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Veröffentlicht am 04.02.2019

Anders als „Die Chroniken der Verbliebenen“, aber ähnlich stimmungsvoll

Der Klang der Täuschung
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„Die Chroniken der Verbliebenen“ von Mary E. Pearson waren mein persönliches Lesehighlight aus dem Jahr 2018, da ich sie kurz hintereinander durchgesuchtet und jede Sekunde dabei genossen habe. Dieser ...

„Die Chroniken der Verbliebenen“ von Mary E. Pearson waren mein persönliches Lesehighlight aus dem Jahr 2018, da ich sie kurz hintereinander durchgesuchtet und jede Sekunde dabei genossen habe. Dieser Zusammenklang aus ruhigen, beschreibenden Passagen und dann wieder den actiongeladenen, bei denen einem nur der Mund offenstehen konnte, das war schon einsame Spitze! Daher habe ich mich sehr gefreut, dass „Der Klang der Täuschung“ uns in die Welt zurücklässt, damit wir sie noch mehr erkunden können.

„Der Klang der Täuschung“ spielt einige Jahre nach dem Ende von „Die Chroniken der Verbliebenen“ und dreht sich um Kazi, die als Rahtan für die uns wohlbekannte Lia tätig ist. Man wird sogleich in die Handlung ruckartig hineingenommen und man stellt schnell fest, dass ein eigener kleiner Kosmos aufgebaut wird, der doch unabhängig von der uns bekannten Welt funktioniert. Daher gibt es auch nicht viele Erklärungen zu den Geschehnissen und Figuren der „Chroniken der Verbliebenen“, obwohl natürlich Bezüge da sind. Daher würde ich grundsätzlich schon empfehlen, dass man die erschiene Tetralogie vorher gelesen habe sollte, denn gerade zum Ende hin ist es doch hilfreich, wenn man die Basics parat hat, da sie das Verständnis erheblich erleichtern.

Aber wie gesagt, es ist eigentlich ein neuer Kosmos, den wir kennenlernen, da wir uns von den uns bekannten Königreichen lösen und das Reich der Ballengers kennenlernen. Diese Familiensippe ist in den „Chroniken der Verbliebenen“ nicht aufgetaucht, so dass man wirklich ein zentrales Element hat, das man gänzlich neu entdecken müssen. Auch ansonsten spielen von den bekannten Figuren eher Nebenfiguren eine wichtigere Rolle, wie Eben z. B. Es geht also weniger um Lia, Rafe und Kaden, was ich manchmal schade fand, andererseits aber auch genial, denn ansonsten hätte sehr schnell der Eindruck entstehen können, dass Pearson nur Fan Service leistet, aber das ist nicht der Fall. Sie erschafft neue Geschichten, neue Figuren und die fernen Bezüge zum Bekannten sind nett und müssen auch ausreichen.

Bei den Figuren muss ich sagen, dass zu Kazi sofort eine Verbindung da war, da wir sofort in ihre Vergangenheit auftauchen und auch erfahren, dass Lia große Stücke auf sie hält. Daher erkennt man durchaus, dass zwischen den beiden Parallelen sind, da sie beide sehr mutig und wissbegierig sind, aber alleine von ihrer Herkunft sind sie so unterschiedlich, dass man auch ganz unterschiedliche moralische Vorstellungen feststellt. Die Einführung der Ballengers verläuft etwas holpriger, aber das wird sehr schnell wettgemacht, da vor allem Jase eine echte Perle ist. Da man auch seine Perspektive erfährt, ist man natürlich auch schnell in seinem Denken drin. Auch wenn er und Kazi sich eigentlich in so vielen Dingen gegenüberstehen und man eigentlich glaubt, sich für eine Seite entscheiden zu müssen, sind beide Perspektiven so transparent, dass man für beide mitfiebert.

Zudem ist die Chemie zwischen Kazi und Jase grandios. Es ist wahrlich keine stürmische Liebesgeschichte, die ich ansonsten aus dem NA-Genre kenne, dafür aber eine höchst innige Entwicklung, die von Pearson durch eine wunderbare Wortwahl transportiert wird. Ich bin wirklich hin und weg von den beiden und wie sich die Beziehung zwischen ihnen entwickeln darf. Auch die gesamte Ballenger-Sippe wächst einem ans Herz, obwohl dort so viele unterschiedliche Charakterköpfe vereint sind. Aber bei allen steht die Familie über allem und dieses Gefühl kann ich so gut nachvollziehen, dass ich mich einfach mit ihnen identifizieren musste. Durch diese engen Verbandlungen, die entstehen, ist es auch gemein, dass man beim Fortgang der Handlung merkt, wie viel zwischen den verschiedenen Seiten steht, aber im Grunde haben beide recht, weil sie nachvollziehbare Motive haben. Diese Widersprüchlichkeit und das Wissen, es wird eine große Katastrophe geben, hat mich besonders an diesem Buch fasziniert.

