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Veröffentlicht am 15.02.2019

Spannender Pageturner

Der Rote Stab von Macao
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Es handelt sich um den 4. Band mit der kanadisch-chinesischen Wirtschaftsprüferin, Kosmopolitin und Geldeintreiberin Ava Lee als Protagonistin. Dieses Mal ist die eigene Familie betroffen. Ihr Halbbruder ...

Es handelt sich um den 4. Band mit der kanadisch-chinesischen Wirtschaftsprüferin, Kosmopolitin und Geldeintreiberin Ava Lee als Protagonistin. Dieses Mal ist die eigene Familie betroffen. Ihr Halbbruder Michael und sein Partner haben sehr viel Geld in Immobiliengeschäfte investiert und nun läuft einiges aus dem Ruder. Der Markt von Macao, das Las Vegas des Ostens, war für sie eigentlich eine sichere Nummer bezüglich Immobilienanlagen, aber sie geraten in eine Welt des organisierten Verbrechens, der Korruption und der Triaden. Ihre Geschäftspartner stellen zusätzliche Geldforderungen, die beiden geraten in eine Falle und Simon wird entführt. Unterstützt wird Ava bei diesem Auftrag am Ende doch von Onkel Chow mit seinen unschätzbar wertvollen Verbindungen. Außerdem von Amanda, der Freundin von Michael, die unter Umständen auf einen reichen Vater zurückgreifen könnte und von May Ling, einer der sehr reichen Geschäftsfrau, sowie von Onkels Bodyguard und seinen Männern, die gnadenlos, gutherzig und loyal sind. Wegen der Entführung steht das ganze Unternehmen unter einem starken Zeitdruck. Die Frage ist nun, schafft es Ava, den guten Ruf und die Existenz ihrer Familie zu retten? Schaffen Ava und Michael es, den Vater aus der Geschichte herauszuhalten? Wie sieht es mit den Zukunftsaussichten für Michael innerhalb der Familie aus? Und kann Simon befreit werden?



In diesem Band geht es eine Spur schärfer zu als in den Vorgängerbänden. Da die Triaden nicht zimperlich im Umgang sind, stellt sich auch der weibliche James Bond, Ava, darauf ein. Sie ist zwar zart wie eine Lotusblüte, aber hochintelligent und eisenhart. Vor allem wurde sie in Kanada katholisch und chinesisch erzogen. Ich finde man merkt dies besonders in dem respektvollen Umfang mit ihrer Mutter und dem weisen Onkel Chow. Ihre angewandten Methoden in diesem Fall sind nicht immer legal. Es werden Gefallen eingefordert, größere Summen wechseln ihre Besitzer und es wird scharf geschossen.

Und auch in Band 4 merkt man, daß der Autor über profundes Wissen über China, seine Mentalität und Kultur verfügt. Man spürt es bei allem was er schreibt und wie er die Geschichte vorantreibt.

Für mich wieder ein fesselndes Lesevergnügen!

Veröffentlicht am 30.01.2019

Ein spannender Pageturner

Die Wasserratte von Wanchai
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Zum Auftakt dieser neuen Serie bekommt Ava Lee den Auftrag, Andrew Tams verschwundene 5 Mio. Dollar wieder zu beschaffen. Er hatte mit einem Lebensmittelkonzern Geschäfte vereinbart und wurde betrogen. ...

Zum Auftakt dieser neuen Serie bekommt Ava Lee den Auftrag, Andrew Tams verschwundene 5 Mio. Dollar wieder zu beschaffen. Er hatte mit einem Lebensmittelkonzern Geschäfte vereinbart und wurde betrogen. Der Kontakt kam über ihren Onkel zustande. Der Onkel ist nicht blutsverwandt, sondern im Sinne des chinesischen Verständnisses. Der Leser begleitet Ava auf ihrer äußerst spannenden und auch gefährlichen Tour durch Kanada, Asien und die Karibik. Die Reisen, ihre Kontakte, die Schauplätze und ihre Handlungen werden bildhaft beschrieben, man fühlt sich mit einbezogen. Die Erläuterungen zu dem Verschwinden der Shrimps und den finanziellen Zusammenhängen des Betruges werden gut nachvollziehbar beschrieben. Und auch beim endgültigen Abgang zeigt Ava ihre Cleverness.

