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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.12.2018

Witzig, charmant und unterhaltsam!

Mythos
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Stephen Fry erzählt in seiner üblichen witzigen, charmanten Art die Sagen des klassischen Altertums. So erfährt man warum es keine grünen, blauen oder violetten Menschen gibt, warum es Bienen gibt und ...

Stephen Fry erzählt in seiner üblichen witzigen, charmanten Art die Sagen des klassischen Altertums. So erfährt man warum es keine grünen, blauen oder violetten Menschen gibt, warum es Bienen gibt und warum im Winter keine Pflanzen wachsen.
Er beschreibt das bunte Treiben der griechischen Gottheiten, erzählt die Entstehungsgeschichte der Menschheit, zeigt unglaublich viele Hinweise auf Wörter die sich bis heute auf die Mythen beziehen und wie sehr sie die Literatur bis heute beeinflussen.

Die schiere Menge an Göttern und Göttinnen macht es schwer den Überblick zu behalten, aber Fry gelingt es, durchgängig spannend zu erzählen und durch kurze Einwürfe und Hinweise verliert man auch nicht komplett die Übersicht. Dazu gibt es eine Menge Fußnoten, die zusätzliche Infos und viele Verbindungen zu geläufigen Begriffen, Firmennamen etc zeigen.

Fry gibt einen guten Überblick über die griechischen Mythen und bietet einen guten Einstieg für alle, die schon immer mehr über Artemis, Athene und Hestia erfahren wollten oder über Götter die sich wegen Kleinigkeiten in die Haare kriegen.

Durch seine unterhaltsamen und amüsanten Kommentare wird die manchmal verwirrende Anhäufung von Göttern und deren Abenteuern nie langweilig und macht direkt Lust den Folgeband „Heroes“ - „Helden“ zu lesen!

Veröffentlicht am 02.07.2018

Kein einfaches Buch

Die Unruhigen
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„Die Unruhigen“ ist kein einfaches Buch. Ich musste mich mehrmals während des Lesens bremsen, kurz innehalten und dann weiterlesen, sonst hätte ich zwar die Worte gelesen, aber nichts verstanden. Es ist ...

„Die Unruhigen“ ist kein einfaches Buch. Ich musste mich mehrmals während des Lesens bremsen, kurz innehalten und dann weiterlesen, sonst hätte ich zwar die Worte gelesen, aber nichts verstanden. Es ist die Geschichte einer Familie, die immer nur aus zwei Personen zur gleichen Zeit besteht: Vater + Mutter, Mutter + Tochter, Vater + Tochter, zusammengesetzt aus Gegenwärtigem und Vergangenem. Die Mutter fällt vor allem in ihrer Abwesenheit auf, der Vater mit seinen Regeln und seiner Struktur.

Linn Ullmann beschreibt ihre Beziehung zu ihrem (sterbenden) Vater, später auch zu ihrer Mutter aus wechselnden Perspektiven. Teilweise schreibt sie von sich in der dritten Person, baut Distanz auf und reißt sie im nächsten Moment wieder ein. Die Sprache bleibt dabei aber immer klar und schnörkellos, einfach, aber trotzdem elegant. Der Wechsel zwischen Er/Sie- Perspektive und Ich-Perspektive ist kaum spürbar, erfolgt fließend und stört den Lesefluss überhaupt nicht.

Die Geschichte ist zerstückelt, springt ständig zwischen den Handlungssträngen und -zeiten. Aber durch die gleichbleibende Erzählstimme und die Konstanz des Schreibstils verliert die Leserin den Faden nicht und kann jederzeit wieder in die Geschichte einsteigen.
Gegen Ende bekommt das Buch aber auch Längen, verliert sich in Wiederholungen und teilweise auch unnötigen Details. Die Beschreibung der skandinavischen Landschaft und des Ferienhauses des Vaters ist sehr gut gelungen, sie wirken greifbar und sehr anschaulich.

Ein unruhiges Buch, das aber ruhig und konzentriert erzählt wird, und auch wenn die einzelnen Bestandteile relativ unverbunden nebeneinander stehen, zieht sich das Thema des Romans, nämlich die Beziehung der Tochter zu ihren Eltern, konsequent über 400 Seiten.

Veröffentlicht am 30.05.2018

Wunderschöne Sprache!

Häuser aus Sand
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Häuser aus Sand ist die Geschichte einer Familie, erzählt über 50 Jahre, beginnend 1963 in Nablus. Der Fokus der Geschichte liegt auf den Frauen der Familie, es beginnt mit Salma, am Vorabend der Hochzeit ...

Häuser aus Sand ist die Geschichte einer Familie, erzählt über 50 Jahre, beginnend 1963 in Nablus. Der Fokus der Geschichte liegt auf den Frauen der Familie, es beginnt mit Salma, am Vorabend der Hochzeit ihrer Tochter Alia und endet mit Alia, als alte Frau und Großmutter von vier Enkeln.