Insgesamt ist „Der Klang der Täuschung“ aber deutlich weniger actiongeladen als „Die Chroniken der Verbliebenen“. Es gibt wenig Szenen, bei denen man vor Spannung an den Fingernägeln knabbert, aber das hat mich doch eher wenig gestört. Denn es wurde nun einmal viel Zeit gebraucht, um die Welt der Ballengers erst zu verstehen. Es geht eher um Zwischenmenschliches als eine Handlung, die stetig vorangetrieben werden muss. Aber da es ja noch einen zweiten Teil gibt, könnte ich mir vorstellen, dass Pearson dort wieder eine andere Taktik wählt. Beim Ende bin ich noch etwas hin- und hergerissen angesichts einer Entwicklung, da sie einerseits zu schnell ging, aber andererseits natürlich auch Vielversprechendes für den Fortgang anbietet. Ich hätte mir aber doch schon einen größeren Boom-Effekt gewünscht!

Fazit: Ich liebe die Rückkehr in die Welt von „Die Chroniken der Verbliebenen“. Wir lernen zwar ganz neue Gegenden und Figuren kennen, aber atmosphärisch ist es das Gleiche und da habe ich mich sofort wieder eingefunden. Die neuen Welten und Charaktere sind alle vielversprechend und die Autorin nimmt sich viel Zeit für diese, so dass man sich nach dem Altbekannten auch gar nicht zu sehr sehnt. Insgesamt gibt es vielleicht etwas zu wenig Action und auch das Ende ist nicht gänzlich mit Wow-Effekt, aber das Gaze kratzt doch wieder gefährlich an den fünf Sternen. Da ich mir auf jeden Fall aber Puffer für den Abschluss der Dilogie lassen will, gebe ich nur sehr, sehr gute vier Sterne!

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  • Cover
  • Atmosphäre
  • Geschichte
  • Charaktere
  • Spannung
Veröffentlicht am 08.01.2019

Swan Song

Der letzte erste Song
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Das ist er nun also: der Abschied, der Swan-Song der „Firsts“-Reihe, die ich wirklich gerne gelesen habe, weil alle einzelnen Geschichten so unterschiedlich waren und doch so ähnlich, weil sie eins gemeinsam ...

Das ist er nun also: der Abschied, der Swan-Song der „Firsts“-Reihe, die ich wirklich gerne gelesen habe, weil alle einzelnen Geschichten so unterschiedlich waren und doch so ähnlich, weil sie eins gemeinsam hatte, die grandiose Freundesclique, die mir so unheimlich viel Spaß bereitet hat. Die Vorfreude auf „Der letzte erste Song“ war natürlich groß, da die Liebesgeschichte von Mason und Grace ja im letzten Band durch den Kuss bei Wahrheit oder Pflicht angeteasert wurde und man, war das ein Kuss! Da musste ich die beiden natürlich erst recht ergründen, zumal bei Mason bis dato hängengeblieben war, dass er stets hinter Jennys Rockzipfel herhängt und weil man von Grace sehr, sehr wenig bisher wusste.

Bereits im Schreibprozess von „Der letzte erste Song“ konnte man bereits mitverfolgen, wie viel Spaß Bianca Iosivioni mit diesem letzten Band hatte und wie sehr sie Gefallen an Mason fand. Das hat mich wirklich sehr gereizt, denn wie oben bereits erwähnt, war bei ihm meist das Problem, dass man sich fragte, warum er sich das Hin und Hergeschubse durch Jenny antut. Daher war es grandios, nun endlich in seinen Kopf gucken zu können und es hat wirklich sehr geholfen, ihn endlich zu verstehen. Nach Abschluss dieses Buches kann ich nun auch absolut verstehen, warum Mason Biancas Herz noch erobern konnte, bei mir hat er es jedenfalls auch geschafft, denn er hat wirklich das Herz auf dem rechten Fleck und ist auf eine perfekte Art romantisch. Mit Grace war der Prozess an sich etwas schwieriger, weil diese Selbstzweifel, die sie hat, natürlich an den Nerven zehren. Aber gleichzeitig kennen wir sie alle, diese Selbstzweifel, in Zeiten von sozialen Medien mehr denn je und daher kann ich nur sagen, so ist es wirklich. Diese Selbstkasteiung, die Grace vorgenommen hat, war sehr authentisch dargestellt und das sehe ich positiver, als die Tatsache, dass man Grace manchmal gerne geschüttelt hätte.