Ava Lee als Protagonistin ist eine Akteurin nach meinem Geschmack, ihr Privatleben spielt in diesem Krimi keine große Rolle, es wird nur in einigen Sätzen erwähnt. Kurz einige Details zu ihrer Person. Sie ist Wirtschaftsprüferin aus Toronto mit chinesischen Wurzeln, Anfang 30, gut aussehend, clever, tough, lesbisch, durchtrainiert, beherrscht die Kampfkunst Bak Mei, spricht diverse Sprachen, vor allem auch Kantonesisch und Mandarin. Sie ist gut situiert, dadurch klingen ihre Designerklamotten und der Schmuck authentisch. Einige Gewohnheiten ihrer Kindheit hat sie beibehalten, beispielsweise die gefüllte Thermoskanne, den Reiskocher, Frühgebete und Gymnastik, sowie Respekt und auch Achtung in der Zusammenarbeit mit Onkel. Sie ist gut ausgerüstet, hat zwei Pässe und diverse SIM-Karten. Ihre Mutter lernt man als verrückte Nudel kennen, die genau weiß was sie will, vor allem hinsichtlich des Vaters von Ava, denn sie ist seine Zweitfrau.

Sehr gut gefallen haben mir die Beschreibungen der chinesischen Mentalität sowie die Verpflichtungen und deren Einforderung unter Schicksalsfreunden, was immer wieder ein Thema darstellt.

Es handelt sich hier um keinen 08/15-Krimi, sondern um ein fesselndes Buch von der ersten bis zur letzten Seite. Die Serie ist für mich schon im Januar ein Highlight für 2019!

Veröffentlicht am 08.01.2019

Feindliche Übernahme

Wovon du nichts ahnst
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Sarah Havenant, Ärztin, lebt mit ihrem Mann Ben und den Kindern Miles, Faye und Kim sehr glücklich und zufrieden in dem kleinen, überschaubaren Ort Barrow/Maine. Eines Tages kommt eine frühere Schulkameradin ...

Sarah Havenant, Ärztin, lebt mit ihrem Mann Ben und den Kindern Miles, Faye und Kim sehr glücklich und zufrieden in dem kleinen, überschaubaren Ort Barrow/Maine. Eines Tages kommt eine frühere Schulkameradin zurück in den Ort, schickt ihr bei Facebook eine Freundschaftsanfrage und informiert sie über ein zweites Profil von Sarah mit ganz aktuellen Bildern. Darüber ist sie erst verwirrt und besorgt, Ben ihr Ehemann hält das Ganze für einen Scherz. Ihrer Nachbarin Jean schüttet sie auch ihr Herz aus und sie versuchen zu eruieren, wer dahinter stecken könnte, vor allem wer die Möglichkeit hätte, derart aktuelle Bilder von der kleinen Familie zu posten. Die Angelegenheit wird immer brenzliger als ein toter Fisch vor der Haustüre deponiert wird, aber dann ist das zweite Profil gelöscht und Sarah hofft auf Ruhe. Leider war das ein großer Irrtum, die seltsamen Ereignisse häufen sich, Wahrheiten kommen ans Licht und am Ende zweifelt selbst Ehemann Ben an seiner Frau und denkt über ein krankhaftes Verhalten nach. Sie versuchen sogar durch eine Englandreise den Angriffen zu entkommen, leider ohne Erfolg.

In einem zweiten Strang erfährt man von Vorkommnissen aus der Vergangenheit und in einem weiteren Strang kommt der Täter zu Wort. Er trieb das Stalking so lange voran, bis aus seiner Sicht der Fisch an der Angel hing. Diesen Part fand ich besonders perfide.

Die Lage wird für Sarah lebensbedrohlich und plötzlich erhält sie Hilfe von einer unerwarteten Seite. Kurz vor dem Finale kann der Leser auch den Strang aus der Vergangenheit richtig zuordnen.


