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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.10.2016

Tränen aus Blut (3,5 Sterne)

Post Mortem - Tränen aus Blut
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„Komm nach Hause und räche dich an denen, die uns getötet haben.“
So lautet die Nachricht, die Avram Kuyper nach Jahren wieder auf den heimatlichen Hof bringt. Dort bietet sich ein grausliches Bild, Blutspuren ...

„Komm nach Hause und räche dich an denen, die uns getötet haben.“
So lautet die Nachricht, die Avram Kuyper nach Jahren wieder auf den heimatlichen Hof bringt. Dort bietet sich ein grausliches Bild, Blutspuren im Stall, der Hofhund angeschossen und die Familie seines Bruders spurlos verschwunden. Avram macht sich auf die Suche.
Gleichzeitig ist auch Emilia Ness einer Nachricht gefolgt. Ein einsamer Reisender wurde ermordet aufgefunden; seine letzten Worte richteten sich an Emilia, die den Unbekannten jedoch nicht zu kennen scheint.

Tränen aus Blut ist der Auftakt zur Thrillerreihe um Ness und Kuyper. Die beiden Charaktere sind dem Autor gut gelungen, Avram war mir jedoch immer der Sympathischere. Vielleicht auch, weil ihm nicht ständig der sexuelle Frust in die Quere kam ; ) Die Handlung ist recht spannend, gerade durch den Perspektivwechsel zwischen Emilia und Avram liest sich das Ganze sehr flüssig. Die Spannung wird gut gehalten und so ist es auch zu verschmerzen, dass die Ermittler manchmal etwas länger brauchen um zwei und zwei zusammenzuzählen. Nicht immer ist die Story ganz stimmig, doch kleine Fehler und Ungenauigkeiten lassen sich gut verschmerzen. Insgesamt hat mich Rodericks Debut gut unterhalten; Band zwei liegt bereit und will bald gelesen werden.

Veröffentlicht am 09.10.2016

Wetten, dass?

Reise um die Erde in 80 Tagen
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Ein Zeitungsartikel ist an einer ganz besonderen Reise Schuld, wird dort doch berichtet, dass die Erde in knapp 80 Tagen zu umrunden sei. Im Gentlemansclub wird fleißig diskutiert und schlussendlich macht ...

Ein Zeitungsartikel ist an einer ganz besonderen Reise Schuld, wird dort doch berichtet, dass die Erde in knapp 80 Tagen zu umrunden sei. Im Gentlemansclub wird fleißig diskutiert und schlussendlich macht sich Phileas Fogg auf den Weg um den Beweis anzutreten. Immer dabei, sein frischgebackener Diener Passepartout…

Ich hatte mir oft ein bisschen mehr Abenteuer gewünscht, die Reise ist unterm Strich doch nicht ganz so exotisch wie erwartet. Land und Leute lernt man meist nur durch nüchterne Fakten kennen (Berg x ist y Meter hoch etc.), oftmals wird an spannenden Orten nur schnell das Transportmittel gewechselt und Jules Verne verzichtet auf nähere Beschreibungen. Nur Passepartout scheint sich wirklich für das Leben der Menschen und fremde Kulturen zu interessieren, Fogg ist des Öfteren lieber ins Kartenspiel vertieft. Überhaupt ist Passepartout die heimliche Hauptfigur des Romans, ihn lernt man wesentlich besser kennen als den Londoner Fogg. Dieser ist zwar immer und überall der perfekte Gentleman, dabei wirkt er aber oft sehr kalt. Da war mir der lebhafte Passepartout doch der genehmere Reisegeselle. Vernes Roman ist auch in der Neuübersetzung angenehm zu lesen und macht Lesefreude, trotzdem hatte ich mir von der abenteuerlichen Reise etwas mehr Abenteuer erhofft.

Veröffentlicht am 02.10.2016

Vier Jahre

Justins Heimkehr
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Vier Jahre war Justin verschwunden. Vom Erdboden verschluckt. Zum Skaten aus dem Haus gegangen und nie wieder gekommen. Der Verlust und die Ungewissheit haben an seiner Familie genagt, die Eltern haben ...

Vier Jahre war Justin verschwunden. Vom Erdboden verschluckt. Zum Skaten aus dem Haus gegangen und nie wieder gekommen. Der Verlust und die Ungewissheit haben an seiner Familie genagt, die Eltern haben sich entfremdet. Da taucht der Teenie auf einmal wieder auf und nichts ist wie Früher.