Bei den beiden ist mir auch extrem aufgefallen, dass sie innerhalb der gesamten Reihe vermutlich die süßeste Liebesgeschichte haben. Während bei den restlichen Paaren die Funken regelmäßig regelrecht explodiert sind, ist die Liebesgeschichte von Mason und Grace vor allem ruhig erzählt und dadurch auch auf einem ganz anderen innigen Niveau. Das hat sicherlich auch daran gelegen, dass beide Figuren zu Beginn des Buches vergeben sind, denn ich hatte erst Sorgen, dass wir tiefer in das Thema Betrug einsteigen, was zum Glück aber nicht passierte. Die Beziehungen wurden sauber aufgelöst, auch logisch und stimmig, aber dadurch waren eben auch nicht mehr so viele Seiten für Explosivität da. Das Buch hat auch die wenigsten Sexszenen, aber auch hiermit kann ich gut leben, da sich im Gesamtpaket einfach gezeigt hat, dass es insgesamt noch einmal eine ganz andere Geschichte ist.

Weiterhin fällt auf, das natürlich vor allem im Gegensatz zu „Die erste letzte Nacht“, in der die Dramatik eher schon zu viel war, recht wenig auf dramatische Effekte gesetzt wird. Ansonsten müssen die Figuren immer eine dramatische Vergangenheit haben, die man dann im Laufe der Handlung entdecken muss. Aber Mason z. B. bekommt so ein Drama gar nicht an die Seite, bei ihm hätte man z. B. mit seiner Zeit bei der Armee arbeiten können, aber ich finde es gut, dass das nicht getan wurde. Auch Graces Geschichte ist nicht überdramatisiert und kleinere Rätsel aus ihrer Vergangenheit werden auch recht früh aufgedeckt. Dadurch war insgesamt viel mehr Raum für persönliche Entwicklungen. Das passte als Kontrast zu den anderen Bänden sehr gut.

Was mir aber definitiv gefehlt hat, ist ein viel eindeutigerer Bezug zum Titel. Die Liebe zur Musik und die Darstellung der Proben und Auftritte, das ist alles sehr gut rübergekommen, aber wenn selbst der Klappentext anteasert, dass es vor allem darum geht, dass Mason und Grace Songs miteinander schreiben, dann kommt da eigentlich nichts von rüber. Klar, sie schreiben tatsächlich einen Song zusammen, aber es wird nicht einmal tatsächlich über die Lyrics dabei geredet. Dabei zeigt sich ja am Ende, dass diese eine große Bedeutung haben, weil sie auch für Grace und Masons‘ Beziehung stehen. Dadurch, dass man sie aber nicht wirklich erfährt, bleibt das alles spekulativ. Das Fehlen dieser Lyrics ist wirklich ein Dämpfer in dem ansonsten zufriedenstellenden Abschluss der Reihe.

Fazit: „Der letzte erste Song“ ist ein schöner Abschluss der „Firsts“-Reihe und ist dabei noch einmal überraschend anders als die Vorgänger. Auf großes Drama wird weitgehend verzichtet und die Liebesgeschichte ist eher ruhig und innig erzählt. Als enttäuschend muss ich aber nennen, dass der letzte erste Song nie zitiert wird, das Fehlen springt regelrecht ins Auge.

Veröffentlicht am 03.01.2019

Viel Herzschmerz mit gleich zwei Liebesgeschichten

Dear Life - Lass mich wieder lieben
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An „Dear Life“ hat mich vor allem gereizt, dass die Handlung sich direkt um zwei Paare dreht und ich war wirklich sehr gespannt, wie das verpackt wird, da man im NA-Genre ja ansonsten in der Regel nur ...