Ich habe bereits ein Buch des Autors gelesen (Jeden Tag gehörst du mir) und schon dort spielte Cyberkriminalität eine große Rolle. Auch in diesem Thriller schafft er es, das Spannungsniveau bis zum Ende hoch zu halten und mich hatte er damit sofort an den Angel. Die Figuren hat er sehr gut charakterisiert, hat sie realistisch beschrieben und ließ sie nachvollziehbar handeln. Man kann sehr gut die Ängste, die Beklemmung und die Bedrohung spüren, die Sarah durchlebt, aber ebenso die Zweifel von Ehemann Ben. Die Atmosphäre und die Schauplätze werden bildhaft beschrieben, man fühlt sich als Leser mittendrin. Aber selbst ein befreundeter Polizist kann ihnen nicht helfen, denn es passiert nichts Strafbares! Hier merkte man ganz deutlich, wie das Internet bzw. Social Media für den einzelnen bedrohlich werden kann und ihn möglicherweise fast in den Wahnsinn treibt.
Der Schreibstil dieses Psychothrillers ist flüssig zu lesen, er war für mich fesselnd und ich habe ihn tatsächlich in einem Rutsch gelesen.


Dieser Thriller hat mich wieder voll überzeugt und ich empfehle ihn gerne weiter!

Veröffentlicht am 28.12.2018

Solveig und ihr Versprechen

Die Frauen vom Löwenhof - Solveigs Versprechen (Die Löwenhof-Saga 3)
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Sören und Solveig sind auf dem Weg zum Löwenhof, um ihre bevorstehende Hochzeit zu verkünden, jedoch verunglückt Sören bei einem Autounfall tödlich. Solveig versinkt daraufhin in ihrer Trauer. Das Studium ...

Sören und Solveig sind auf dem Weg zum Löwenhof, um ihre bevorstehende Hochzeit zu verkünden, jedoch verunglückt Sören bei einem Autounfall tödlich. Solveig versinkt daraufhin in ihrer Trauer. Das Studium der Veterinärmedizin hat sie abgeschlossen als wieder einmal Geldsorgen den Löwenhof stark belasten und sie ist gefordert. Wie sie, die Familie, neue Geschäftspartner, Freunde mit dieser Situation umgehen und welche innovativen Ideen helfen sollen, das sind die Themen dieses Bandes, die ich aber nicht näher ausführen möchte. Darüber hinaus gibt es Wiedersehen Figuren aus den Vorgängerbänden, z.B. mit Marit und leider auch mit Magnus.


Dieser 3. Band der Trilogie startet im Jahr 1967 und endet 1972. Im Mittelpunkt steht Solveig, die Tochter von Mathilda und Enkelin von Agneta. Das Cover wurde passend zu den beiden Vorgängerbänden gestaltet.

Ich hatte mich auf diesen Abschlussband sehr gefreut, allerdings hatte ich zu Beginn meine Schwierigkeiten. Der Anfang war stark emotional geprägt von der Trauerarbeit Solveigs um den Verlust ihres Verlobten und einiges war mir zu sehr vorhersehbar. Aber dann drehte sich die Geschichte und es wurde wieder spannend. Es ging auf und ab, sowohl in der Liebe als auch geschäftlich. Es mussten neue Wege gefunden und beschritten werden, um den Löwenhof zu retten bzw. zu erhalten. Aber Solveig erwies sich als starke und mutige Frau, die ihrer Mutter und Großmutter in nichts nachstand.

Die Autorin hat einen Schreibstil, der sich flüssig lesen lässt. Die Figuren hat sie sehr gut gezeichnet und die Schauplätze so bildhaft beschrieben, daß ich mich als Leserin mitgenommen fühlte auf den Löwenhof mit seinen Pferden und den Ländereien. Auch die Handlungen der Personen wirkten realistisch und authentisch.

Es empfiehlt sich unbedingt, diese Trilogie in der richtigen Reihenfolge zu lesen, um die verwandtschaftlichen Verhältnisse richtig einordnen zu können. Und wer bisher Band 1 und 2 gerne gelesen hat, der muß Band 3 lesen!

Veröffentlicht am 21.12.2018

Ein eindringliches, spannendes und wichtiges Buch

Jahre aus Seide
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Der erste Band der Trilogie beginnt im unbeschwerten Jahr 1926 und der Leser lernt Ruth Meyer und ihre Familie kennen. Der Vater ist mit seiner Schuhkollektion während der Woche unterwegs und Martha, die ...