Wenn man das eigene Kind verliert, ist das schrecklich. Wenn man aber nicht genau sagen kann wie und warum, ist das noch viel schrecklicher. Johnston hat dieses Szenario meisterhaft erzählt, die unterschiedlichen Reaktionen der Familienmitglieder fand ich sehr realistisch dargestellt. Die Ängste und Sorgen, aber auch die große Freude und Erleichterung. Der Autor zeigt auch, dass mit der Heimkehr nicht etwa wieder alles in Ordnung ist, sondern dass viele Probleme hier erst ihren Ursprung haben. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven der Familienmitglieder erzählt, leider jedoch nie aus Justins; so bleibt der dem Leser etwas fremd, vielleicht genau so fremd wie er der eigenen Familie geworden ist. Der Erzählstil hat mir sehr gut gefallen, nicht zu emotional, jedoch mit dem nötigen Feingefühl. Ein gelungener Roman, der nachdenklich macht.

Veröffentlicht am 21.09.2016

Drehtür

Drehtür
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Die Mittsechzigerin Asta hat den Großteil ihres Lebens als Krankenschwester in Ländern der Dritten Welt gearbeitet. Nun ist sie etwas unfreiwillig wieder in Deutschland gelandet, steht vor der Drehtür ...

Die Mittsechzigerin Asta hat den Großteil ihres Lebens als Krankenschwester in Ländern der Dritten Welt gearbeitet. Nun ist sie etwas unfreiwillig wieder in Deutschland gelandet, steht vor der Drehtür zum Flughafen. Der Blick schweift, die Gedanken auch, so reicht weiß Asta nicht wohin mit sich. Und so beobachtet sie ihre Mitmenschen und meint so manchen wiederzuerkennen.

Lange-Müller erzählt nicht chronologisch, schweift mal in die eine, mal in die andere Richtung ab. Kurze Episoden, z.T. noch nicht einmal große Meilensteine in Astas Leben, bringen diese dem Leser doch nah. Asta ist nicht unbedingt eine Protagonistin zum Mitfühlen. Hinter der rauen Schale verbirgt sich ein rauer Kern, eine zerrissene Seele und eine sehr missmutige Stimmung. Asta ist an diesem Punkt in ihrem Leben gescheitert und so ist auch der Ton, der sich durch die Geschichte zieht eher drückend. Nicht nur über Leben, Land und Leute sinniert Asta, sondern auch immer wieder über die deutsche Sprache, die ihr, nach alle den Jahren im Ausland, immer wieder fremdartig anmutet. Diese Gedankenspiele haben mir sehr gut gefallen, sie schärfen den Blick. Leider hat Lange-Müller es nicht geschafft, den Faden mit dem die Episoden verwoben sind, etwas kräftiger zu gestalten, im Endeffekt reihen sie sich etwas lose aneinander und auch das Ende fand ich etwas enttäuschend.

Veröffentlicht am 19.09.2016

Ehefrau Nummer Sechs erzählt

Die zwölfte Nacht
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Henry VIII ist für vieles bekannt, v.a. aber auch für seinen Verschleiß an Ehefrauen. Charlotte Lyne hat sich Ehefrau Nummer Sechs vorgenommen und erzählt von Catherine Parrs Leben vor, mit und nach Henry. ...

Henry VIII ist für vieles bekannt, v.a. aber auch für seinen Verschleiß an Ehefrauen. Charlotte Lyne hat sich Ehefrau Nummer Sechs vorgenommen und erzählt von Catherine Parrs Leben vor, mit und nach Henry. Immer an ihrer Seite stehen die Seymours, die ebenfalls die englische Geschichte prägten.

Im damaligen England gab es den Brauch, die zwölfte Nacht nach Heiligabend groß zu feiern. Lyne nimmt immer wieder Bezug auf diese Nacht, lässt Catherine Aufregendes und Aufwühlendes erleben, erzählt ihre Geschichte in zwölf Kapiteln. Dieser Kniff hat mir sehr gut gefallen, denn der Geschichte wird so ein sehr schöner Rhythmus gegeben. An den Schreibstil musste ich mich erst ein wenig gewöhnen, Lyne schreibt hier etwas altmodisch. Trotzdem habe ich mich bald eingefunden und bin Catherine gerne durch die Seiten gefolgt. So ganz nah kam man ihrem Charakter nicht, trotzdem fand ich sie sehr sympathisch und bin jetzt etwas schlauer, was die letzte von Henrys Frauen an begeht. Man merkt die gründliche Recherche, denn das gezeichnete Bild dieser Epoche ist sehr lebendig und authentisch gelungen. Von kleinen Längen mal abgesehen, hat mich Die zwölfte Nacht sehr gut unterhalten.