An „Dear Life“ hat mich vor allem gereizt, dass die Handlung sich direkt um zwei Paare dreht und ich war wirklich sehr gespannt, wie das verpackt wird, da man im NA-Genre ja ansonsten in der Regel nur ein Pärchen im Fokus hat, während die Entwicklungen der Nebencharaktere ja wirklich nur Nebensächlichkeiten sind. Zudem hat der Klappentext mit dem Dear-Life-Programm bereits angedeutet, dass wir es mit einer tiefergehenden Geschichte zu tun haben würde und diese Mischung fand ich wirklich sehr interessant.

Hervorragend geklappt hat die Einbindung von gleich zwei erzählten Liebesgeschichten. Ich fand es schon echt spannend, dass doch einige Zeit offenblieb, wer von den vier Protagonisten letztlich mit wem anbandeln würde. Das hat schon genug Raum für Spekulationen gelassen, was ich ansprechend fand. An dieser Stelle will ich auch gar nicht verraten, wer letztlich mit wem endet, da das doch einen gewissen Reiz der Geschichte vorwegnehmen würde. Mir haben auf jeden Fall beide Paare sehr gefallen, sogar beide auf einem total gleichen Niveau, was ich sehr selten erlebe, da man immer irgendwie Favoriten hat. Aber die jeweiligen Liebesgeschichten waren so unterschiedlich von der Grundausrichtung her und dabei beide doch so greifbar und intensiv erzählt, dass ich ungerne eine Teilgeschichte als schwächer bezeichnen wollen würde. Zudem weiß ich sehr zu schätzen, dass ich trotz zweier Geschichten nicht das Gefühl hatte, dass eine Geschichte zu kurz gekommen ist. Die Liebesgeschichten sind zur vollsten Zufriedenheit mit perfekten Happy Ends erzählt worden.

Dennoch ist bei der Erzählung etwas zu kurz gekommen, nämlich das Dear-Life-Programm. Gerade am Anfang fand ich es sehr spannend, wie die Protagonisten die einzelnen Schritte durchlaufen, so dass man wirklich einen Heilungsprozess in Gang gesetzt hat, der authentisch und sehr nahbar wirkte. Doch relativ schnell haben sich die Geschichten vor allem abseits der Programms abgespielt. Mir war durchaus bewusst, dass die Entwicklungen sich nicht nur im Seminarraum abspielen können, aber spätestens im letzten Drittel hat das Programm kaum noch eine Rolle gespielt und das fand ich dann nicht konsequent zu Ende erzählt. So kam nämlich überhaupt nicht rüber, was das Programm letztlich bewirkt hat, da die persönlichen Entwicklungen am Ende eher aus den Figuren selbst entstand. Nur gut, dass die Emotionalität auch abseits des Programms kreiert werden konnte. Verbunden mit diesem Kritikpunkt ist auch die Tatsache, dass die Beziehungen der vier Protagonisten untereinander auch verloren gehen. Wir haben am Ende zwei glückliche Paarungen, aber da die vier zusammen die Reise angetreten sind, hätte es mir besser gefallen, wenn man zum Schluss auch genauso geendet hätte.

Fazit: Der bereits emotionale Titel „Dear Life“ löst seine Versprechungen ein, da wirklich eine emotionale Geschichte mit gleich zwei überzeugenden Liebesgeschichten geboten wird. Als kleiner Wehmutstropfen bleibt, dass nicht alle Ansätze konsequent zu Ende erzählt werden, aber das unterscheidet eine sehr gute Geschichte nur von einer perfekten Geschichte, also Klagen auf hohem Niveau.

Veröffentlicht am 27.12.2018

Mischung aus Hochspannung und logischen Löchern

Muttertag (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 9)
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Bei Nele Neuhaus wird wahrscheinlich fast jeder angeben, dass er ihr und ihrer Reihe rund um Pia Kirchhoff/Sander und Oliver Bodenstein mit „Schneewittchen muss sterben“ verfallen ist. Seitdem ist viel ...

Bei Nele Neuhaus wird wahrscheinlich fast jeder angeben, dass er ihr und ihrer Reihe rund um Pia Kirchhoff/Sander und Oliver Bodenstein mit „Schneewittchen muss sterben“ verfallen ist. Seitdem ist viel Zeit ins Land gegangen, aber ich habe stets jeden neuen Band der Reihe sehnsüchtig erwartet. Ich habe auch fleißig die Stimmen anderer wenig begeisterte LeserInnen verfolgt und muss auch eingestehen, dass sich die Fälle meist nach einem sehr ähnlichen Muster entwickeln, da es häufig einen konkreten Verdächtigtenkreis gibt, in dem jeder jeden deckt. Dennoch ist der Schreibstil und die Komplexität der Fälle bewundernswert und ich finde, dass in diesen Aspekten nicht viele der Autorin das Wasser reichen können.