Der erste Band der Trilogie beginnt im unbeschwerten Jahr 1926 und der Leser lernt Ruth Meyer und ihre Familie kennen. Der Vater ist mit seiner Schuhkollektion während der Woche unterwegs und Martha, die Mutter, umsorgt die beiden Töchter Ruth und Ilse. Mit ihrer eigenen Mutter hat Martha ein eher problematisches Verhältnis, aber mit den Schwiegereltern versteht sie sich ausgesprochen gut. Nachdem es dem Ehepaar Meyer finanziell gut geht, planen sie den Neubau eines Einfamilienhauses mit Garten in einer ruhigeren Gegend. Martha geht vollkommen in der Planung und der Organisation ihres Haushalts auf. Man lernt Martha als sehr liebevolle Mutter kennen und ein Satz von ihr spricht Bände „Wenn es den Kindern gut geht, geht es mir auch gut“. Nach dem Umzug wird Personal eingestellt, hier zeigt Martha ein glückliches Händchen und verhält sich gegenüber ihren Angestellten sehr freundlich und verständnisvoll. Eine ganz besondere Beziehung baut sich zwischen dem Chauffeursehepaar Aretz und Familie Meyer auf. Das geht so weit, daß die beiden Familien gemeinsame Urlaube verbringen. Kaum im neuen Haus eingezogen, freundet sich Tochter Ruth mit dem Nachbarsmädchen Rosi an und hält sich im Haus des Kaufmanns Merländer sehr gerne auf. Dort lernt sie sehr viel über Stoffe, das Schneidern und die Kunst. Ihre Freundschaft mit Rosi geht sogar so weit, daß Ruth beim Christbaumschmücken hilft und Martha nun auch Tannenzweige in eine Vase stellt. Sie schafft damit die Verbindung von Chanukka und Weihnachten. Es scheint alles bestens bis zu dem Tag als braune Wolken am Himmel aufziehen, Hitler Reichskanzler wird und einige jüdische Familien in ihrer Not eine Auswanderung nach USA oder Palästina in Betracht ziehen. Opern- und Schwimmbadbesuche sind nicht mehr möglich. Familienvater Karl Meyer kauft noch ein Wochenendhäuschen am Rhein, in das sie sich mit ihren Freunden zurückziehen können. Ruth ist aufgeweckt und darf als einziges Mädchen ins Lyzeum, allerdings wird sie wegen ihrer jüdischen Familie bei den Benotungen oftmals benachteiligt. Sie muß sich von ihrer Familie trennen und lebt nun im weit entfernten Bayern. Ebenso diskriminiert wird Martha bei ihrer Führerscheinprüfung und es geht ihr mittlerweile deutlich sichtbar an die Gesundheit. Ihre Welt wird immer bedrohlicher und dieser Band endet mit den Gräueltaten am 10.11.1938!

Dieser ist nur ein ganz kleiner Abriß der Geschichte. Ein Tagebuch als Zeitzeugnis war die Basis für diesen Roman. Ulrike Renk hat die Aufzeichnungen ergänzt, um diesen dramatischen ersten Band zu schreiben. Mehr Details dazu erklärt sie im Nachwort. Es handelt sich um kein Wohlfühlbuch, dazu ist das Thema nicht geeignet, es zeigt aber in aller Deutlichkeit, was nie mehr passieren darf. Durch das bewusste Herausgreifen einer einzelnen Familie samt ihren Gefühlen und Ängsten, das der Leser hier erlebt, ist es besonders eindringlich, berührend und bewegend. Die Figuren wurden liebevoll charakterisiert, auch die Örtlichkeiten und die Atmosphäre wurden so bildlich beschrieben, daß ich als Leser völlig eintauchen konnte und auch die Jugendsprache wirkte authentisch. Die beklemmenden Zustände und die beginnende Bedrohung für die jüdische Bevölkerung wurden gut vermittelt und waren für mich deutlich spürbar.

Ich habe bereits die Australien-Schwestern und die Ostpreußen-Saga gelesen und auch mit diesem Buch hat mich die Autorin wieder begeistert. Es ist spannend geschrieben und ich habe es innerhalb kürzester Zeit gelesen. Jetzt heißt es warten auf den nächsten Band „Zeit aus Glas“. Von mir gibt es auf jeden Fall eine Leseempfehlung!