Der Inhalt ist schwierig zu beschreiben, da mit jedem neuen Kapitel die Hauptfigur wechselt und die Leserin jedes Mal einer anderen Figur über die Schulter schaut. Der Wechsel erfolgt meistens unvermittelt, manche Dinge werden nur angedeutet und erst viele Kapitel später wieder aufgegriffen und zu Ende geführt. Trotzdem hat man als Leserin das Gefühl eine abgeschlossene Episode zu lesen.

Erzählt wird die Zerrissenheit der Familie, die Handlung wechselt immer wieder den Ort und die Zeit, es ist eine Flucht vor den Unruhen des Nahen Ostens, die mal näher, mal ferner erscheinen. Den Krieg nimmt der Leser vor allem aus dem Fernseher oder durch Erzählungen einzelner Figuren wahr, erst am Ende spürt man die direkten Auswirkungen, erzählt durch die Augen zweier Kinder. Vor allem die jüngere Generation weiß nicht mehr, was ihre Heimat ist: wo sie aufgewachsen sind oder wo ihre Eltern/Großeltern aufgewachsen sind.

Das Buch ist durchweg fesselnd geschrieben, die Figuren lassen einen nicht mehr los und auch wenn es kein Buch ist, das man am Stück verschlingt, ist es definitiv spannend und lesenswert. Die Sprache der Autorin ist klar, poetisch und wunderschön. Man liest mit allen Sinnen, kann die Hitze spüren, die Farben sehen, die Früchte schmecken, die Düfte riechen. Das Buch ist im Präsens geschrieben, aber mit vielen Rückblicken und Zeitsprüngen von bis zu zehn Jahren ausgestattet, die die Sprache abwechslungsreich machen. Es ist kein Buch zum Abschalten sondern eines zum Kennenlernen einer anderen Welt, eines das erinnert anstatt zu vergessen, ein Buch das bewusst macht.

Veröffentlicht am 17.05.2025

Rasant

Killer Potential
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Die Geschichte beginnt rasant – und bleibt über weite Strecken spannend. Im Mittelpunkt steht Evie Gordon, die sich auf der Flucht befindet und dabei einiges durchmachen muss. Die Handlung ist temporeich ...

Die Geschichte beginnt rasant – und bleibt über weite Strecken spannend. Im Mittelpunkt steht Evie Gordon, die sich auf der Flucht befindet und dabei einiges durchmachen muss. Die Handlung ist temporeich und hält die Lesenden von Anfang an in Atem.

Mir hat das Buch insgesamt gut gefallen. Besonders die Erzählweise fand ich angenehm: Die Sprache ist klar und leicht zu lesen, was den Einstieg erleichtert und dafür sorgt, dass man zügig vorankommt. Die Erzählstimme wirkt authentisch und passt gut zur Geschichte. Die Flucht selbst ist spannend erzählt und bietet einige überraschende Wendungen. Auch wenn nicht jede Szene vollkommen überzeugen konnte, hatte die Geschichte insgesamt eine gute Dynamik. Ich habe das Buch relativ schnell gelesen, was für den mitreißenden Stil spricht.

Alles in allem ein solides Buch mit einer spannenden Hauptfigur und einer Handlung, die vor allem durch ihr Tempo punktet. Wer Geschichten mit Flucht, Gefahr und einer starken weiblichen Hauptfigur mag, dürfte hier auf seine Kosten kommen

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Veröffentlicht am 16.11.2024

Eine wilde Fahrt

Strong Female Character
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Bei Fern Brady wird im Erwachsenenalter Autismus diagnostiziert. Davon erzählt sie in dieser Autobiographie. Wir erfahren, wie schwierig es war zur Diagnose zu kommen und wie viel Fern erleben musste um ...

Bei Fern Brady wird im Erwachsenenalter Autismus diagnostiziert. Davon erzählt sie in dieser Autobiographie. Wir erfahren, wie schwierig es war zur Diagnose zu kommen und wie viel Fern erleben musste um dort hinzukommen wo sie heute ist. Auch ihre Familie spielt eine große Rolle und wir erfahren viel über den Umgang ihrer Eltern mit ihr und mit der Diagnose.
Spannend fand ich wie lange eigentlich schon die Diagnose Autismus im Raum stand, aber nicht festgelegt wurde und ihr aufgrund ihrer sozialen Fähigkeiten abgesprochen wurde, Autismus zu haben. Hier bekommen wir einen besonderen Blick in die Erfahrungen von Frauen mit Autismus, die sich ja oft erheblich unterscheidet von Männern mit Autismus.
Der Schreibstil hat mir generell gut gefallen, ich fand es war wie eine wilde Fahrt ohne Pause über eine sehr kurvige und steinerne Straße. Es war durchaus spannend zu lesen, aber ein bisschen atemlos geschrieben und auch zu lesen.
Mir hat Ferns Geschichte gut gefallen, ich fand sie hat alle Seiten ihrer Persönlichkeit gezeigt und das in einer sehr nüchternen Art und Weise. Wenn sie zum Beispiel beschreibt, dass sie Möbel kleinschlägt ist das irgendwie witzig und gleichzeitig zeigt es ja auch wie stark die Belastung für Fern war, nicht zu wissen woher die Überforderung kommt und wie sie damit gut umgehen kann. Alles in allem eine Leseempfehlung!