Offensichtlich habe aber nicht nur ich diese Kritik verfolgt, sondern auch Neuhaus selbst, da sie in „Muttertag“ an einer Stelle diese Kritik selbstreflexiv aufnimmt, diesmal bezogen auf ihr stets großes Figurenrepertoire. Sie wägt durch ihre Figuren das Für und Wider ab und man merkt deutlich, dass sich hier das Statement verbirgt, dass viele Aspekte, egal bei welchem Genre, einfach Geschmackssache sind. Dies finde ich auch tatsächlich sehr wichtig und wer eben nicht mit dem Stil von Neuhaus leben kann, der soll sie eben nicht lesen. Kommen wir aber zum angesprochenen Schema F zurück, das auch in „Muttertag“ durch die ehemaligen Pflegekinder eines Toten repräsentiert wird. Schnell ist klar, dass sich der oder die MörderIn innerhalb dieses Kreises befinden muss. Auch wenn man hier also wieder das übliche Handlungsmuster der Autorin erkennen kann, habe ich mich an diesem Stilelement immer noch nicht satt gelesen, da es eben genug Verdächtige gibt, es kann genug spekuliert werden und dadurch, dass der Täter nicht irgendwer sein kann, wird auch dem psychologischen Aspekt der Tat viel Zeit gewidmet und so lese ich meine Krimis am liebsten!

Dennoch ist „Muttertag“ auch irgendwie anders. Man kann es eindeutig als ein Nele-Neuhaus-Kriminalroman identifizieren und dennoch gibt es zwei Aspekte, die mir bei ihr noch nie in dieser Form aufgefallen sind. Mir gefällt eigentlich immer sehr gut, wie intensiv und anschaulich die Ermittlungsarbeiten dargestellt werden und dass sie dadurch stets sehr realistisch wirken. Grundsätzlich ist das in „Muttertag“ auch gegeben, aber gleichzeitig haben sich für mich doch zu viele Logikfehler ergeben. Pia und ihre Kollegen waren sehr viel mit Befragungen beschäftigt und dabei ist mir immer wieder aufgefallen, dass sich wer wann befragt wurde, nicht sinnvoll erschlossen hat. Dort wurden Figuren überhaupt nicht befragt, die aber total offensichtlich auf der Hand lagen. Im Rückblick ist mir natürlich klar, dass man sich mit den entsprechenden Befragungen 200 Seiten mindestens hätte sparen können. Aber wenn das so auffällt, wie unlogisch das ist, ist es einfach nicht geschickt gemacht.

Der letzte Band hat sich ganz um Bodenstein gedreht, mit einem Zeitsprung von drei Jahren sind wir in „Muttertag“ vor allem wieder bei Pia Sander. Pia war schon von Anfang die Figur, in die man sich besser hineinversetzen konnte, von daher hat es mir gefallen, dass es in diesem Band auch so persönlich wurde und vor allem dann auch noch auf eine sehr unerwartete Art und Weise. Die Verwicklungen haben nämlich zu einem Showdown geführt, der aller Erster Sahne war und schon fast eines Thrillers würdig war. Da die Reihe ja bereits auch verfilmt wurde, habe ich sogar mit den DarstellerInnen ein Kopfkino entwickeln können, das spannender nicht hätte sein können. Neuhaus ist zwar wirklich keine zimperliche Erzählerin, aber dennoch habe ich so ein Kampf um Leben und Tod von ihr noch nie so gesehen und das war richtig, richtig stark!

Fazit: Der neuste Streich von Nele Neuhaus, „Muttertag“, ist einerseits ein typischer Band, da er wie immer eine spannende Milieustudie bietet, andererseits war er auch total anders. Die Ermittlungsarbeiten wurden leider stellenweise sehr unlogisch angegangen, dafür war der Showdown so spannend, dass man an den Seiten regelrecht geklebt hat. In jedem Fall bleibt aber, dass auch dieser Kriminalroman eine wirklich gute Unterhaltung darstellt!

Veröffentlicht am 17.12.2018

Autorin stand sich oft selbst im Weg

The Hardest Fall
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Ich bin immer schon ein riesiger Fan von Sportfilmen und –serien gewesen und bin daher immer sehr begeistert, wenn sich entweder Jugendbücher oder NA (das Genre, in dem ich doch am meisten lese) auch immer ...

