne roten Faden

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Mona ist 34 Jahre alt, eine Journalistin aus dem Iran, die in Köln wohnt. Sie ist in Deutschland aufgewachsen und westlich sozialisiert. Als ihre Maman-Bozorg (Großmutter) stirbt, reist sie zusammen mit ...

Mona ist 34 Jahre alt, eine Journalistin aus dem Iran, die in Köln wohnt. Sie ist in Deutschland aufgewachsen und westlich sozialisiert. Als ihre Maman-Bozorg (Großmutter) stirbt, reist sie zusammen mit ihrer Mutter anlässlich der Beerdigung in den Iran.

Dort lebt auch ihre On-Off-Affäre Ramin, der selbst auch Journalist ist und sie einlädt, mit nach Bam zu kommen. Da sich ihre Mutter im Kreis der trauernden Cousinen nicht wohl fühlt, beschließt sie, mit Mona mitzukommen, schließlich bräuchten die beiden als unverheiratetes Paar - auch wenn sie nur Kollegen seien - eine Begleitung wegen der streng islamischen Sittenwächter.
Mona kann dagegen keine Einwände erheben und so wird die Fahrt nach Bam zu einer Art "Familienausflug", bei dem sie sich des Nachts zu Ramin ins Hotelzimmer schleicht.

Auf ihrer Reise bzw. ihrem Aufenthalt im Iran schwelgt Mona in Erinnerungen, natürlich an ihre Großmutter, die eine sehr selbstbewusste und eigenwillige Frau war, aber auch an ihren Vater, der viel älter als ihre Mutter war und diese im zarten Kindesalter von 13 Jahren geheiratet hat. Auch Monas Vater, der sehr sparsam an Emotionen war und von dem sich ihre Mutter nach wenigen Ehejahren scheiden ließ, ist bereits verstorben.

Der Roman ist in 16 Kapitel untergliedert, deren Aufhänger jeweils ein persisches Wort - von Maman-Bozorg bis Azadi (Freiheit) ist, das näher erklärt wird und das auf irgendeine Art und Weise einen bleibenden Eindruck auf Mona hinterlassen hat oder sie an ihre Besuche im Iran und insbesondere ihre Großmutter erinnert. Die Kapitel sind weder chronologisch aufgebaut, noch stehen sie inhaltlich in einem Zusammenhang.
Für mich waren ihre Gedankensprünge schwer nachvollziehbar, da weder Zeiten noch Orte angeführt waren, mit denen sich innerlich beschäftigte. Auch aus dem Kontext war kaum zu eruieren, ob die Szenen aus der Vergangenheit oder der Gegenwart bzw. von welchen Bekannten oder Verwandten handelten.
Auch wenn die Episoden an und für sich einen Eindruck von Mona und ihrem Leben als Iranerin, die sich weder in Deutschland, aber noch viel weniger im Iran zugehörig fühlt, vermittelten, hatte der Roman für mich keinen roten Faden.

"Sechzehn Wörter" ist einerseits eine Reise in die Vergangenheit und die Suche nach den eigenen familiären Wurzeln, andererseits auch die Darstellung einer jungen Migrantin, die zwar in Deutschland aufgewachsen ist, dort aber als "Muslima" bzw. Iranerin/ Perserin gilt und im Iran als eine Frau aus Deutschland, der die iranischen Sitten und Rituale, angefangen von der Körperpflege, über die Wirkung der heimischen Lebensmittel, nicht geläufig sind.

Was mir in dem Roman zu kurz kam, war die Rolle der Sittenwächter, die Situation der Frau in einem streng religiösen Land, die mit so vielen Einschränkungen verbunden ist und die politische Situation in einer islamischen Republik, die vom einem autoritären, religiösen Führungssystem und einem starken Wächterrat geprägt ist.

Zu viel des Guten empfand ich dagegen die schon fast penetrante Wiederholung des obszönen Schimpfwortes "Kos".