Ich bin immer schon ein riesiger Fan von Sportfilmen und –serien gewesen und bin daher immer sehr begeistert, wenn sich entweder Jugendbücher oder NA (das Genre, in dem ich doch am meisten lese) auch immer mal wieder einer Sportart widmen. Zuletzt war das u. a. Sarina Bowen mit ihrer Ivy-Years-Reihe, in der aber erst im dritten Band Eishockey wirklich als Teil der Handlung zur Geltung kam. Dadurch hatte ich aber Blut geleckt und habe dadurch zielsicher „The Hardest Fall“ von Ella Maise ins Auge gefasst, wo schon das süße Cover verrät, dass es auch um Football geht.

Eine riesige Stärke dieses Buches möchte ich gleich ganz an den Anfang stellen, weil ich wirklich fasziniert war, wie sehr mich die Chemie von Zoe und Dylan in ihren Bann ziehen konnte. Ich glaube sogar, dass die beiden als Einzelfiguren total daneben hätten sein können, aber zusammen waren sie so eine Einheit, dass ich gerne in die Seiten gekrochen wäre, nur um diese intensiv erzeugten Gefühle zwischen den beiden noch näher erfahren zu können. Verbunden mit dieser enormen Stärke geht aber auch schon der erste Stolperstein einher. Oftmals findet man in NA-Büchern ein gutes Gleichgewicht von Dialogen und inneren Monologen und meistens stehen diese auch jeweils eher für sich. Maise hat nun einen Stil, bei dem Dialoge durch ellenlange innere Monologe unterbrochen werden, so dass man den Faden für die Inhalte des Dialogs verliert. Gerade zu Beginn des Buchs hat mich das sehr irritiert. Mich hätte es vermutlich sogar tierisch genervt, wenn eben diese Verbindung zwischen Zoe und Dylan nicht gewesen wäre, die das gut ausgleichen konnte. Im Verlauf des Buches ist mir dieses stilistische Element auch nicht mehr so stark ins Auge gesprungen, vermutlich hat sich da schon Gewohnheit eingesetzt.

Ein weiteres Auf und Ab gab es schließlich noch in der Frage, wie realistisch/unrealistisch diese Geschichte ist. So ist die Darstellung von Beziehungen mit Nebenfiguren meist sehr, sehr authentisch dargestellt. Gerade die Beziehung von Zoe zu ihrem Bruder Chris, die erst mit über 20 Jahren von ihrem verwandtschaftlichen Verhältnis erfahren haben, ist perfekt erzählt. Dort gibt es eine überspringende Freude, sondern viel Bedacht, sich tatsächlich erstmal kennenzulernen. Zudem ist in Form von Kayla, Zoes bester Freundin, eine toxische Beziehung dargestellt, die ebenfalls mit viel Fingerspitzengefühl dargestellt ist. Dann wiederum ist aber das Drama, das Zoe und Dylan vor eine Beziehungsprobe stellt, so künstlich und unrealistisch erzeugt, dass ich wieder fluchen konnte. Meistens findet man bei AutorInnen entweder den Hang zum Realismus oder eben zum Gegenteil, aber selten so ein Mischmasch. So wird einer richtig guten Lektüre eben doch ein gewichtiger Teil genommen.

Abschließend komme ich noch auf die Darstellung der Sportart zu sprechen, da ich sie in meiner Einleitung so explizit angesprochen habe. Die Darstellung vom Football war gut gelungen. Vielleicht hätte die ein oder andere Sicht von Dylan auf seine Sportart noch das gewisse Extra gehabt, aber es durch Zoes Augen zu erleben, die bis dato wahrlich kein Football-Fan war, war passend, da dadurch auch genau die richtigen Emotionen erzeugt werden. Zum Schluss gibt es ja auch noch die Draft-Auslosung, man sieht also, dass die Sportart wirklich gut integriert war, so stelle ich mir das immer vor!

Fazit: Eine sehr, sehr gute Lektüre wurde leider dadurch ausgebremst, dass die Autorin sich bei kleineren Aspekten selbst im Weg stand. So hat sie leider einen Stil, bei dem interessante Dialoge durch jede Menge inneren Monolog unterbrochen werden, aber wenigstens gewöhnt man sich daran. Zudem füllt sie zwischen unrealistisch und realistisch eine ganze Skala aus. Das ist wirklich schade, da die dargestellte Beziehung des Pärchens ansonsten nahezu perfekt ist!